Test: Design Town

  • VonSebastian Hamers
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Spätestens seit der Zeit des guten alten Sim City, probieren sich Spieler immer wieder gerne als Bürgermeister einer Stadt. Das Ziehen von Straßen, der Aufbau von Wohnhäusern, Industrie und Gewerbe und natürlich der Wuselfaktor dieser Spiele strahlen bis heute eine Faszination auf uns aus. Sim City funktioniert aber nicht nur in der digitalen Variante. Mittlerweile tummeln sich auch etliche Brett- und Kartenspiele im Handel, die sich diesem Thema angenommen haben. In diese Kategorie fällt auch das neue Design Town, ein Kartenspiel aus dem Hause Pegasus, das seit Herbst im Handel steht.

Design Town kommt in einer recht kleinen Schachtel daher und kommt mit gerade einmal 108 Karten als Spielmaterial aus. Die Größe des Pakets sollte aber euch aber keineswegs glauben lassen, dass ihr es hier mit einem schnellen Spielchen für Zwischendurch zu tun habt. Das Regelwerk ist zwar auf dem ersten Blick ebenso überschaubar wie die Fülle des Spielmaterials, dennoch bietet Design Town viel Tiefgang und lädt dazu ein, sich immer neuer Strategien auszudenken.

Die Stimme des Volkes

Als Bürgermeister einer kleinen Stadt, ist es natürlich euer erstes Ziel, möglichst schnell zu einer Metropole zu wachsen. Eure Bürger beobachten eure Wachstumspläne allerdings mit Argwohn. Zieht ihr zu schnell einen Plattenbau nach dem nächsten hoch, so reagiert das Volk mit Unmut und geht auf die Barrikaden. Ihr müsst also einen guten Mittelweg aus Wachstum und der Zufriedenheit der Einwohner finden, um den Sieg einzuheimsen.

Design Town fällt in die Kategorie der Deckbauspiele. Jeder Bürgermeister startet die Partie mit dem gleichen Set an Karten. In der Tischmitte befindet sich eine offene Auslage mit unterschiedlichen Gebäudekarten, die ihr im Spielverlauf erwerben könnt und die dann in euer erweitertes Deck wandern.

Alle Karten in Design Town sind doppelseitig bedruckt. Es gibt somit auch keine verdeckten Karten. Damit ihr keinen Einblick in die nächsten Karten eures Decks habt, müsst ihr den Kartenstapel am besten immer in der Hand halten. Passt dabei auf, dass euch nicht versehentlich einzelne Karten herausfallen. Im Spiel ist es von Bedeutung welche Seite einer Karte obenauf liegt, da beide Seiten unterschiedliche Effekte erzielen. In der Handhabung ist das vielleicht nicht ganz optimal, fällt aber nicht weiter negativ ins Gewicht.

Schnelle Runden, geringe Wartezeiten

Seid ihr am Zug, spielt ihr die Karten immer direkt von eurem Deck aus, es gibt keine Handkarten. Legt einfach die oberste Karte offen vor euch aus. Nachdem ihr den Effekt der Karte durchgeführt habt, so könnt ihr euch nun dazu entscheiden eine weitere Karte auszulegen oder den Zug zu beenden. Endet der Zug, so legt ihr alle ausgespielten Karten auf den Ablagestapel. Die Effekte aller Karten sind immer nur in der Runde relevant, in der sie ausgespielt wurden.

Eine Begrenzung für das Ausspielen von Karten gibt es aber natürlich schon. Einige Gebäudekarten verursachen Unmut bei euren Einwohnern. Zwei Unmut-Punkte könnt ihr euch maximal leisten. Ab dem dritten Punkt folgen eurer Gier harte Konsequenzen. Ihr müsst alle ausgespielten Karten abräumen, ohne zuvor das Einkommen oder etwaige Siegpunkte eingesammelt zu haben. Hinter euch liegt dann eine verlorene Runde und der nächste Spieler ist an der Reihe.

Dennoch sollte euch daran gelegen sein, so viele Karten wie möglich in einer Runde auszuspielen. Die meisten Gebäude bringen euch nämlich ein oder mehrere Münzen ein. Mit dem Einkommen könnt ihr euch eine neue Karte aus der offenen Auslage kaufen. Die erworbene Karte landet dann zunächst auf eurem Ablagestapel und wandert später automatisch in euer Deck. Sobald euer Deck keine Karten mehr enthält, mischt ihr den Ablagestapel, der dann euer neues Deck wird.

Gebäude aufwerten

Anstatt eine neue Karte zu kaufen, dürft ihr auch eine Karte aus dem Ablagestapel aufwerten. Bezahlt ihr die entsprechenden Kosten, dürft ihr die Karte auf die andere Seite drehen, die somit einen neuen Effekt erhält. Wenn ihr in der aktuellen Runde besonders viel Geld eingespielt habt, dürft ihr sogar eine Karte aus der Auslage erwerben und sie in einem Zug direkt aufwerten.

Durch die Aufwertung einer Karte steht euch eine zusätzliche Option zur Verfügung. Alle Karten, die sich im Ablagestapel befinden, könnt ihr auch jederzeit wieder abwerten und dafür einen einmaligen Bonus erzielen. Dadurch könnt ihr zum Beispiel zusätzliches Geld erhalten oder das Limit für die Unmut-Punkte erhöhen. In den Ablagestapel habt ihr jeder Einsicht und könnt euch so die entsprechenden Karten für eine Abwertung heraussuchen. Die Einsicht in die Ablage kann auch ganz hilfreich sein, um herauszufinden, welche Karten sich noch in eurem Deck befinden.

Gefahr durch Wohngebiete

Jede Karte im Spiel bringt zusätzlich zu den Standard-Effekten noch eine weitere Auswirkung mit sich. Einige dieser Auswirkungen lassen euch etwa Karten vom Deck in den Ablagestapel verschieben, erhöhen das Limit für Unmut-Punkte oder erlauben euch zusätzliche Kartenkäufe oder Aufwertungen. Eine besondere Rolle spielen hierbei die Wohngebiete. Jedes Wohngebiet bringt euch eine Münze sowie einen Unmut-Punkt ein. Befindet sich eine Wohngebiet-Karte oben auf eurem Deck, so müsst ihr diese Karte sofort ebenfalls noch ausspielen. Das kann natürlich dazu führen, dass ihr das Limit für die Unmut-Punkte übersteigt und somit die ganze Runde für die Katz ist. Es gibt kein Geld und somit auch keine Käufe oder Aufwertungen.

Leider besteht euer Deck zu Spielbeginn zu einem großen Teil aus Wohngebieten. Die Chance es zu überreizen, ist also gar nicht mal so gering. Eine mögliche Strategie kann es also sein, die Wohngebiete möglichst schnell aufzuwerten. Sie verwandeln sich in einen Häuserblock, der zwar auch einen Unmut-Punkt beim Ausspielen mit sich bringt, aber nicht zwangsläufig gespielt werden muss, wenn er sich oben auf dem Deck befindet. Als Bonusaktion könnt ihr einen Häuserblock aber auch wieder auf die andere Seite wenden und sie einem der Gegenspieler unterjubeln. Dieser darf sich nun über ein zusätzliches Wohngebiet in seinem Deck ärgern.

Für Ruhm und Ehre

Im Spielverlauf wächst euer Kartendeck zusehends an und wird vor allem performanter. Die Karten bringen euch immer mehr Geld ein und haben effektivere Zusatzeffekte. Außerdem könnt ihr auf die Möglichkeiten einer Abwertung zurückgreifen. Dadurch ist es euch möglich, immer längere Reihen in einer Runde auszuspielen.

Um das Spiel zu gewinnen, stehen euch zwei Wege offen. Der erste Weg führt über die Siegpunkte. Einige wenige Gebäudekarten bringen euch Siegpunkte ein. Wie alle anderen Effekte, haben sie aber nur in der Runde bestand, in denen sie erzielt wurden. Am Ende des Zuges werden alle Karten wie immer abgeräumt und die Siegpunkte sind futsch. Es muss euch also gelingen alle acht notwendigen Siegpunkte in einer Runde auszulegen. Dazu müsst ihr natürlich erst einmal die passenden Karten einkaufen und so in das Deck bringen.

Die zweite Chance auf den Sieg entsteht durch das Auslegen eines Supermarkts. Spielt ihr einen Supermarkt und insgesamt mindestens 18 Gebäudekarten in der Runde aus, so geht der Sieg ebenfalls direkt an euch. Auch dieser Weg ist nicht so leicht zu bewältigen, da euch immer wieder Karten in die Quere kommen, die euch Unmut-Punkte einbringen. Hilfreich können hier die Kirchen sein, die das Unmut-Limit erhöhen. Design Town bietet euch auf jeden Fall genug Raum zum Herumexperimentieren. Um eure Strategie zu verfeinern, gibt es auch einen Solo-Modus mit leicht abgeänderten Regeln. Design Town findet ihr ab sofort beim Händler eures Vertrauens. Das Spiel kostet etwa 11-12€.

Pros

Cons

Fazit

Design Town ist das Kunststück gelungen, mit einfachen Regeln und wenig Spielmaterial ein wirklich anspruchsvolles Spiel auf die Beine zu stellen. Eine Partie kann durchaus bis zu einer Stunde dauern. Da sich die bis zu vier Spieler, etwa durch das Zuspielen von Wohngebieten, gegenseitig in die Suppe spucken können, besteht auch ausreichend Interaktion unter den Spielern. Diese spielen innerhalb ihrer Züge zwar ohne Eingriffsmöglichkeiten der Gegenspieler, jedoch sind diese so schnell abgehandelt, dass sich die Wartezeit auf ein Minimum reduziert. Selbst die vielgefürchteten Grübler haben kaum eine Chance, das Spiel unnötig in die Länge zu ziehen. Wenn ihr noch ein gut durchdachtes Strategiespiel zum kleinen Preis sucht, dann sei euch Design Town unbedingt ans Herz gelegt.

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