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Test: Exit - Das geheime Labor

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Von: Sebastian Hamers

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Live Escape Rooms erfreuen sich in Deutschland einer immer größeren Beliebtheit. Es gibt kaum eine größere Stadt, die ohne ein eigenes Spiel dieser Art auskommt. Die Ursprünge dieser beliebten Unterhaltungsform liegen, wie könnte es anders sein, in den Computerspielen. Mit dem Absuchen der Umgebung und haufenweiser knackiger Rätsel, müssen die Spieler aus einem Raum oder Gebäude ausbrechen. Mittlerweile versuchen sich auch einige Brettspiel-Autoren am Escape-Room-Thema. Der Kosmos-Verlag hat gleich drei solcher Spiele von Inka und Markus Brand in den Handel gebracht.

Die neue Reihe hört auf den vielsagenden Namen Exit. Zur Spielemesse in Essen hat der Verlag die Titel Die Grabkammer des Pharao, Die verlassene Hütte und Das geheime Labor veröffentlicht. Letzteres soll hier Gegenstand der Besprechung sein, obwohl alle drei Spiele auf ein ähnliches Konzept setzen. Auf die Rätsel oder sogar deren Lösung wird an dieser Stelle natürlich nicht eingegangen. Der Text bleibt also spoilerfrei, versprochen.

Schmale Packung, Schmaler Inhalt, Schmaler Preis

Die Verpackung der Exit-Spiele macht nicht viel her. Das Spiel wird in einer kleinen Schachtel ausgeliefert, die auch nicht sonderlich viel Inhalt bietet. Würfel oder gar ein Spielbrett sucht ihr vergebens. Dreh- und Angelpunkt ist ein Coderad, das an lästige Kopierschutzabfragen aus den frühen 90er Jahren erinnert. Das Coderad besteht aus drei Scheiben und spuckt am Ende eine Zahl zwischen 1 und 30 aus.

Diese Ziffern weisen auf die Lösungskarten hin, die ein weiterer elementarer Bestandteil von Exit sind. Sofern die richtige Zahl an der passenden Stelle via Coderad ermittelt wurde, liefert euch die Lösungskarte weitere Hinweise. Habt ihr das Coderad falsch eingestellt, lauft ihr ins Leere und das Spiel streckt euch die Zunge heraus. Habt ihr aber das Rätsel geknackt, so dürft ihr ein paar ausgewählte Rätselkarten ziehen. Exit läuft damit also strikt linear ab und erlaubt keine Abzweigungen vom vorgesehenen Weg.

Rätselknacken für Fortgeschrittene

Die erhaltenen Rätselkarten, von denen es im Spiel insgesamt 24 Stück gibt, geben euch neue Hinweise auf kommende Rätsel. Dabei ist es allerdings fraglich, zu welchem Zeitpunkt die Rätselkarten benötigt werden. Oftmals werden sie erst im weiteren Spielverlauf relevant. So lassen euch die erhaltenen Karten oftmals zunächst mit einem großen Fragezeichen im Gesicht zurück.

Bleiben noch die 31 Hilfekarten des Spiels. Falls ihr an einer Stelle partout nicht weiterkommt, könnt ihr eine Hilfe in Anspruch nehmen. Das Prinzip dürfte euch aus vielen modernen Point-and-Click-Adventures bekannt vorkommen. Zunächst bekommt ihr einen eher vagen Hinweis, die zweite Karte macht es schon deutlich konkreter und die dritte und letzte Karte eines Rätsels verrät euch direkt die Lösung.

Als ehrgeizige Spieler versucht ihr natürlich mit so wenig Hilfekarten wie möglich auszukommen. Um dafür einen weiteren Anreiz zu bieten, bekommt ihr am Ende des Spiels noch eine Sternewertung. Je weniger Hilfekarten ihr benötigt habt und je schneller ihr dem geheimen Labor entkommen seid, desto besser fällt eure Wertung aus.

Das geheime Labor

Vom Spielprinzip decken sich soweit alle drei Titel der Exit-Reihe. Verpackt sind sie jedoch alle in eine andere Geschichte. Beim vorliegenden Spiel seid ihr Probanden einer medizinischen Studie. Pünktlich kommt ihr zur vereinbarten Zeit in das Labor. Allerdings ist dort niemand sonst vor Ort. Plötzlich strömt Dampf aus einem der vielen Reagenzgläser hervor und euer Bewusstsein schwindet. Als ihr wieder erwacht, sind alle Türen verschlossen. Glücklicherweise findet ihr ein kleines Notizbuch, die besagte Drehscheibe und ein paar seltsame Dinge. Sie sind der Schlüssel zum Weg nach draußen. Im Notizbuch findet ihr ein paar einleitende Worte, die den Auftakt zu eurem Abenteuer bilden. Ansonsten ist das Notizbuch reichlich kryptisch. Seltsame Zeichnungen, Schriften und Symbole finden sich hier wieder.

Erst Schritt für Schritt ergeben die rätselhaften Aufzeichnungen Sinn und ihr löst ein Rätsel nach dem anderen. Durch die Kombination von Notizbuch und aufgedeckter Rätselkarten ergeben die seltsamen Notizen langsam Sinn. Die Rätselaufgaben des geheimen Labors bewegen sich dabei durchgehend auf einem hohen Niveau. Auch wenn ihr vielleicht an so mancher Aufgabe fast verzweifelt, so ist es doch ungemein befriedigend, wenn das Coderad am Ende das richtige Ergebnis ausspuckt.

Einmaliger Spielspaß

Die Gedankengänge der Spieler befruchten sich dabei gegenseitig. Wenn ihr eure Ideen mit euren Mitspielern teil, kommt ihr eher auf die Lösung, als wenn jeder still vor sich hingrübelt. Bei Exit handelt es sich um ein vollkooperatives Spiel. Laut den offiziellen Angaben können ein bis sechs Personen daran teilnehmen, wobei der sweet spot wohl bei 4 oder 5 Teilnehmern liegt.

Auf jeden Fall sollte noch erwähnt werden, dass ihr jedes der drei Exit-Spiele nur ein einziges Mal spielen könnt. Das liegt zum einen in der Natur der Sache. Sind alle Rätsel einmal geknackt, tendiert der Spielspaß bei einem zweiten Durchlauf gegen null. Bei Exit ist ein zweites Spielen allerdings nicht nur wenig spaßig, sondern sogar unmöglich. Beim Durchspielen, wird das Spielmaterial aufgebracht. Im Heft wird herumgemalt, es werden Linien gezogen und es wird sogar zerschnitten. Am Ende ist das Spiel somit tatsächlich reif für die Tonne.

Pros

Cons

Fazit

Exit - Das geheime Labor spielt sich tatsächlich wie ein kleines Point-and-Click-Adventure. Der Schwerpunkt liegt auf dem Lösen der ziemlich knackigen Rätsel. Die Geschichte stellt lediglich einen losen Rahmen für das Spiel dar. Der kooperative Aspekt ist dabei nicht zu vernachlässigen. In der Gruppe knobelt es sich viel besser als allein. Wenn jeder Spieler sein Scherflein zur Lösung beiträgt, gibt das am Spielende für alle ein gutes Gefühl. Kritik muss sich Exit für die fehlende Werthaltigkeit gefallen lassen. Nach einem Durchlauf ist das Spiel zerstört. 60 bis 90 Minuten Spielspaß für bis zu sechs Spieler kosten rund 13€. Gut investiertes Geld, wenn ihr auf gehobene Rätselkost steht.

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