Test: Exploding Kittens

  • VonSebastian Hamers
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Das Internet wurde für Katzenvideos gemacht. So weit, so bekannt. Ein wenig überraschend hingegen ist dann allerdings doch, dass offenbar auch Katzen-Kartenspiele im Netz für durchschlagenden Erfolg sorgen. OK, es handelt sich um ein Spiel mit explodierenden Katzen und Laserstrahlen und natürlich Ziegen... das Teil musste also ein Renner werden. Als Exploding Kittens Anfang 2015 auf Kickstarter finanziert werden sollte, schlossen sich mehr als 200.000 Katzenliebhaber der Kampagne an. Damit ist das Kartenspiel die meist unterstützte Kickstarter-Kampagne bis zum heutigen Tag.

Zunächst gab es das Spiel nur in englischer Sprache. In Asmodee hat Exploding Kittens mittlerweile aber auch einen Vertrieb gefunden, der das Spiel in die deutsche Sprache übersetzt hat. Wenn ihr ebenfalls Katzenliebhaber seid, und mal ehrlich... wer ist das nicht?... könnt ihr Exploding Kittens bald auch im regulären Handel erwerben.

Wer explodiert, verliert

Ist euch auch schon mal eine Katze ins Gesicht gesprungen und dann explodiert? Nicht? Ist ein echter Spaß, solltet ihr unbedingt einmal ausprobieren. Wenn ihr in Exploding Kittens eine Karte mit einem explosiven Kätzchen zieht, scheidet ihr aus dem Spiel aus. Einer nach dem anderen zieht ihr rundenweise eine neue Karte vom Nachziehstapel, immer in der Hoffnung, bloß kein explodierendes Kätzchen zu ziehen. Das ist ein echter Nervenkitzel, der auf einer Stufe mit russischem Roulette steht.

In den Kartenstapel wird eine Exploding-Kitten-Karte weniger eingemischt als Spieler an der Runde teilnehmen. Früher oder später wird es also jeden treffen, außer natürlich den Gewinner, der von der Katzenexplosion verschont bleibt. Sobald ein Spieler eine explosive Katze vom Nachziehstapel zieht, muss er die Karte sofort aufdecken. Die Katze explodiert und reißt ihn mit in den Tod. Es sei denn, er besitzt eine Karte, um die Explosion zu entschärfen.

Tick... Tick...Tick... entschärft...

Die Entschärfungskarte ist in diesem Fall auch tatsächlich eure letzte Hoffnung. Die gute Nachricht ist, dass ihr zu Beginn des Spiels jeweils eine dieser Karten auf der Hand haltet. Wie das mit guten Nachrichten aber oft so ist, folgt umgehend auch die schlechte. Im gesamten Spiel sind gerade mal eine Gesamtzahl von sechs Entschärfungen enthalten. Freut euch also, wenn ihr unverhofft eine weitere Entschärfung vom Stapel zieht.

Habt ihr eine Katze erfolgreich entschärft, müsst ihr die Entschärfung abwerfen. Das Exploding Kitten hingegen, dürft ihr an einer beliebigen Position wieder in den Nachziehstapel zurückstecken. Bösartige Naturen legen die Karte vielleicht sogar einfach ganz nach oben. Der nächste Spieler wird sich freuen... KABOOM!

Angriff ist die beste Verteidigung

Ein Garant für das Ausscheiden eines Rivalen ist das aber noch lange nicht, selbst wenn er keine Entschärfung mehr auf der Hand hat. In Exploding Kittens gibt es jede Menge weitere Karten, die euch vor der sicher geglaubten Explosion bewahren können. Seid ihr am Zug, dürft ihr übrigens so viele Karten ausspielen wie ihr mögt. Es empfiehlt sich aber durchaus noch das ein oder andere Ass in der Hinterhalt zu behalten.

Wenn ihr erahnt, dass es sich bei der nächsten Karte um eine explodierende Katze handelt, dann überspringt doch einfach das Nachziehen der Karte. „Hops!“ lässt euch den Zug direkt beenden ohne eine Karte nachzuziehen. Oder ihr geht direkt in den „Angriff“ über. Auch hier muss keine neue Karte gezogen werden. Stattdessen muss der nächste Spieler in der Reihe nun gleich zwei Spielzüge am Stück absolvieren und damit auch insgesamt zwei neue Karten aufnehmen. Das explodierende Kätzchen gehört nun ihm.

Ganz hilfreich kann da auch das „Mischen“ sein. Der Nachziehstapel wird nun einmal kräftig durchgemischt. Die potentielle Gefahrenkarte, die oben aufliegt, landet nun hoffentlich an einer anderen Stelle im Stapel. Damit ihr nicht auf gut Glück eure wertvollen Karten verschleudern müsst, gibt es auch noch den „Blick in die Zukunft“. Mit dieser Karte dürft ihr euch die drei oberen Karten im Nachziehstapel ansehen. Jetzt seid ihr schlauer und könnt möglicherweise passende Gegenmaßnahmen ergreifen. Weiterhin könnt ihr auch noch einen „Wunsch“ an einen Mitspieler aussprechen. Dieser muss euch eine Handkarte seiner Wahl geben.

Eine Katze kommt selten allein

Eine der größten Stärken von Exploding Kittens ist die Gestaltung der Illustrationen und der damit verbundene Humor. Neben den ganzen Aktionskarten findet ihr im Stapel auch noch fünf unterschiedliche Katzenarten wieder. Alleine haben diese Karten keine Funktion. Im Paar können sie aber zu einer mächtigen Waffe werden. Spielt beide Karten aus, um einem Gegner eine zufällige Karte zu stehlen. Katzen sind Raubtiere, aber das wußtet ihr sicher.

Bei den Kätzchen handelt es sich übrigens nicht um irgendwelche Wald-und-Wiesen-Katzen, sondern um ganz besondere Ausgaben ihrer Spezies. Wie wäre es zum Beispiel mit der Regenbogen-rüpselnden Katze, einer behaarten Katzoffel oder meinem Favoriten, der Tacocat („Ich bin ein Palindrom!“)? Zugegeben, da mischt sich schon eine gute Portion Pipi-Kaka-Humor ins Spiel... aber hey... wir zocken hier mit explodierenden Katzen.

Exploding Kittens bietet noch ein paar Zusatzregeln an, die das Spiel noch ein wenig chaotischer machen als es ohnehin schon ist. Die Pärchen-Regel der Katzen könnt ihr nun auch auf andere Karten übertragen. Damit könnt ihr mit einem Doppel-Hops einem Gegner jetzt auch eine zufällige Karte stibitzen. Ein Drilling sorgt hingegen sogar dafür, dass ihr einen Mitspieler nach einem beliebigen Kartentyp fragen dürft. Sofern er eine solche Karte besitzt, muss er sie euch jetzt übergeben. Mit Vorliebe wird hier natürlich nach der Entschärfung gefragt. Mit dem Fünfling könnt ihr die ganze Angelegenheit dann auch noch auf die Spitze treiben. Gefragt sind in diesem Fall jedoch nicht gleiche, sondern fünf verschiedene Karten. Spielt alle fünf Karten aus, um den Ablagestapel nach einer beliebigen Karte zu durchsuchen.

Ach du... nö!

Doch auch die mächtigste Kombination kann im letzten Moment noch verhindert werden. Euer Rivale will sich gerade mit einer Fünf-Karten-Kombi eine Entschärfung aus dem Ablagestapel angeln? Sagt dazu doch einfach „Nö!“ und spielt die entsprechende Karte. Schon ist die Kartenkombination verhindert. Es sei denn der Gegner antwortet auf euer „Nö!“ ebenfalls mit einer „Nö“-Karte. Aus seinem „Nö!“ wird dadurch ein „Doch!“. Nein! Doch! Nein! Doch! Ohhh! Louis de Funès hätte seine Freude gehabt an diesem Spiel.

Doch egal wie geschickt ihr euch auch anstellen mögt, irgendwann schlagen die explodierenden Katzen unerbittlich zu. Es ist lediglich eine Frage der Zeit. Nur ein Katzenliebhaber wird siegreich aus dieser chaotischen Partie hervorgehen. Spielen lässt sich Exploding Kittens schon ab zwei Spielern. Am meisten Spaß macht es aber mit vier oder auch fünf Spielern. Eine Partie dauert ungefähr eine Viertelstunde. Dadurch ist es auch halb so wild, wenn ihr vorzeitig aus dem Match fliegt. Exploding Kittens sollte in Kürze im Handel zu finden sein und wird zwischen 15€ und 20€ kosten.

Pros

Cons

Fazit

Exploding Kittens hat nicht den Anspruch, euch viele Stunden am Stück zu beschäftigen. Es ist das klassische Spiel für zwischendurch. Partytauglich, in zwei Minuten erklärt und es ist so einfach, dass man es auch bestimmt noch sturzbetrunken spielen kann. Das Spiel nimmt sich selbst nicht allzu ernst und das solltet ihr besser auch nicht. Humor ist Trumpf! Die Aktionskarten sorgen für reichlich Chaos und stellen der Verlauf immer wieder auf den Kopf. Wenn ihr ein Nein!-Doch!-Duell für euch entscheiden könnt, ist das schon ein erhebendes Gefühl. Ebenso gefühlsbetont geht es beim Ziehen einer neuen Karte zur Sache. Immerhin könnte jede Karte das Aus bedeuten. Eine Partie Exloding Kittens ist also durchaus spannend, am Ende geht aber nicht nur der Sieger lachend aus dem Match hervor. Wenn das mal kein schönes Kompliment an ein Spiel ist...

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