Test: Feuville

  • VonSebastian Hamers
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Aufbauspiele sind ein alter Hut. Wir beginnen mit einem mickrigen Gebäude. Dann erweitern, leveln und bauen wir, was das Zeug hält. Am Ende bestaunen wir stolz ein neu geschaffenes Imperium. Das Aufbaustrategie-Genre hat zurecht viele Fans. Nicht erst seit Sim City erfreuen wir uns über den stetigen Aufbau einer ganzen Stadt. Auch das Brettspiel Feuville schlägt in diese Kerbe. Doch im Gegensatz zu vielen anderen Genre-Vertretern wird in Feuville nicht nur auf-, sondern auch hin und wieder mal abgebaut. Das geschieht natürlich nicht ganz freiwillig. Verantwortlich dafür ist Drache Dragomir, der regelmäßig versucht Feuville mit seinem Feuerodem in Schutt und Asche zu legen.

Feuville ist ein würfelgetriebenes Legespiel. Jeder Spieler wird im Verlauf des Spiels seinen eigenen Stadtteil errichten. Die Bürger der Stadt sind dabei engagiert bei der Sache. Sie unterstützen die Bauherren mit ihren ganz eigenen Fähigkeiten. Egal ob Gaukler, Dieb, Wirt, Architektin, Bürgermeister oder Magier, jeder möchte seinen Beitrag zum Aufbau der Stadt leisten. Sogar die magiebegabte Fee und der kauzige Kobold stecken da nicht zurück.

Turmbau zu Feuville

Der Spielplan von Feuville stellt im Grunde nur eine schön illustrierte Auslage dar, aus der ihr euch während des Spiels bedient. Dort lagern die Plättchen, die ihr nach und nach in den eigenen Stadtteil verbauen werdet. Ein vollständiges Gebäude besteht immer aus drei Teilen, die ihr von unten nach oben anlegen müsst. Zuunterst liegt das Mauerplättchen, darauf setzt ihr den Turm und ganz oben wird das Himmelplättchen abgelegt. Logischerweise kann das mittlere Turmplättchen nicht ohne die Basis, das Mauerwerk, gebaut werden. Gleiche Regeln gelten für den Himmel, den ihr nur über ein Turmplättchen legen könnt.

Genau diese drei Arten von Gebäudeplättchen findet ihr auch auf dem Spielplan wieder. Jeder der eingangs schon erwähnten Mitbürger verwaltet genau ein solches Dreierset in seinem Bereich. Um Zugriff auf die ausgelegten Plättchen zu erhalten, dürft ihr in jeder Runde mit zwei sechsseitigen Würfeln werfen. Mit jedem Würfel könnt ihr anschließend eine Aktion ausführen. Gaukler, Dieb & Co. sind einer Würfelzahl zugeordnet. Je nach Würfelwurf habt ihr nun also Zugriff auf ein beliebiges Plättchen des Diebs, des Wirts oder eines anderen Bürgers.

Dazu setzt ihr einfach den passenden Würfel ein und nehmt euch eines der ausliegenden Plättchen im Bereich des jeweiligen Bürgers. Zu Spielbeginn könnt ihr noch aus dem Vollen schöpfen. Bei jedem Bürger liegt jetzt noch ein komplettes Set aus Mauer, Turm und Himmel. Im Verlauf des Spiels werden die Plättchen aber natürlich zunehmend in den eigenen Bereichen der Spieler verschwinden. Die Auslage wird erst wieder aufgefüllt, wenn ein Plättchentyp komplett vergriffen ist. Befinden sich also etwa keine Turmplättchen mehr auf dem Spielplan, dann wird jeder Bürger auf dem Spielplan wieder mit einem neuen Turmplättchen aus dem Vorrat ausgestattet.

Das Wohlwollen des Königs

Anstatt eines Gebäudeplättchens dürft ihr euch aber auch einen königlichen Erlass aus der Auslage nehmen. Jeder Erlass ist ebenso wieder einem Bürger zugeordnet. Um einen bestimmten Erlasse zu nehmen, müsst ihr also auch wieder die passende Zahl gewürfelt haben. Erlasse sind Belohnungen des Königs, die ihr für den Ausbau der Stadt erhaltet. Mit ihnen generiert ihr die Siegpunkte, um die sich letztlich alles dreht. Hier bekommt ihr zum Beispiel Punkte für ein komplettes Gebäude aus den drei Teilen Mauer, Turm und Himmel. Es können auch sogar gleich zwei Gebäude auf einmal gewertet werden, dafür bekommt ihr auch die doppelte Anzahl von Siegpunkten. Mächtig abkassieren lässt sich vor allem mit der Stadtwertung. Hier müsst ihr allerdings schon genau auf euren Baufortschritt achten. Die Stadtwertung fordert den Bau von zwei Außentürmen sowie eines Stadttors. Je größer der Bereich zwischen den beiden Türmen ausfällt, desto mehr Siegpunkte könnt ihr dafür einstreichen. Mit geschickter Planung stecken hier richtig viele Siegpunkte drin. Bedenkt jedoch, dass ihr jedes Gebäude nur einmal werten dürft. Ebenso lässt sich die Stadtwertung nur einmal im gesamten Spiel auslösen. Ihr dürft den Stadtausbau also keinesfalls vernachlässigen.

Hinzu kommen noch so manche Sonderwertungen. Mal gibt es Punkte für Stadtwachen, goldene Sterne, rote Fahnen oder Greifen, die ihr auf einigen Bildern auf den Plättchen wiederfindet. Manchmal habt ihr sogar selbst Entscheidungsmöglichkeiten, indem ihr bestimmte Bauabschnitte oder andere Gegebenheiten werten lasst. Die Wertungen sind für den Fortschritt auf der Siegpunktleiste wichtig, andererseits könnt mir mehr Siegpunkte einfahren, je größer und mächtiger der eigene Stadtteil wird. Hier gilt es also eine gute Balance zu finden.

Mit Glück und Taktik

Feuville fordert euch also schon etwas strategisches Geschick ab. Das Glückselement ist allerdings ebenso stark ausgeprägt. Da in jedem Zug die Würfel geworfen werden, ist eure Auswahl an Plättchen natürlich eingeschränkt. Der Glücksfaktor wird allerdings ein wenig aufgeweicht durch zwei weitere Stadtbewohner, der Fee und dem Kobold. Die Fee zeigt sich bescheiden, ihr könnt sie mit einem Würfel eurer Wahl bedienen. Die Augenzahl ist für die Aktivierung der Fee unerheblich. Letzteres gilt für den kauzigen Kobold zwar auch, jedoch fordert sein Einsatz gleich beide Würfel. Während euch die Fee mit hilfreichen Schutzzaubern versorgt, dazu später mehr, kann der Kobold die Funktionen der anderen Bürger perfekt imitieren. Ihr könnt ihn somit als Bürgermeister, Dieb oder was auch immer gerade gebraucht wird, verwenden.

Richtig übel wird es hingegen, wenn ihr einen Pasch geworfen habt… und zwar für alle Spieler. Ein Pasch ruft den rachsüchtigen Drachen Dragomir hervor, der über die Dächer von Feuville fliegt und mit seinem Feuerstrahl die Gebäude in Brand setzt. Egal, welcher Spieler den Pasch verursacht hat, Dragomir greift immer die Stadtteile aller Spieler an. Jetzt helfen nur noch die schützenden Wolken, die sich auf so manchem Himmelsplättchen finden, um den Brand zu löschen. Bei einem Angriff von Dragomir zählt ihr die Anzahl von Gebäuden in der eigenen Stadt. Zählt nun ebenso die Wolken, die sich auf euren Himmelsplättchen befinden. Jede Wolke hält ein Gebäude im Stadtteil intakt. Habt ihr aber weniger Wolken als Gebäude ausliegen, werden diese umgehend in Brand gesteckt. Alle betroffenen Gebäudeplättchen müsst ihr nun auf die Rückseite drehen.

Jedes brennende Plättchen kann ab sofort bei der Wertung eines Erlasses nicht mehr mit einbezogen werden. Zum Glück können die Ruinen aber wieder repariert werden. Hier ist einer der Bürger Feuvilles besonders hilfreich. Der Magier ist in der Lage zwei brennende Plättchen wieder umzudrehen und somit zu reaktivieren. Zusätzlich dürft ihr sogar noch einen Zauber der Fee wählen. Der Einsatz der Magier-Fähigkeit geht allerdings auf Kosten einer Aktion. Der beim Magier eingesetzte Würfel kann nun nicht mehr zum Nehmen eines Gebäudeplättchens oder eines Erlasses verwendet werden.

Die gleichen Regeln gelten, wenn ihr die Aktion eines anderen Bürgers einsetzen wollt. Der Bürgermeister hat stets die freie Auswahl beim Wählen eines Erlasses. Ihr dürft so auch Erlasse von anderen Bürgern wählen und an euch nehmen. Die Fähigkeit der Architektin füllt die komplette Auslage der Gebäudeplättchen wieder auf, nach dem Auffüllen dürft ihr euch direkt ein Plättchen vom gesamten Plan auswählen. Der Wirt lässt eine Runde springen. Zuerst wählt ihr als aktiver Spieler ein Gebäudeplättchen vom Spielplan, anschließend sind aber auch alle Mitspieler an der Reihe und dürfen ein solches Plättchen nahmen. Als Dank für die Gabe, wählt sich der aktive Spieler abschließend noch ein zweites Plättchen aus. Der Dieb stiehlt ein noch nicht verbautes Gebäudeplättchen eines anderen Spielers.

Bleibt noch die Fähigkeit des Gauklers, die ein kleines Spiel im Spiel darstellt. Beim Gaukler dürft ihr den Würfel so oft werfen, wie ihr wollt. Alle Ergebnisse werden addiert. Anschließend erhaltet ihr entsprechend des Ergebnisses die gleiche Anzahl von Siegpunkten. Der Haken an der Sache: die Mitspieler erhalten ebenfalls Siegpunkte. Sie erhalten die Differenz des Würfelwurfes zum Wert von zehn. Habt ihr eine Summe von sieben erzielt, dann bekommen alle Mitspieler demnach also drei Siegpunkte hinzu. Sobald der aktive Spieler eine größere Summe als zehn erwürfelt hat, geht dieser zudem völlig leer aus.

Stauraum für Städteplaner

Als Städteplaner habt ihr zudem noch die Möglichkeit genau zwei Plättchen für den späteren Ausbau des Stadtteils aufzusparen. Dazu erhaltet ihr ein Tableau mit zwei Slots, in denen ihr zwei Plättchen, entweder Gebäudeplättchen oder Erlasse, zwischenlagern könnt. Diese Plättchen können dann bei Bedarf ins Spiel gebracht werden. Solange diese Plättchen aber noch nicht verbaut sind, hat der Dieb Zugriff auf diese potentielle Beute.

Mit Hilfe der guten Fee, könnt ihr euch allerdings vor Diebstahl schützen. Mit weiteren Zaubern erlaubt euch die Fee manchmal auch, ein beliebiges Gebäudeplättchen vom Spielplan zu nehmen. Dieser Zauber greift allerdings erst, wenn der Spielplan auf eine beliebige Art mit neuen Plättchen aufgefüllt wurde. Ein anderer Zauber bringt euch direkt Siegpunkte ein. Hilfreich ist auch der Brandschutz, der euch vor Dragomirs Zorn in Sicherheit bringt. Jeder Zauber ist nur einmal wirksam und wird dann wieder abgelegt. Wie schon bei den Bau- und Erlassplättchen, so lassen sich auch nur maximal zwei Feenzauber bevorraten.

Das Spiel endet, sobald sich die Erlasse auf dem Spielplan nicht mehr auffüllen lassen. Die Erlasse werden im Gegensatz zu den Gebäudeplättchen, immer direkt wieder aufgefüllt. Dadurch kann das Spielende dann auch ziemlich plötzlich eintreten. Für eine Partie benötigt ihr in etwa eine Stunde. Feuville ist für zwei bis vier Spieler ab zehn Jahren geeignet. Das Spiel ist ab sofort im Handel verfügbar und kostet rund 30€.

Pros

Cons

Fazit

Feuville bietet eine gute Mischung aus Glück und Taktik und reiht sich somit in der Kategorie der Familienspiele ein. Entsprechend wurde auch die Grafik von Feuville gestaltet. Das Spiel ist ziemlich farbenfroh geworden, ohne dabei allzu kitschig zu wirken. Bonuspunkte kann Feuville durch das hochwertige Material einheimsen. Die Sets aus Mauer, Turm und Himmel lassen sich gut zusammenstecken. Wenn sich später ein Gebäude an das andere reiht, ergibt sich ein schönes Stadtpanorama. Kommt dann irgendwann mal der Drache mit seiner Feuerlanze vorbei, wird der Verlust durch etwaige Wolken abgemildert. Die mächtige Funktion des Magiers reduziert den Frustfaktor weiterhin. Der taktische Anteil von Feuville funktioniert ebenso. Es lohnt sich durchaus schon, darüber nachzudenken, wann ihr welche Wertung vornehmen wollt. Trotz des Würfeleinsatzes stehen euch immer noch eine ganze Reihe von Optionen zur Verfügung. Feuville wagt sich an den Spagat, ein zugängliches Spiel für die ganze Familie sein zu wollen, dabei die Vielspieler aber nicht zu vergrätzen. Diese Aufgabe ist Feuville ziemlich gut gelungen. Mit diesem Spiel bringt ihr Einsteiger und Fortgeschrittene an einen Tisch und zumindest für einige Runden sind damit alle Beteiligten sehr zufrieden.

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