Test: The Game - Face To Face

  • VonSebastian Hamers
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Als der Nürnberger Spielkartenverlag vor zwei Jahren das kleine Kartenspiel The Game veröffentlichte, erahnten vermutlich nicht mal die Beteiligten, dass sich das Spiel zu so einem Dauerschlager entwickeln würde. Nach dem Erscheinen des Originals folgte rasch die erste Erweiterung mit dem Beinamen On Fire, ein Jahr später der Ableger Extreme. Auch in diesem Jahr dürfen wir uns wieder über ein neues The Game freuen. Diesmal haben die Autoren Steffen Benndorf und Reinhard Staupe an einer Zwei-Spieler-Variante gebastelt, die pünktlich zur SPIEL 17 in den Handel kommt.

Für alle, die das Originalspiel von 2015 bislang verpasst haben, werde ich die Regeln folgend kurz zusammenfassen. Die neue Version The Game: Face To Face basiert im Wesentlichen auf den Mechaniken der Ur-Fassung. Bevor es damit aber losgeht, möchte ich an dieser Stelle eine Kaufempfehlung für das originale The Game aussprechen. Für knapp zehn Euro bekommt ihr ein einfaches kooperatives Spiel, das euch viele Stunden unterhalten wird.

Gemeinsam gegen das Spiel

Im Gegensatz zum vorliegenden aktuellen Titel, tretet ihr im Original von 2015 gemeinsam gegen das Spiel an. Bis zu fünf Spieler können sich an der Partie beteiligen. Es gilt einen Kartenstapel von 100 Karten abzuarbeiten. In der Tischmitte befinden sich vorab bereits vier Karten. Zu sehen sind zwei Einser-Karten sowie zwei Hunderter-Karten. Im Kartendeck findet ihr die übrigen Ziffern zwischen 2 und 99 wieder. Reihum legt ihr nun eure Handkarten auf die bereits ausliegenden Karten in der Tischmitte.

Auf die beiden Einser-Karten müsst ihr eure Handkarten in aufsteigender Reihenfolge ablegen. Für die Hunderter-Karten gilt die umgekehrte Richtung. Je nach Zahl der Mitspieler bekommt ihr jeweils sechs oder sieben Handkarten. Und da fangen die Schwierigkeiten beim Ablegen der Karten auch schon an. Natürlich werdet ihr die Karten nicht ohne numerische Lücken auf den Stapeln ablegen können. Es entstehen zwangsläufig also Abstände beim Ablegen.

Mut zur Lücke

Ihr müsst euch beim Ablegen der Handkarten also gut absprechen. Hier gilt jedoch die goldene Regel, dass über konkrete Zahlenwerte nicht gesprochen werden darf. Lediglich vage Andeutungen wie „Auf diesem Stapel könnte ich gleich ganz gut legen“ sind erlaubt. The Game wirft euch aber noch ein paar weitere Knüppel zwischen die Füße. Zwar könnt ihr euch zu Spielbeginn darauf einigen, wer mit dem Spiel beginnt, allerdings muss im weiteren Verlauf die Reihenfolge der Spieler natürlich befolgt werden. Wenn ihr am Zug seid, müsst ihr außerdem zwingend mindestens zwei Karten ablegen.

In diesem Detail liegt dann auch die Crux an der ganzen Geschichte. Durch die Zwei-Karten-Regel entstehen nicht selten gigantische Lücken in der Zahlenfolge. Da führt das Ausspielen einer Karte manchmal zu erheblichen Schmerzen, bei allen Mitspielern. Die Folge sind in der Regel hitzige Diskussionen.

Rückwärtstrick sorgt für Entlastung

The Game bietet euch gnädigerweise allerdings auch eine Möglichkeit, die Situation ein wenig zu entschärfen. Auf einem aufsteigenden Stapel dürft ihr auch eine Karte spielen, die um genau zehn Punkte geringer ist als der aktuelle Wert der oberen Karte. Für die absteigenden Stapel gilt die gleiche Regel in der anderen Richtung ebenso. Hier könnt ihr eine Karte auslegen, die genau zehn Punkte höher ist als die obere Karte des Stapels. Dieser sogenannte Rückwärtstrick entlastet die Situation zumindest ein wenig.

Ihr habt das Spiel gemeinsam besiegt, wenn ihr das Kunststück vollbracht habt, den gesamten Nachziehstapel zu leeren und auch noch sämtliche Handkarten abgelegt habt. Dies wird euch allerdings in den seltensten Fällen gelingen. Die Regel spricht von einem guten Ergebnis, wenn insgesamt weniger als zehn Karten nicht abgelegt werden konnten.

Face To Face: Die Duell-Variante

Wie bereits erwähnt, gelten die wesentlichen Regeln des Originals auch in der neuen Zwei-Spieler-Variante. Das kooperative Design ist hier allerdings einem Duell-Modus gewichen. Jeder hat ein eigenes Deck, das aus 60 Karten besteht. Von diesen 60 Karten legt ihr die Karten mit den Ziffern 1 und 60 wieder in die Tischmitte. Jeder Spieler hat nun also zwei Stapel auf dem Karten abgelegt werden können, einer in aufsteigender und einer in absteigender Reihenfolge.

Ihr beginnt das Spiel mit jeweils sechs Handkarten. Wieder müsst ihr versuchen, möglichst alle Karten eures Decks loszuwerden. Unterschieden wird nun zwischen den eigenen Ablagestapeln und denen des Gegners. Seid ihr am Zug, müsst ihr wiederum zwingend mindestens zwei Karten ablegen. Es ist euch allerdings erlaubt, genau eine Karte auf einem Stapel des Gegners abzulegen. Ihr müsst euren Gegner mit dem Ablegen einer Karte jedoch einen Gefallen erweisen. Legt ihr eine Karte auf seinen aufsteigenden Stapel, dann muss die gelegte Karte niedriger sein als die oben aufliegende Karte. Anders herum muss die abgelegte Karte auf seinem absteigenden Stapel natürlich höher sein. Auf diese Art werdet ihr zwar eine Karte los, die euch gerade nicht so gut ins Konzept passt, entlastet damit aber auch gleichzeitig einen Kartenstapel des Gegners.

Am Ende des Zuges zieht ihr übrigens immer nur zwei Karten nach, egal wie viele Karten ihr in eurem Zug abgelegt habt. Das führt dazu, dass ihr möglicherweise weniger als die ursprünglichen sechs Karten auf der Hand habt. Legt ihr in der Runde jedoch eine Karte auf einen gegnerischen Stapel, dann füllt ihr eure Hand wieder auf die vollen sechs Karten auf. So kann es euch also sogar auch noch einen weiteren Vorteil bringen, wenn ihr dem Gegenspieler aus der Patsche helft.

Günstig, schnell und einfach

The Game: Face To Face bleibt seinen Wurzeln weiter treu. Das Spielprinzip des Originalspiels ist weiterhin deutlich erkennbar und das ist auch gut so. Trotzdem bietet das neue Spiel genug neue Ideen, um den Kauf zu rechtfertigen. Zumal ihr das Spiel auch schon für unter zehn Euro erwerben könnt. Die Regeln habt ihr schnell drauf, könnt also direkt loslegen. Eine Partie dauert etwa 15-20 Minuten. Auf der SPIEL in Essen könnt ihr das Spiel bereits bekommen. In den nächsten Tagen wird es dann aber auch im regulären Handel aufschlagen.

Pros

Cons

Fazit

Vor zwei Jahren hat mich The Game sofort begeistert. Seitdem habe ich alle Varianten und Versionen des Spiels erworben und spiele sie auch immer wieder gern. Mit Face To Face geht die Reihe aber erstmals einen anderen Weg und verlässt den gewohnten kooperativen Pfad. Das verleiht dem Spiel mehr Eigenständigkeit als den vorherigen Sprösslingen der Serie. Die kooperative Version ist zwar immer noch mein Favorit, das neue Face To Face hat aber auf jeden Fall seine Berechtigung. Gerade wenn ihr nur einen Mitspieler habt, dann ist die aktuelle Ausgabe doch eine echt gute Abwechslung. Ich bin mir jedenfalls ziemlich sicher, dass ich mit Face To Face noch jede Menge Duelle austragen werde. Günstig, schnell und einfach, das sind Attribute, die auch auf The Game: Face To Face zutreffen.

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