Test: Gangster City

  • VonSebastian Hamers
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Cluedo gehört zweifellos zu den Klassikern im Brettspiel-Bereich. Die Ursprünge des Spiels gehen weit zurück bin in die 40er Jahre. Bis heute wird das Spiel im Handel vertrieben und in schöner Regelmäßigkeit mit neuen Variationen versehen. Doch auch abseits dieses Urgesteins finden sich viele neue Spiele, die das Grundprinzip von Cluedo aufgreifen und für frischen Wind im Genre der Deduktionsspiele sorgen. Brandneu ist beispielsweise Gangster City erhältlich, das mit gerade mal 60 Spielkarten versucht, den Charme solcher Spiele einzufangen.

Mal ehrlich, das gute alte Cluedo ist doch ziemlich in die Jahre gekommen. Vor allem die Würfelorgien, die es zum Erreichen der Tatorte braucht, nerven doch ziemlich. Gangster City erspart euch zum Glück das lästige Würfeln und konzentriert sich auf das Wesentliche: das Lösen des Falls. Dazu gilt es, gleich vier Komponenten des Vorfalls aufzudecken. Neben dem Täter, dem Tatort und der Tatwaffe müsst ihr auch noch dem Motiv auf die Schliche kommen. In Gangster City gibt es drei Tatverdächtige (Ganove, Tänzerin und Wissenschaftler), drei Tatwerkzeuge (Revolver, Messer und Spritze), drei Tatorte (Theater, Straße und Hotelzimmer) sowie zwei verschiedene Tatmotive (Geld und Liebe).

Ohne große Vorbereitungen ins Spiel

Bei Gangster City könnt ihr ohne große Umschweife ins Spiel einsteigen. Jeder Ermittler bekommt eine Karte zugeteilt, die er sich nicht ansehen darf. Ihr stellt eure Karte dazu einfach in einen der beigelegten Standfüße. Dreht die Karte so, dass sie eure Mitspieler gut sehen können. Anschließend werden noch drei weitere Karten vom Nachziehstapel aufgedeckt und in der Tischmitte ausgelegt. Damit wären die Spielvorbereitungen auch schon abgeschlossen. Im Verlauf des Spiels müsst ihr nun die vier Tat-Komponenten auf der Karte vor euch entschlüsseln. Es gewinnt der Spieler, der zuerst zwei Fälle gelöst hat.

Das Ermitteln von Täter, Ort, Waffe und Motiv ist keine ganz leichte Aufgabe. Erst nach und nach kommt ihr dem Vorfall auf die Spur. Seid ihr am Zug, stehen euch prinzipiell zwei Möglichkeiten zur Verfügung. Als erste Option nehmt ihr eine Karte aus der offenen Auslage oder zieht die oberste Karte vom Nachziehstapel. Damit stellt ihr weitere Nachforschungen im Fall an. Seid ihr euch über den Tathergang schon sicher, könnt ihr als zweite Möglichkeit auch direkt eine Verhaftung vornehmen und den aktuellen Fall abschließen.

Ermittlungsarbeit in Gangster City

Da ihr zu Spielbeginn noch ziemlich im Dunklen tappt, bleibt euch wohl nichts anderes übrig, als erstmal ein paar Ermittlungen anzustellen. Wie oben beschrieben wählt ihr euch also zunächst eine Karte und zeigt sie euren Mitspielern. Diese gleichen die genommene Karte nun mit der Karte im Standfuß vor euch ab. Ihr erfahrt nun, wie viele der vier Tatmerkmale auf den beiden Karten übereinstimmen.

Damit ihr euch das Ergebnis der Befragung auch gut merken könnt, legt ihr die gezogene Karte vor euch ab. Auf jeder Karte findet ihr an den Seiten eine Ziffer zwischen null und drei. Dreht die Karte einfach so, dass ihr auch im späteren Spielverlauf noch das Befragungsergebnis im Blick habt. Dieser kleine Kniff erspart euch das lästige Notieren der Ermittlungsergebnisse. Durch das Zusammenfügen der Informationen werdet ihr so stückweise erschließen, welche Tatmerkmale sich auf der Karte vor euch befinden. Habt ihr alle Merkmale entschlüsselt, könnt ihr die Verhaftung aussprechen und den nächsten Fall angehen.

Falsche Verdächtigung

Sollte euch bei der Detektivarbeit mal ein Fehler unterlaufen und ihr habt bei der Inhaftierung nicht alle vier Merkmale richtig aufgerufen, gibt es mächtig Ärger vom Chef. Das Regelwerk bietet euch hier zwei Varianten an, um mit falschen Verdächtigungen umzugehen. In der normalen Version habt ihr einfach nur einen Zug vertan. Im aktuellen Zug könnt ihr keine Ermittlung anstellen, ansonsten kommt ihr aber nochmal mit einem blauen Auge davon. Wenn euch das zu schlaff ist, könnt ihr natürlich auch die verschärften Regeln wählen. In diesem Fall habt ihr nur einen einzigen Fehler gut. Beim zweiten Fauxpas scheidet ihr komplett aus dem Spiel aus.

Gangster City ist mit einer Spielzeit von gerade mal zwanzig Minuten eher ein Quickie. Trotzdem könnt ihr mit immerhin sechs Spielern gleichzeitig loslegen. Zusätzlich bietet Gangster City auch noch einen Solo-Modus an. Im Regelheft findet ihr 22 vorgegebene Fälle, die euch die Auswertungen von bestimmten Karten vorgeben. Mit den bereitgestellten Informationen könnt ihr die vier benötigten Tatmerkmale ermitteln. Wenn ihr mögt, könnt ihr diese natürlich auch kooperativ angehen und die Fälle gemeinsam lösen. Der Solomodus ist auf jeden Fall ein nettes Bonbon für Rätselfreunde, auch wenn die Mehrspielerversion deutlich mehr Freude und Langzeitmotivation bietet.

Gangster City ist über den Huch-Verlag erschienen und steht ab sofort im Handel. Das Spiel kostet rund 15€ und ist damit deutlich günstiger als das klassische Cluedo.

Pros

Cons

Fazit

Schon in den 80er Jahren war ich ein großer Fan von Cluedo und anderen Deduktionsspielen. Das dauernde Würfeln, um von einem Tatort zum anderen zu gelangen, fand ich aber schon als Kind nicht sonderlich spannend. Gangster City erspart euch dieses lästige Element, so dass ihr euch voll und ganz auf die Detektivarbeit konzentrieren könnt. Wegrationalisiert wurde damit auch das komplette Spielbrett. Gangster City findet bequem in einer kleinen Verpackung Platz und ist damit auf jeden Fall rucksackgerecht. Über das Material gibt es trotzdem nichts zu meckern. Die Karten sind von den Ausmaßen her deutlich größer als gewohnt und auch die Illustrationen sorgen für eine stimmige Ganoven-Atmosphäre. Bonuspunkte kann das Spiel ebenso für die erweiterte Teilnehmerzahl von bis zu sechs Spielern gewinnen. Wenn ihr Gefallen an Deduktionspielen à la Cluedo findet, dann ist Gangster City eine ausgesprochen gute und preiswerte Alternative zum Original.

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