Test: Hanamikoji

  • VonSebastian Hamers
    schließen

Crunchtime in der Brettspiel-Branche! Die Spielemesse in Essen naht mit großen Schritten und die ersten Spiele der großen Welle sind zu uns herübergeschwappt. Den Auftakt macht dieses Jahr ein kleines Zwei-Personen-Spiel aus dem Hause Kosmos. In Hanamikoji treten zwei japanische Gastronomen gegeneinander an, indem sie versuchen, die Gunst der Geishas zu erringen. Mit ihrer Hilfe wollen sie besonders viele Gäste in das eigene Lokal locken.

Die Hintergrundgeschichte von Hanamikoji mag für viele von euch ein wenig an den Haaren herbeigezogen sein. Laut der Story werfen wir sieben berühmte Geishas mit Geschenken zu, damit sie sich in unser Restaurant bemühen, um dort für reichlich zahlungskräftige Kundschaft zu sorgen. Sicher hätte man aus Hanamikoji leicht ein abstraktes Spiel ganz ohne thematischen Unterbau stricken können. Aber dann hätten wir uns auch vielleicht nicht an den schicken Zeichnungen im Manga-Stil erfreuen dürfen.

Erringe die Gunst der Geishas

Das Artwork im japanischen Look hat Stil. Statt quietschbunter Bonbon-Optik fällt Hanamikoji etwas dezenter und blasser aus. Auf den übergroßen Geisha-Karten macht sich die Grafik ziemlich gut. Da im Spiel auch nicht mit sonderlich vielen Symbolen gearbeitet wird, erstrahlen die Geishas auf den Karten in ihrer ganzen Schönheit.

Bei Spielbeginn legt ihr die sieben Geishas in einer Reihe aus. Am besten sortiert ihr sie dabei nach ihrem Wert, der sich zwischen zwei und fünf Punkten bewegt. In der Mitte jeder Geisha-Karte platziert ihr noch ein sogenanntes Gunstplättchen. Dieses kann sich im Spielverlauf zu beiden Seiten bewegen. Habt ihr der Geisha mehr Geschenke zukommen lassen als euer Gegenspieler, so wandert das Plättchen in die eigene Richtung. So wird angezeigt, dass die Schönheit euch gewogen ist.

Neben den sieben Geishas findet ihr noch 21 Geschenkekarten im Spiel wieder. Mit ihnen ringt ihr um die Gunst der Damen. Jede der sieben Geishas möchte auf eine andere Art und Weise beschenkt werden. Ayane zieht ihre Kraft aus der Musik und lässt sich von euch durch eine Flöte beschenken. Yoko hingegen mag es, am Strand spazieren zu gehen und benötigt dringend ein paar Schirme, um ihren blassen Teint zu schützen. Nunja, das Thema ist ein wenig übergestülpt. Erwähnte ich das schon?

Der Weg zum Sieg

Das Grundregelwerk ist einfach. Wer mehr Geschenke tätigt, bekommt auch die Gunst der Geisha. Im Deck mit den 21 Geschenken ist jedoch nicht jeder Geschenktyp gleich oft vertreten. Wie oft das passende Geschenk einer Geisha im Spiel vorhanden ist, verrät die Ziffer am Kartenrand. Wie schon erwähnt beträgt der Wert hier zwischen zwei und fünf Punkten. Gleichzeitig sind die Ziffern aber auch relevant für die Auswertung.

Am Ende jeder Runde wird geprüft, ob ein Spieler die Siegbedingungen erfüllt hat. Ihr habt das Spiel gewonnen, wenn ihr die Gunst von vier Geishas errungen habt. Alternativ könnt ihr den Sieg aber auch einholen, wenn ihr die Zuneigung von weniger Geishas erzielt habt, diese aber einen Wert von mindestens elf Punkten aufweisen. Nicht selten kommt es sogar vor, dass beide Spieler eine der beiden Bedingungen erfüllt haben. In diesem Fall gewinnt der Spieler, der mehr Gunstpunkte erobert hat.

Geschenke verteilen

Das Verteilen der Geschenke ist jedoch genau das Problem. Zwar zieht jeder von euch zu Spielbeginn sechs Karten auf die Hand und darf sogar noch jede weitere Runde eine weitere Karte ziehen, allerdings könnt ihr die Geschenkkarten nicht einfach so einer Geisha zukommen lassen. Um Geschenke zu verteilen, müsst ihr eine von insgesamt vier Aktionen einsetzen. Jede davon dürft ihr pro Runde nur einmal aktivieren.

Am einfachsten zu handhaben ist die Aktion „Geheimnis“. Hier legt ihr eine beliebige Handkarte verdeckt zur Seite. Die so ausgewählte Karte wird erst am Rundenende aufgedeckt und ihrer jeweiligen Geisha zugeordnet. Als zweite Aktion steht euch die „Ablage“ zur Verfügung. Ihr wählt dazu zwei Handkarten aus und nehmt sie verdeckt aus dem Spiel. Alle auf diese Art abgelegten Karten fließen am Rundenende nicht mit in die Wertung ein.

Mit der Aktion „Angebot“ legt ihr drei Handkarten offen vor euch aus. Der Gegenspieler wählt eine Karte davon und legt sie auf seiner Seite an der passenden Geisha an. Die zwei verbleibenden Karten legt ihr wiederum bei euch selbst an. Zu guter Letzt kommt noch die Aktion „Tausch“. Ihr legt vier Geschenkkarten offen vor euch aus und teilt sie in zwei Paare. Der Gegner darf sich zuerst ein Paar auswählen und die Karten auf seiner Seite anlegen. Das verbleibende Paar wandert hingegen wieder auf die eigene Seite.

Kurze Regeln, schnelles Spiel

Sobald jeder seine vier Aktionen gespielt hat, geht es an die Auswertung der Runde. Dazu deckt ihr zuerst die Karte auf, die ihr mit der Aktion „Geheimnis“ zurückgelegt habt und legt sie an die passende Geisha. Jetzt überprüft ihr, welcher Spieler bei den einzelnen Geishas die meisten Geschenke angelegt hat und verschiebt entsprechend die Gunstplättchen. Bei einem Patt verbleibt das Gunstplättchen in der Mitte. Habt ihr alles gecheckt, dann überprüft ihr nun, ob einer oder gar beide Spieler eine Siegbedingung erfüllt hat.

Möglicherweise ist das Spiel jetzt schon zu Ende, was gar nicht so selten der Fall ist. Ansonsten geht das Spiel in eine zweite Runde. Die Gunstplättchen werden jetzt jedoch nicht wieder in die Mitte zurückgeschoben, sondern verbleiben auf ihrer aktuellen Position. Da die Geishas sehr launenhafte Wesen sind, können sich die Machtverhältnisse aber auch im zweiten Durchlauf schnell wieder ändern. Habt ihr einer Geisha in der zweiten Runde mehr Geschenke spendiert als der Gegner, so wandert die Gunst direkt zu euch, auch wenn sich das Plättchen zuvor noch auf der gegnerischen Seite befunden hat. Sonst verlaufen die weiteren Runden genau wie der erste Durchlauf. Sobald beide Spieler ihre vier Aktionen durchgeführt haben, geht es in die Auswertung und die Siegbedingungen werden erneut überprüft. Auf besonders viele Runden müsst ihr euch allerdings nicht einstellen. Hanamikoji spielt sich in der Tat ziemlich flott. Häufig ist die Partie schon nach zehn Minuten vorbei. Längere Matches sind eher die Seltenheit.

Taktisch anspruchsvoll

Trotz der kurzen Spieldauer und der wenigen Regeln, weist Hanamikoji eine gute Portion an taktischer Tiefe auf. Der Clou des Spiels liegt vor allem darin, dass ihr die eigenen Handkarten nur bedingt kontrolliert an die Geishas anlegen könnt. Nur mit der „Geheimnis“-Aktion gibt es die volle Kontrolle über zumindest eine eigene Handkarte. Bei den weiteren Aktionen müsst ihr euch schon ziemlich gut überlegen, wie ihr die Karten auslegt und was der Gegenspieler damit anstellen kann. Die Aktion „Ablage“ erscheint auf den ersten Blick weniger mächtig. In der Tat ist sie aber für den Sieg sehr bedeutungsvoll, da ihr damit zwei Karten aussortiert, die so auch dem Gegner nicht in die Hände fallen können. Von Bedeutung ist natürlich außerdem, wie oft welche Karte denn schon ausgespielt wurde. Nimmt man die vielen taktischen Überlegungen zusammen, dann ist Hanamikoji eher ein Spiel für Strategen und weniger für Glücksspieler. Hanamikoji ist beim Kosmos-Verlag erschienen und kostet etwa 12-15€.

Pros

Cons

Fazit

Ein Quickie für Strategie-Fans - So lässt sich Hanamikoji vielleicht ganz gut beschreiben. Während viele Strategiespiele oft mehrere Stunden in Anspruch nehmen, lässt sich der vorliegende Titel sogar hervorragend in der Mittagspause zocken. Ich war ziemlich überrascht, dass in diesem Spiel doch einiges an strategischer Tiefe steckt. In der ersten Partie fällt das vielleicht noch gar nicht so auf. Doch nach einigen Partien entfaltet Hanamikoji dann sein Potential. Die Bedeutung der vier Aktionen wird zunehmend klarer und der Glücksfaktor reduziert sich, auch wenn er natürlich nicht ganz verschwindet. Es ist erstaunlich, wie wenig Regeln und Material es braucht, um ein taktisch anspruchsvolles Spiel zu verwirklichen. Die meisten Partien fallen allerdings sehr kurz aus. Oft möchte man eigentlich gerne weiterspielen, um dann festzustellen, dass das Spiel schon wieder vorbei ist. Hanamikoji ist ein anspruchsvolles Strategiespiel für zwischendurch zum kleinen Preis, das auch optisch zu gefallen weiß.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare