Test: Hero Realms

  • VonSebastian Hamers
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Viele von euch kennen sicher Magic: The Gathering, das Urgestein unter den Deckbauspielen. Das Sammelkartenspiel ist auch heute noch sehr beliebt, hat im Laufe der Jahre aber auch viele Fans verloren. Ständig neues Kartenmaterial, das dauernde Nachkaufen von Booster-Paketen mit ungewissem Inhalt, häufig wechselnde Turnierregeln… auf diese Art und Weise wurde Magic: The Gathering zwar lebendig gehalten, doch waren viele Spieler einfach nicht mehr bereit, das Wettrüsten mitzumachen und ein kleines Vermögen in ein Kartenspiel zu investieren. Dennoch, das Konzept fasziniert. Wenn ihr vielleicht mal wieder Lust auf Magic: The Gathering habt, die hohen Anschaffungskosten aber scheut, dann solltet ihr einen Blick auf Hero Realms werfen.

Ein wesentlicher Bestandteil von Magic war immer das Zusammenstellen eines Kartendecks. Bevor es tatsächlich zum Spiel selbst kommt, können Stunden in das Design des eigenen Kartenstapels investiert werden. Bei Hero Realms bedient ihr euch hingegen aus einem gemeinsamen Kartenpool und bastelt euer Deck „on-the-fly“ während des Spiels zusammen. Dieses Vorgehen hat gleich mehrere Vorteile. Zum einen könnt ihr ohne langes Vorgeplänkel direkt ins Spiel einsteigen, zum anderen kommt ihr preislich deutlich günstiger weg. Ein ständiges Nachkaufen von Karten ist nicht nötig.

Ohne Umschweife ins Spiel

Der Kartenstapel mit dem ihr Hero Realms beginnt, ist zunächst ziemlich überschaubar. Gerade einmal zehn Karten stellen die Startausrüstung dar. Zusätzliche Karten müsst ihr euch immer erst auf dem Marktplatz kaufen, bei dem es sich um eine offene Auslage von fünf Karten handelt. Diese Karten stammen aus dem Kartenpool für alle Spieler und wandern nach dem Zufallsprinzip auf den Marktplatz. Der Kauf von sogenannten Feuerjuwelen stellt eine weitere Option dar. Diese sind auf dem Markt immer verfügbar, jedenfalls solange der Vorrat reicht. Die Voraussetzungen sind für alle Spieler also gleich. Ein ständiges Wettrüsten mit immer neuen Karten müsst ihr also nicht befürchten.

Hero Realms unterscheidet prinzipiell drei unterschiedliche Kartentypen: Aktionen, Gegenstände und Champions. Um eine Karte zu spielen, werden keine Aktivierungskosten fällig, ihr könnt jede Karte einfach so von der Hand spielen. Das Sammeln von Mana, wie ihr es von Magic oder auch Hearthstone kennt, fällt damit weg. Dadurch wird das Spiel nicht nur einfacher, sondern euch schneller.

Deckbuilding on-the-fly

Euer Bestreben liegt natürlich darin, euren Gegenspieler zu vernichten, sprich: die Lebenspunkte auf null zu senken. Mit den Basiskarten, über die ihr schon zu Spielbeginn verfügt, ist dies schwerlich möglich. In eurem Repertoire befinden sich lediglich ein Dolch sowie ein Kurzschwert, die jedoch nur geringen Schaden zufügen. Ihr müsst also schnell mächtigere Karten auf dem Marktplatz erwerben. Für den Kauf von neuen Karten braucht ihr das nötige Kleingeld. Auf einigen Karten findet ihr Münz-Symbole, die ihr auf dem Markt investieren könnt. Zählt dazu einfach alle Münzen, die ihr auf den ausgespielten Karten findet und bedient euch nun an den Angeboten auf dem Markt. Einige Karten sind möglicherweise zu Beginn noch zu teuer, um sie zu erwerben. Deshalb wäre es sicher auch eine gute Idee, neue Geldquellen zu erschließen, die ihr natürlich wiederum durch neue Karten erhaltet.

Damit habt ihr die beiden harten Währungen des Spiels auch schon kennengelernt: Gold und Schaden. Im Verlauf eurer Runde werdet ihr in der Regel einfach alle Karten von der Hand ausspielen, da es keine Aktivierungskosten gibt und überzählige Karten am Rundenende ohnehin abgeworfen werden müssen. So addiert ihr einfach alle Münz- und Schadenssymbole auf den ausgespielten Handkarten. Beide Werte wandern in einen Pool, den ihr nun nach euren Vorstellungen verteilen könnt. Für Münzen kauf ihr neue Karten auf dem Markt, den Schaden dürft ihr entweder auf feindliche Kreaturen oder aber den Gegenspieler selbst verteilen.

Viele Karten harmonieren mit speziellen anderen Karten besonders gut und verfügen über eine Verbündeten-Fähigkeit. An dieser Stelle kommen die vier Fraktionen von Hero Realms ins Spiel. Eine Verbündeten-Fähigkeit wird erst ausgelöst, wenn ihr eine weitere Karte mit der passenden Fraktion im Spiel habt. Mit den Verbündeten-Fähigkeiten lassen sich spannende Kombis spielen, die euren Gegenspieler zur Verzweiflung bringen. Achtet beim Zusammenbasteln des Decks also auch immer auf diese Sonderfunktionen, um eure Effektivität zu erhöhen.

Die Rolle der Champions

Alle gespielten Karten legt ihr auf den eigenen Ablagestapel. Am Ende der Runde zieht ihr wieder fünf Karten vom eigenen Kartendeck nach. Befinden sich keine Karten mehr im Deck, wird der Ablagestapel gemischt und als neuer Nachziehstapel bereitgestellt. Auf den Ablagestapel wandern übrigens auch alle neu erworbenen Karten vom Markt. Sie stehen euch also nicht direkt zur Verfügung, sondern wandern erst mit der Zeit auf eure Hand.

Die Champions stellen hier jedoch eine Ausnahme dar. Während Gegenstände und Aktionen am Rundenende abgelegt werden, verbleiben die Champions im Spiel. Mit ihnen könnt ihr individuelle Aktionen auslösen, einige richten Schaden an, geben euch Lebenspunkte zurück oder manipulieren auf eine andere Art das Spiel. Um die Fähigkeit eines Champions einzusetzen, müsst ihr die Karte auf die Seite drehen. So zeigt ihr an, dass die Fähigkeit des Champions in dieser Runde bereits aktiviert wurde. Im Spiel befinden sich jedoch Karten, die es euch erlauben, den Champion wieder in die aufrechte Position zu bewegen. Dadurch könnt ihr seine Aktion auch zweimal in der Runde nutzen. Am Ende der Runde werden alle Karten dann auch ohne weiteres Zutun wieder aufgerichtet und sind erneut einsatzbereit.

Jeder Champion verfügt über eigene Lebenspunkte, kann also vom Gegenspieler attackiert werden. Dazu muss lediglich die geforderte Anzahl an Schadenspunkten aus dem Pool investiert werden. Dann wandert der Champion auf den Ablagestapel des Besitzers. Bei einem Angriff auf einen Champion muss immer der gesamte Schaden angerichtet werden, um ihn zu vernichten, da am Ende der Runde jeglicher Schaden an den Champions wieder geheilt wird. Ein Hantieren mit Schadensmarkern bleibt euch somit erspart. Auch hier lässt sich wieder gut erkennen, dass Hero Realms sehr viel Wert auf ein schlankes Regelwerk und eine unkomplizierte Handhabung legt.

Einige Champions verfügen zudem über das Sondermerkmal „Wächter“. Ein Wächter schützt euch selbst sowie andere Champions vor dem direkten Angriff. Euer Gegner muss immer zuerst euren Wächter vernichten, bevor wieder Schaden auf andere Figuren oder euch selbst gelenkt werden kann. Das kann den Wächter zu einem strategisch sehr wichtigen Bestandteil eines Decks machen, gerade wenn es am Ende des Spiels auf jeden Lebenspunkt ankommt.

Ein Spiel mit vielen Möglichkeiten

Habt ihr am Ende des Spiels aber ein dickes Paket von Karten angesammelt, kann es unter Umständen sein, dass ihr zum Beispiel an einen dringend benötigten Wächter erst gar nicht rechtzeitig drankommt. Achtet also gut darauf, welche Karten ihr tatsächlich in euer Deck aufnehmt. Wenn eine Karte nicht gut zu der gewählten Strategie passt, ist es möglicherweise besser, ganz auf sie zu verzichten. Einige Karten bieten zudem die Möglichkeit des Opferns an. Diese Karten werden auf den Opferstapel gelegt und kommen somit ganz aus dem Spiel, werden also nicht mehr in euer Deck eingemischt. Zudem bringen sie euch vor dem Opfern noch einen einmaligen Sonderbonus ein. Karten mit Opferfunktion halten euch somit im Spiel flexibel.

Mit Flexibilität kann Hero Realms als Spiel auch selbst glänzen. Im Kern ist es zwar als klassisches Duell ausgelegt, allerdings bietet das Regelwerk auch unterschiedliche Versionen für bis zu vier Spieler an. In Hero Realms könnt ihr euch in Zweier-Teams bekämpfen, mit dem Jeder-gegen-Jeden-Modus spielen oder auch eine Variante ausprobieren, die sich mit drei Teilnehmern gut spielen lässt. Echte Fans finden sogar eine Regel für sechs Spieler. Dazu benötigt ihr allerdings ein weiteres Basisspiel oder aber die Charakter Packs, die es einzeln im Handel gibt.

Die Charakter Packs kosten etwa 5€ und sind in den Varianten Waldläufer, Kleriker, Zauberer und Kämpfer erhältlich. Mit ihnen bekommt ihr ein individuelles Startset mit zehn Karten. Dazu gibt es noch Charakter-, Fähigkeiten-, sowie Lebenspunktkarten, insgesamt enthält das Paket 15 Karten. Mit dem Grundspiel, für das ihr 15-20€ investieren müsst, kommt ihr aber auch gut über die Runden.

Pros

Cons

Fazit

Als Fan von Star Realms und Cthulhu Realms, den SciFi- und Horror-Ablegern der Reihe, habe ich mich schon sehr auf die Veröffentlichung von Hero Realms gefreut. Wie gewohnt ist der Ablauf des Spiels auf das Wesentliche reduziert. Dadurch spielt sich Hero Realms sehr flüssig. Der taktischen Tiefe tut dies aber keinen Abbruch. Ganz im Gegenteil, das Zusammenbasteln des Decks ist eine Kunst für sich. Es kommt auf die richtige Mischung an, bei der es viele Faktoren zu bedenken gilt. Der für viele Spieler lästige Deckbau, das Zusammenkaufen von passenden Karten, all dies fällt bei Hero Realms komplett weg. Wenn ihr früher gerne Magic: The Gathering gespielt habt oder auch vielleicht schon einmal über komplexe Living Card Games gestolpert seid, dann werdet ihr mit Sicherheit auch an Hero Realms eure Freude haben. Wenn nicht, dann solltet ihr es unbedingt einmal ausprobieren. Hero Realms ist ein großartiges Spiel, das eine gute Portion des Flairs der großen Trading Card Games versprüht, nur zu einem sehr viel attraktiveren Preis.

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