Test: Illusion

  • VonSebastian Hamers
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Spieleautor Wolfgang Warsch und der Nürnberger Spielkartenverlag bekennen Farbe. Das künstlerisch anmutende Kartenspiel Illusion versucht euch mit seinen schrägen Mustern und einer unterschiedlichen Farbaufteilung um den Verstand zu bringen. Wie viel Farbe siehst du wirklich? Die Frage, die ihr bereits auf dem Cover des Spiels seht, erklärt im Grunde auch schon einen Großteil des Regelwerks. Ihr müsst in diesem Spiel schon ganz genau hinsehen, um abzuschätzen, wie die Farbverteilung auf den einzelnen Karten ausfällt.

Illusion besteht aus 110 Spielkarten. Den Löwenanteil stellen dabei die 98 Farbkarten, die euch meist abstrakte Gebilde in den Farben rot, grün, blau und gelb präsentieren. Die restlichen zwölf Karten zeigen einen Pfeil, je drei in den oben bereits genannten Farbvarianten. Jedes Spiel beginnt zunächst mit einer dieser Pfeilkarten, die ihr offen ausspielt.

Wie viel Farbe siehst du wirklich?

Die gezogene Pfeilkarte legt fest, auf welche Farbe ihr in der laufenden Runde nun ganz genau achten müsst. Jetzt deckt ihr die erste Farbkarte auf und legt sie ebenfalls offen aus. Damit wären die gesamten Spielvorbereitungen auch schon abgeschlossen, eine Sache von Sekunden. Jetzt kann das Spiel auch gleich beginnen. Als erster Spieler zieht ihr nun eine weitere Farbkarte, die ihr nun passend einsortieren müsst.

Nehmen wir an, dass ihr zu Beginn des Spiels eine blaue Pfeilkarte gezogen habt. In diesem Fall müsst ihr nun schätzen, ob der blaue Farbanteil auf der gezogenen Farbkarte höher oder niedriger ist als auf der bereits ausliegenden Karte. Weist die Karte einen höheren Blauanteil auf, legt ihr sie auf der rechten Seite ab, ansonsten platziert ihr sie auf der linken Seite. Nutzt am besten den Pfeil, um die Orientierung zu behalten. So behaltet ihr stehts im Blick, wo die Skala anfängt und wo sie endet.

Warten auf den Fehler

Im Spielverlauf legen nun alle Spieler nach dem oben beschriebenen Muster ihre Farbkarten an. Je mehr Karten auf dem Tisch ausliegen, desto schwerer wird es natürlich, die Karten an der richtigen Stelle einzusortieren. Die Karten müssen, gemessen am blauen Farbanteil, in aufsteigender Reihenfolge sortiert werden. Auf den ersten Blick ist das jedoch meistens nicht wirklich gut zu erkennen. Ihr müsst also schon ganz genau hinschauen.

Irgendwann werdet ihr vielleicht mal den Gedanken fassen, dass die ausgelegte Kartenreihe schon einen Fehler enthält. In diesem Fall zweifelt ihr die Korrektheit der Reihenfolge an. Das Spiel wird dann unterbrochen und es geht an die Auflösung. Dazu dreht ihr die Karten einfach auf ihre Rückseite. Auf der Rückseite einer Karte findet ihr eine genaue Angabe, wieviel Prozent der Fläche die vier Farben tatsächlich ausfüllen.

Jetzt prüft ihr, ob die Kartenreihenfolge tatsächlich einen oder gar mehrere Fehler enthält.  Ist die angelegte Reihenfolge tatsächlich nicht korrekt, so bekommt ihr als Spieler, der das Spiel unterbrochen hat, einen Punkt. Dazu nehmt ihr einfach die ausliegende Pfeilkarte an euch. Habt ihr euch allerdings geirrt und die Reihenfolge ist stimmig, dann bekommt der Spieler, der die letzte Karte ausgelegt hat den Punkt und somit die Pfeilkarte.

Ein Spiel voller knapper Entscheidungen

Nicht selten gehen die Entscheidungen denkbar knapp aus. Da die meisten Gebilde auf den Karten ziemlich abstrakt ausfallen, ist es gar nicht so leicht, eine korrekte Schätzung vorzunehmen. Daraus resultiert aber sicher auch ein großer Teil der Spannung. Immer wieder steht ihr vor der Frage, ob die ausliegende Reihenfolge der Karten so überhaupt noch richtig ist. Seid ihr am Zug, kann das Auslegen einer Karte manchmal zur Qual werden. Wenn ihr euch so gar nicht sicher seid, an welcher Position ihr die gezogene Karte einreihen sollt, raucht schnell der Kopf.

Nach der Auflösung könnt ihr direkt zur nächsten Runde übergehen. Dazu legt ihr einfach wieder eine Pfeil- sowie eine Farbkarte aus und schon geht es weiter. Ihr könnt Illusion über zwölf Runden spielen, dann habt ihr alle Pfeilkarten vergeben. Der Spieler mit den meisten gesammelten Pfeilkarten gewinnt das Spiel. Wenn ihr ein kürzeres Spiel bevorzugt, könnt ihr natürlich auch ein anderes Ziel vereinbaren. Somit ist die Spieldauer von Illusion ziemlich variabel. Auch wenn ihr über die volle Distanz von zwölf Runden geht, dauert ein Match selten viel länger als zwanzig Minuten.

Illusion ist ein Kartenspiel für zwei bis fünf Spieler ab acht Jahren. Das Spiel wird durch den Nürnberger Spielkartenverlag vertrieben und kostet zwischen 8€ und 10€.

Pros

Cons

Fazit

Wie viel Farbe sehe ich wirklich? Diese Gretchenfrage stellt sich immer wieder, egal ob ein Mitspieler am Zug ist oder ob ich selbst versuche, eine Karte in der ausliegenden Reihenfolge korrekt einzusortieren. So manches Mal bin ich an dieser Frage verzweifelt, denn nicht selten ist die Einordnung eine ganz knappe Kiste. Umso verblüffender ist es dann, wenn eine lange Kartenreihe tatsächlich in der richtigen Abfolge ausgelegt wurde. Ein respektvolles Raunen geht durch den Raum und alle Spieler beglückwünschen sich zu dieser Glanzleistung. Dadurch entsteht in Teilen sogar so etwas wie ein Teamgefühl, obwohl es sich gar nicht um ein kooperatives Spiel handelt. Illusion ist aber nicht nur ein Spiel mit Gefühl, sondern auch vor allem für den Kopf. Das Spiel fordert eure Konzentration und euer geschultes Auge heraus. Denn nur so werdet ihr auf die alles entscheidende Frage auch eine passende Antwort finden.

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