Test: Inis

  • VonSebastian Hamers
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Seien wir ehrlich. Geht es um Spiele, dann spielt die Grafik eben doch eine gewichtige Rolle. Das gilt für Video- und Brettspiele gleichermaßen. Inis, jüngst im Pegasus-Verlag erschienen, geht diesbezüglich einen bislang wenig ausgelatschten Weg. Die Malkasten-Optik findet sicherlich viele Fans, mag aber auch den ein oder anderen Spieler auf Distanz bringen. Trotz der auffälligen Optik stellt sich am Ende des Tages schließlich aber doch die Frage nach dem Spielgefühl. Dieser Frage wollen wir natürlich an dieser Stelle gerne nachgehen.

Inis führt uns ins Reich der Kelten. Genauer gesagt auf eine neu entdeckte und noch nicht erschlossene Insel. Bis zu vier Häuptlinge ringen um die Vorherrschaft auf dem kleinen Eiland. Am Ende des Spiels wird der ARD-RI gekrönt, der König des neuen Reiches.

Die Kontrolle gewinnen

Die Insel wird aus mehreren Einzelteilen zusammengepuzzelt. Zu jedem Teilstück gehört stets eine Karte, die dem Spieler zukommt, der die Kontrolle über das Gebiet hat. Kontrolle über Gebiete bekommt ihr durch eure Clanfiguren. Die Regelung ist ganz einfach: Besitzt ihr die meisten Figuren in einem Gebiet, bekommt ihr die Kontrolle und somit auch die entsprechende Karte, die ihr dann wieder zu eurem Vorteil einsetzen könnt.

Überhaupt spielen Mehrheiten in Inis eine ganz zentrale Rolle. Das muss man mögen, um am Spiel Gefallen zu finden. Die Bedeutung der Mehrheit spiegelt sich schon in den Spielzielen wieder. Von hoher Relevanz ist es, möglichst viele Clanfiguren ins Spiel zu bringen und sie geschickt auf dem Plan zu verteilen. Für den Sieg müsst ihr entweder mindestens sechs gegnerische Clanfiguren kontrollieren, in Gebieten mit insgesamt mindestens sechs Kultstätten anwesend sein oder eure Figuren in mindestens sechs Gebieten platziert haben.

Außerdem müsst ihr mehr Siegbedingungen erfüllt haben als alle anderen Spieler. Da fällt es manchmal gar nicht so leicht, den Überblick zu behalten. So müsst ihr nicht nur den eigenen Fortschritt, sondern auch den der Rivalen im Auge behalten. Die Interaktion mit den anderen Spielern ist also auf jeden Fall gegeben.

Drafting mit dem kleinen Kniff

In Inis spielen die Clanfiguren eine wichtige Rolle. Ebenso von Bedeutung sind allerdings die Spielkarten. In die Karten und ihre Gestaltung habe ich mich sofort verliebt. Sie sind nicht nur deutlich größer als die üblichen Standard-Karten, sondern stechen auch optisch hervor. Kein kunterbunter Comic-Look, die kleinen Gemälde siedeln sich irgendwo zwischen Aquarell-Werk und Tarotkarten-Optik an. Das trifft bestimmt nicht jedermanns Geschmack, mich hat die Grafik allerdings sofort angesprochen.

Die Karten unterteilen sich grob in drei Kategorien. Da wären zunächst die schon angesprochenen Vorteilskarten, die ihr erst dann erhaltet, wenn ihr die Kontrolle über ein Gebiet erzielt habt. Für jedes Gebiet gibt es eine andere Karte mit einem individuellen Vorteil. Hinzu kommen die Heldentatkarten. Diese könnt ihr nur durch bestimmte Aktionen ergattern, etwa wenn ihr eine Kultstätte errichtet habt.

Die Heldentatkarten haben einen besonderen Vorteil gegenüber den normalen Aktionskarten, der dritten und letzten Kartenkategorie. Sie werden am Rundenende nicht wieder abgeworfen, sondern verbleiben solange auf der Hand bis ihr sie eingesetzt habt.

Mit den Aktionskarten werdet ihr am häufigsten hantieren. Sie werden zu Beginn jeder neuen Runde gedraftet. Das Grundprinzip kennt ihr vermutlich. Ihr bekommt ein paar Karten auf die Hand, wählt eine für euch aus und gebt die restlichen Karten an den nächsten Mitspieler weiter. Haben wir alles schon etliche Male gesehen und gespielt. Bei Inis dürft ihr jedoch auch schon gedraftete Karten weiterreichen, dafür dann zusätzliche der weitergereichten Karten behalten. Dieser auf den ersten Blick unscheinbare Kniff erlaubt es euch, Strategien noch abzuändern und zu verfeinern.

Weniger Kriegsspiel, mehr Spaß?

Ist die Draftig-Phase abgeschlossen, geht es weiter in den Aktionsteil des Spiels. Hier haut ihr euch reihum die Karten um die Ohren. Einige Karten lassen sich allerdings nur als Reaktion auf bestimmte Ereignisse anwenden. Im Hinterkopf solltet ihr dabei immer die drei Siegbedingungen haben. Habt ihr aufmerksame Mitspieler, führt dies oft zu temporären Bündnissen gegen einzelne Häuptlinge.

Von Vorteil ist es auf jeden Fall, möglichst viele eigene Clanfiguren im Spiel zu haben. Einige Karten erlauben es euch, neue Figuren ins Spiel zu bringen oder Einheiten zu bewegen. Natürlich könnt ihr Clanfiguren aber auch wieder verlieren, denn auf der keltischen Insel geht es nicht immer friedlich zu. Kämpfe sind ein wichtiger Bestandteil von Inis, sind jedoch nicht so zentral wie man auf den ersten Blick glauben mag.

Siedlungen bieten Schutz

Ein Kampf entsteht immer dann, wenn mindestens eine Clanfigur in ein Gebiet mit gegnerischen Clans gezogen wird. In einigen Fällen kann auch eine Karte einen Konflikt auslösen. Eine Schlacht muss jedoch nicht zwingend bis auf die letzte Einheit ausgetragen werden. Sind sich alle am Kampf beteiligten Spieler einig, kann der Kampf jederzeit vorzeitig beendet werden. Verbleibende Einheiten verbleiben in diesem Fall einträchtig auf dem gleichen Feld.

Vor dem Kampf könnt ihr reihum auch noch einzelne Figuren in eine Siedlung flüchten lassen. Die Siedlungen werden, genauso wie die Kultstätten, via Karteneffekt erbaut, bleiben aber immer neutral. In jede Siedlung kann nur jeweils eine Figur flüchten, die dann nicht am Kampf teilnimmt. Am Ende des Konflikts stellt ihr sie einfach wieder auf das Regionsplättchen.

Kampf der Kelten

Die Kämpfe selbst gestalten sich nicht sonderlich komplex. Es gibt etliche Brettspiele mit taktisch anspruchsvollen Gefechten und vielen strategischen Möglichkeiten. Inis fällt eher nicht in diese Kategorie. In der Schlacht könnt ihr abwechselnd immer eine von drei möglichen Aktionen ausführen. Mit dem Angriff entfernt ihr eine gegnerische Clanfigur aus dem Spiel. Der Rückzug erlaubt es euch, eine eigene Figur in ein von euch kontrolliertes Nachbargebiet zu bewegen. Als dritte Option steht euch noch die Heldentat zur Verfügung. Letztere machen auch den Reiz des Kampfes aus, sind sie doch das einzige Überraschungsmoment. Die Heldentaten erhaltet ihr als Belohnung für bestimmte Aktionen im Spiel. Mit ihnen könnt ihr den Kampfverlauf gehörig durcheinander wirbeln. Eine geschickt eingesetzte Karte bereitet dann auch diebische Freude, wenn ein Plan aufgeht.

Damit wären die Grundstrukturen von Inis auch schon grob umrissen. Die Regeln lesen sich im Großen und Ganzen ziemlich flüssig, sodass der Einstieg nicht allzu schwer fallen sollte. Von der taktischen Tiefe her bewegt sich Inis dennoch im oberen Feld. Es gibt zahlreiche Kniffe, Kombos und Strategien, die sich euch in der ersten Partie vielleicht noch nicht sofort erschlossen haben. Entsprechend dürfte das Spiel auch längerfristig spannend bleiben.

Eine Partie dauert etwa 45-60 Minuten. Das Spiel ist bereits im Handel und kostet ca. 50€. Ein fairer Preis, angesichts des wirklich sehr schönen Materials.

Pros

Cons

Fazit

Inis hat es mir leicht gemacht, es zu mögen. Ich stehe auf gutes Spielmaterial, große Karten und auch der Look des Spiels hat es mir sehr angetan. Ein wenig mehr Pfeffer hätten vielleicht die Standardfunktionen der Kämpfe vertragen können. Zum Glück bieten die Heldentatenkarten dann aber doch genug Möglichkeiten, um taktisch zu operieren. Gut gefallen hat mir auch die Anleitung, die mit zehn Seiten noch recht kompakt ausgefallen ist. Inis ist ein hochwertiges Brettspiel für fortgeschrittene Spieler, die sich an Drafting-Mechaniken erfreuen und denen der kämpferische Aspekt nicht übermäßig wichtig ist.

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