Test: Jump Drive

  • VonSebastian Hamers
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Als Brettspiel-Autor Tom Lehmann im Jahr 2007 sein Kartenspiel Race For The Galaxy vorstellte, war die Brettspiel-Szene entzückt. Ausgestattet mit reichlich Tiefgang und einer hohen Komplexität wie man es bei einem kleinen Kartenspiel eher selten sieht, verzauberte das Spiel vor allem eingefleischte Analog-Strategen. Weniger geübte Spieler hingegen verzweifelten nicht selten an der hohen Einstiegshürde von Race For The Galaxy. Neugierige, die mit Bedenken bezüglich des schweren Einstiegs bislang vor dem Spiel halt gemacht haben, dürfen sich nun über das brandneue Jump Drive freuen. Jump Drive entführt euch in das Universum von Race For The Galaxy, ist jedoch im Gegensatz zum Vorgänger ganz einfach zu erlernen und spielt sich auch sehr viel schneller.

Als Anführer einer fortgeschrittenen Zivilisation erkundet ihr den Weltraum, entwickelt neue Technologien und besiedelt bislang unbekannte Planeten. Alle Aktionen in Jump Drive werden mit Karten gesteuert, die sich zunächst einmal grundsätzlich in zwei Kategorien unterteilen. Da wären zum einen die Entwicklungen, die eurem Volk technologische Fortschritte bescheren. Einmal gespielt bleiben die Entwicklungen als bleibende Karte vor euch liegen. So könnt ihr die Vorteile der Karte während des gesamten Spiels über nutzen.

Kein Fortschritt ohne Cash

Technologische Fortschritte kommen nicht von allein. Sie müssen hart erarbeitet und natürlich auch bezahlt werden. Für den Cashflow halten praktischerweise die Spielkarten gleich selbst her. In Jump Drive findet ihr deshalb auch keine Credit-Plättchen oder gar Geldscheine wieder. Sämtliche Kosten werden mit Handkarten bezahlt. Wollt ihr also eine neue Entwicklung in eurem Weltraum-Imperium installieren, steht ihr sogleich vor einigen harten Entscheidungen. Es müssen einige Handkarten geopfert werden. Schon an früher Stelle im Spiel werdet ihr gezwungen einen strategischen Weg einzuschlagen. In Jump Drive muss es eben schnell gehen. Hier wird nicht viel Zeit mit Vorgeplänkel vertändelt, sondern es geht gleich zur Sache.

Neben den Entwicklungen befindet sich mit den Welten noch die zweite und zugleich auch schon letzte Karten-Kategorie im Spiel. Die Galaxie in Jump Drive stellt sich dabei als ein ziemlich buntes Gemisch heraus. In den Weiten des Weltalls findet ihr verlassene Planeten oder Schiffe, freundlich gesinnte Aliens und mysteriöse Artefakte. Ihr müsst diese Welten eigentlich nur noch besiedeln und für euch in Beschlag nehmen. Zuvor fallen allerdings, wie könnte es auch anders sein, wieder einige Kosten an, die eure Kriegskasse belasten. Schon wandern wieder einige Karten auf den Ablagestapel. Die Investition kann sich aber natürlich richtig lohnen, wenn ihr klug agiert. Es winken euch Siegpunkte oder auch ein schönes Einkommen, das natürlich wiederum in frischem Kartenmaterial ausgezahlt wird.

Angriff auf Rebellen und Piraten

Leider sind nicht alle Weltraum-Völker so friedlich, so dass sie sich euch freiwillig unterwerfen. Selbst mit einem Haufen Credits lassen sich diese widerwärtigen Rebellen nicht bestechen. Jetzt bleibt euch wohl keine andere Wahl: ihr müsst die Waffen sprechen lassen. Die Kämpfe in Jump Drive lassen sich ganz unkompliziert abwickeln. Eine Welt, die sich verteidigt, könnt ihr nur auslegen, wenn ihr die militärischen Mittel dazu besitzt. Jede dieser Rebellen-Welten verfügt über eine gewisse Stärke. Im Spielverlauf sammelt euer eigenes Imperium durch die Entwicklung von bestimmten Technologien oder die Besiedlung spezieller Welten eine wachsende militärische Durchschlagskraft. Eine feindliche Welt gibt sich geschlagen, wenn euer Angriffswert mindestens so hoch ist wie der Militärwert der angegriffenen Karte. Habt ihr eine verteidigende Welt einmal akquiriert, könnt ihr ihre Vorteile ganz normal nutzen. Der Vorteil: durch das Auslegen einer feindlichen Welt fallen keine Kosten an in Form von Handkarten an. Es reicht, wenn ihr die nötige militärische Stärke besitzt. Der Ausbau des eigenen Militärs kann sich also schon bald lohnen.

Schon bald bedeutet in Jump Drive „recht zügig“. Denn besonders viel Zeit bleibt nicht, jede Aktion muss sich für euch rentieren, wenn ihr den Wettlauf um die Siegpunkte gewinnen möchtet. In jeder Runde könnt ihr maximal zwei Karten ausspielen: eine Entwicklung und eine Welt. Solltet ihr mal auf das Ausspielen einer Karte verzichten, bekommt ihr einen kleinen Kartenbonus, um den Nachteil wieder etwas auszugleichen. Verzichtet ihr hingegen vollkommen auf das Ausspielen einer Karte, geht es für euer Weltraumvolk auf Erkundungstour ins All.

Entdeckungen im Weltraum

Manchmal kann im Spiel eine Situation entstehen, an der ihr keine Karte von der Hand spielen wollt oder könnt. Entweder passen die verfügbaren Handkarten nicht so recht zur Strategie oder euch sind einfach die Ressourcen ausgegangen. Stattdessen durchstreift ihr nun das Weltall auf der Suche nach wertvollen Ressourcen. Diese erhaltet ihr natürlich wieder in Form von neuen Handkarten. Einige Karten weisen eine oder gar mehrere Erkundungssymbole aus. Habt ihr solche Karten bereits in eurer Auslage, werten sie eure Erkundungen im All auf. Beim Erkunden zieht ihr so viele Karten vom Nachziehstapel wie ihr Erkundungssymbole auf den schon ausliegenden Karten besitzt und addiert noch zwei hinzu. Allerdings dürft ihr von den neu gezogenen Karten immer nur zwei behalten. Die Erkundungssymbole erhöhen also nur die Auswahl der Karten aus der ihr wählen dürft. Dennoch ist die Macht der Entdecker-Imperien nicht zu unterschätzen.

In Jump Drive spielt die Abstimmung der ausgespielten Karten eine große Rolle. Viele Karteneffekte beziehen sich auf andere Karten in der eigenen Auslage. Siegpunkte kann es etwa abhängig davon geben, wie viele Welten mit seltenen Elementen ihr schon besiedelt oder erobert habt. Mit etwas Spielerfahrung entdeckt ihr immer wieder neue mächtige Kombinationen, die ihr mit den Karten bewerkstelligen könnt. Je besser ihr das Spiel kennt, desto taktischer wird es.

Spiel mit Überlichtgeschwindigkeit

Ein großes Plus von Jump Drive ist der sehr flüssige Spielablauf. In jeder Runde entscheidet sich jeder Spieler für bis zu zwei Karten, die er ausspielen möchte. Diese Entscheidung kann problemlos zeitgleich durchgeführt werden. Alle Spieler legen dazu die gewählten Karten einfach verdeckt vor sich ab. Danach werden die Aktionen abgehandelt. Ein langes Warten auf den eigenen Zug gibt es nicht. Selbst die Auswertung am Rundenende kann jeder Spieler für sich alleine durchführen. Am Rundenende bekommt jeder Spieler Siegpunkte für seine Karten in der Auslage und nimmt sich anschließend neue Karten vom Nachziehstapel als Einkommen. Danach kann die neue Runde auch schon wieder anfangen.

Das Spiel endet sobald der erste Spieler die Marke von fünfzig Siegpunkten geknackt hat. Die folgende Rundenwertung wird noch aber noch durchgeführt. In der abschließenden Abrechnung gewinnt der Spieler mit den meisten Siegpunkten. Eine Partie spielt sich flüssig in einem Rutsch herunter und dauert zwischen fünfzehn und dreißig Minuten. Gering ist nicht nur die Spieldauer, sondern auch der Preis. Für 15-20€ erhaltet ihr ein schnelles Kartenspiel mit einfachen Regeln und genug Tiefgang für viele spannende Partien.

Pros

Cons

Fazit

Einfache Regeln und kurze Spieldauer sind Attribute, die oftmals einfachen Familienspielen zugeordnet werden. Jump Drive weist diese beiden Merkmale zwar ebenso auf, richtet sich aber dennoch an eher erfahrene Spieler. Erst wenn ihr euch etwas intensiver mit diesem Kartenspiel beschäftigt habt, entfaltet es sein volles Potenzial. Mit zunehmender Zahl der Partien entdeckt ihr mehr und mehr mächtige Kombinationen für euer Weltraum-Imperium. Die Anzahl der gespielten Partien lässt sich auch problemlos schnell steigern. Eine Runde Jump Drive noch schnell vor dem Abendessen? Kein Problem! Jump Drive ist ein Kennerspiel, das nicht direkt wieder zwei Stunden Spielzeit von euch einfordert, sondern sich auch mal mit einer Viertelstunde zufriedengibt. Etwas kurz kommt hingegen die Interaktion unter den Spielern. Einige Karten im Spiel beziehen sich auch auf Karten in der Auslage anderer Spieler, dies ist jedoch eher die Ausnahme. Wenn euch dieser kleine Makel nicht stört, erhaltet ihr einen schnellen und dennoch anspruchsvollen Titel, der auch gehobenen Ansprüchen gerecht wird.

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