Test: Kilt Castle

  • VonSebastian Hamers
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Es ist ein seltsames Treiben, das man auf dem Stammsitz des schottischen Clans der McKilts beobachten kann. Während das eine Familienmitglied die Türme des Schlosses mit rotem Backstein überzieht, ist jemand anderes schon dabei, an einer anderen Ecke mit Kalkstein weiterzubauen. Manchmal wird sogar das gerade erst frisch verlegte Gestein direkt wieder mit einem anderen Material überdeckt. Inmitten des Geschehens giften sich die McKilts gegenseitig an, jeder darauf bedacht, sich den größten Teil des Schlosses unter den Nagel zu reißen.

Die Hintergrundgeschichte von Kilt Castle erscheint auf den ersten Blick schon etwas skurril. Auch auf den zweiten Hingucker ist die Story des Brettspiels doch ziemlich künstlich über die Spielmechanik gestülpt. Verzeihlich, wenn die Qualität des Spiels ansonsten stimmt.

Kalkstein vs. Backstein

Kilt Castle besteht aus einem 5x5 Felder großen Spielbrett und steht für den Grundriss des schottischen Schlosses. Jeder der zwei bis vier Spieler wird im Laufe des Spiels versuchen, seinen Einfluss innerhalb der Schlossmauern zu mehren. Als einer der schottischen Stammesmitglieder bekommt ihr eine eigene Farbe zugewiesen. Der rote Spieler baut mit Backsteinen, während der graue Spieler mit Kalksteinen zu Werke geht. So markiert jeder von euch sein Revier mit seinen eigenen Steinen. An den sogenannten Dukatentagen winkt euch ein Geldregen, sofern ihr eine möglichst große Schlossfläche zu diesem Zeitpunkt euer Eigen nennen könnt.

Zu Spielbeginn bekommt ihr jeweils 16 Stockwerke in der eigenen Farbe. Es handelt sich dabei um kleine Plastikaufsteller, die sich aufeinander stapeln lassen. Dazu gibt es noch zehn Dukaten für die ersten Ausgaben. Anschließend werden außerdem die Baukarten ausgelegt, dann kann es auch schon losgehen.

Schottischer Turmbau

Mit den letztgenannten führt ihr eure Aktionen aus. Das Spiel besteht aus zehn Baukarten, davon sind vier einfarbig, der Rest verfügt über zwei Farben, die den Farben der Spieler entsprechen. Auf dem Spielfeld gibt es einige Markierungen, an denen ihr ablest wie ihr die Baukarten vor dem Spielstart auslegen müsst. Auf dem ersten Feld legt ihr eine Baukarte, dann folgen zwei, drei und vier Karten dieses Typs. Die Baukarten könnt ihr der Einfachheit halber ein wenig zusammenschieben, sind aber für alle Spieler offen und einsehbar.

Der Spielablauf gestaltet sich denkbar einfach. Seid ihr am Zug, versetzt ihr eine beliebige Baukarte. Befindet sich eure Farbe auf der Karte, müsst ihr ein Stockwerk bauen. Handelt es sich dabei um eine zweifarbige Karte, ist auch der passive Spieler mit der passenden Farbe am Zug. Auch er muss ein Stockwerk auf dem Spielfeld platzieren.

Baukarten wandern um das Spielfeld

Bei der Wahl der versetzten Baukarte gibt es ein paar wenige Regeln zu beachten. Eine versetzte Baukarte wandert immer im Uhrzeigersinn um das Spielfeld herum. Sie muss stets um mindestens ein Feld nach vorne gezogen werden. Setzt ihr eine Baukarte an die vorderste Position der Schlange, muss auf dem Feld direkt hinter ihr mindestens noch eine Karte anliegen. Ihr könnt mit einer Karte also nicht beliebig weit vorauseilen. Zudem darf jede Kartenreihe an einem Feld aus höchstens vier Karten bestehen. Dritte und auch schon letzte Regel: Es darf nie mehr als fünf Kartenreihen geben. Beim Versetzen seid ihr übrigens nicht gezwungen, eine Karte mit der eigenen Farbe zu wählen. Manchmal kann es auch ganz hilfreich sein, die anderen Spieler in Zugzwang zu bringen.

Diese Regelung führt dazu, dass immer dann ein leeres Feld entsteht, wenn die letzte Karte einer Reihe nach vorne gezogen wurde. Jetzt klafft eine Lücke zwischen zwei Kartenreihen. Daraus resultiert, dass der Dukatentag durchgeführt wird. Habt ihr taktisch klug gebaut, winken euch jetzt ein paar Extra-Dublonen.

Wie wird gebaut?

Mit dem Versetzen der Baukarten könnt ihr also mitbestimmen, zu welchem Zeitpunkt Gold ausgeschüttet wird. Die Baukarten bestimmen, wie bereits erwähnt, jedoch auch, wer im laufenden Zug ein Stockwerk baut. Festgelegt wird aber nicht nur das WER, sondern auch das WO und WANN.

Dazu betrachten wir uns die Baukarten einmal im Detail. Die zweifarbigen Karten bestehen aus zwei Hälften, die jeweils eine Spielerfarbe aufzeigen. Eine Kartenhälfte liegt an der Spielfläche an, die andere weist von ihr weg. Beim Versetzen der Karten müsst ihr sie nun einmal drehen, sodass die zuvor anliegende Seite nun vom Spielfeld weg zeigt. Der Spieler, dessen Farbe jetzt zum Spielfeld weist, setzt den ersten Baustein. Der Spieler mit der anderen Farbe darf erst danach sein Stockwerk setzen. Weiterhin ist die Position der Baukarte relevant. Im laufenden Zug dürfen Stockwerke nur in der Reihe gebaut werden, an der die versetzte Karte anliegt.

Es besteht Baupflicht

Jedes Mal, wenn eine Baukarte mit eurer Farbe versetzt wird, müsst ihr ein Stockwerk errichten. Kostenlos könnt ihr auf dem ersten leeren Feld bauen, von der versetzten Karte aus betrachtet. Alternativ dazu könnt ihr aber auch Bausteine von euch selbst oder eurer Mitspieler einfach überbauen. Damit macht ihr euch mit nur einer einzigen Aktion den gesamten Turm zu Eigen. Dabei ist es völlig unerheblich wie hoch der Turm schon gebaut wurde. Für die Übernahme des Turms werden jedoch Kosten fällig. Jedes überbaute Stockwerk kostet euch einen Dukaten, den ihr an den vorherigen Besitzer des Turms zahlt. Überbaut ihr euren eigenen Turm, zahlt ihr natürlich nichts.

Der ausgebootete Spieler hat dadurch seinen Turm verloren, gewinnt aber gleichzeitig neue Finanzkraft um sich so vielleicht einen anderen Turm anzueignen. Das direkte Überbauen des gleichen Turms ist allerdings nur bedingt möglich. Setzen zwei Spieler ihr Stockwerk in einem Zug auf das gleiche Feld, wird dort ein Dach angebracht. Türme mit einem Dach gehören allen Spielern und können auch zunächst nicht wieder überbaut werden. Im Spiel befinden sich jedoch nur zwei dieser Dächer. Wird an einer Stelle des Spiels ein drittes Dach benötig, so dürft ihr ein bereits verbautes Dach wieder entfernen und neu verwenden. Das Bauen von Dächern kann also auch als strategisches Element verwendet werden.

Es regnet Dukaten

Damit wären die Regeln für den gesamten Bauprozess auch schon erklärt. Es gilt allerdings auch noch die Art und Weise der Geldausschüttung im Blick zu behalten. Wie beschrieben, wird immer dann ein Dukatentag eingeläutet, wenn am Spielfeldrand eine leere Kartenreihe entsteht. Ist dies der Fall, bekommt ihr Dukaten für eure größte geschlossene Fläche innerhalb der Burgmauern.

Da für den Besitz eines Turmes immer nur das oberste Stockwerk ausschlaggebend ist, lassen sich die Flächen gut erkennen. Gezählt werden dabei die senkrecht oder waagerecht anliegenden Türme. In die Wertung fließt dabei immer nur die größte Fläche eines jeden Spielers ein. Pro Turm innerhalb dieser Fläche erhaltet ihr einen Dukaten. Auf einigen Stockwerken befinden sich auch noch Siegelwappen. Jedes obenliegende Wappen wird mit einem weiteren Dukaten belohnt. Die bunten Dächer zählen ebenso, können jedoch von allen Spielern mit in die Wertung einbezogen werden.

Das Spiel endet, sobald ein Spieler alle seine 16 Stockwerke auf dem Spielplan verbaut hat. Abschließend erhält jeder von euch jetzt noch einmal für jeden eigenen Turm und jedes obenauf liegende Wappen einen Dukaten. Der Spieler mit den meisten Dukaten gewinnt das Spiel. Für einen Durchlauf müsst ihr mit etwa 30-45 Minuten rechnen. Das Spiel kostet etwa 25€.

Pros

Cons

Fazit

Eingangs habe ich mich bereits über die krude Geschichte von Kilt Castle beklagt. Doch ist es nicht besser, der Mechanik ein Thema überzustülpen als umgekehrt? Das Spiel selbst funktioniert jedenfalls bestens. Dafür sorgen die leichten und schnell erlernbaren Regeln, sowie das wertige Spielmaterial. Zudem bietet Kilt Castle mehr taktischen Tiefgang als es zunächst den Anschein erweckt. Selbst wenn es regeltechnisch nicht sonderlich viele Details zu beachten gibt, so könnt ihr mit ein paar geschickten taktischen Zügen den Spielverlauf stark zu euren Gunsten beeinflussen. Wenn euch die Abstraktheit des Spiels nicht weiter stört, bekommt ihr ein schönes Strategiespiel mit leichten Regeln und einer nicht allzu langen Spieldauer.

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