Test: Kréus

  • VonSebastian Hamers
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Kooperative Brettspiele sind heute längst nicht mehr so exotisch wie noch vor einigen Jahren. Im Handel findet ihr mittlerweile zahlreiche Vertreter dieser Art. Zu diesen Spielen zählt auch das kürzlich erschienene Kréus aus dem Hause Sweet Games. Im Gegensatz zu vielen anderen kooperativen Spielen kommt Kréus mit ziemlich wenig Spielmaterial aus. Die 70 Spielkarten und 15 Glasmarker begnügen sich mit einer schmalen Verpackung. Inhaltlich wird uns dennoch Großes versprochen. In Kréus geht es um nicht weniger als den Aufbau einer neuen Welt.

Götterkinder haben es nicht leicht. Der große Uranos hat euch im unendlichen Tartaros eingesperrt. Zu Hilfe kommt euch eure göttliche Mutter Gaia, die ihre Kinder befreit und euch so die Chance eröffnet, eine neue und bessere Welt zu erschaffen.

Göttliche Zusammenarbeit

Als drei bis sechs Götterkinder müsst ihr gemeinsam vorgehen, um die neue Welt mit allem zu versorgen, was ein lebendiger Planet eben so alles benötigt. In den unendlichen Weiten des Alls ist jede Form von Kommunikation allerdings sehr energieaufwändig und somit kostbar. Mit der Kraft eurer göttlichen Intuition müsst ihr das Treiben der anderen Weltenerschaffer voraussehen und mit den eigenen Kräften darauf reagieren.

Als Basis für die Erschaffung der neuen Welt dienen die elf Naturkarten. Sie versorgen die Welt mit den notwendigen Dingen: Fische, Blumen, Bäume, Wind, eine Atmosphäre und vieles mehr. Leider sind diese Naturphänomene noch etwas instabil, wenn sie ins Spiel kommen. Sie müssen zunächst mit bestimmten Elementkarten komplettiert werden. Nur dann können sie ein tragfähiger Bestandteil der Flora und Fauna des neuen Planeten werden.

Mit kleinen Schritten ans Ziel

So baut sich die Natur Stück für Stück immer weiter auf. Um eine neue Naturkarte auszuspielen, müssen allerdings meist ein oder mehrere Vorbedingungen erfüllt sein. Wollt ihr etwa den Fluss als neue Naturkarte ins Spiel bringen, braucht ihr zuvor eine stabile Atmosphäre. Letztere muss dazu mit den benötigten Elementkarten aus Wasser und Luft vervollständigt werden.

Am Ende ergibt sich daraus eine kleine Baumstruktur, an deren Spitze sich der neu geschaffene Planet befindet. Im Spielverlauf werdet ihr versuchen, neue Naturkarten auszuspielen, diese mit den notwendigen Elementkarten zu stabilisieren und damit das Fundament für weitere Naturkarten zu schaffen.

Stille im All

Das klingt zunächst nach einer recht leichten Aufgabe. Wie eingangs jedoch schon erwähnt, hat die ganze Sache einen gewaltigen Haken. Zunächst einmal müsst ihr die Schwierigkeit bewältigen, dass die Karten bei Spielbeginn zufällig verteilt werden. Da jeder Spieler pro Runde nur eine Karte spielt, kann die Verfügbarkeit der passenden Karte also schonmal zum Problem werden.

Das zweite und viel größere Problem stellen allerdings eure eingeschränkten Kommunikationsmöglichkeiten dar. Zu Beginn jeder Runde legt jeder Spieler eine Karte verdeckt vor sich ab. Liegen alle Karten bereit, darf der erste Spieler nun seine Karte aufdecken und versuchen sie in die Welt zu integrieren. Ebenso verfahren anschließend auch die anderen Spieler. Da ihr natürlich höchstens erahnen könnt, was eure Mitspieler vor euch ausspielen, landet so manche Karte ungenutzt auf dem Ablagestapel. Ärgerlich, da jede Karte wertvoll ist, um das gemeinsame Ziel zu erreichen.

Energietropfen sorgen für Erleuchtung

In Kréus gibt es aber durchaus eine Möglichkeit, um mit den göttlichen Geschwistern ins Gespräch zu kommen. Je nach Mitspielerzahl werden zu Spielbeginn bis zu 15 Energietropfen verteilt, die übrigens durch sehr schöne Glasperlen dargestellt werden. Zu Beginn einer Runde könnt ihr einen Energietropfen investieren, um einem anderen Spieler eine Handkarte zu zeigen. Für zwei Tropfen dürft ihr sogar eine Handkarte mit einem anderen Spieler tauschen. Jeder Spieler entscheidet dabei selbst, welche Karte abgegeben wird. Gebt ihr gleich drei Energietropfen aus, könnt ihr eine Handkarte abwerfen und dafür eine beliebige Karte vom Ablagestapel nehmen.

Die Möglichkeit der Absprache ist somit ziemlich begrenzt. Zu allem Überfluss funkt euch Göttervater Uranos auch noch manchmal dazwischen. In den Kartenstapel werden noch einige Angriffskarten eingemischt. Wenn eine dieser Karten ausgespielt wird, hat dies negative Folgen für euch. Bis zum Spielende solltet ihr alle Angriffskarten gespielt haben, sonst geht die Partie verloren. Meist führt ein Angriff dazu, dass schon ausgespielte Elementkarten wieder aus dem Spiel entfernt werden. Einer der Angriffe bleibt möglicherweise sogar mehrere Runden aktiv. Es werden alle Element-, aber auch alle Angriffskarten vernichtet, die neu ins Spiel gebracht werden. Erst das Spielen einer Naturkarte hebt den Angriff wieder auf.

Damit diese Aufgabe nicht zu schwierig wird, lassen sich die Naturkarten zusätzlich als bestimmte Elemente verwenden. So habt ihr eine gute Chance, den zuletzt genannten Angriff zu beenden und auf diesem Weg vielleicht sogar noch den ein oder anderen weiteren Angriff zu vereiteln.

Ein Planet im Gleichgewicht

Das Spiel endet sobald kein Spieler mehr über Karten verfügt. Dies dauert im Regelfall ungefähr eine halbe Stunde. Am Ende folgt eine Auswertung eures Schaffens. Im Optimalfall liegt die abschließende Planetenkarte aus, die mit allen notwendigen Elementen versorgt wird. Wenn jeder Spieler jetzt sogar noch über mindestens zwei Karten verfügt, dann ist euer Planet perfekt im Gleichgewicht. Jetzt muss euch wohl sogar Göttervater Uranos seine Anerkennung zollen.

Das Regelwerk bietet abschließend noch eine Erweiterung für fortgeschrittene Spieler an. In dieser Variante erhält jeder Spieler einen Avatar mit besonderen Fähigkeiten. Diese Sonderfähigkeit könnt ihr im Spielverlauf zu euren Gunsten einsetzen. Einhergehend mit diesen Fähigkeiten bekommt jeder Spieler aber auch eine Einschränkung auferlegt, sodass ihr bestimmte Naturkarten nicht mehr ins Spiel bringen könnt. Die kleine Erweiterung macht Kréus noch etwas vielseitiger, aber auch deutlich schwerer.

Kréus war auf der SPIEL in Essen in deutscher Sprache verfügbar. Im regulären Handel ist das Spiel leider noch nicht in der deutschsprachigen Fassung verfügbar. Dies soll sich allerdings im Verlauf von 2018 ändern. Dann wird Kréus auch bei uns offiziell in den Handel kommen.

Pros

Cons

Fazit

Kooperative Spiele verlangen meist gute kommunikative Fähigkeiten von den Spielern. Kréus streicht hingegen das kommunikative Element auf ein Minimum zusammen. Richtet euch vielmehr auf eine ziemlich wortarme Partie ein, denn selbst die wertvollen Energietropfen erlauben es euch nicht, eine umfangreiche Unterhaltung über den Spielverlauf zu beginnen. Gefragt sind dafür Fähigkeiten wie Antizipation. Wenn es euch gelingt, die Züge der Mitspieler vorauszusehen, habt ihr gute Chancen, eine neue Welt zu erschaffen und das Spiel zu besiegen. Ein wenig Glück gehört sicher auch dazu. Eine Angriffskarte zur falschen Zeit kann leicht den gesamten Matchplan über den Haufen werfen. Ungeheuer befriedigend ist es hingegen, wenn der gefasste Plan tatsächlich aufgeht. Es sind genau diese Momente, die Kréus zu einem emotionalen Spiel und somit zu einem besonderen Erlebnis machen.

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