Test: Lift Off

  • VonSebastian Hamers
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So ein Brettspiel ist doch keine Raketen-Wissenschaft! Das trifft für die große Herbst-Neuheit vom Verlag Hans im Glück zumindest ein stückweit doch zu. In Lift Off dreht sich alles um das Thema Raumfahrt. Als Mastermind hinter den Raumfahrtagenturen der Erde, schickt ihr eure Raketen in All um dort immer komplexere Missionen zu erfüllen. Dabei bedient ihr euch der Hilfe unterschiedlichster Spezialisten, schließlich ist jede Firma am Ende nur so gut wie ihr Personal. Als Manager seid ihr dennoch gefordert. Wer am Spielende die ruhmreichste Raumfahrtagentur stellt, hängt von vielen Faktoren ab.

Schon beim ersten Blick auf die Verpackung und das Design von Lift Off geht dem geneigten Videospieler ein Herz auf. In Sachen Optik erinnert das Spiel von Hans im Glück an die Fallout-Reihe. Mit reichlich Vintage-Charme möchte euch der Verlag den Ausflug ins Weltall schmackhaft machen. Die bunte Optik soll aber nicht darüber hinweg trügen, dass sich dahinter ein knallhartes Optimierungsspiel befindet. Ihr könnt also schon einmal euren Rechenschieber herausholen, in Lift Off wird es Punkte regnen.

Auf ins All

Am Ende des Spiels kommt es nur noch auf die Siegpunkte an. Um euren Highscore in die Höhe schnellen zu lassen, müsst ihr allerdings mehrere Ressourcen im Blick behalten. Um da nicht die Übersicht zu verlieren, erhält jeder Spieler ein eigenes Tableau, auf dem ihr den Fortschritt eurer Agentur seht. Hier wird etwa angezeigt, welches Gewicht die Rakete mit in den Weltraum nehmen kann. Je stärker die Rakete wird, desto teurer wird der ganze Spaß auch. Kann eure Rakete gleich mehrere Tonnen Gepäck transportieren, fallen die Kosten für einen Raketenstart auch gleich sehr viel höher aus. Wie teuer euch ein Start ins All kommt, seht ihr ebenfalls auf dem Tableau. Auch euer regelmäßiges Einkommen lässt sich dort festhalten.

An beiden Seiten des Tableaus werden im Spielverlauf weitere Karten angelegt. Auf der linken Seite befindet sich euer Labor. Das Labor lässt sich im Spiel weiter ausbauen und verbessern. Je fortschrittlicher euer Labor ist, desto wertiger können auch die Missionen sein, die ihr mit der Rakete bewältigen könnt. Weiterhin hat das Labor auch einen Einfluss auf die Siegpunkte. Für jeden Raketenstart springen Siegpunkte heraus, abhängig von der Ausbaustufe des Labors.

Auf die Technik kommt es an

Die rechte Seite des Tableaus ist für den technischen Fortschritt der Firma reserviert. In Lift Off baut ihr die Techniken Treibstoff, Power, Sauerstoff-Versorgung und Bio-Versorgung stetig aus. Dazu erwerbt ihr Karten, die ihr an das Firmen-Tableau anlegt. Jede Mission, die ihr durchführen möchtet, verlangt euch andere technische Mindestvoraussetzungen ab. Ihr müsst also nicht nur in den Ausbau der Labore investieren, sondern auch Ressourcen in die Technik stecken.

Während ihr bei der Optimierung der Siegpunkt-Ausbeute so einiges zu beachten habt, wurde der Spielablauf selbst ziemlich einfach gehalten. Zu Beginn jeder Runde erhaltet ihr neue Spezialisten und ein Grundeinkommen. Um den Glücksfaktor zu minimieren, bedient sich Lift Off einer Draft-Mechanik. Aus den gezogenen Karten behaltet ihr lediglich eine und gebt den Rest weiter an den nächsten Spieler.

Nach dem Draft darf jeder Spieler nun zwei seiner Spezialisten ausspielen. Mit ihnen führt ihr jetzt euren Spielzug durch. Die Fähigkeiten der Arbeiter sind ziemlich bunt gemischt. Einige Spezialisten geben euch zusätzliche Siegpunkte, zusätzliche Missionskarten oder sparen euch Geld beim Start der Rakete ins All. Diese Standard-Funktionen wiederholen sich bei den Arbeitern immer wieder. Zusätzlich gibt es aber noch zahlreiche individuelle Vorteile.

So kann es weitere Siegpunkte geben, abhängig von den schon erfüllten Missionen in eurer Auslage. Hilfreich sind aber auch zusätzliche Technikkarten, die ihr über diesen Weg erhaltet. Einige Arbeiter erlauben euch zudem den Ausbau des eigenen Labors. Eine besondere Rolle nimmt auch die gemeinsame Raumstation ein. Über bestimmte Arbeiter könnt ihr in dieses allgemeine Gebäude investieren und erhaltet dafür wertvolle Boni wie neue Technik-Karten oder ein erhöhtes Einkommen.

Wir haben eine Mission

Wurden alle Spezialisten gespielt und ausgewertet, kann es direkt in den zweiten Teil des Zuges übergehen. In diesem werden nun die Missionen gewählt und durchgeführt. In Lift Off liegen Missionen in vier Ausbaustufen vor. Je höher die Ausbaustufe einer Mission ist, desto mehr Anforderungen werden an euch als Unternehmen gestellt. Ihr dürft zu Beginn dieses Spielabschnitts drei Karten von einem der vier Missionsstapel ziehen, müsst euch aber anschließend für eine dieser Karten entscheiden. Durch den Einsatz von Spezialisten könnt ihr möglicherweise auch mehr als drei Karten ziehen und manchmal sogar auch mehr als eine davon behalten.

Anschließend könnt ihr eine oder auch mehrere Missionen erfüllen und endlich eure Rakete ins Weltall schicken. Von Haus aus könnt ihr pro Runde immer nur eine Rakete starten, doch auch hier gibt es einige Helferlein, die euch auch mehrere Starts ermöglichen. Beim Erfüllen von Missionen müsst ihr wieder darauf achten, dass ihr auch alle Voraussetzungen erfüllt. Zu bedenken gibt es viele Faktoren wie Gesamtgewicht, Stufe des Labors oder den Ausbau der vier Grundtechniken. Das Ganze wirkt fast wie ein kleiner Checkup vor dem Raketenstart, bei dem ihr die einzelnen Punkte nacheinander überprüft.

Betreten von Phase 2

Nach der Hälfte des Spiels, geht Lift Off in Phase 2 über. Diese Stufe wird eingeläutet, sobald der Stapel mit den Spezialisten zum ersten Mal komplett aufgebraucht wurde. In Phase 2 bringt euch jeder Raketenstart jetzt weniger Siegpunkte ein. Dafür sind die Anforderungen, die eine Mission an eure Agentur stellt, gestiegen. Nun ist es deutlich schwerer, eine Mission auch tatsächlich zu erfüllen. Ihr solltet diesen Aspekt schon vorher beim Ausbau eures Unternehmens bedenken, damit ihr zu diesem Zeitpunkt des Spiels auch weiterhin handlungsfähig bleibt.

Nachdem der Stapel mit den Spezialisten das zweite Mal durchgespielt wurde, geht es in die Schlussphase des Spiels. Von hoher Bedeutung sind jetzt die Spielendkarten. Diese habt ihr bereits zu Beginn des Spieles erhalten. Sie geben eurer Agentur einen groben Plan vor, welche Ziele ihr im Auge behalten solltet. So könnt ihr zusätzliche Siegpunkte generieren, wenn ihr etwa viele Technikkarten einer bestimmten Farbe gesammelt habt. Extrapunkte kann es auch für den Ausbau der gemeinsamen Raumstation geben oder für Verbesserungen an der Rakete.

Mathematik im Weltraum

Die so gewonnenen Siegpunkte könnt ihr jetzt zu eurem Gesamt-Punktestand hinzuzählen. Doch damit nicht genug, es gibt viele weitere Möglichkeiten, um auf der Schlussgeraden noch an euren Konkurrenten vorbeizuziehen. Einige Missionen, die ihr im Spielverlauf erfolgreich durchgeführt habt, bringen euch jetzt weitere Siegpunkte ein. Die Höhe der Siegpunkte ist dabei immer abhängig von anderen Faktoren. Beispielsweise kann es Extrapunkte für den Besitzt von bestimmten Technikkarten geben. Unabhängig von den erfüllten Missionskarten, bringt euch auch noch jede grüne Technik ein paar Sonderpunkte am Spielende ein. Gleiches gilt für etwaige Geldressourcen, die am Ende des Spiels noch übriggeblieben sind.

Am Ende dieser langen Formel steht der Spieler mit den meisten Punkten als Sieger des Spiels fest. Eine Partie dauert, je nach Zahl der Spieler, zwischen einer und zwei Stunden. Lift Off ist für zwei bis vier Spieler ab zwölf Jahren geeignet. Das Spiel sollte im Handel bereits flächendeckend zu finden sein und kostet etwa 40€.

Pros

Cons

Fazit

Der Verlag Hans im Glück ist bekannt für seine taktisch anspruchsvollen Spiele. Nachdem Hans im Glück auf der letzten Spielemesse in Essen mit „Majesty – Deine Krone, Dein Königreich“ ein wenig in Familienspiel-Gefilden gefischt hat, kehren die Münchner nun zu den Kennerspielen zurück. Zwar ist das Grundregelwerk gar nicht mal so komplex, dennoch bringt Lift Off eure Köpfe zum Rauchen. Um am Spielende den einflussreichsten Weltraum-Konzern zu stellen, bedarf es einer klugen und vor allem sehr vorausschauenden Planung. Siegpunkte könnt ihr an vielen Stellen im Spiel sammeln. Manche Aktionen lösen sogar eine kleine Zwischenwertung für alle Spieler aus, so dass es für alle Agenturen Siegpunkte regnet. Wenn ihr hier nicht gut aufpasst, helft ihr am Ende einem Mitspieler gar mehr als euch selbst. Mit einem geschickten Ausbau der eigenen Weltraumagentur könnt ihr mächtige Kombinationen auslösen, die euch auf die Siegerspur bringen. Durch die Spielendkarten, die es bereits zu Spielbeginn gibt, wird euch schon eine grobe Spielstrategie vorgegeben. Dennoch ergeben sich im Spielverlauf viele weitere Möglichkeiten der Optimierung. Viele Pluspunkte sammelt Lift Off natürlich durch seinen Retro-Charme, der tatsächlich ein wenig an den Fallout-Stil erinnert. Lift Off ist ein anspruchsvolles Spiel für Kenner, die gerne auch vorausschauend planen, um die Siegpunkt-Ausbeute zu optimieren.

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