Test: LYNGK

  • VonSebastian Hamers
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Mit LYNGK kommt nun endlich der siebte und damit letzte Teil des GIPF Projects in den Handel. Eigentlich waren lediglich sechs Ausgaben in dieser Brettspiel-Reihe vorgesehen. Der vorliegende Teil stellt eine Art Symbiose seiner Vorgänger dar. Wenn ihr die anderen Spiele des GIPF Projects kennt, werdet ihr Elemente und Mechaniken aus allen anderen Teilen wiederfinden.

Bei LYNGK handelt es sich um ein abstraktes Spiel. Ganz ohne Thema, reduziert auf seine Spielmechaniken. Ähnlich wie beim klassischen Schach treten zwei Spieler gegeneinander an. In der Tat ist der Vergleich mit dem Spiel der Könige auch gar nicht so weit hergeholt. Ihr wechselt euch zugweise mit eurem Gegenspieler ab, setzt einen Stein, bevor der Gegner wieder an der Reihe ist. Den Sieg erringt ihr fast ausschließlich mit euren taktischen Fähigkeiten. Weder Würfelglück noch Fortune beim Kartenziehen können euch vor einer Niederlage bewahren.

Wer spielt was?

LYNGK liegt ein großes Spielbrett bei. Darauf befindet sich ein sternförmig angeordnetes Raster. An den Schnittstellen der Linien werden die Spielsteine platziert. Zuvor legt ihr jedoch jeweils einen Stein in den Farben blau, schwarz, grün, rot und weiß beiseite. Die restlichen Spielsteine verteilt ihr nach dem Zufallsprinzip an den Punkten, am dem sich die Linien auf dem Spielfeld kreuzen. Durch die zufällige Verteilung kommt ein minimaler Glücksfaktor ins Spiel. Dieser kann jedoch aus folgendem Grund vernachlässigt werden.

Im Verlauf des Spiels wird jeder von euch die Kontrolle über zwei Farben erhalten. Vor jedem Zug habt ihr die Möglichkeit, euch einen der fünf beiseitegelegten Spielsteine zu nehmen. Alle Spielsteine dergleichen Farbe befinden sich ab sofort unter eurer Kontrolle. Es ist also ziemlich egal, wie die Steine vor dem Spiel ausgelegt werden, da zur Spielbeginn noch niemand weiß, welcher Spieler mit welchen Farben spielt. Solange eine Farbe noch nicht vom einem Spieler gewählt wurde, wird diese als neutral behandelt. Neutrale Spielsteine dürfen von beiden Spielern bewegt werden. Ansonsten dürft ihr nur eure eigenen Steine über das Feld ziehen. Da sich jeder von euch allerdings nur zwei der insgesamt fünf Farben aneignen darf, bleibt eine Farbe während des gesamten Spiels neutral. Hinzu kommen noch drei Joker-Steine, die allerdings von keinem Spieler bewegt werden dürfen.

Turmbau für Fortgeschrittene

Euer Auftrag ist simpel. Baut möglichst viele Türme, die aus den fünf im Spiel vorhandenen farblichen Steinen bestehen. Sobald ihr einen solchen Turm zusammengestellt habt, wird er komplett aus dem Spiel entfernt und ihr habt einen Punkt erzielt. Bis dahin ist es aber oft ein langer Weg. Ihr stapelt die Steine übereinander, indem ihr eigene oder neutrale Steine bewegt und sie auf andere Steine setzt. Bewegt ihr einen Stein auf das Feld eines anderen Steins, so legt ihr den bewegten Stein obenauf. Der so entstandene Stapel wird jetzt farblich so behandelt, wie der oben aufliegende Spielstein.

Auf diese Art neu entstandene Stapel können fortan nur noch als ganze Einheit bewegt werden, allerdings nur von dem Spieler, der die Kontrolle über die Farbe des obersten Spielsteins hat. Stapel, die als neutral behandelt werden, dürfen natürlich dann von beiden Spielern gezogen werden. So werden im Verlauf des Spiels mehrere Stapel entstehen, die sich auf dem Spielfeld verteilen. Beim Erstellen der Stapel gibt es eine wichtige Regel zu beachten. Innerhalb eines Stapels dürfen sich nur Spielsteine unterschiedlicher Farbe befinden. Es können keine Stapel vereint werden, in denen sich auch nur eine Farbe zweimal befindet. Ferner könnt ihr nur Stapel schlucken, die gleich groß oder kleiner sind als der eigene. Mit zwei Spielsteinen könnt ihr also keinen Stapel in Besitz nehmen, wenn dieser schon drei Steine in sich vereint hat.

Der LYNGK-Effekt

Doch wie werden die einzelnen Spielsteine in LYNGK überhaupt bewegt? Prinzipiell dürft ihr einen Stein immer nur um ein einziges Feld in eine beliebige Richtung im Raster bewegen. Dabei muss euer Zug immer auf einem anderen Spielstein beendet werden. Da im Spielverlauf jedoch immer mehr freie Felder entstehen, dürft ihr diese mit eurem Stein überspringen, wenn sie sich in gerade Linie befinden. Dadurch können, gerade im späteren Spielverlauf, auch mal größere Distanzen überwunden werden.

Besonders trickreich geht auch das Ziehen über Eck, mit der sogenannten LYNGK-Regel. Mit dieser könnt ihr Steine oder Stapel der gleichen Farbe einfach überspringen und somit sogar einen Wechsel der Richtung einleiten. An jeder Stelle, an der ihr auf einen gleichfarbigen Stein trefft, dürft ihr die Richtung des Zuges neu bestimmen. Die LYNGK-Regel könnt ihr übrigens auch mit den oben beschriebenen Überspringen der leeren Felder kombinieren. Damit gelingt euch sicher so mancher überraschende Spielzug.

Das Spiel endet erst, wenn kein weiterer Spielzug mehr möglich ist. Erst wenn beide Spieler nicht mehr in der Lage sind, einen Stein zu ziehen, ist das Spiel zu Ende. Wer sich bis dahin die meisten 5er-Stapel gesichert hat, gewinnt die Partie. Bis es soweit ist, vergeht etwa eine Dreiviertelstunde. Ihr findet LYNGK ab sofort im Handel. Das Spiel kostet knapp 30€.

Pros

Cons

Fazit

Mit LYNGK hat die GIPF-Reihe einen würdigen Abschluss gefunden. In einer Zeit, in der es abstrakte Spiele zunehmend schwerer haben, besticht das Spiel allein durch seine ausgereifte Spielmechanik. Das Spiel ist taktisch ziemlich anspruchsvoll und gibt euch die Chance, immer wieder neue Strategien zu entwickeln. Durch den zufälligen Aufbau der Startaufstellung, gleicht zudem kein Spiel dem anderen, ohne jedoch das Balancing zu gefährden. Pluspunkte sammelt auch das Spielmaterial. Die Spielsteine fühlen sich wertig an und auch ein Stoffbeutel zur Aufbewahrung liegt der Packung bei. Ihr braucht noch ein taktisches Spiel für zwei Personen? Dann ist LYNGK sicher eine gute Wahl.

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