Test: Magic Maze

  • VonSebastian Hamers
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Was macht eine vierköpfige Heldengruppe, wenn sie nach einem Abenteuer ihre gesamte Ausrüstung verloren hat? Natürlich, sie geht ins nächste Kaufhaus und klaut sich ihr neues Equipment einfach zusammen. Leider sind die Wachen schon misstrauisch geworden und beobachten die mittellosen Helden mit Argusaugen. Es gilt also möglichst rasch das Zeug zu rauben und dann auf dem schnellsten Weg den Abgang zu machen.

Mit diesem ungewöhnlichen Setting möchte euch Magic Maze an den Spieltisch locken. Doch nicht nur die Rahmengeschichte wirkt etwas schräg, sondern auch die Spielidee dahinter. Als Heldengruppe spielt ihr kooperativ. Dabei übernimmt allerdings nicht jeder Spieler einfach die Rolle eines Helden. Vielmehr bekommt jeder von euch die Kontrolle über bestimmte Aktionen, die von den Figuren auf dem Spielfeld durchgeführt werden.

Das Problem dabei ist, dass ihr euch untereinander nicht absprechen dürft. Auch die nonverbale Kommunikation ist im Spiel untersagt. Wildes Gestikulieren würde schließlich die Wachen im Kaufhaus auf euch aufmerksam machen. Erlaubt sind lediglich zwei Arten der Kommunikation: Anstarren eines bestimmten Spielers und der Einsatz der „Tu was“-Spielfigur, die ihr dem jeweiligen Spieler vor die Nase setzen könnt, um ihm zu deuten, dass er endlich seine Aktion durchführen soll. Im Hintergrund läuft euch allerdings die Zeit weg. Innerhalb von drei Minuten rinnt die Sanduhr durch, dann setzen euch die Wachen fest und ihr könnt eure neue Ausrüstung vergessen.

Diebe im Kaufhaus

Das Kaufhaus wird modular dargestellt und kommt in Form von 24 Plättchen daher. Allerdings tauchen längst nicht in jeder Mission alle Kaufhaus-Plättchen auf. Der Raubzug von Barbar, Magier, Elf und Dieb beginnt am Eingang des Einkaufszentrums. Die vier Spielfiguren platziert ihr auf dem entsprechenden Plättchen. Dann verteilt ihr die Aktionsplättchen. Jeder Spieler erhält genau ein Plättchen, das je nach Anzahl der Mitspieler ein oder mehrere Symbole zeigt.

Mit diesen Symbolen seid ihr die Herren über bestimmte Aktionen. Die meisten davon sind ebenso so simpel wie elementar für das Vorankommen im Spiel. Vier Aktionen dienen der Bewegung der vier Spielfiguren. Norden, Süden, Osten, Westen… blöd, nur dass jeder Spieler im Besitz einer anderen Himmelsrichtung ist. So kann nur ein einziger Spieler (bei höherer Zahl der Mitspieler auch mal zwei) Figuren nach Norden bewegen. Ein anderer Spieler ist dann hingegen für alle Bewegungen nach Süden zuständig. Da ihr euch kaum absprechen könnt, ist also schon das Zurücklegen einer Wegstrecke eine echte Herausforderung.

Die Aktionen sind in die Quantität nicht begrenzt. Ihr dürft so viele Felder zurücklegen wie ihr möchtet. Ihr müsst die Aktionen weder ausspielen, noch darauf tippen oder ähnliches. Führt die Aktionen einfach durch. Dabei kommt es auch nicht auf die Farbe der Spielfigur an. Jeder Spieler steuert jede Figur… mit seinen ganz eigenen Aktionen.

Hinzu kommen noch drei weitere Aktionsmöglichkeiten. Mit dem Teleporter könnt ihr eine Spielfigur in kurzer Zeit eine längere Distanz überbrücken lassen. Im Kaufhaus findet ihr einige Wirbel, mit denen ihr euch von einem Feld zum anderen bewegen könnt. Manche Felder lassen sich hingegen nur über die Rolltreppe erreichen. Das Nutzen der Rolltreppe ist jedoch nur dem Spieler mit der passenden Aktion gestattet. Bleibt nur noch die Erkunden-Aktion. Immer wenn ein Held auf ein Erkundungsfeld der eigenen Farbe tritt, wird ein neues Kaufhaus-Plättchen offengelegt und das Einkaufszentraum somit erweitert.

Ruhepause für gestresste Helden

Unter Zeitdruck müsst ihr nun alle vier Helden zu den jeweils passenden Ausrüstungsgegenständen lotsen. Wenn alle vier Charaktere auf dem vorgesehenen Feld stehen, kann der Diebstahl durchgeführt werden. Jetzt heißt es nur: nichts wie weg! Nur wenn alle vier Helden den Ausgang erreichen, war die Mission ein Erfolg. Dummerweise lassen sich auf den Rückweg die praktischen Teleport-Felder nicht mehr verwenden. Wäre ja auch zu schön gewesen.

Ihr werdet schnell merken, dass drei Minuten ziemlich knapp für diesen Auftrag bemessen sind. Glücklicherweise gibt es für die Helden ein paar abgelegene Winkel im Kaufhaus, die ihnen etwas Ruhe und Zeit verschaffen. Markiert sind diese Felder durch ein Sanduhr-Symbol, über die ihr hin und wieder auf den Kaufhaus-Plättchen stolpert. Erreicht einer der Heldenfiguren ein solches Feld, dann dreht ihr die Sanduhr wieder um und stellt die Uhr somit wieder auf die vollen drei Minuten. Während die Uhr sich langsam wieder zurückstellt und der Sand durchrieselt, dürft ihr auch wieder mit einander kommunizieren und die nächsten Absprachen treffen. Aktionen ausführen dürft ihr in dieser Zeit jedoch nicht. Jedes Sanduhr-Feld könnt ihr allerdings nur einmal betätigen, zu einfach soll es schließlich auch nicht werden.

Steigender Schwierigkeitsgrad

Hört sich ziemlich hektisch an? Ist es auch. Am Anfang ist es eigentlich noch gar nicht so schwer. Im Handbuch werden euch 17 unterschiedliche Szenarien aufgelistet. Je nach gewähltem Level, verwendet ihr verschiedene Materialien aus dem Spiel. Doch auch die Regeln verändern sich immer mal wieder leicht. Manchmal muss jeder Held durch seinen ganz besonderen Ausgang wieder verschwinden oder es werden die Aktionsplättchen neu verteilt. Magic Maze hält so manche kleine Gemeinheit für euch bereit.

Magic Maze ist kürzlich bei Pegasus erschienen und war einige Zeit gar nicht so leicht zu bekommen. Mittlerweile dürfte sich der Lieferengpass jedoch wieder gelegt haben. Rund 20€ - 25€müsst ihr für das Spiel ausgeben. Ein Szenario dauert nur wenige Minuten, maximal vielleicht eine Viertelstunde. Das reicht auch vollkommen, nach Ablauf der Zeit braucht ihr erstmal einen Moment, um euch wieder zu Sammeln und um euch von den Strapazen des Raubzugs zu erholen. Am Spiel können maximal acht Personen teilnehmen. Das Spiel verfügt auch über einen Solomodus, der sich aber doch ziemlich anders spielt und auch nicht ganz so spaßig ist wie der Mehrspielerteil.

Pros

Cons

Fazit

Magic Maze hat gute Chancen auf die begehrte Auszeichnung „Spiel des Jahres 2017“. Das Spiel steht zusammen mit Kingdomino und Wettlauf nach El Dorado auf der aktuellen Nominierungsliste. Dabei ist das Spielkonzept schon etwas ungewöhnlich. Magic Maze setzt auf eine kooperative Spielweise, in der Absprachen eine besondere Rolle spielen, dabei darf während des Spiels eigentlich kaum gesprochen werden. Unter Zeitdruck werden euch die Mitspieler bestimmt oft zur Weißglut treiben, wenn sie offenbar einen ganz anderen Plan verfolgen wie ihr selbst. Als Kaufhausdiebe müsst ihr jedenfalls schwer auf Draht sein, halbschlafende Mitspieler könnt ihr nicht gebrauchen. Ein wenig Stress und Hektik müsst ihr am Spieltisch schon vertragen können, sonst ist Magic Maze ganz sicher nicht euer Spiel. Oft geht es drunter und drüber, doch genau deshalb macht Magic Maze auch so einen Riesenspaß. Dafür sorgen insbesondere auch die unterschiedlichen Szenarien, die immer wieder neue Überraschungen für euch bereithalten.

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