Test: Menara

  • VonSebastian Hamers
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Wenn Ende Oktober die Internationalen Spieltage SPIEL in Essen wieder ihre Pforten öffnen, warten auf euch mehr als 1100 Aussteller auf einer Messefläche von 80.000qm. Unzählige Brett-, Karten- und Rollenspiele lassen sich auf der Messe ausprobieren und natürlich auch kaufen. Da ist es für den einzelnen Titel gar nicht so leicht, sich ins Rampenlicht zu spielen. Einige Brettspiele machen schon alleine durch ihre außergewöhnliche Optik auf sich aufmerksam. Zu diesen Spielen zählt sicherlich auch Menara, eine kooperative Neuheit aus dem Hause Zoch. Die Hauptzutat des Spiels: je Menge bunte Bauklötze.

Das Spiel führt uns in den tiefen Dschungel von Menara, wo wir als Forscher auf die Überreste einer alten Tempelanlage stoßen. Nach Vorlage eines alten Bauplans versuchen wir nun gemeinsam das alte Gemäuer wiederaufzubauen. Offenbar liegt über dem Tempel jedoch ein Fluch. Jeder Fehlgriff des Teams verändert den Bauplan auf magische Art und Weise und fordert den Bau eines zusätzlichen Stockwerks. Gute Planung und eine ruhige Hand können bei der Rekonstruktion des Tempels wohl nicht schaden.

Wenn Erwachsene mit Bauklötzen spielen

Für den Bau der Tempelanlage braucht ihr zunächst einmal eine stabile Basis. Dieser besteht aus drei Tempelböden, bei denen es sich um mal größere und mal kleinere Papp-Scheiben in ganz unterschiedlichen Formen handelt. Drei beliebige Böden stellt ihr nun so auf, dass sich jeder Tempelboden an zwei Seiten mit einem anderen Bodenstück berührt. So entsteht ein kleines Dreieck aus Bodenplatten, schon habt ihr die Basis für euren Tempel gelegt.

Dem Spiel liegen insgesamt 18 Tempelböden bei. Sie unterscheiden sich deutlich hinsichtlich ihrer Größe und der Form. Zudem zeigt jeder Boden auch die Sockelplätze für die Bausteine, die ihr im Spielverlauf auf den Böden platzieren werdet. Auf den errichteten Sockeln legt ihr später wieder neue Bodenplatten, die wiederum das Fundament für eine weitere Etage bieten. So wächst euer Gebäude immer weiter in die Höhe. Das kann schnell zu einer wackeligen Angelegenheit werden, solltet ihr den Bau nicht gut planen. Eine gute Absprache unter den Konstrukteuren ist auf jeden Fall erforderlich, wenn ihr das Spiel in die Knie zwingen wollt.

Auf die Größe kommt es an

Bevor ihr mit dem Bau der Tempelanlage beginnt, legt ihr zunächst aber noch den Schwierigkeitsgrad des Spiels fest. Bei einem leichten Spiel müsst ihr zunächst nur drei Etagen errichten, ein schweres Spiel fordert schon den Bau von mindestens fünf Stockwerken. Durch bestimmte Ereignisse kann sich die Mindestzahl der geforderten Etagen später sogar noch erhöhen. Die Legenden berichten von Tempeln mit zehn oder noch mehr Stockwerken.

Jetzt fehlt euch noch das nötige Baumaterial: Die Säulen. An dieser Stelle kommen auch endlich die Bauklötze ins Spiel. Dabei handelt es sich um längliche Stangen in den Farben gelb, rot, weiß und blau. Jeder Forscher bekommt noch ein kleines Camp, in das ihr immer einen Vorrat von sechs Säulen stecken könnt. Diese Säulen sind für euch verfügbar und können in den Tempel integriert werden. Neue Säulen zieht ihr immer nach dem Zufallsprinzip aus einem Stoffbeutel. Am Ende des Zugs wir das Camp wieder neu aufgefüllt.

Stabil oder instabil?

Die Farben der Säulen kommen in Menara eine große Bedeutung zu. Eine Säule dürft ihr immer nur auf den farblich passenden Sockel einer Bodenplatte platzieren. Die Auswahlmöglichkeiten beim Bau sind entsprechend eingeschränkt. Ihr könnt den Tempel nicht einfach nach euren eigenen Vorstellungen nach oben ziehen, das wäre schließlich zu einfach. Seid ihr am Zug, dann zieht ihr zunächst eine Bauplankarte und befolgt ihre Anweisungen.

Der Bauplan macht euch ziemlich konkrete Vorgaben, wie die nächsten Säulen aufzustellen sind. Mal sollt ihr eine bestimmte Anzahl an Säulen verbauen, Säulen versetzen, einen Tempelboden mit Säulen komplettieren oder im Extremfall auch mal einen Tempelboden mitsamt Säulen auf eine andere Etage verfrachten. Die Baupläne sind in drei verschiedenen Farben vorhanden und werden somit nach Schwierigkeit sortiert. Ihr könnt in eurem Zug immer frei wählen, welche Bauplanfarbe ihr ziehen möchtet. Sind alle einfachen Baupläne jedoch verbraucht, müsst ihr euch wohl den komplexeren Aufgaben widmen. Es ist eine Frage des taktischen Vorgehens, wann ihr eine eher leichte Karte nehmt und wann ihr durchaus auch mal eine schwere Aufgabe wagen könnt.

Wir brauchen mehr Platz

Sobald ein Tempelboden komplett mit Säulen bestückt wurde, legt ihr einen neuen Boden auf. Dazu nehmt ihr den obersten Tempelboden aus dem Steinbruch. Der aktuelle Bauplan schreibt euch vor, auf welche Seite ihr die neue Fläche auslegen müsst. Auf jeder Seite des Bodens findet ihr eine andere Anordnung der Säulensockel. Neben guter Planung und Absprache braucht ein erfolgreiches Forscherteam eben auch ein wenig Glück.

Wenn es mal nicht ganz so glücklich läuft, könnt ihr eine gezogene Bauplankarte vielleicht auch mal nicht erfüllen. Möglicherweise ist das Tempelgebäude nicht stabil genug oder ihr verfügt einfach nicht über die farblich passenden Säulen in eurem Camp. In diesem Fall verändert sich eure Zielvorgabe durch den Fluch. Für jede unerfüllte Bauplankarte müsst ihr die Tempelanlage nun noch eine Etage höher wachsen lassen. Das gleiche Schicksal ereilt euch auch, wenn ihr die Tempelbasis vergrößern wollt. Ihr könnt zusätzliche Bodenplatten ins Erdgeschoss legen, dadurch erhöht sich jedoch die Mindestzahl der Etagen erneut.

Hat das gewackelt?

Das Spiel endet nicht automatisch, wenn ihr es geschafft habt, die geforderte Etagenzahl im Tempel zu errichten. Ihr fahrt mit euren Zügen wie gewohnt fort bis eine der Endbedingungen erfüllt wurde. Das Ende von Menara tritt erst ein, wenn ein Spieler seine Säulen im Camp nicht wieder komplett auffüllen kann, ihr die letzte Bauplankarte aufgedeckt habt oder wenn der letzte Tempelboden verbaut wurde. Erst wenn ihr zu diesem Zeitpunkt den Tempel auf die gewünschte Höhe gebracht habt, dürft ihr euch als gemeinsame Sieger der Partie fühlen.

Mit zunehmender Höhe der Tempelanlage steigt natürlich auch die Gefahr, dass ein Tempelboden einstürzt. In diesem Fall ist das Spiel ebenfalls beendet. Besteht der Tempel nach dem Einsturz jedoch weiterhin aus genügend Stockwerken, habt ihr das Spiel dennoch gewonnen. So kann selbst ein Einsturz in Teilen noch etwas Gutes haben. Einige Forscher machen aus diesem Umstand vielleicht sogar eine eigene Strategie.

Menara lässt sich problemlos auch alleine spielen, am meisten Spaß macht es dann aber doch in der Gruppe. Maximal können bis zu vier Forscher gemeinsam am Tempel bauen. Zeitlich müsst ihr pro Spiel ungefähr eine Dreiviertelstunde einplanen. Menara ist über den Zoch-Verlag erschienen und kostet ungefähr 30€.

Pros

Cons

Fazit

Wie eingangs schon erwähnt, sticht Menara schon aufgrund seiner Optik aus der Menge der Spiele hervor. Ungewöhnlich ist aber auch das Spielprinzip selbst. Meine Kinder sind aus dem Bauklötzchen-Alter raus, ich hätte nicht gedacht, dass ich aus eigenem Antrieb mal wieder damit anfange. Das gemeinsame Aufbauen einer wilden Konstruktion und das gemeinsame Besiegen des Spiels vermittelt ein erhebendes Gefühl. Über den Anblick des Turms kann man sich jedoch erst am Ende des Spiels so richtig erfreuen. Während des Spiels ist die Konzentration hoch und alle Forscher sind vollauf mit der Bewältigung der Baupläne beschäftigt. Auch wenn gerade die anderen Spieler am Zug sind, fühlt man sich stark involviert. Schließlich muss auch darauf geachtet werden, dass die nachfolgenden Spieler ihre Aufgaben noch erfüllen können. Ohne gute Absprache werdet ihr in Menara nicht weit kommen. Das Wir-Gefühl, das durch die gemeinsame Aufgabe entsteht, ist sehr hoch. Gleiches würde ich auch dem Wiederspielwert von Menara zusprechen. Kein Menara-Turm wird wohl wie der andere aussehen. Durch die immer neue Anordnung von Bauplankarten und der Tempelböden entsteht genug Varianz für viele Partien. Deshalb empfehle ich Menara nicht nur für die Familie, sondern auch für ambitionierte Brettspieler, die auf der Suche sind nach einem völlig anderen Spielgefühl.

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