Test: Mercado

  • VonSebastian Hamers
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Was macht ein dekadenter Geldsack, der schon alles hat? Ganz genau, er sammelt Kunst und Krempel, um damit vor den anderen Geldsäcken anzugeben. Als reicher Bürger schlendert ihr über den Markt, um dort zwar nutzlose, aber wertvolle Gegenstände zu erstehen.  Ebenso begehrt sind betörende Düfte, die so mancher Händler auf dem Markt feilbietet. Am Ende des Ausflugs trefft ihr euch mit euren Mitspielern zur großen Klunkerbeschau. Habt ihr den wertvollsten Tand zusammengerafft, könnt ihr euch von euren Rivalen zur Shopping Queen küren lassen.

In Mercado rüstet sich zunächst jeder mit einem dicken Geldbeutel aus, in den ihr zu Spielbeginn einen ganzen Haufen unterschiedlicher Münzen werft. Mit diesen Münzen geht ihr auf große Einkaufstour. Auf dem Markt liegen immer vier wertvolle Gegenstände, sowie zwei besondere Düfte aus. Die Händler dort sind allerdings leider etwas eigen. Als Bezahlung akzeptieren sie immer nur ganz bestimmte Münzen.

Keine Ordnung im Geldbeutel

Grundsätzlich könnt ihr Waren mit vier unterschiedlichen Münzsorten bezahlen. In eurem Geldbeutel befinden sich goldene, silberne, rotbraune sowie türkise Münzen. Irgendwie muss sich aber auch noch etwas Falschgeld ins Portemonnaie geschlichen haben. Falschgeld wird durch schwarze Münzen dargestellt. Mit falschen Münzen könnt ihr euch auf dem Markt nicht blicken lassen, entsprechend sind schwarze Münzen beim Einkauf vollkommen wertlos.

Um eine Ware von einem Händler zu erwerben, müsst ihr den aufgerufenen Kaufpreis berappen. Mal möchte ein Händler einen ganz bestimmten Satz von Münzen haben, mal muss es aber auch eine bestimmte Anzahl von gleichfarbigen Münzen sein. Andere Händler hingegen bestehen darauf, nur mit Münzen unterschiedlichen Farben entlohnt zu werden.

Shopping mit Losbuden-Flair

Seid ihr am Zug, zieht ihr zufällig drei Münzen aus eurem Geldbeutel. Gezogenes Falschgeld legt ihr direkt auf eurer Personentafel ab, für den Einkauf könnt ihr diese Münzen nicht verwenden. Die anderen gezogenen Münzen dürft ihr jetzt als eine Art Voranzahlung an die ausliegenden Gegenstände und Düfte anlegen.  Der Verkauf wird jedoch erst abgeschlossen, sobald ein Spieler die volle Summe aufgebracht hat.

An jedem Gegenstand und an jedem Duft befinden sich an den Seiten die Farben der Spieler. Jeder Spieler bekommt seine eigene Ablagefläche. An der passenden Seite könnt ihr eure Münzen als Voranzahlung ablegen. Eine Anzahlung muss die Gegenspieler natürlich nicht davon abhalten, ihrerseits Münzen an eine Ware anzulegen. Der Deal gilt schließlich erst als besiegelt, sobald ein Spieler die volle Summe aufgebracht hat. Es kommt also darauf an, wer zuerst den gesamten Kaufpreis bereitstellen kann. Leider könnt ihr gezogene Münzen nicht einfach auf der Hand horten und sie in einer der nächsten Runden verwenden. Alle nicht angelegten Münzen wandern, abgesehen vom Falschgeld, wieder in den Geldsack zurück.

Der Geldkreislauf

Habt ihr den Kaufpreis, natürlich genau in den geforderten Münzen, aufgebracht, gehört die Ware ab sofort euch. Die investierten Münzen legt ihr jetzt auf eure Personentafel, die so entfernten Münzen könnt ihr in der nächsten Runde nicht mehr aus dem Beutel ziehen. Alle anderen Spieler, die schon eine Voranzahlung geleistet hatten, bekommen ihre Kohle natürlich zurück, sie wandert direkt wieder in den Geldbeutel. In der nächsten Runde können die Münzen also auch wieder aus dem Beutel herausgefischt werden.

Solange sich die Münzen auf der Personentafel befinden, könnt ihr sie natürlich auch nicht zum Kauf von weiteren Gegenständen verwenden. Irgendwann wird euch das nötige Kleingeld im Beutel ausgehen. Spätestens dann müsst ihr eine Runde dafür opfern, um alle Münzen von der Personentafel wieder in den Geldbeutel zu verschieben. Dann kann die Einkaufstour aber ungehemmt weitergehen. Einen Wehrmutstropfen gibt es bei der Aktion aber doch. Das ganze Falschgeld, das sich möglicherweise auf der Personentafel gehäuft hat, landet auch wieder im Portemonnaie.

Für den Spieler, der nach dem Käufer die meisten Münzen angezahlt hatte, gibt es noch eine kleine Wiedergutmachung. Für seine Bemühungen gibt es ein Siegel. Die Siegel könnt ihr einmalig einsetzen, um zwei weitere Münzen aus dem Geldbeutel zu ziehen. Der Einsatz eines Siegels bedeutet also mehr Möglichkeiten beim Einkauf auf dem Markt.

Das Prestige des Schnäppchenjägers

Für den erfolgreichen Erwerb eines wertvollen Gegenstandes bekommt ihr sogleich Siegpunkte gutgeschrieben. Auf dem kleinen Spielplan dürft ihr eure Figur um so viele Felder vorziehen, wie auf dem gekauften Gegenstand angegeben. Durch den Kauf eines Gegenstandes werden oft auch noch zusätzliche Effekte ausgelöst. Manchmal winken euch zusätzliche Siegel oder sogar Jokermünzen, die sich für Münzen aller Art einsetzen lassen. Mit den Bonuseffekten könnt ihr sogar Falschgeld aus eurem Geldbeutel verschwinden lassen, eine ganze Extra-Runde bekommen oder geben euch wertvolle Privilegien. Im Spiel befinden sich insgesamt 18 Plättchen mit diesen Sonderrechten.

Pro Runde dürft ihr immer nur eines dieser Plättchen einsetzen, sie lassen eure Figur auf dem Spielplan um ein bis drei Schritte nach vorne rücken, manchmal gibt es sogar noch ein kleines Bonbon, zum Beispiel in Form eines Siegels, obendrauf. Hin und wieder betreffen diese Effekte auch die anderen Spieler, was sowohl positive als auch negative Effekte für sie haben kann. Erworbene Düfte geben euch in der Regel keine Siegpunkte, sie lohnen sich einzig und allein wegen den zusätzlichen Effekten.

Rundreise über den Marktplatz

Das Spiel endet, sobald ein Spieler den Spielplan einmal ganz umrundet hat, dann wird die laufenden Runde noch zu Ende gespielt, bevor ein Sieger ermittelt wird. Dies ist natürlich der Spieler dessen Figur nun in Front liegt. Der Spielplan selbst enthält auf einigen Feldern noch Symbole, die sofort einen Effekt nach sich ziehen. Sobald eine Figur dieses Feld betritt, muss die angegebene Aktion ausgeführt werden. Um den Spielplan ein wenig zu variieren, könnt ihr ihn auf die andere Seite wenden. Auf der B-Seite befinden sich einige zusätzliche Symbole, die das Spiel noch etwas dynamischer machen.

Mercado ist für zwei bis vier Spieler ab etwa zehn Jahren geeignet. Eine Partie dauert in der Regel nicht allzu lange, mit einer guten halben Stunde kommt ihr locker hin. Da die Regeln nicht zu komplex sind, benötigt Mercado auch bei Neueinsteigern keine große Vorbereitungszeit. Mit einer guten Portion Glück lässt sich planerisches Geschick notfalls auch ganz gut übertrumpfen. Zum Kauf der wertvollen Gegenstände braucht es jedenfalls ein glückliches Händchen um die passenden Münzen aus dem Geldbeutel zu fischen. Daher richtet sich Mercado auch in erster Linie an die Familienspieler. Mercado ist über den Kosmos-Verlag erschienen und kostet zwischen 30€ und 35€.

Pros

Cons

Fazit

Falsches Geld und wahrer Ruhm, so lautet der Untertitel von Mercado, der die wesentliche Elemente des Spiels damit ganz gut zusammenfasst. Immer im Blick solltet ihr natürlich die Siegpunkte behalten, die es für den Kauf von wertvollen Gegenständen gibt. Sie bringen euch auf dem Spielplan dem Zielfeld immer näher. Mit guter Planung könnt ihr die Käufe vielleicht so deichseln, dass ihr mit ihnen auf einem Bonusfeld des Spielplans landet. Mit den Zusatzaktionen auf dem Feld, den Düften und den Gegenständen selbst, könnt ihr eurem Glück durchaus auf die Sprünge helfen. Der passgenaue Einsatz von Münzen kann euch sogar weiterhelfen, wenn ihr die Ware letztlich gar nicht erwerbt, sondern nur das Zusatzsiegel für den „zweiten Platz“ bekommt. Mercado spielt sich angenehm flüssig. In jedem Zug stehen euch nur zwei Optionen zur Verfügung, entweder Münzen aus dem Beutel ziehen oder den Beutel wieder mit Münzen zu füllen. Auch die Verteilung der Münzen sollte nicht zu lange aufhalten, drei Münzen sind schnell verteilt. Lange Wartezeiten müsst ihr also selbst bei der Vollbesetzung mit vier Spielern nicht befürchten. Mercado bietet eine angenehme Mischung aus Glück und Taktik für einen stressfreien Spieleabend und findet somit bei Viel- und Gelegenheitsspielern Anklang.

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