Test: The Mind

  • VonSebastian Hamers
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Kommunikationsspiele sind ein alter Hut. Im neuen Kartenspiel The Mind vom Nürnberger Spielkartenverlag müsst ihr gemeinsam gegen das Spiel antreten, ohne euch verbal auszutauschen. Da hilft nur noch die Kraft der Gedankenübertragung. Gelingt es euch, eure Gedankengänge zu synchronisieren, dann habt auch ihr gute Chancen bis ins finale Level vorzustoßen und das Spiel in die Knie zu zwingen.

Nein, ihr habt es hier nicht mit einem esoterischen Schnick-Schnack zu tun, sondern mit einer ziemlich schrägen Variante des Erfolgsspiels The Game, das aus dem gleichen Hause kommt. Im Gegensatz zu The Game, müsst ihr in The Mind jedoch auf eine ganz andere Art in Kontakt treten. Die Grundidee dahinter ist jedoch ähnlich.

Die Kraft der Gedanken

The Mind besteht ausschließlich aus Karten. Den Löwenanteil stellen dabei die einhundert Zahlenkarten, die von eins bis hundert durchnummeriert sind. Ziel des Spiels ist es, seine gesamten Handkarten abzulegen. Dabei geht ihr kooperativ vor, gewinnen oder verlieren könnt ihr nur als Team. Eine bestimmte Reihenfolge beim Ausspielen der Karten müsst ihr prinzipiell nicht einhalten. Jeder von euch kann seine Karten spielen, wann immer er mag. Die Kunst besteht darin, die Handkarten in aufsteigender Reihenfolge abzulegen. Spielt ihr also eine Karte aus, die höher ist als die Handkarte eines Mitspielers, kann dieser Plan schon nicht mehr aufgeben und ihr verliert ein Leben.

Wie eingangs schon erwähnt, dürft ihr euch nicht absprechen. Ihr könnt euch aber jederzeit gedanklich synchronisieren und so erfahren, wer von euch denn wohl am besten die nächste Karte in die Tischmitte spielen sollte. Dazu legt jeder eine Hand auf den Tisch, die Synchronisation der Gedanken wurde gestartet. Habt ihr eine Karte auf der Hand, die numerisch ziemlich nahe an der zuletzt ausgespielten Karte liegt, solltet ihr eure Hand nun wieder möglichst schnell wegziehen. Die anderen Spieler verfahren genauso. Einige Spieler lassen ihre Hände vielleicht besonders lange in der Mitte liegen. Sie zeigen damit an, dass sie wahrscheinlich nicht in Besitz einer passenden Karte sind.

Gedankenlesen als Spiel

Beim ersten Spielen fühlt sich die Synchronisation mit den Mitspielern ziemlich seltsam an und nicht selten stellt sich die Frage, was das Ganze denn soll. Möglicherweise gehen die ersten Versuche auch ziemlich in die Hose. Doch mit zunehmender Spielerfahrung funktioniert die „Gedankenübertragung“ spürbar besser und es stellen sich verblüffende Erfolgserlebnisse ein. Wenn das Ablegen dicht aufeinander folgender Karten plötzlich fehlerlos funktioniert, entsteht ein magisches Gefühl. Für einen Moment lang fühlt es sich so an, als könntet ihr tatsächlich in die Gedanken der Mitspieler schauen.

The Mind bietet euch aber auch noch ein paar Hilfen an, falls es mit dem Gedankenlesen mal nicht so gut klappt. Für den erfolgreichen Abschluss eines Levels bekommt ihr manchmal einen Bonus in Form eines zusätzlichen Lebens oder eines Wurfsterns. Letztgenannten könnt ihr jederzeit einsetzen. In diesem Fall legt jeder Spieler seine Karte mit dem niedrigsten Wert beiseite. Diese Karten kommen aus dem Spiel und die Runde läuft anschließend ganz normal weiter. Ein Wurfstern ist besonders dann hilfreich, wenn eure Synchronisation kein zufriedenstellendes Ergebnis geliefert hat. Dies kommt meist dann vor, wenn eure Handkarten numerisch dicht beieinander liegen.

Level up

Je nach Zahl der Teilnehmer müsst ihr acht bis zwölf Levels überstehen, um das Spiel zu besiegen. Mit jedem Level kommt eine Handkarte pro Spieler hinzu. Das erste Level ist vergleichsweise einfach zu bestehen, jeder Spieler muss nur eine einzige Handkarte loswerden. Seid ihr bis ins zwölfte Level vorgestoßen, muss entsprechend gleich jeder zwölf Handkarten loswerden. Die Belohnungen, die es am Ende vieler Levels gibt, sind da auf jeden Fall sehr willkommen. Es kann sicherlich nicht schaden, im letzten Level noch ein paar Leben oder Wurfsterne in der Reserve zu haben.

Es wird vermutlich etliche Partien brauchen, bis ihr The Mind tatsächlich gemeistert habt. Bei allen Synchronisationsfähigkeiten gehört natürlich auch etwas Glück dazu. The Mind eignet sich für zwei bis vier Spieler ab acht Jahren. Die Dauer der Partie hängt stark von eurem Erfolg ab. Mit etwas Pech kann das Spiel schon nach einer Minute vorbei sein. Geübte Spieler, die auch in die fortgeschrittenen Levels vordringen, brauchen weitaus länger und sind mit einem Match auch schon mal 20-30 Minuten beschäftigt. The Mind ist ab sofort im Handel und kostet etwa 8€ bis 10€.

Pros

Cons

Fazit

Ich habe The Mind zum ersten Mal auf der Spielwarenmesse in Nürnberg probegespielt. Besonders weit sind wir in unserer ersten Partie nicht gekommen. Schon nach ein paar Minuten war das Spiel auch schon wieder vorbei und wir hatten alle Leben verwirkt. Ähnliche Erfahrungen machte ich als ich The Mind zum ersten Mal in der Spielerunde bei mir zu Hause vorstellte. Die anfängliche Skepsis wich dann allerdings von Partie zu Partie. Als sich die ersten Erfolge einstellten, hatte uns das Spiel gepackt. Es ist ein erhebendes Gefühl, wenn es gelingt, eine dicht aufeinanderfolgende Kartenreihe erfolgreich abzulegen. High Fives und Ghettofäuste machten die Runde und es entstand ein tolles Teamgefühl. The Mind ist ein sehr emotionales Spiel, das sich mechanisch zwar seinem Verwandten The Game ähnelt, sich aber doch so ganz anders anfühlt. Mich hat The Mind auf jeden Fall schwer begeistert und ich bringe es immer wieder sehr gerne auf den Tisch. In einer Gruppe guter Freunde oder auch Teamkollegen spielt es sich bestimmt deutlich besser als mit fremden Personen. Das entstehende Teamgefühl ist einfach großartig.

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