Test: Nusfjord

  • VonSebastian Hamers
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Wenn Brettspiel-Autor Uwe Rosenberg ein neues Spiel veröffentlicht, dann sind die Erwartungen der Spieler groß. Umfangreiche Kracher wie Agricola oder Ein Fest für Odin gehen ebenso auf sein Konto wie Bohnanza oder Patchwork, die sich eher als Spiele für jedermann einen guten Ruf erarbeitet haben. Ende 2017 ging Rosenbergs neues Spiel Nusfjord an den Start. In Sachen Umfang und Komplexität pendelt es sich irgendwo zwischen den genannten Titeln ein.  Ein erstes Studium der Anleitung lässt zwar zunächst vermuten, dass der Einstieg in die Welt von Nusfjord nicht ganz einfach sein könnte, nach den ersten Spielrunden entpuppt sich das Spiel dann aber doch als recht zugänglich.

Inhaltlich dreht sich in Nusfjord alles um den Aufbau eines Fischreibetriebs. Als Besitzer eines solchen schickt ihr eure Arbeiter los, um für euch unterschiedliche Aufträge zu erfüllen. Das Fischefangen ist dabei längst nicht der einzige Job. Im Fischereibetrieb gibt es allerhand zu erledigen und wie immer führen viele Wege zum ersehnten Reichtum.

Reichlich Platz am Spieletisch

Bevor ihr ins Spiel einsteigt, gibt es erst einmal einige Vorbereitungen zu treffen. Die Spieleschachtel ist vollgepackt mit Material. Den meisten Platz nehmen dabei die zahlreichen Auslageflächen ein. Wenn ihr diese auf dem Spieletisch ausbreitet, hat sich vor euch eine große Spielwiese entblättert. Jeder Spieler bedient in Nusfjord seine eigene kleine Hafenanlage. Hier könnt ihr im Spielverlauf nicht nur eure Boote anlegen lassen, sondern verwaltet auch euren Grundbesitz. Diesen könnt ihr zur Forstwirtschaft nutzen oder aber mit hilfreichen Gebäuden versehen, die euch den ein oder anderen Vorteil einbringen. Zusätzlich bekommt jeder Spieler auch noch eine etwas kleinere Auslage, die den Ältestenrat darstellt. Hier werden später bis zu fünf Ältestenkarten platziert, mit denen es weitere Boni abzukassieren gibt.

Hinzu kommt aber auch noch eine zentrale Auslage, die gleich aus mehreren Flächen besteht. Für Gebäude gibt es gleich zwei Ablagepläne, von denen ihr im Verlauf des Spiels Käufe tätigen könnt. Dazu kommt noch die Festtafel des Ältestenrats, die im weiteren Spiel noch eine gewichtige Rolle einnehmen wird. Damit nicht genug, weitere Fläche benötigt ihr für den Aktionsplan, auf dem ihr eure Arbeiter einsetzen könnt. Weiter geht es mit dem Ablageplan für die Schiffe und die Ältesten. Ihr braucht also in jeden Fall reichlich Platz auf dem Tisch. In Nusfjord gibt es viele unterschiedliche Faktoren, die ihr verwalten und im Blick behalten müsst.

Der Fischfang als Hauptgewerbe

Nusfjord wird über sieben Runden gespielt, jede davon ist in drei Phasen unterteilt. Es beginnt zunächst mit der Fangzeit, in der eure Boote aufs Meer hinausschippern und ihre Beute einfahren. Bei Spielbeginn startet ihr mit einem kleinen Bötchen, das euch in dieser Phase drei Fische einbringt. Später könnt ihr weitere Boote hinzubekommen und die Ausbeute damit steigern. Die gefangenen Fische wandern nicht einfach in euren Vorrat, sondern werden nach einem vorgegebenen Schlüssel verteilt.

Ihr müsst Teile eures Fangs an verschiedene Institutionen abtreten. Da wären zum Beispiel die Ältesten, die in eurer kleinen Hafenstadt residieren. Haben andere Spieler Anteile an eurem Betrieb erworben, bekommen sie ebenfalls einen Teil des Fangs ausgehändigt. Übriggebliebene Fische lassen sich dann im Lagerhaus auf eurem Spielplan ablegen. Die Lagermenge ist dabei jedoch auf acht Fische begrenzt. Alle Fische darüber hinaus wandern wieder zurück in den allgemeinen Vorrat und sind für euch verloren.

Die Arbeit in der Hafenstadt

So richtig geht die Arbeit aber erst nach dem Fischfang los. In der zweiten Phase einer jeden Runde könnt ihr eure Arbeiter auf dem Aktionsplan einsetzen. Pro Runde dürft ihr drei Arbeiter entsenden. Die Anzahl der Aktionen ist, im Vergleich zu vielen anderen Spielen von Uwe Rosenberg, noch recht überschaubar. Ein knappes Dutzend unterschiedlicher Möglichkeiten reichen, um euren Fischereibetrieb zu führen.

Beim Bespielen des Aktionsplans müsst ihr zudem immer bedenken, dass jede Aktion nur begrenzt häufig genutzt werden kann. Wurde das Limit einer Aktion erschöpft, könnt ihr die Aktion in dieser Runde nicht mehr wählen. Durch den Einsatz eines Arbeiters könnt ihr euch zum Beispiel ein Goldstück nehmen. Gold ist eine wertvolle Ressource im Spiel, mit der ihr zum Beispiel Anteile anderer Fischereibetriebe erwerben könnt. Jeder Spieler kann Anteile seines Betriebs in die zentrale Auslage legen und dafür zwei Gold erhalten. Diese Anteile können andere Spieler wiederum für Gold erwerben. In der Fangzeit, der ersten Phase einer Runde, werdet ihr dann automatisch am Fischfang der Konkurrenz beteiligt.

Goldstücke sind ebenfalls am Ende des Spiels von Bedeutung, da euch jede einzelne Münze Siegpunkte einbringt, ein nicht zu unterschätzender Faktor. Außerdem können euch Goldstück dabei helfen, neue Boote zu bauen. In Nusfjord gibt es drei unterschiedliche Arten von Schiffen, mit denen ihr die Ausbeute eures Fischfangs vergrößert. Ähnlich hilfreich ist Gold auch beim Bau von Gebäuden. Der Bau von Immobilien verlangt die Investition verschiedener Ressourcen. Je nach Art des Gebäudes werden Holz, Fische und/oder Goldstücke fällig.

Das oftmals notwendige Holz erhaltet ihr aus der Forstwirtschaft. Auf eurem eigenen Spielertableau findet ihr einige Bauflächen, die teilweise durch Waldplättchen verdeckt sind. Ihr könnt einen Arbeiter dazu verwenden, Bauholz aus euren Waldflächen zu gewinnen. Je mehr Wald sich in eurem Besitz befindet, desto größer wird die Ausbeute sein. Ihr könnt euer Waldgebiet mit dem Einsatz eines Arbeiters sogar noch erweitern. Allerdings stehen euch Waldflächen nicht zur Verfügung, wenn ihr ein neues Gebäude errichten möchtet. Gebäude könnt ihr nur auf entwaldeter Fläche errichten.

Der Rat der Ältesten

Eine besondere Rolle spielt der Rat der Ältesten. Diese werden bei Spielbeginn nach einer bestimmten Vorgabe auf dem dafür vorgesehenen Ablageplan platziert. Mit den Arbeitern könnt ihr einen Ältesten vom Ablageplan nehmen und auch gleich seine ganz besondere Funktion nutzen. Der gewählte Älteste kommt anschließend in eure eigene Auslage, wo ihr ihn im weiteren Verlauf des Spiels immer wieder verwenden könnt. Die Ältesten bringen euch zusätzliche Ressourcen bei bestimmten Aktionen ein und gestalten so eure Handlungen deutlich effektiver.

Der Rat der Ältesten verlangt allerdings auch immer einen gewissen Obolus. Sie bedienen sich mit Fischen von der Festtafel des Ältestenrats, der von den Spielern gemeinschaftlich mit frischer Ware versorgt wird. Hat jeder Spieler seine drei Arbeiter eingesetzt, dann geht es auch schon in die dritte und letzte Phase der Runde, der Heimkehrzeit.

Willkommen zu Hause

Die dritte Phase könnt ihr, wie übrigens auch Phase eins, mit allen Spielern gleichzeitig durchführen. Hier räumt ihr lediglich die Arbeiter wieder ab und befüllt die Auslage erneut mit neuen Gebäuden. Ebenfalls wird der Startspieler-Marker weitergereicht. Ansonsten könnt ihr dann auch zügig wieder mit der nächsten Runde beginnen. Nach sieben Runden ist die Partie dann beendet. Jetzt zählt ihr die während des Spiels gesammelten Siegpunkte zusammen. Diese bekommt ihr für einige Gebäude und Schiffe, sowie für Anteile an Fischereibetrieben und natürlich verbleibende Goldstücke in eurem Besitz.

Die Spieldauer hängt stark von der Zahl der Teilnehmer ab. Pro Spieler müsst ihr mit einer Spielzeit von zwanzig Minuten rechnen. Maximal können fünf Fischereibetriebseigner am Spiel teilnehmen. In der Anleitung findet ihr sogar Regeln für einen Solomodus, der sich ebenfalls richtig gut spielt. Nusfjord findet ihr ab sofort im Handel, preislich bewegt sich das Spiel zwischen 50€ und 60€.

Pros

Cons

Fazit

Nusfjord beeindruckt zunächst durch sein opulentes Spielmaterial. Die Packung ist prall gefüllt und bringt einiges an Gewicht auf die Waage. Ein wenig abschreckend wirkt dafür zunächst die Anleitung, die nicht ganz so erfahrene Regelleser mit ein paar Fragezeichen zurücklässt. Hat man sich aber an den Spielablauf etwas gewöhnt, spielt sich Nusfjord genauso flüssig wie die meisten von Rosenbergs anderen Werken auch. Im Grunde bauen die einzelnen Schritte auch ziemlich logisch aufeinander auf und dank der nicht zu großen Auswahl an Aktionen bleibt die Übersicht über den Spielablauf gewährt. Eine große Stärke von Nusfjord ist, dass es nur sehr geringe Wartezeiten gibt. Zwei der drei Phasen einer Runde können von allen Spielern zeitgleich durchgeführt werden. Das Einsetzen der Arbeiter geht im Normalfall ebenso recht schnell vonstatten, da die Aktions-Auswahl nicht ganz so riesig ist. Dadurch spielt sich eine Partie recht zügig herunter. Spielmechanisch lassen sich bei Nusfjord keine großen Schwächen erkennen. Die Bestandteile des Spiels sind gut aufeinander abgestimmt und greifen wunderbar ineinander. Einen Innovationspreis gewinnt Nusfjord nicht, dennoch wird das Spiel sicher den Geschmack von vielen Spielern treffen. Es bewegt sich in Sachen Komplexität auf einem angenehmen Niveau, in dem auch etwas weniger geübte Strategiespieler noch gut zurechtkommen. Vielleicht könnte Nusfjord eine gangbare Eintrittspforte in die schöne Welt der Expertenspiele sein, wo bereits viele andere Titel von Uwe Rosenberg bereitstehen.

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