Test: Piepmatz

  • VonSebastian Hamers
    schließen

Mit der optischen Gestaltung von Brett- und Kartenspielen ist es so eine Sache. Mal sind quietschbunte Comic-Zeichnungen en vogue, mal liegt ein eher düsterer Stil im Trend oder ein Hang zum Abstrakten. Zum Glück ist die Spieleszene mittlerweile so breit aufgestellt, dass sich für jeden Geschmack, auch in Sachen Illustration, etwas findet. Das kleine Kartenspiel Piepmatz von Lookout Games sticht mit seiner Grafik aus der Vielfalt der Spiele dennoch hervor. Optisch wirkt das Spiel ein wenig, als wäre es aus Omas Kramkiste hervorgeholt worden. Moderne Illustration sieht vielleicht anders aus, doch gerade die etwas antiquierte Optik strahlt auch einen ganz besonderen Charme aus.

Der deutsche Verlag Lookout Games versuchte in der jüngsten Vergangenheit mit dem Kartenspiel Bummelbahn schon ein ganz ähnliches Experiment. Namensgebung und Illustrationen von Bummelbahn als auch von Piepmatz lassen zunächst auf ein Spiel für Kinder schließen. Doch weit gefehlt! Hinter beiden Kartenspielen verbergen sich anspruchsvolle Titel, die sich vor allem an ambitionierte Spieler richten.

Simple Regeln, komplexes Spiel

In Piepmatz balgen sich verschiedene Vogelarten um den besten Platz an der Futterkrippe. Die Karte mit der Futterkrippe steht daher auch im Zentrum des Spiels. Je nach Spielerzahl besitzt die Futterkrippe zwei oder drei Eingänge für die Vögel, die sich dort ihre Körner sichern können. Direkt über der Futterkrippe legt ihr noch eine Spalte mit vier Körnerkarten aus. Weiterhin werden alle Krippeneingängen mit einer Vogelkarte bestückt. Weitere drei Vögel wandern in eine offene Auslage neben dem Nachziehstapel. Jetzt zieht jeder Spieler noch vier Vogelkarten und nimmt sie auf die Hand. Dann kann es auch schon losgehen.

Die Spielzüge in Piepmatz sind klar strukturiert. Zunächst legt ihr als aktiver Spieler eine Vogelkarte von der Hand an einen beliebigen Eingang der Futterkrippe. Da die Eingänge besetzt sind, muss sich der neu hinzugekommene Vogel zunächst hintenanstellen. Dies wird natürlich nicht lange so bleiben, schließlich wollen die wartenden Vögel auch möglichst schnell an ihr Futter. Dabei gilt in der Tierwelt immer noch das Recht des Stärkeren.

Der begehrte Platz an der Futterkrippe

Jede Vogelkarte ist mit einem Zahlenwert zwischen einem und sechs Punkten versehen. Nun werden die Zahlenwerte der Vögel in der Warteschlange addiert. Ist die Summe der wartenden Vögel größer als der Zahlenwert des Vogels an der Krippe, verändert sich die Hackordnung an der Futterstelle. Zuvor gibt es aber erstmal Beute in Form von einigen Körnern. Ihr dürft euch eine der Körnerkarten nehmen, die über der Futterkrippe ausliegen. Welche Karte ihr nehmen dürft, hängt von der Differenz der Zahlenwerte zwischen Warteschlange und dem Vogel an der Krippe ab. Taktiker spielen ihre Vogelkarten also ganz gezielt, um hier eine möglichst lohnende Beute abzustauben.

Der vertriebene Vogel am Futterplatz flattert nun fort in eure Sammlung. Die Vogelkarte pickt also nicht nur ein paar Körner für euch auf, sondern kann am Ende des Spiels noch für zusätzliche Punkte sorgen. Zunächst legt ihr die gesammelten Vögel einfach offen vor euch aus. Am Spielende geben euch passende Vogelpärchen aus Weiblein und Männlein zusätzliche Punkte. Ebenso wird die größte Sammlung einer Art prämiert. Besitzt ihr also die meisten Grünfinken aller Spieler, dann winkt euch am Spielende erneut ein stattlicher Bonus. Genau diese vielfältigen Möglichkeiten der Punktejagd machen Piepmatz zu einem anspruchsvollen Spiel für Taktiker.

Wie im Taubenschlag

Während der Vogel an der Futterkrippe zu euch in die Sammlung fliegt, verändert sich nun die Hackordnung am Futterhäuschen. Der stärkste Vogel mit dem höchsten Zahlenwert nimmt die Pole Position ein, die restlichen Vögel stellen sich weiter brav hintenan, ohne ihre Reihenfolge zu verändern. Möglicherweise wird jetzt sogar eine Kettenreaktion aktiviert. Ihr schaut erneut nach, ob die Vögel in der Warteschlange gemeinsam stärker sind als der Vogel, der nun an der Krippe nach Körnern pickt. In diesem Fall dürft ihr euch über weiteres Korn und auch über einen neuen Vogel für eure Sammlung freuen. Geschickt vorausgeplant, könnt ihr so vielleicht so manchen Bonus einheimsen.

Manchmal ist die Situation an der Krippe jedoch auch verfahren, so dass ihr gar keine Übermacht in der Warteschlange herstellen könnt. Dies geschieht vor allem, wenn sich ein dicker 6er-Vogel an der Krippe breitgemacht hat. Da müssen sich schon einige Vögel zusammenschließen um den Platzhirsch zu verscheuchen. Eine kleine Entschädigung gibt es aber trotzdem. Nachdem ihr eine Vogelkarte von der Hand in eine Schlange eingereiht habt, dürft ihr nun eine weitere Vogelkarte spielen und sie einfach eurer Sammlung hinzufügen. Manchmal kann das sogar ganz hilfreich sein, etwa wenn ihr dadurch ein Vogelpärchen zusammenstellen könnt oder es ein knappes Rennen um die Mehrheit bei einer Vogelart gibt.

Krähen und Eichhörnchen sorgen für Wirbel

Unter die Futterkarten haben sich auch drei Eichhörnchen und die gleiche Anzahl an Krähen gemischt. Im Spielverlauf können sich diese Tierchen an Körnerkarten in der Auslage heften. Immer wenn ihr eine entsprechende Körnerkarte nehmt, müsst ihr auch die dazugehörige Krähe oder das Eichhörnchen nehmen. Das Aufnehmen dieser Karten wollt ihr jedoch möglichst vermeiden, denn sie bringen euch nur Ärger ein.

Eine Krähe etwa verscheucht einen Vogel aus der eigenen Sammlung. Das Eichhörnchen hat es hingegen mehr auf die Körner abgesehen. Gleich zwei Körnerkarten aus dem eigenen Vorrat kommen aus dem Spiel und die Punkte sind dahin. Die Ärgerkarten Krähe und Eichhörnchen stellen euch oft vor schwere Entscheidungen. Verzichtet ihr auf eine begehrte Karte, um den Ärger mit Krähe und Eichhörnchen zu vermeiden? Oder nehmt ihr die Nachteile in Kauf um euch in letzter Sekunde vielleicht noch die Mehrheit bei einer bestimmten Vogelart zu sichern? All diese Fragen werdet ihr euch in Piepmatz sicherlich einige Male stellen.

Die große Abrechnung

Das Spielende wird eingeleitet, sobald der Nachziehstapel mit den Futterkarten zur Neige geht. In der finalen Abrechnung gibt es jetzt Punkte für passende Vogelpärchen. Wenn ihr von einer Vogelart die meisten Vögel aller Spieler besitzt, könnt ihr jetzt noch mal kräftig Punkte absahnen. Jeder Vogel dieser Spezies gibt euch Siegpunkte. Belohnt werdet ihr natürlich auch für die gesammelten Körnerkarten, die unterschiedliche Wertigkeiten aufweisen. Ihr seht schon, es gibt so viele Kleinigkeiten, die es im Spielverlauf zu bedenken gibt.

Piepmatz ist für zwei bis vier Spieler ab zehn Jahren geeignet, eine Partie dauert etwa eine halbe Stunde. Da das Spiel ausschließlich aus Karten besteht, könnt ihr es schon zum kleinen Preis bekommen. Das Spiel wurde bereits im Vorfeld der Messe für den Handel freigegeben und sollte dort mittlerweile flächendeckend eingetroffen sein. Piepmatz kostet etwa 15€.

Pros

Cons

Fazit

Optisch wirkt Piepmatz wie ein Spiel aus längst vergangenen Tagen. Spieletitel und auch die Illustrationen lassen zudem auf ein Kinderspiel schließen. Beide Vermutungen entpuppen sich als Vorurteil. Piepmatz ist ein modernes Kartenspiel, das euch taktisch einiges abverlangt. Es ist mehr als ein einfaches Set-Sammelspiel, denn Siegpunkte könnt ihr auf vielfältige Art und Weise generieren. Da ist es gar nicht so leicht, das große Ganze im Blick zu behalten. Mit einer guten Portion Taktik löst ihr effektive Kombinationen aus, die euch zusätzliche Siegpunkte einbringen. Um Piepmatz zu meistern, benötigt es schon einige Durchläufe. Die Regeln selbst sind dabei wirklich ziemlich einfach. Umso schöner, dass sich hinter Piepmatz ein anspruchsvolles Taktikspiel verbirgt. Wie schon bei Bummelbahn aus dem gleichen Hause hat auch Piepmatz das Potenzial oft auf den Tisch zu kommen. Es ist schnell erklärt, erfordert dennoch strategisches Vorgehen und ist zudem mit einer halben Stunde Spieldauer auch noch recht schnell gespielt. Spiele dieser Art kann man doch immer in seiner Sammlung gebrauchen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare