Test: Die Quacksalber von Quedlinburg

  • VonSebastian Hamers
    schließen

Es ist schon ziemlich abenteuerlich, was die Quacksalber von Quedlinburg so alles in ihre Tränke werfen. Neben Kürbissen und Fliegenpilzen wandern sogar Rattenschwänze und Knallerbsen in ihre Tinkturen. Letztere sorgen möglicherweise sogar dafür, dass den Kurpfuschern ihre Tränke um die Ohren fliegen. Ein randvoll gefüllter Kessel mit den richtigen Zutaten hingegen sorgt für prallgefüllte Kassen auf dem Basar von Quedlinburg. In der Rolle eines Quacksalbers versucht ihr eure Braukessel mit so vielen guten Zutaten wie möglich zu füllen, ohne dass der Trank vor euren Augen in Flammen aufgeht. Wem dieses Kunststück am besten gelingt, kann sich am Ende des Tages als bester Quacksalber von Quedlinburg fühlen.

Auf den ersten Blick wirkt Die Quacksalber von Quedlinburg wie ein klassisches Familienspiel. Ganz verkehrt ist dieser erste Eindruck auch nicht. Sind die Spielregeln erst einmal verinnerlicht, spielen sich die Quacksalber angenehm fluffig. Doch es bedarf schon ein paar Minuten Erklärungszeit, um neue Spieler in die Regeln des Spiels einzuführen. Auch taktisch wartet das Spiel mit so einigen Feinheiten auf. Vielleicht ist das euch einer der Gründe, warum die Spiel-des-Jahres-Jury Die Quacksalber von Quedlinburg in die Kategorie der Kennerspiele einsortierte. Gleichzeitig bescheinigte die Jury dem Spiel auch seine Qualitäten, indem sie es für den prestigeträchtigen Preis „Kennerspiel des Jahres 2018“ nominierte.

Braukünste von Quedlinburg

Als Quacksalber seid ihr in erster Linie auf gute Zutaten angewiesen, wenn ihr einen wertvollen Trank brauen möchtet. Die Startbedingungen sind für alle Spieler gleich. Jeder erhält einen eigenen undurchsichtigen Stoffbeutel, in denen ein paar Zutaten gefüllt werden. Das Brauen der Tränke kann parallel verlaufen. Jeder Quacksalber bastelt an seinem Trank, indem er Zutat für Zutat aus dem Beutel zieht und in seinen Kessel legt.

Den Kessel könnt ihr euch als ein spiralförmiges Gebilde vorstellen, das sich von innen nach außen immer weiter ausdehnt. Die erste Zutat legt ihr in das Zentrum der Spirale, die folgenden Zutaten wandern auf den vorgegebenen Feldern immer weiter nach außen. Je weiter ihr mit euren Zutaten in die äußeren Bereiche des Kessels gelangt, desto wertvoller wird der Trank.

Die Guten ins Töpfchen

Alle Trankzutaten werden im Spiel durch verschiedenfarbige Chips dargestellt. Die Zutaten unterscheiden sich zudem auch durch ihre Wertigkeit. Je höher der Wert einer Zutat ist, desto weiter bringt sie euch in der Spirale des Kessels nach vorne. In euren Trank könnt ihr so viele Zutaten werfen, wie ihr möchtet. Gefährlich wird es nur durch die weißen Knallerbsen. Die Knallerbsen tragen zwar ebenso zur Qualität eures Tranks bei, doch sobald die Knallerbsen in ihrer Gesamtheit einen gewissen Wert überschreiten, explodiert der ganze Kessel. Die verrichtete Arbeit ist zwar nicht zur Gänze verloren, aber ihr müsst dennoch mit einigen Einbußen leben.

Somit müsst ihr bei Die Quacksalber von Quedlinburg immer ein wenig pokern. Zieht ihr noch einen weiteren Chip aus dem Beutel, um die Qualität des Tranks zu verbessern? Dann geht ihr häufig auch ein gewisses Risiko ein. Im Spielverlauf könnt ihr weitere Zutaten erstehen und sie eurem Beutel hinzufügen. Dadurch reduziert sich natürlich auch die Wahrscheinlichkeit, einen der weißen Knallerbsen-Chips zu ziehen.

Kräuter mit Spezialeffekten

Einige Zutaten sorgen für hilfreiche Sondereffekte, wenn ihr sie in euren Kessel schmeißt. Manchmal dürft ihr euch über Soforteffekte freuen, mal gibt es erst am Rundenende eine Belohnung. Wie die Effekte letztlich aussehen, entnehmt ihr den zahlreichen Zutaten-Büchern. Ihr dürft beispielsweise mit eurem Zutatenchip ein paar weitere Felder im Kessel nach vorne ziehen und den Trank dadurch wertvoller machen. Bestimmte Zutaten erlauben es euch auch einen schon ausliegenden Knallerbsen-Chip wieder aus dem Kessel zu entfernen. Die Möglichkeiten der Zutaten-Bücher sind vielfältig und weit gestreut.

Dem Spiel liegt gleich an ganzes Paket an Zutaten-Bücher bei, sodass ihr genügend Material habt, um die Partie immer wieder mit anderen Bedingungen zu beginnen. Hier liegt eine der ganz großen Stärken von Die Quacksalber von Quedlinburg. Das Spiel lässt sich auf vielfältige Art modifizieren und bietet dadurch unterschiedliche Spielerfahrungen.

Neue Zutaten einkaufen

Am Ende der Runde werden die gefertigten Tränke ausgewertet. Je weiter ihr mit euren Zutaten-Chips in der Kessel-Spirale gelangt seid, desto besser ist euer Gebräu geraten. Ist es euch gelungen, den wertvollsten Trank der laufenden Runde zu brauen, dürft ihr zunächst den Bonuswürfel werfen. Dieser Bonus wird euch aber nur zuteil, falls euer Trank in dieser Runde nicht explodiert ist. Der Bonuswürfel spendiert euch zusätzliche Siegpunkte, einen orangenen Zutaten-Chip, einen kleinen Bonus auf den nächsten Trank oder einen Rubin, den ihr später gegen andere Boni eintauschen könnt. Weiterhin werden nun die Sondereffekte der Zutaten ausgelöst, die erst bei Rundenende aktiviert werden. Je nach Position der letzten Zutat in eurem Kessel bekommt ihr nun zudem noch weitere Rubine ausgezahlt.

Siegpunkte gibt es für den gebrauten Trank natürlich auch. Die Zahl der Siegpunkte hängt von der Position der letzten Zutat in eurem Kessel ab. Diese Position ist ebenso ausschlaggebend für den Geldbetrag, den ihr jetzt erhaltet, um neue Chips für euren Beutel zu erwerben. Sollte euer Trank in dieser Runde explodiert sein, müsst ihr allerdings einen weiteren Malus hinnehmen. Ihr müsst euch in dieser Runde entscheiden, ob ihr Siegpunkte kassiert oder aber Geld einnehmt, um damit neue Zutaten zu kaufen. Nur eine dieser Optionen steht euch diesmal zur Verfügung.

Rubine geschickt investieren

Ganz zum Schluss könnt ihr noch etwaige Rubine eintauschen, die ihr im Spielverlauf gesammelt habt. Für zwei Rubine dürft ihr den sogenannten Tropfenmarker um ein Feld im Kessel weiter nach vorne schieben. In der nächsten Runde startet ihr mit dem Anlegen der Zutaten von der neuen Position des Tropfenmarkers aus. Dadurch erhaltet ihr einen kleinen Vorsprung und kommt in der Spirale des Kessels etwas schneller voran.

Ebenso zwei Rubine kostet das Auffüllen eures kleinen Zauberfläschchens. Die Flasche könnt ihr einmalig einsetzen, um eine gezogene Knallerbse wieder in den Beutel zurückzulegen. Sollte die Knallerbse jedoch eine Explosion auslösen, ist es für den Einsatz der Flasche zu spät. Ihr müsst die Flasche also vorausschauend verwenden. Durch das Ablegen von zwei Rubinen könnt ihr die Flasche wieder füllen und so wieder einsatzbereit machen.

Sanfter Einstieg für neue Spieler

Das Spiel läuft über neun Runden, bevor der beste Quacksalber von Quedlinburg gekrönt wird. Im Spielverlauf gibt es einen leichten Anstieg der Komplexität, da die verfügbaren Zutaten-Bücher erst nach und nach freigeschaltet werden. So kommen selbst Neulinge gut ins Spiel und werden sanft in die Abläufe eingeführt. Außerdem verfügt das Spiel über einen kleinen Gummiband-Effekt. Zurückliegende Spieler erhalten zu Rundenbeginn einen kleinen Bonus und dürfen ihre erste Zutat etwas weiter vorne anlegen.

Die Quacksalber von Quedlinburg ist ab sofort im Handel verfügbar und kostet zwischen 25€ und 30€. Das Spiel ist für zwei bis vier Spieler ab zehn Jahren geeignet, eine Partie dauert etwa eine Dreiviertelstunde.

Pros

Cons

Fazit

Eine Zutat passt noch rein, oder? Vor diese Frage werdet ihr in Die Quacksalber von Quedlinburg immer wieder gestellt. Das Spiel hat aber noch viel mehr zu bieten, als das Pokern um die richtige Mischung des Tranks. Durch das ständige Erweitern der Zutatenauswahl im Beutel könnt ihr die Chance minimieren, eine Knallerbse zu erwischen. Ebenso müsst ihr gut überlegen, wie ihr eure Rubine taktisch geschickt investiert. Ihr nutzt dazu die Sondereffekte der Zutaten aus, um weitere Vorteile zu generieren. Eine große Stärke von Die Quacksalber von Quedlinburg liegt in seiner unglaublichen Vielseitigkeit. Es gibt viele Stellschrauben, an denen ihr das Spiel verändern könnt. So werdet ihr immer wieder aufgefordert, euch eine andere Strategie zu überlegen. Auf jeden Fall hat Die Quacksalber von Quedlinburg so einige Überraschungen für euch parat. Ihr könnt nie ganz sicher sein, was als nächstes passiert. Ein gewisser Glücksfaktor ist stets mit von der Partie, taktische Überlegungen spielen aber mindestens eine ebenso große Rolle. Die Quacksalber von Quedlinburg ist eine gute Ergänzung für so ziemlich jede Spielesammlung. Es eignet sich insbesondere gut, wenn ihr nicht ganz so erfahrene Spieler sanft in die Welt der komplexeren Spiele einführen möchtet.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare