Test: Race To The New Found Land

  • VonSebastian Hamers
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Wenn der Hans-im-Glück-Verlag ein neues Brettspiel vorstellt, sind die Erwartungen groß. Seit vielen Jahren steht der Münchner Verlag für anspruchsvolle Spiele, die sich an erfahrene Brettspieler richten. Im letzten Jahr bewegte sich Hans im Glück mit dem Titel Majesty ein wenig von seinem Kennerspielprogramm weg. Mit deutlich einfacheren Regeln nahm Majesty eher Familien- und Gelegenheitsspieler ins Visier. Ganz frisch ist jetzt das neue Hans-im-Glück-Spiel Race To The New Found Land erschienen. Damit kehrt der Verlag wieder zurück zu seinen Wurzeln und bringt ein anspruchsvolles Spiel mit einer Vielzahl von fein verzahnten Mechaniken und einem deutlich taktischeren Einschlag in den Handel.

Die alte Welt ist in Aufruhr. Unter den mächtigen Kolonialmächten ist ein Wettlauf um die Entdeckung von neuen Ländern im Dunstkreis des nordamerikanischen Kontinents entstanden. Als Gouverneur einer dieser Großmächte schickt ihr eure Erkundungsschiffe gen Westen, um bislang unbekannte Inseln zu entdecken und wertvolle Ressourcen abzugreifen, um damit die europäischen Metropolen zu beliefern.

Die Basis in der Heimat legen

Die erste wichtige Entscheidung in Race To The New Found Land trefft ihr schon vor Spielbeginn. Spanien, Portugal, Frankreich, Niederlande und England sind die Nationen, die über genügend finanzielle Möglichkeiten verfügen, um sich am Wettlauf auf die Neue Welt zu beteiligen. Jede Nation verfügt über eine einzigartige Fähigkeit, die sie von den Rivalen abhebt. Durch die Wahl eurer Heimat legt ihr so schon im Vorfeld des Spiels einen Teil eurer Strategie fest.

In der Heimat legt ihr auch die Basis für eure Erkundungsfahrten. In eurem Hafen könnt ihr im Spielverlauf eine zusätzliche Werft bauen, damit ihr eine weitere Anlegestelle für Schiffe in der Alten Welt habt. Ferner erbaut ihr dort auch ein weiteres Gebäude, je nach gewählter Nation. Die Portugiesen dürfen mit noch einem weiteren Schiff operieren, während etwa die Franzosen mit ihrer Zollstelle zusätzliche Siegpunkte beim Erfüllen von Aufträgen generieren.

In eurem Heimathafen müsst ihr auch weitere Schiffe bauen. Jedes Schiff muss immer einer Werft zugeordnet werden. Die ersten Werften bekommt ihr schon bei Spielbeginn, eine weitere könnt ihr im Verlauf des Spiels noch bauen. Schiffe gibt es in unterschiedlichen Größen und müssen mit den passenden Ressourcen finanziert werden. Kleine Schiffe bezahlt ihr mit einem Holz und einem Tuch, für die großen Schiffe werden, je nach Schiffstyp, deutlich höhere Kosten fällig. Ferner könnt ihr mit Hilfe von bestimmten Karten auch Charterschiffe anheuern. Diese stellen eine kostengünstige Alternative dar, stehen euch aber auch nur eine Runde zur Verfügung, bevor sie wieder auf den Ablagestapel gelegt werden.

Gute Planung ist die halbe Miete

Die genannten Aktivitäten führt ihr in der ersten Phase einer Runde, der sogenannten Landphase, durch. Weiter geht es mit der Planungsphase, in der ihr die Aktionen für die laufende Runde festlegt. Race To The New Found Land unterscheidet zwischen vier unterschiedlichen Aktionen: Beladen, Siedeln, Liefern und Entdecken. Reihum legt ihr nun diese Aktionen fest. Dazu ordnet ihr eure verfügbaren Schiffe an eurem eigenen Spielertableau den gewünschten Aktionen zu.

Erst im Anschluss werden die Aktionen der einzelnen Spieler auch durchgeführt. Auf den angelegten Schiffen seht ihr Segelsymbole mit unterschiedlichen Werten. Habt ihr bei einer Aktion den höchsten Segelwert, so dürft ihr eure Aktion auch zuerst durchführen. Dies kann gleich mehrere Vorteile haben. Einige Felder auf dem Spielbrett können nur limitiert aktiviert werden, so könnt ihr euren Mitspielern also zuvorkommen und ihnen einen wichtigen Bonus wegschnappen. Ebenso erhaltet ihr etwaige Siegpunkte zuerst und zieht eure Figur entsprechend auch zuerst auf der Siegpunktanzeige nach vorne. Auf der Siegpunktanzeige befinden sich einige Aktionsfelder, die bestimmte Boni ausschütten, sobald ihr sie mit eurer Figur erreicht habt. Auf diese Art gewinnt ihr einen zeitlichen Vorsprung vor euren Mitspielern.

Hohe Nachfrage aus Europa

Auf jedem Schiff befinden sich mehrere Angaben. Fässer symbolisieren die Kapazitäten für Waren eures Schiffs, sie sind in der Phase Beladen sowie beim Liefern von Bedeutung. Wenn ihr ein Schiff in der Planungsphase zur Beladung eingesetzt habt, springen für euch jetzt Ressourcen heraus, die ihr euch aus dem allgemeinen Vorrat nehmen dürft. Je mehr Fässer euer Schiff zeigt, desto wertvoller wird die gewonnene Ressource sein. Alle Ressourcen werden zentral auf eurem eigenen Spielertableau gelagert.

Einsetzen könnt ihr die Ressourcen bei den Lieferungen. Sofern ihr ein oder mehrere Schiffe zum Liefern eingeteilt habt, könnt ihr jetzt Lieferaufträge erfüllen. Auf dem Spielplan müssen die Städte Stockholm, Hamburg und Venedig mit Tuch, Holz, Eisen oder auch Gold beliefert werden. Bei den Städten liegen diverse Plättchen aus, die euch anzeigen, welche Ressourcen in welcher Stückzahl benötigt werden. Manchmal müsst ihr dazu gleich mehrere Schiffe einsetzen, da eure Ladekapazitäten begrenzt sind. Als Belohnung winken euch dafür einige Siegpunkte. Mit den Siegpunkten rückt ihr entsprechend schnell auf der Siegpunktleiste nach vorne und könnt dort die oben schon angesprochenen Boni schneller erhalten.

Land in Sicht

Ihr könnt eure Schiffe jedoch auch dazu verwenden, um Auswanderer in die Neue Welt zu transportieren. In diesem Fall ist das Personen-Symbol auf dem Schiffsplättchen relevant. Habt ihr ein Schiff für diesen Zweck eingesetzt, steuert ihr ein schon entdecktes Landareal an, das noch genügend Leute aufnehmen kann und setzt die Siedler dort ab. Vier große Inseln können besiedelt werden: Ile d’Anticosti, Newfoundland, Nova Scotia und Prince Edward Island.  Auf den Inseln liegen mehrere Plättchen aus, auf denen ihr Siedler absetzen könnt. Durch die neu gegründete Siedlung erhaltet ihr sofort einen kleinen Bonus, zum Beispiel eine bestimmte Ressource oder auch ein paar Siegpunkte.

Der neue Lebensraum für die Siedler wird jedoch irgendwann knapp. Ihr müsst also dabei helfen, neue Inselabschnitte zu entdecken. Dazu sendet ihr wiederum Schiffe aus, die weder Siedler noch Waren transportieren. Bei der Aktion Entdecken kommt es auf das Fernglas-Symbol auf euren eingesetzten Schiffen an. Für jedes Fernglas-Symbol zieht ihr ein Inselplättchen vom Nachziehstapel. Pro Schiff, das ihr für die Entdeckung eingesetzt habt, dürft ihr nun eines dieser so gezogenen Plättchen wählen und es auf eine beliebige Insel legen. Anschließend dürft ihr als Belohnung aber auch schon einen Siedler auf das neu entdeckte Land platzieren und auch dafür Boni kassieren.

Kartografie der Neuen Welt

Nachdem alle Aktionen der Spieler durchgeführt wurden, wird das neu erschlossene Land kartographiert. Dies bedeutet für euch, dass weitere Landstriche auf den vier Inseln entdeckt und zur Besiedlung freigegeben werden. Doch irgendwann ist selbst die größte Insel einmal vollständig erkundet. Sobald eine Insel vollständig entdeckt und mit Inselplättchen versehen wurde, kommt es nun zu einer Inselwertung. In dieser zählt jeder Spieler die Anzahl seiner Siedler auf der Insel. Wer die meisten Siedler zur Insel befördert hat, bekommt sofort einige Siegpunkte hinzu. Auch der zweite Sieger in dieser Kategorie darf sich noch über einen kleinen Bonus freuen.

Ganz ähnlich verhält es sich bei den Städten in Europa, die ihr im Verlauf des Spiels mit Waren beliefert habt. Bei jeder erfolgreichen Lieferung legt ihr einen Marker in die Zeile unter dem Städtenamen. Wurde die Zeile komplett mit Markern belegt, wird ganz nach dem oben schon beschriebenen Prozedere verfahren und erneut Siegpunkte verteilt.

Bevor die neue Runde eingeläutet wird, dürft ihr jetzt noch eine oder mehrere der sogenannten Zielkarten einlösen, die ihr möglicherweise als Bonus eingesammelt habt. Für diese gibt es zum Beispiel zusätzliche Siegpunkte, wenn sich eine Menge bestimmter Ressourcen in eurem Warenlager befindet oder ihr eine vorgegebene Anzahl von Siedlern zu einer Insel befördert habt.

Race To The New Found Land wird über vier Runden gespielt. Je nach Zahl der Spieler dauert eine Partie zwischen 60 und 90 Minuten. Zwei bis vier Spieler ab zehn Jahren können an einer Partie teilnehmen. Das Spiel sollte mittlerweile flächendeckend im Handel angekommen sein und kostet etwa 45€.

Pros

Cons

Fazit

Race To The New Found Land verzahnt viele bewährte Mechaniken auf elegante Art und Weise. Wie der Name des Spiels schon andeutet, lohnt es sich in jedem Fall vor seinen Konkurrenten am richtigen Platz zu sein. Zieht eure Figur auf der Siegpunkteleiste davon, bekommt ihr auch zuerst Zugriff auf die Zielkarten, die euch zusätzliche Siegpunkte einbringen können. So könnt ihr die eigene Taktik besser steuern und genau prüfen, welche Karten am besten zur eigenen Lage passt. Über den Fortschritt auf der Zielleiste werden auch die prominenten Kapitäne wie Columbus, Vasco da Gama oder Magellan eingesammelt. Mit ihnen gewinnt ihr ganz besondere Fähigkeiten, die sich in die eigene Strategie einflechten lassen. Eure Rivalen werden früher oder später zwar auch an diese Karten gelangen, doch müssen sie dann nehmen, was noch übrig ist. Spannend sind auch die unterschiedlichen Ausgangspositionen der einzelnen Nationen. Dabei handelt es sich zwar wirklich nur um eine einzige Sonderfähigkeit, die aber durchaus Einfluss auf die eigene Planung hat. Race To The New Found Land ist ein Kennerspiel, das sich wunderbar in die Tradition der strategisch anspruchsvollen Spieler der Hans-im-Glück-Reihe eingliedert.

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