Test: Riga

  • VonSebastian Hamers
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In der Brettspiel-Welt ist es eine beinahe schon beliebte Tradition, ein Spiel nach einer Stadt zu benennen. Ob Brügge, Le Havre, Wien, Lissabon oder Bremerhaven, sie alle haben schon ihr eigenes Brettspiel bekommen. Der kleine Verlag Ostia-Spiele folgt gerne dieser Tradition und bringt nun nach Tallinn das neue Kartenspiel Riga auf den Markt. Auch diesmal handelt es sich um ein kleines Euro-Spiel im Kartenformat.

Riga siedelt sich im Europa des 13. Jahrhunderts an. Die Stadt steht vor einem wirtschaftlichen Aufschwung. Beliefert mit Waren aus Lübeck, kommt der aufstrebenden Metropole eine besondere Bedeutung im Ostsee-Markt zu. Von dort aus beliefert ihr die vier wichtigen Nachbarhäfen in Visby, Tallinn, Stockholm und Danzig. Mit dem Erlös errichtet ihr in diesen Städten auch gleich neue Gebäude, die euch wiederum andere Vorteile einbringen und die eigene politische und wirtschaftliche Macht stärken.

Warenverwaltung

Gehandelt wird mit vier unterschiedlichen Gütern. Jeder Warentyp besitzt eine eigene Farbe und ist zwischen zwei und fünf Dukaten wert. Im Frühling werden euch die Waren aus Lübeck angeliefert. Dazu nehmt ihr den Stapel mit den Warenkarten und legt zwei Reihen von Waren mehr aus als Spieler vorhanden sind. Für jede Reihe legt ihr solange Waren aus, bis der Wert der gesamten Reihe neun oder mehr Dukaten beträgt.

Im Frühling kommen aber nicht nur frische Waren ins Spiel, sondern auch neue Bauaufträge für die vier europäischen Hafenstädte. Alte Bauaufträge werden im Spielverlauf verschwinden, so dass immer eine gewisse Rotation in der Bauplanung vorhanden ist. Die eigentlichen Spielzüge werden im Sommer und im Herbst durchgeführt. Um den Vorteil des Startspielers auszugleichen, wird die Spielerreihenfolge im Herbst einfach umgekehrt.

Dies bedeutet, dass jeder von euch innerhalb eines Jahres zwei Züge durchführt, einen im Sommer und einen im Herbst.  Jeder Zug besteht wiederum aus zwei Phasen. Zunächst nehmt ihr euch entweder einen Bauauftrag aus der offenen Auslage oder aber ihr nehmt sämtliche Warenkarten einer Reihe auf die Hand. Somit habt ihr hoffentlich genug Material gesammelt für die zweite Phase eures Zuges.

In dieser dürft ihr bis zu drei Gebäude von der Hand spielen und in eure persönliche Auslage legen. Für den Bau jedes Gebäudes müsst ihr die darauf angegebene Anzahl von Dukaten zahlen. In Riga gibt es allerdings kein Bargeld, ihr zahlt den Betrag direkt mit dem Verkauf eurer Waren. Auf dem Bauplan ist angegeben, in welcher Stadt das neue Gebäude errichtet werden soll. Je nach Standort, verändern sich auch die Verkaufspreise für die Waren ein wenig. In jeder Stadt gibt es sogar eine Ware, die ihr dort überhaupt nicht verkaufen könnt.

Reinvestition der Dukaten

Da im Spiel Bargeld nicht vorgesehen ist, verfallen überbezahlte Beträge bei der Errichtung eines Bauwerks. Wollt ihr in einer Stadt gleich mehr als ein Gebäude aufstellen, könnt ihr jedoch die Summe als Gesamtpreis zusammenfassen und so ein Überbezahlen möglicherweise verhindern. Nachdem jeder Spieler seine zwei Züge durchgeführt hat, naht auch schon der Winter.

Leider könnt ihr in der kalten Jahreszeit nicht sämtliche Waren einbunkern. Höchstens sechs Karten, egal ob es sich dabei um Waren oder Gebäude handelt, dürft ihr mit in die nächste Runde nehmen.  Im Winter wird außerdem die Position des Startspielers weitergegeben. Dann kann auch schon die nächste Runde mit dem Frühling starten, in dem wieder neue Waren und Gebäude ausgelegt werden.

Das Spiel endet nach acht oder neun Jahren, je nach Teilnehmerzahl. Jetzt zählt ihr noch die Siegpunkte auf den Gebäuden. Weiterhin zieht ihr zwei Punkte pro nicht errichtetem Gebäude auf der Hand ab. Schon könnt ihr den Sieger des Spiels ermitteln.

Die Städte wachsen

Die Gebäude, die ihr dann tatsächlich ins Spiel gebracht habt, bringen euch handfeste Vorteile ein. Jedes Gebäude kann in jeder der vier Städte einmal errichtet werden. Insgesamt findet ihr zwölf unterschiedliche Gebäude im Set wieder. Hinzu kommen noch vier Gebäude, die in Riga selbst aufgestellt werden können. Die Riga-Gebäude haben alle Spieler schon zu Spielbeginn vor sich liegen und können im Sommer oder Herbst gebaut werden.

Es sind dann letztlich auch die Gebäude, die eure wesentliche Taktik bestimmen. Einrichtungen wie Festungen oder Gildenhäuser bringen euch Ritter oder Kaufleute ein, die von anderen Gebäuden mit Dukaten belohnt werden. Ein Kran kann die Baukosten eines anderen Gebäudes halbieren, kann jedoch auch nur einmalig eingesetzt werden. So hantiert ihr mit den Gebäuden und versucht das Optimale herauszuholen. Durch die Rotation in den Kartenauslagen gehört dazu schon ein wenig Glück, aber mit einer guten Taktik könnt ihr diesem schon ordentlich auf die Sprünge helfen.

Zahlreiche Erweiterungen verfügbar

Die Spielrunden flutschen ziemlich gut durch, ein Zug ist in der Regel in einem Rutsch erledigt. Auf längere Wartezeiten müsst ihr eigentlich nicht gefasst sein. Pluspunkte sammelt Riga zudem für die Zugänglichkeit. Die Regeln habt ihr euch in kurzer Zeit draufgeschaufelt und euren Mitspielern vermittelt.

Für Riga liegen zudem schon gleich mehrere Mini-Erweiterungen vor, mit denen ihr die Komplexität erhöhen könnt. Ihr könnt die Erweiterungen einzeln mit ins Spiel nehmen oder auch gleich alle gemeinsam einsetzen, ganz wie es euch beliebt. Die Erweiterungen stellen den Spielverlauf nicht völlig auf den Kopf, fügen sich aber organisch in den Spielverlauf ein. Alle Zusätze passen bequem in die Verpackung des Basisspiels. Somit bekommt ihr ein gut funktionierendes Euro-Spiel zum kleinen Preis, das auch noch den Platz in eurem Spieleregal schont.

Riga ist für zwei bis vier Spieler ab zehn Jahren ausgelegt. Eine Partie dauert zwischen 30 und 50 Minuten. Preislich müsst ihr mit 12€ bis 15€ rechnen.

Pros

Cons

Fazit

Spielerisch stellt Riga keine große Innovation dar. Es handelt sich um ein klassisches Euro-Spiel, bei dem Waren gehandelt und Gebäude errichtet werden, um damit Siegpunkte zu sammeln. Als solches funktioniert Riga ziemlich gut. Die Spielzüge laufen geschmeidig ab, allen Beteiligten sind die Regeln schnell verständlich und auch die Wartezeiten halten sich in Grenzen. Zudem lässt sich dank der Erweiterungen die Komplexität auch stufenweise regulieren. Durch den schmalen Preis und den geringen Ausmaßen der Spieleverpackung konnte Riga bei mir allerdings viele Punkte sammeln. Für etwas mehr als einen Zehner bekommt ihr ein vollwertiges Euro-Spiel, das sich zudem platzsparend unterbringen lässt. Auch wenn die Mechaniken in Riga vielleicht nicht sonderlich neu sind, so machen sie doch immer noch viel Freude. Etliche Brettspiele dieser Art kommen bei mir noch immer sehr häufig auf den Tisch. Meist kosten diese aber ein Vielfaches und nehmen auch noch reichlich wertvollen Platz im Regal ein. Deshalb gibt es für Riga von mir auch einen Daumen nach oben.

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