Test: Scotland Yard - Das Kartenspiel

  • VonSebastian Hamers
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Vor mittlerweile schon fast 35 Jahren erschien das Brettspiel Scotland Yard und hinterließ bei den Spielern einen gewaltigen Eindruck. Das Spiel tauchte in einer Zeit auf, in der Kooperationsspiele noch eine echte Rarität waren. Somit lässt sich wohl mit Fug und Recht behaupten, dass Scotland Yard seiner Zeit weit voraus war. In diesem Jahr veröffentlichte Ravensburger eine neue Variante des Spiels. Scotland Yard – Das Kartenspiel bewahrt beliebte Elemente und Tugenden des Klassikers und spielt sich doch gänzlich anders als das Original.

Das große Spielbrett des 83er-Spiels wurde komplett wegrationalisiert. Die neue Version kommt ausschließlich mit Spielkarten aus und passt daher auch in eine kleine Schachtel. Somit lässt sich Scottie jetzt auch unterwegs prima spielen. Selbst auf dem Tisch braucht ihr nicht sonderlich viel Platz.

Mehr als ein Scotland-Yard-Mini

Die Grundidee des Kartenspiels hat sich im Vergleich zum großen Bruder nicht verändert. Immer noch versuchen die Detektive den mysteriösen Mr. X zu schnappen, der sich irgendwo in London versteckt hat. Zu Spielbeginn ist allerdings unklar, wer Mr. X denn überhaupt ist. Die Rollen werden im Kartenspiel zufällig verteilt.

Als Kernelement dienen dem Spiel die Ticketkarten. Sowohl die Detektive als auch Mr. X bewegen sich mit diesen Tickets durch die Stadt. Mal geht es mit dem Taxi, dann aber auch mit Bus oder U-Bahn durch die britische Metropole. Vor dem Spiel mischt ihr den Stapel mit den Ticketkarten. Anschließend zieht ihr neun Karten vom Stapel und legt als zehnte Karte die Mr.-X-Karte bei. Mischt jetzt diese zehn Karten und legt sie oben auf den Nachziehstapel. Verteilt nun einzeln Karten an die Spieler, bis jeder von euch acht Handkarten hat. Somit ist gesichert, dass einer von euch die Karte mit dem Mr. X auf die Hand bekommt und fortan auch diese Rolle ausfüllt. Alle anderen Spieler schlüpfen in die Rollen der Detektive von Scotland Yard und arbeiten als Team zusammen.

Die Waffen der britischen Polizei

Die verbleibenden Tickets bilden den Nachziehstapel. Darunter befinden sich Tickets der unterschiedlichen Verkehrsmittel, also Taxi, Bus und U-Bahn sowie einige Black-Tickets mit denen Mr. X spezielle Aktionen durchführen kann.

Beim Spielaufbau werden noch die drei Aktionskarten in der Tischmitte platziert. Anschließend zieht ihr drei Tickets vom Nachziehstapel und legt jeweils eine davon unter eine der Aktionskarten. Auf jedem Ticket befindet sich eine Nummer. Das Ticket mit der niedrigsten Zahl legt ihr unter die erste Aktionskarte, das Ticket mit der mittleren Nummer kommt in die Mitte, während die Karte mit der höchsten Zahl ganz nach rechts kommt. Oberhalb der Aktionskarten legt ihr jetzt noch die drei Lupenkarten aus, die bei einer der Aktionen zum Einsatz kommen.

Schneller Rundenablauf

Damit wären die Vorbereitungen aber auch schon abgeschlossen. Wie ihr seht, bedarf es keiner großen Vorbereitung. Ähnlich zügig geht es durch das Spiel. Selbst wenn ihr mit der Maximalzahl von fünf Spielern antretet, hält sich die Wartezeit in engen Grenzen. Seid ihr an der Reihe, zieht ihr zunächst eine Ticket-Karte vom Nachziehstapel. Danach spielt ihr eine beliebige Karte aus und führt die entsprechende Aktion durch.

Beim Ausspielen eines Tickets gibt es ein paar wenige Regeln zu beachten. Das gespielte Ticket wandert auf eines der drei Ticketfelder unterhalb der Aktionskarten. Dort habt ihr vor Beginn des Spiels, wie oben erwähnt, schon drei Tickets platziert. Wählt nun also ein Ticket von eurer Hand und legt es auf einer der bereits ausliegenden Ticket-Karten. Die gespielte Karte muss in der Zahl jedoch immer größer sein als die Zahl des Tickets, auf das es gespielt wird. Weiterhin muss das gespielte Ticket eine kleinere Nummer aufweisen als die Karte rechts von ihr.

Die Aktionen der Detektive

Je nachdem auf welches Ticketfeld ihr eure Karte gespielt habt, führt ihr die dazugehörige Aktion aus. Welche Aktion das ist, entnehmt ihr der Aktionskarte, die sich direkt über dem jeweiligen Ticketfeld befindet. Jede Aktionskarte erlaubt es euch, eine andere Aktion durchzuführen.

Auf den Aktionskarten befinden sich jedoch nicht nur die Aktionen der Detektive, sondern auch die Funktionen, die nur von Mr. X ausgeführt werden dürfen. Bei Spielbeginn ist noch unklar, um welchen Spieler es sich dabei handelt. Es könnte für Mr. X zunächst also von Vorteil sein, sich ebenfalls nur auf die Detektiv-Aktionen zu beschränken, um nicht enttarnt zu werden. Sollte sich Mr. X tatsächlich dazu entscheiden eine seiner speziellen Aktionen auszuführen, ist sofort klar, welcher Spieler die Rolle des Mr. X innehat. Ausgelöst werden kann eine Mr.-X-Aktion immer nur durch ein Black-Ticket. Zahlentechnisch muss es genauso auf die Kartenstapel passen, wie alle anderen Ticket-Karten auch.

Betrachten wir die drei Aktionskarten einmal im Detail. Spiel ihr eine Karte unter die erste Aktionskarte, dürft ihr einfach nur eine neue Karte vom Nachziehstapel nehmen. Handelt es sich bei der gespielten Karte um ein Taxi-Ticket bekommt ihr einen kleinen Bonus in Form einer zusätzlichen Karte. Legt Mr. X jedoch ein Black-Ticket auf dieses Ticketfeld, kann er die Detektive bluten lassen. Je nach Mitspielerzahl müssen die Detektive eine bestimmte Anzahl von Handkarten abwerfen.

Die zweite Aktionskarte ist für die Detektive ziemlich hilfreich. Legt ein passendes Ticket auf dieses Feld und ihr dürft eine der drei Lupenkarten herumdrehen. Sobald alle drei Lupenkarten gewendet wurden, darf sich der aktive Spieler die Handkarte eines Mitspielers ansehen. Auf diese Art und Weise kann Mr. X rasch enttarnt werden, da sich die Mr.-X-Karte auch auf der Hand befindet. Habt ihr Mr.X enttarnt? Dann muss dieser drei seiner Handkarten abwerfen. Als kleine Hilfestellung erhält er jedoch ein zusätzliches Black-Ticket. Spielt ihr auf das zweite Ticketfeld ein Bus-Ticket, erhaltet ihr einen Bonus. In diesem Fall dürft ihr gleich zwei Lupensymbole herumdrehen. Mr. X kann natürlich ebenso hier seine Spezialaktion ausführen. Mit einem Black-Ticket darf er zusätzliche Ausrüstung erwerben und gleich vier neue Karten vom Nachziehstapel nehmen.

Bleibt noch die dritte und zugleich letzte Aktion. Den Detektiven ergibt sich hier die Option der Fahndung. Als aktiver Spieler wählt ihr einen Spieler und zieht eine zufällige Karte von der Hand und werft sie auf den Ablagestapel. Handelt es sich dabei um die Mr.-X-Karte haben die Detektive das Spiel sofort gewonnen. Auch beim dritten Ticketfeld gibt es einen Bonus, diesmal bei Benutzung von U-Bahn-Tickets. Wird ein solches verwendet, dürft ihr bei einem Spieler gleich zwei Karten ziehen. Die Spezialaktion des Mr. X kann den Spielverlauf auf den Kopf stellen. Wird es ihm zu heiß, kann er untertauchen. Alle Spieler wählen eine Karte von der Hand und legen sie in die Tischmitte. Diese Karten werden nun durchmischt und wieder jeweils nach dem Zufallsprinzip eine Karte an alle verteilt. Mr. X kann sich an dieser Stelle natürlich auch dazu entscheiden, seine Mr.-X-Karte abzugeben. So kann die Rolle des mysteriösen Gangsters möglicherweise neu vergeben werden.

Neue Tickets für die Ticketfelder

Eine Schwierigkeit im Spiel besteht darin, dass die Zahlen auf den einzelnen Ticketfeldern im Verlauf immer höher werden. Irgendwann seid ihr eventuell also nicht mehr in der Lage, weitere Karten auszuspielen. Dann werden die Ticketfelder neu belegt. Drei Tickets werden dazu vom Nachziehstapel gezogen und wie zu Spielbeginn auf die drei Ticketfelder verteilt. Da die Prozedur natürlich den Nachziehstapel schmelzen lässt, solltet ihr dieses Mittel mit Bedacht einsetzen.

Denn sobald der Stapel mit den Nachziehkarten aufgebraucht ist, gewinnt Mr. X das Spiel. Ebenso hat Mr. X gewonnen, wenn die Detektive keine Handkarten mehr besitzen. Für die Detektive gibt es ebenfalls zwei Möglichkeiten, um das Spiel zu gewinnen. Entweder sie ziehen bei der Fahndung die Mr.X.-Karte oder aber Mr. X gehen bei der Verhör-Aktion die Karten aus.

Eine Partie dauert im Normalfall selten länger als 20 Minuten. Spielt der Zufall den Detektiven in die Hände, kann Mr. X aber auch schon in der ersten Runde geschnappt werden. Das Spiel befindet sich bereits im Handel und kostet zwischen 8€ und 10€.

Pros

Cons

Fazit

Ich hätte nicht gedacht, dass sich Scotland Yard wirklich gut auf ein Kartenspiel reduzieren lässt. Mit dem Original aus den 80er Jahren hat der Ableger aber auch nur bedingt etwas zu tun, obwohl das Thema sehr schön aufgegriffen wurde. Spielmechanisch handelt es sich aber um ein ganz anderes Spiel. Während das Brettspiel auch sicher mal eine längere Zeit in Anspruch nehmen kann, lässt sich das Kartenspiel eher als Quickie bezeichnen. Qualitäten bringt das Spiel sicher mit, um es auch mal mehrere Partien am Stück zu spielen. Durch die unterschiedlichen Rollen, entsteht ein anderes Spielgefühl, je nachdem ob ihr Mr. X oder ein Detektiv seid. Die Möglichkeit des Rollenwechsels hat mir gut gefallen. Taucht Mr. X plötzlich unter, geht die Suche wieder von vorne los. Leider sind jedoch nicht alle Durchläufe so spannend. Haben die Detektive ein wenig Glück, endet die Partie ziemlich unspektakulär in wenigen Minuten. Ein großes Drama ist das jedoch auch wieder nicht. Die nächste Partie ist schnell wieder startklar gemacht und ihr macht einfach einen weiteren Ausflug ins schöne London.

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