Test: Sneaky Cards

  • VonSebastian Hamers
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Wenn hinter euch plötzlich ein Ninja auftaucht, atmet tief durch und entspannt euch. Vermutlich ist es nur wieder einer dieser wahnsinnigen Brettspiel-Geeks. Diese werden seit Oktober mit den frisch erschienen Sneaky Cards auf seltsame Missionen geschickt, um unbescholtene Bürger mit schrägen Experimenten zu belustigen. Ein richtiges Kartenspiel verbirgt sich hinter den Sneaky Cards nicht. Es ist tatsächlich eher eine ziemlich eigenartige Erfahrung, die eure Abenteuerlust in das reale Leben überträgt. Vielleicht habt ihr ja auch ein wenig Bock auf „RL“ und guckt euch an, was die mysteriösen Sneaky Cards zu bieten haben.

Der eingangs erwähnte Ninja ist gewissermaßen das Maskottchen der Sneaky Cards. Der maskierte Kampfkünstler taucht auf vielen der insgesamt 54 Missionskarten auf und lädt euch zu einer Mission der besonderen Art ein. Da es sich bei Sneaky Cards um kein traditionelles Kartenspiel handelt, gibt es auch nahezu keine Regeln. Eine Anleitung findet ihr auf einer Karte, die euch kurz das Prinzip der Sneaky Card erklärt.

Folge deiner Mission

Die beiliegenden Karten lassen sich grob in sechs unterschiedliche Kategorien unterteilen. Je nach gewähltem Kartentyp fällt eure Mission anders aus. Eine Sneaky-Cards-Mission schickt euch auf die Straße... zu echten Menschen. Unglaublich, aber wahr, ihr werdet sogar nicht nur unter euresgleichen wandeln, sondern möglicherweise gar zu wildfremden Menschen Kontakt aufnehmen.

Blaue Karten fallen unter die Rubrik „Sei verwegen“. Eine dieser blauen Karten fordert euch beispielsweise dazu auf, ein Selfie mit einem Fremden zu machen. Anschließend gebt ihr die Karte an die fremde Person weiter. Während ihr die Karte nun losgeworden seid, muss der Fremde jetzt natürlich ebenfalls diese Mission erfüllen. Der Clou daran ist, dass jede einzelne Karte mit einem Code nachverfolgt werden kann. Mit etwas Glück und hoffentlich engagierten Mitspielern könnt ihr dann sehen, wie die weitergegebenen Karte ihren Weg durch die Welt nimmt.

Der dazu benötigte Code ist auf jeder Karte angegeben. Dadurch könnt ihr den Weg einer Karte also auch nachverfolgen, wenn euch mal eine Karte zugesteckt wurde. Zusätzlich zu den einzelnen Codes auf den Karten gibt es aber auch noch einen General-Code für das gesamte Deck. Damit könnt ihr in einem Schwung sämtliche Karten registrieren und sofort mit den Missionen beginnen.

Sneaky Cards auf Welt-Tournee

Damit ist das Grundprinzip der Sneaky Cards eigentlich auch schon erläutert. Ihr registriert eine Karte, erfüllt die Aufgabe, gebt die Karte weiter und beobachtet, wie sie ihren Weg nimmt. Das Nachverfolgen der Karten funktioniert problemlos. Dazu müsst ihr lediglich die eigens dazu eingerichtete Website aufrufen und die Kartennummer eingeben.

Die Aufgaben sind dabei bunt gemischt. Zu den „verwegenen Missionen“ zählt etwa auch noch die La-Ola-Welle, die ihr in der Cafeteria startet oder auch das Brettspiel, das ihr mit einer fremden Person spielt. Es gibt aber auch Aufgaben für introvertiertere Naturen. Die Kreativ-Karten zum Beispiel sind in pink gehalten und lassen euch nicht direkt auf dem Tisch tanzen. Bastelt etwa eine Grußkarte zu einem selbst ausgedachten Feiertag (wie wäre es mit dem überfälligen Tag des Videospiels?) und schickt sie zusammen mit der Karte weiter.

Gelbe Karten schicken euch auf eine geheime Mission. Eine der gelben Sneaky Cards müsst ihr in einer Hosentasche in einem Klamottenladen deponieren oder auch bei einer berühmten Sehenswürdigkeit verstecken. Sehr schön finde ich die grünen Karten, die euch zur Großzügigkeit auffordern. Lade jemanden auf einen Kaffee ein, lass einem anderen den Vortritt oder halte zehn Personen nacheinander die Tür auf. Mit den grünen Karten könnt ihr eine gute Tat erledigen und anschließend den Weg der Karte nachverfolgen.

Die roten Karten sind wieder etwas für Draufgänger. Gib jemandem eine Karte, der so aussieht wie du oder der dir ein Lächeln aufs Gesicht zaubert. Bei den roten Karten geht es stets um die Kontaktaufnahme zu anderen. Bleiben noch die violetten Karten, die unter der Kategorie „Sei neugierig“ laufen. Benutze den ganzen Tag nur die linke Hand, das ist wohl eine dieser Karten, die vielleicht Ewigkeiten in eurem Set verweilen wird. Einfacher zu bewerkstelligen ist da schon die Aufforderung, ein neues Gericht zu versuchen.

Bunter Aufgaben-Mix

Unter den 54 Missionskarten findet ihr sicherlich einige Aufgaben, zu denen ihr euch nie motivieren können werdet. Ich würde jedenfalls sicherlich nicht den ganzen Tag nur die linke Hand benutzen, nur damit ich diese Karte dann doch endlich mal weitergeben darf. Das ist der Spaß dann einfach doch nicht wert. Die Auswahl ist aber zum Glück so breit gestreut, dass sicherlich jeder einen ganzen Satz von gut lösbaren Missionen vorfindet.

Die restlichen Karten könnt ihr bestimmt noch an jemanden verschenken, der enthemmter/leidensfähiger/bekloppter ist als ihr selbst. Dank des registrierten General-Codes habt ihr auch diese weiterverschenkten Karten immer online im Blick.

Die Sache mit dem Datenschutz

Da der Spielspaß ohne die Online-Anbindung nur noch halb so groß wäre, muss an diese Stelle natürlich noch ein Wort über den Datenschutz verloren werden. Alle Daten werden auf amerikanischen Servern gesammelt, entsprechend gelten auch die dort gültigen Datenschutzgesetze. Um eure Karten oder euer Deck zu registrieren, müsst ihr auf der Seite einen Account mit einer gültigen E-Mail-Adresse anlegen. Im Konto könnt ihr wählen, wie detailliert ihr Angaben zur eigenen Person hinterlegt. Wer mag, kann gleich ein eigenes Foto als Avatar hochladen und auch seine Straße inklusive Hausnummer hinterlegen. Es reicht aber auch aus, wenn ihr die Angabe etwas gröber anlegt. Lediglich die Felder für Land, Bundesland und Stadt müssen ausgefüllt werden.

Somit habt ihr dann doch ein wenig Kontrolle über eure Daten. Ohne die Eingabe von ein paar Basisdaten verliert das Spiel jedoch auch seinen Reiz. Schließlich wollt ihr später doch auch gerne einen Einblick erhalten, welche Wege die einzelnen Karten genommen haben.

Die Nachverfolgung der Karten ist kein größeres Problem. Jedenfalls sofern ihr die Karte persönlich überreicht und eine kleine Erklärung dazu abgebt. Stellt ihr eine Karte anonym zu, landet sich möglicherweise gleich im nächsten Mülleimer. Auf jeder Karte befindet sich zwar die Internetadresse von Sneaky Cards, eine klitzekleine Erläuterung dazu wäre aber sicher nicht verkehrt gewesen. Genau diese fehlt aber auf den Karten selbst.

So müsst ihr hoffen, dass die fremde Person neugierig genug ist und die Adresse tatsächlich in ihren Browser eingibt. Ohne die Kurzinstruktionen der Anleitung erschließt sich das Spielprinzip nicht ganz von alleine. Mit ein paar erklärenden Worten könnt ihr dieses Problem jedoch aus der Welt schaffen. Bei den meisten Karten kommt ihr schließlich doch in direkten Kontakt zu den Leuten und das oben geschilderte Problem lässt sich umgehen.

Die Sneaky Cards findet ihr ab sofort im Handel. Das Set aus 54 Missionskarten erhaltet ihr schon für knapp 10€. Die Karten sind in einer schicken schwarzen Box untergebracht, die sich mit einem Magnetverschluss angenehm handhaben lässt. Einen ähnlich guten Eindruck hinterlassen auch die Karten selbst. Das Papier wirkt doch ziemlich robust, so dass die Karten auch eine längere Reise überleben würden. Die gelben Sneaky Cards besitzen auf der Kartenrückseite sogar einen Glitzereffekt. Versteckte Karten werden durch den Einfall von Licht so leichter enttarnt, was eure Chancen auf ein erfolgreiches Tracking erhöht.

Pros

Cons

Fazit

Sneaky Cards ist ein ungewöhnliches Spielkonzept. Ist es überhaupt ein Spiel? Vielleicht nicht im klassischen Sinn, aber Spaß macht das Ganze auf jeden Fall. Bei der Erstellung der Aufgaben sind die Macher zwar vielleicht manchmal über das Ziel hinausgeschossen, aber dennoch ist der Mix an Missionen gut gewählt. Egal ob ihr für die Show geboren seid oder doch eher introvertiert, für jeden Spieler befinden sich genügend Aufgaben im Set. Gerade jüngere Spieler gehen bei der Erfüllung mit Feuereifer zur Sache. 24 Stunden kein Bildschirmkonsum? Kein Problem! Einige Karten würde ich Kindern hingegen nicht in die Hand drücken. Sneaky Cards eignet sich auch für erwachsene Spieler. Warum nicht mal ein ordentliches Trinkgeld springen lassen oder ein neues Rezept ausprobieren? So bringt das Spiel vielleicht sogar ein wenig Abwechslung in den Alltag. Mir hat das Experimentieren mit den Sneaky Cards viel Freude bereitet, ich gucke immer wieder mal gerne auf die Seite, um nach dem Verlauf der Karten zu sehen, auch wenn einige davon mittlerweile wohl im Nirvana untergegangen sind.

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