Test: Das Syndikat

  • VonSebastian Hamers
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Das Leben der Menschen wird von einem verschlagenen Megakonzern beherrscht. Im Untergrund regt sich der Widerstand. Teil dieser Bewegung ist auch „Das Syndikat“, zu dem mächtige Zusammenschlüsse von Kriminellen gehören. Das Syndikat gehört zu den Profiteuren des dystopischen Zustands, es nutzt die instabile Lage, um unbemerkt illegale Geschäfte in den Schatten zu verrichten. Letztlich geht es natürlich aber nur um das Geld. Da ist es eigentlich egal, ob die Kohle aus der Kasse des Megakonzerns kommt oder auch mal aus dem Geldbeutel einer anderen Verbrecher-Organisation. Jedes Mittel ist euch recht, um die private Geldschatulle zu füllen.

In „Das Syndikat“ übernimmt jeder die Kontrolle über eine Organisation von Kriminellen. Bei Spielbeginn verfügt ihr nur über eine kleine Zahl an Mitgliedern, erst im Laufe des Spiels entsteht daraus ein mächtiger Zusammenschluss, der es mit dem Megakonzern aufnehmen kann. Ihr versucht also immer wieder neues Personal anzuwerben, zwischendurch setzt ihr aber schon die ersten Nadelstiche und raubt ein paar Credits aus der Konzernkasse… oder von den Mitspielern.

Ein Hauch von Shadowrun

Als Unterwelt-Boss beginnt ihr das Spiel mit drei festgelegten Karten, die jeweils einen Kriminellen eurer Organisation darstellen. Zu den Startkarten gehören ein Drahtzieher, ein Dieb sowie ein Trickbetrüger. Jeder von ihnen verfügt über individuelle Fähigkeiten, die ihr zu eurem Vorteil einsetzen könnt. Hinzu kommen noch drei weitere zufällige Karten, die ihr vom Nachziehstapel auf die Hand nehmt. Jeder startet das Spiel also mit sechs sogenannten Spezialisten, die sogleich ihre schmutzige Arbeit aufnehmen können.

Dazu erhält jeder Spieler noch ein kleines Tableau mit drei Kartenplätzen. Immer, wenn ihr einen Kriminellen auf Tour schickt, legt ihr ihn auf den ersten Platz des Tableaus. Für seinen Job wird der Spezialist genau drei Runden benötigen, erst danach steht er euch wieder zur Verfügung. In eurem nächsten Zug wandert die Karte einen Platz auf dem Tableau nach links, nach drei Zügen liegt sie dann auf dem Sammelplatz. Dort kommt sie am Ende der Runde wieder auf die Hand zurück und ist wieder einsatzbereit.

Sobald ihr eine Karte ausgespielt habt, führt ihr einfach die darauf beschriebene Aktion aus. Dann ist auch schon der nächste Spieler an der Reihe. Das Prozedere ist im Grunde also ziemlich simpel. Das eigentliche Spiel entsteht durch die Texte auf den Karten. Entsprechend gestaltet sich das Regelheft ziemlich schlank, ihr habt es in wenigen Minuten durchgelesen. Etwas mehr Zeit müsst ihr da schon für das Studium der Karten selbst investieren. Denn durch diese kommt erst richtig Musik ins Spiel.

Nacht für Nacht

Einige Verbrecher sorgen zum Beispiel dafür, dass neue Karten in euer Deck gespült werden. Dazu gehört zum Beispiel auch der Drahtzieher, der zur Grundausstattung eines jeden Decks gehört. Er erlaubt es euch, drei Karten vom Nachziehstapel zu ziehen und eine davon auf die Hand zu nehmen. Somit fällt dem Drahtzieher oder Kriminellen mit ähnlichen Funktionen, eine wichtige Rolle im Spiel zu. Je mehr Karten ihr auf der Hand habt, desto mehr Möglichkeiten habt ihr auch, auf die aktuelle Situation zu reagieren. In diesem Punkt unterscheidet sich Das Syndikat von vielen anderen Deckbauspielen. Es gibt keinen persönlichen Nachziehstapel von dem ihr jede Runde eine bestimmte Anzahl von Karten nachzieht. Ihr könnt stets auf alle eure Karten zugreifen. Davon ausgenommen sind lediglich die Kriminellen, die sich gerade im Einsatz befinden.

Am Ende des Spiels kommt es allerdings nicht darauf an, möglichst viele Kriminelle in seiner Gang zu haben. Letztlich wollt ihr an die Credits des Megakonzerns ran. Dabei helfen euch wiederum andere Spezialisten aus eurer Organisation. Der Trickbetrüger, ebenfalls eine Basiskarte, stiehlt Credit aus dem Vorrat eines Gegenspielers. Ein Dieb hingegen bedient sich direkt aus der Konzernkasse. Im Spielverlauf werdet ihr also einen regen Geldkreislauf beobachten.

Spezialisten für jeden Einsatz

Die Bandbreite an Aktionen, die euch die Kriminellen zur Verfügung stellen, ist riesig. Einige Karten lassen euch sogar Aktionen von gegnerischen Karten kopieren oder sie sogar komplett übernehmen. Ihr spielt also nicht jeder einzeln vor euch hin, die Interaktion ist vielmehr ein wesentlicher Bestandteil von Das Syndikat. Wenn ihr die ausgelegten Kriminellen der anderen Spieler im Blick behaltet, könnt ihr daraus so manchen Vorteil ziehen.

Zu Beginn ist das noch nicht ganz leicht. Es gibt einfach unheimlich viele verschiedene Karten, die dazu auch noch das Nachlesen eines kleinen Textes erfordern. Was zunächst mühsam ist, wird mit zunehmender Spielerfahrung aber immer einfacher. Irgendwann seid ihr mit den Karten so gut vertraut, dass euch das Spiel in Fleisch und Blut übergegangen ist.

Kriminelle Machenschaften

Um weitere Gelder in die Kasse zu spülen, könnt ihr zusätzlich noch unterschiedliche Aufträge erledigen. Je nach Anzahl der Spieler liegen bei Spielbeginn bis zu fünf verschiedene Auftragsarten in separierten Stapeln aus. Jeder Stapel verfügt über eine eigene Farbe und besteht aus vier Aufträgen, die innerhalb einer Kategorie nacheinander abgehandelt werden.  Unter die Aufträge haben sich kriminelle Machenschaften aller Art gemischt, vom Ausrauben von Touristen, über das Bestechen des Bankpräsidenten, dem Bau einer Bombe bis zum Erpressen eines CEOs ist alles dabei.

Je nach Schwierigkeitsgrad des Auftrags werden von euch unterschiedliche Voraussetzungen gefordert. Auf jedem Auftrag befindet sich eine Reihe von Symbolen, die für Attribute wie Grips, Tempo und Kraft stehen. Das sind die Bedingungen, die eure Spezialisten erfüllen sollten, um den Job auszuführen. Auf jeder Verbrecherkarte findet ihr genau ein solches Symbol wieder. Um einen Auftrag zu erfüllen müsst ihr gleich mehrere Karten auf einmal spielen und auf das erste Feld auf eurem Tableau ablegen. Jedes Symbol auf dem Auftrag fordert den Einsatz eines Spezialisten mit dem passenden Attribut.

Geld regiert die Welt

Bei den ersten Aufträgen seid ihr noch mit drei Karten dabei, bei den fortgeschrittenen Jobs müsst ihr dann aber gleich sechs Karten ausspielen. So kann die Kartenhand unter Umständen schnell geleert werden. Das reduziert die eigenen Möglichkeiten im nächsten Zug deutlich. Zum Glück gibt es aber auch ein paar Spezialisten, die hier für Entlastung sorgen und die Durchführung von Verbrechen beschleunigen können. Mit einem passenden Kartenset lassen sich so mächtige Kombinationen durchführen.

Habt ihr einen Auftrag erfolgreich durchgeführt, gibt es natürlich auch eine Belohnung. Hier winken zusätzliche Credits, die mal aus der Kasse des Megakonzerns kommen oder aber auch aus dem Vorrat anderer Spieler. Nicht selten gibt es als kleine Zugabe noch weitere Karten vom Nachziehstapel, die ihr direkt auf die Hand nehmen könnt. Es lohnt sich übrigens viele Aufträge der gleichen Farbe anzunehmen, denn dies wird am Spielende nochmal mit ein paar weiteren Credits belohnt.

Das Spiel endet, wenn entweder die gesamte Konzernkasse geplündert, alle Spezialisten angeheuert oder alle ausliegenden Aufträge erfüllt wurden. Dafür müsst ihr ungefähr eine halbe Stunde einplanen. Das Syndikat ist für zwei bis sechs Spieler ab vierzehn Jahren geeignet und kostet knapp 20€.

Pros

Cons

Fazit

Sein dystopisches Thema transportiert Das Syndikat gut. Unterstrichen wird es nicht nur durch das düstere Artwork, sondern auch durch die Spielmechanik selbst. Im Spielverlauf werdet ihr euch immer wieder in die Suppe spucken. Ihr habt es nicht nur auf die Credits der Rivalen abgesehen, sondern auch auf das Personal. Wenn ihr nicht so sehr auf Konfrontation im Brettspiel steht, dann ist Das Syndikat vielleicht nicht euer Spiel. Ansonsten könnt ihr euch an der hohen Interaktion erfreuen. Auch taktisch hat das Spiel einiges zu bieten. Die vielen Feinheiten ergeben sich aber erst nach mehrmaligem Spielen, wenn ihr die einzelnen Karten etwas besser kennengelernt habt. Die Einstiegshürde ist dennoch gering, die dünne Anleitung habt ihr in ein paar Minuten gelesen. Alles Weitere ergibt sich dann im laufenden Spielbetrieb.

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