Test: Trôl

  • VonSebastian Hamers
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Wenn Trolle auf die Jagd gehen, dann ist in jedem Fall Vorsicht geboten. Die grobmotorischen Fabelwesen sind nicht gerade dafür bekannt, dass sie mit ihrer Beute besonders zimperlich umgehen. So manches mal schießen sie gehörig über das Ziel hinaus, sodass die Beute unter dem Druck der mächtigen Keulen auseinanderspratzt und somit ungenießbar wird. Die Trolle brauchen einen weisen Häuptling, der ihre Jagd koordiniert und für einen erfolgreichen Beutezug sorgt. Genau diesen Job müsst ihr in Trôl vom französichen Verlag Sweet Games ausfüllen.

Die Aufgabe ist kein leichtes Unterfangen. In Trôl können sich gleich bis zu fünf Spieler als Stammesoberhaupt versuchen. Jeder davon führt dabei seine eigene Sippe an. Das macht den Job nicht gerade leichter, da natürlich jeder für sein Volk die dicksten Fleischbrocken und Jagdtrophäen abgreifen möchte.

Immer feste druff

Es sind ziemlich seltsame Tiere, die sich dort im Troll-Wald umhertreiben. Vom kleinen Koalinchen über das umheimliche Schimpanzebra bis hin zum mächtigen Pandadämonium tummelt sich so allerhand Beute vor der Haustür der Trolle. In der Tischmitte legt ihr so viele Beutekarten aus, wie sich Spieler im Spiel befinden. Jeder Troll-Häuptling nimmt sich die 16 Karten seiner Sippe. Auf jeder dieser Karten seht ihr eines eurer Stammesmitglieder, die ihr gleich auf die Jagd nach Futter schicken werdet. Ihr startet das Spiel mit sieben Handkarten.

Die Spielregeln sind simpel. Seid ihr am Zug, legt ihr eine Troll-Karte unterhalb eines beliebigen Beutetiers ab. Jetzt noch schnell eine Karte nachziehen und schon ist der nächste Spieler an der Reihe. Alle Trolle, die sich im Spielverlauf unter einer Beutekarte angesammelt haben, begeben sich auf die Pirsch nach dem ausgewählten Opfer. Dabei ist es zunächst egal, welchem Stamm sie angehören. Jeder Troll wird seinen Anteil zum Ge- oder Misslingen der Jagd beitragen.

Der Beutezug startet jedoch erst, sobald sich ein Spieler dazu entscheidet, einen Troll oberhalb der Beutekarte auszuspielen. Erst dadurch wird die Jagd eröffnet und alle Trolle stürzen sich wild auf die Beute. Lediglich der Troll, der die Jagd freigegeben hat, darf sich nicht aktiv daran beteiligen. Ihm bleibt zunächst nur die Rolle des stillen Beobachters.

Trolle im Jagdfieber

Jetzt dürfen die Trolle endlich ihren Schaden austeilen. Einige Trolle verfügen hier über einen fixen Wert, bei anderen muss gewürfelt werden. Der gesamte Schaden, den die Trolle anrichten, wird addiert, so dass sich ein Gesamtwert daraus ergibt. Auf jeder Beutekarte findet ihr zwei Angaben, die darüber Auskunft geben, wie viel Schaden das Tier einstecken kann. Da wäre zunächst der Mindestwert. Dieser Wert muss erreicht werden, um die Beute zu erlegen. Wird sogar der Maximalwert der Karte überschritten, haben es die Trolle mal wieder übertrieben und die Beute zerfällt in ihre Einzelteile. Die Trolle gucken in die Röhre, alle Stämme gehen leer aus. Nur wenn sich der Gesamtschaden aller Trolle irgendwo zwischen Minimal- und Maximalwert einpendelt, gilt die Jagd als erfolgreich. Dann kann auch die Beute unter den beteiligten Jägern aufgeteilt werden.

Die Trolle handeln dabei getreu einer ganz einfachen Regel: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Auf den Beutekarten findet ihr eine Angabe dazu, wie das Fleisch genau aufgeteilt wird. Der Troll, der sich als erstes auf die Pirsch gelegt hat, darf auch den dicksten Fleichbrocken mit nach Hause tragen. Die beiden folgenden Trolle bekommen noch eine etwas kleinere Portion ab, die restliche Jagdtruppe kehrt mit leeren Händen zurück zum Stamm.

Eine Belohnung bekommt zudem noch der Troll, der die Jagd freigegeben hat. Er sammelt, nachdem die Jäger bereits verschwunden sind, noch die übriggebliebenen Jagdtrophäen ein. Diese bringen dem Stamm zwar kein Fleisch ein, sind aber ein Beweis für die Tapferkeit der Trolle.

Die Beute schlägt zurück

Schafft es die Jagdgruppe hingegen nicht, den Minimalwert zu erreichen, geht der Angriff nach hinten los. Das Beutetier wird nun selbst zum Jäger und frisst die Trolle mit Haut und Haaren. Alle jagenden Trolle wandern auf den Ablagestapel. Sollte der Maximalwert hingegen überschritten werden, kommen die Trolle einfach nur beutelos zur eigenen Sippe zurück. Diese Trolle legt ihr auf den Stapel der Überlebenden, wo sie auch die erfolgreichen Jäger ihres Stammes wiedersehen.

Jagd bei Nacht

In Trôl wird auch in der Dunkelheit gejagt. Unter die Beutekarten werden ein paar Dämmerungskarten gemischt. Sobald eine solche Karte aufgedeckt wird, ändert sich die Tageszeit. In der Dunkelheit wird die Jagd noch viel chaotischer. Bei Nacht werden die Trolle verdeckt an die Beutekarten angelegt, was die Hatz zu einer ziemlich unberechenbaren Angelegenheit macht.

Klingt nach Chaos? Ist es auch. Doch damit nicht genug. Denn so richtig Schwung ins Spiel bringen erst die vielen Troll-Charaktere selbst. Die Trolle richten nicht nur unterschiedlich viel Schaden an, sondern verfügen auch noch über eine Spezialfähigkeit.

Der Troll-Häuptling und sein Praktikant

Ein Schurken-Troll etwa kann, etwas Würfelglück vorausgesetzt, einem beliebigen anderen Jäger in den Rücken fallen und diesen ganz aus dem Spiel nehmen, noch bevor dieser seinen Schaden austeilen konnte. Der Schamane hingegen darf erzwingen, dass bei der Jagd ein beliebiger Würfelwurf wiederholt wird. Die Häuptlingstochter gewinnt umso mehr an Stärke, desto mehr Trolle sich der Jagd anschließen. Eine ganz andere Funktion hat der Koch. Er richtet überhaupt keinen Schaden an, verdoppelt allerdings die Beute für den eigenen Stamm.

Ziemlich witzig ist der Nichtsnutz, der stumpf den Angriffswert und die Sonderfähigkeit des vorherigen Trolls nachahmt. Den Troll-Praktikanten könnt ihr zunächst auf der Hand zurückhalten. Ihr könnt ihn ausspielen, nachdem der endgültige Schaden ermittelt wurde. Mit dem Praktikanten kann dieser Wert nochmals um einen Punkt nach oben oder nach unten korrigiert werden.

Im Deck befindet sich auch Rocky, der Hund. Nach einer erfolgreichen Jagd prescht der Troll-Köter sofort an die Front und schnappt sich das dickste Beutestück. Bei einer missglückten Jagd ist hingegen die Falle eine hilfreiche Waffe der Trolle. Wenn sich das Beutetier als zu stark erweist und seinerseits nun zur Hetzjagd auf die Trolle bläst, schnappt die Falle zu und beschert dem Eigentümer eine üppige Fleischportion.

Ihr werdet also einige Wege finden, um an euer Fleisch zu gelangen. Manche Sippen gönnen sich nicht den Dreck unter den langen Troll-Fingernägeln. Wenn ihr seht, dass ein anderer Stamm den größten Teil der Beute abkassiert, dann möchtet ihr vielleicht noch versuchen, selbige zum Platzen zu bringen. Ein gutes Stück Schadenfreude schwingt in jeder Partie Trôl mit.

Die große Abrechnung

Doch auch die schönste Jagdsaison geht einmal zu Ende. Die Zeit der Abrechnung ist gekommen, sobald jeder Spieler seine ganzen Troll-Karten ausgespielt hat. Welcher Troll-Stamm ist am mächtigsten? Jetzt heißt es, der Schwächste fliegt. Eine Trollsippe nach der anderen scheidet aus, bis der finale Sieger gekürt werden kann. Zunächst fliegt der Stamm, der die wenigsten Fleischportionen gesammelt hat, aus dem Rennen. Im zweiten Schritt werden die Tapferkeitsmasken der überlebenden Trolle verglichen. Dabei handelt es sich um Symbole, die sich auf den Troll-Karten befinden. Ihr müsst also darauf achten, möglichst eure tapfersten Trolle vor dem Ableben zu bewahren. Der Spieler mit den wenigsten Tapferkeitsmasken im Stapel der Überlebenden scheidet nun ebenfalls aus. Zum Abschluss vergleichen die verbleibenden Spieler noch die Zahl der gesammelten Jagdtrophäen. Bei einem Patt wird der Sieger auf ganz traditionelle Art ermittelt: Mit der Keule. Mit den Würfeln prügelt ihr einfach so lange aufeinander ein, bis ein Sieger feststeht. Ein einfacher Würfelwurf entscheidet darüber, wer das Spiel gewinnt.

Trôl ist im deutschen Handel bisher noch nicht offiziell erschienen. Bei dem ein oder anderen Fachhändler werdet ihr es aber sicher schon auftreiben können. Eine deutsche Umsetzung ist allerdings ebenfalls angedacht. Trôl sollte im nächsten Jahr dann auch bei uns verfügbar sein. Das Spiel ist für zwei bis fünf Spieler ausgelegt. Eine Partie dauert rund 30 Minuten.

Pros

Cons

Fazit

Trôl ist ein echtes Stimmungs-Spiel, zumindest wenn ihr es nicht allzu ernst nehmt. Der Ärger-Faktor ist nicht gerade klein. Ärger und diebische Freude liegen nah beieinander, wenn eine schon sicher geglaubte Beute durch einen dusseligen Troll-Praktikanten noch in letzter Sekunde zum Zerplatzen gebracht wird. Als Duell spiel sich Trôl etwas taktischer, in der größeren Gruppe wird es deutlich chaotischer. Genau das ist aber auch eine große Stärke des Spiels. Es steht jederzeit auf der Kippe. Niemand kann erahnen, wie sich eine Jagdtour entwickelt. Besonders gut haben mir die Troll-Charaktere selbst gefallen. Die einzelnen Stammesmitglieder bringen mit ihren so unterschiedlichen Sonderfähigkeiten richtig Schwung ins Spiel. Trôl ist ein schönes Fun-Spiel, dass den Fokus auf den Spielspaß legt und sich etwas weniger an die beinharten Taktiker richtet.

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