Test: Verflucht!

  • VonSebastian Hamers
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In Brett- und Kartenspielerkreisen hat sich Autor Steffen Benndorf einen guten Ruf erarbeitet. Nach dem „Modern Classic“ Qwixx legte Benndorf unter anderem mit The Game nach, das es sogar auf die Nominierungsliste zum Spiel des Jahres 2015 schaffte. Das Format und die Spielidee von The Game hat es dem Autor offenbar angetan.  Mit Verflucht steht jetzt ein weiteres Kartenspiel im Handel, das auf ein ganz ähnliches Spielprinzip setzt. Wieder besteht das Spiel ausschließlich aus Karten, ebenso findet der kooperative Ansatz erneut Verwendung. Wenn das mal keine guten Voraussetzungen für ein gutes Spiel sind…

Steffen Benndorf mag offenbar nicht nur das kooperative Spiel, sondern hat wohl auch eine Vorliebe für düstere Szenarien. Bei Verflucht reist ihr zurück in das Jahr 1897. Ort des Geschehens ist Lord Sommersets unheimliches Anwesen. Dort tummeln sich immer mehr verfluchte Kreaturen, die in der riesigen Villa ihr Unwesen treiben. Die Zeit ist also einmal mehr gekommen für ein paar mutige Helden, die es mit den Unholden aufnehmen.

Ohne Umschweife direkt ins Spiel

Das gesamte Spiel besteht aus 85 Karten. 40 Karten stellen die Kreaturen in Lord Somersets Herrenhaus dar. Weitere 40 Karten stehen für hilfreiche Gegenstände, die ihr während des Abenteuers entdecken könnt. Sowohl die Kreaturen als auch die Gegenstände sind mit den Zahlen von eins bis vierzig durchnummeriert. Bleiben noch 5 weitere Karten, bei denen es sich um Siegel handelt. Sie retten euch in höchster Not vor einem Angriff der Kreaturen, können aber auch jeweils nur einmal benutzt werden.

Die Spielvorbereitungen sind denkbar einfach. Legt die Siegelkarten mit der grünen Vorderseite zur Seite, die Anzahl der verfügbaren Siegel variiert mit der Spielerzahl. Die restlichen Karten schmeißt ihr einfach verdeckt auf einen Haufen und wirbelt ihn einmal kräftig durcheinander bis sich vor euch ein chaotischer Karten-Teppich erstreckt. Das war es dann auch schon, die Partie kann also binnen weniger Sekunden auch schon starten. Für die Regeln trifft ähnliches zu, sie sind ebenso eingängig wie schnell erklärt.

Der Kampf gegen die Kreaturen der Finsternis

Sobald ihr am Zug seid, zieht ihr eine beliebige Karte aus dem Kartenhaufen vor euch. Handelt es sich um eine Kreatur, legt ihr die Karte offen zur Seite. Einen Gegenstand nehmt ihr hingegen auf die Hand, ohne sie euren Mitspielern zu zeigen. Die finsteren Kreaturen sind offensichtlich ein wenig feige. Sie rotten sich zunächst zu einem kleinen Rudel zusammen, bevor sie zum Angriff übergehen. Erst wenn ihr gemeinsam als Team die sechste Kreaturenkarte aufgedeckt hat, kommt es zum Kampf. In diesem Fall ist es das stärkste Monstrum, die Kreatur mit der höchsten Zahl, die euch an die Gurgel will. Angegriffen wird immer der Spieler, der gerade am Zug ist.

Zum einem Übergriff der Wesen kann es unter Umständen aber auch schon früher kommen. Werden Monster aufgedeckt, die hinsichtlich ihrer Zahl benachbart sind, ergreifen sie sofort die Initiative und gehen zum Angriff über. Im schlimmsten Fall können es gleich drei Kreaturen sein, die dann gemeinsam angreifen. Ihre Angriffe sind in diesem Fall aber nicht so zielgerichtet, so dass ihr euch nun gleichzeitig verteidigen dürft.

Mit Gegenständen gegen das Unheil

Um mit heiler Haut aus Lord Somersets Anwesen davonzukommen, setzt ihr die Gegenstände ein, die ihr hoffentlich in ausreichender Zahl finden werdet. Mit ihnen könnt ihr die Kreaturen vertreiben und so aus dem Spiel nehmen. Ihr müsst jedoch nicht erst auf einen Angriff warten, sondern könnt ebenso selbst in die Offensive übergehen. Dies ist allerdings nur dem aktiven Spieler erlaubt. Als solcher dürft ihre beliebig viele Gegenstände von der Hand spielen, um Kreaturen zu vertreiben.

Die Regeln für das Vertreiben von Monstern sind simpel. Der Gegenstand muss mindestens einen ebenso hohen Wert aufweisen wie die Kreatur, die ihr vertreiben möchtet. Falls nötig, könnt ihr dazu auch mehrere Gegenstände kombinieren, um den benötigten Wert zu erreichen. Dabei wäre es allerdings ratsam mit den Kartenwerten der Gegenstände nicht zu verschwenderisch zu sein, denn die nächste Kreatur kommt bestimmt. Die vertriebenen Kreaturen kommen ebenso wie die eingesetzten Gegenstände aus dem Spiel.

Siegel als letzte Rettung

Durch das vorzeitige Vertreiben von Monstern habt ihr eine bessere Chance, einen Angriff zu unterbinden. Zum einen könnt ihr die Zahl der offen ausliegenden Kreaturen klein halten, damit sich gar nicht erst sechs Gegner zusammenrotten. Ebenso könnt ihr Karten eliminieren, bei denen ihr die Gefahr seht, dass sich eine Kette mit benachbarten Kreaturen bilden könnte, die dann gemeinsam heranstürmen.

Kommt es tatsächlich zu einem Angriff, müsst ihr sämtliche Angreifer sofort ausschalten. Dabei müsst ihr beachten, wer von euch attackiert wird. Nur der angegriffene Spieler darf Handkarten ausspielen, um sich zu verteidigen. Bei einem Angriff von mehreren Kreaturen dürft ihr euch gemeinsam verteidigen, jeder Spieler darf nun Gegenstände von der Hand spielen. Kommunikation ist dabei der Schlüssel zum Erfolg. Sprecht euch gut ab, wer welche Kreatur vertreiben soll. Es ist euch dabei aber nicht erlaubt, die Zahlenwerte auf euren Karten zu verraten.

Sollte einem Monster tatsächlich mal ein Durchbruch gelingen, ihr die angreifende Kreatur also nicht sofort vertreiben könnt, müsst ihr ein Siegel einsetzen. Dreht dazu das Siegel auf die andere Seite, damit markiert ihr, dass es bereits verwendet wurde. Der Einsatz eines Siegels bewirkt, dass alle angreifenden Kreaturen wieder zurück in den Kartenhaufen gemischt werden. Die Gefahr ist also für das Erste abgewendet, gebannt wurde sie allerdings nicht. Euch bleibt nun jedoch etwas Zeit, die nötigen Gegenstände zu sammeln, um das Unwesen erfolgreich zu vertreiben. Sind alle Siegel verbraucht und es kommt erneut zu einem Angriff einer Kreatur, habt ihr das Spiel gemeinsam verloren.

Zwangsräumung im Herrenhaus

Gelingt es euch die gesamten Karten aufzudecken, geht ihr siegreich aus dem Spiel hervor. Jeder Spieler hat nach dem Aufdecken der letzten Karte noch genau einen Zug. In diesem könnt ihr verbleibende Handkarten ausspielen, um noch die letzten bereits offen ausliegenden Monster zu bannen. Abschließend addiert ihr noch die Werte der verbleibenden Unwesen. Je geringer die Punktzahl ausfällt, desto besser ist euer Gesamtergebnis.

Verflucht ist für ein bis fünf Spieler ab zehn Jahren geeignet. Eine Partie dauert ungefähr eine Viertelstunde. Das Spiel ist bei Amigo erschienen und kostet etwa 8€.

Pros

Cons

Fazit

Wenn ihr bereits mit The Game vom gleichen Autor Erfahrungen gesammelt habt, könnt ihr euch schon ungefähr vorstellen, was euch erwartet. Der Glücksfaktor ist recht hoch, strategisches Vorgehen ist dennoch hilfreich bei der Monsterjagd. Durch das geschickte Ausschalten von Kreaturen, könnt ihr so manchen Angriff schon im Vorfeld vermeiden. Gefragt sind auch eure kommunikativen Fähigkeiten, damit ihr beim Vertreiben der Monster nicht zu viele Gegenstände verschleudert. Ein wenig überrascht war ich, dass Verflucht auch alleine ganz gut funktioniert. Mir hat der Solomodus sogar fast noch mehr Spaß gemacht als das Spiel mit mehreren Spielern. Wenn ihr als noch ein kleines und kostengünstiges Spielchen für einsame Tage sucht, dann ist Verflucht auf jeden Fall einen Blick wert. Beim gemeinschaftlichen Spieleabend lässt sich das Spiel ganz gut als Warm-Up verwenden oder als kleiner Absacker, wenn euch schon fast die Augen zufallen. Dank der wirklich einfachen Regeln und der kurzen Spieldauer ist das kein Problem.

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