Test: Das Vermächtnis des Maharaja

  • VonSebastian Hamers
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Der Maharaja ist alt und es wird ein würdiger Nachfolger gesucht. Dieser wird nach alter Sitte vom alten Maharaja selbst aus dem Kreis seiner Söhne ausgewählt. Im neuen Kartenspiel „Das Vermächtnis des Maharaja“ von Michael Schacht übernehmt ihr die Position der männlichen Erben. Ihr versucht euch dabei möglichst nachhaltig bei eurem Alten einzuschleimen. Schließlich wollt ihr am Ende ja selbst der neue Maharaja werden.

Das Vermächtnis des Maharaja kommt in einer kleinen Spieleverpackung daher. Im Inneren der Schachtel findet ihr 60 Spielkarten und 26 Chips in den Farben Silber und Gold wieder. Mit bis zu drei Freunden könnt ihr als Söhne des Maharaja gegeneinander antreten. Der Kampf wird diesmal allerdings nicht mit Waffen gewonnen, sondern mit den edelsten Geschenken. Der alte Maharaja hat offenbar ein Faible für Antiquitäten. Ihr versucht also eine möglichst wertvolle Sammlung von altem Krempel zu erwerben und sie eurem Vater zu schenken. Als Belohnung winkt euch am Ende des Spiels das Amt des neuen Maharajas.

Der Markt und seine Waren

Wo bekommt ihr den alten Plunder jedoch her? Diese Frage ist schnell geklärt. Im Spiel finden sich 36 Antiquitätskarten in sechs unterschiedlichen Farben wieder. Zu Beginn jedes Verkaufstags legt ihr vier dieser Karten offen in den Markt. Dort könnt ihr euch an den Waren bedienen. Neben den Markt legt ihr 4-5 Handelskarten aus, je nach Anzahl der Teilnehmer. Auf den Handelskarten findet ihr die Preise für die ausliegenden Waren wieder, die zwischen zwei und vier Rupien schwanken. Bevor ihr den Markt stürmt, sortiert ihr die Handelskarten absteigend nach dem Zahlenwert und legt auf jede Karte eine Goldmünze.

Jetzt könnt ihr loslegen und wertvolle Antiquitäten für den Maharaja erwerben. Diese werden besonders wertvoll, wenn es euch gelingt, ganze Sets zu ersteigern. Abseits des Markts liegen deshalb die sogenannten Sammlungskarten bereit. Insgesamt gibt es fünfzehn dieser Karten, die in sieben getrennten Kategorien ausliegen. Auf den Karten werden die Antiquitäten angezeigt, die ihr benötigt, um eine Sammlung zu vervollständigen.

Die Sammlung vervollständigen

Gesammelt werden können Krüge, Messer, Instrumente, Schmuck, Statuen, Vasen und Mischungen aus den genannten Gegenständen. Unter den Sammlungskarten befinden sich beispielsweise zwei Messer-Sammlungen. Für die kleine Sammlung benötigt ihr zwei Messer, für die große Sammlung deren drei. Jede Sammlungskarte bringt euch am Spielende wertvolle Bonuspunkte. In jeder Runde könnt ihr euch eine dieser Karten nehmen, wenn ihr die dort angegebenen Gegenstände schon auf dem Markt erworben habt. Es gilt also möglichst schnell zu agieren, damit euch keiner der Brüder die Sammlungskarte vor der Nase wegschnappt. Das geht schneller als man denkt, da man sich auch wirklich nur eine einzige Karte pro Runde abgreifen darf.

Weiterhin gibt es noch ein paar Gemeinheiten bei der Aufnahme der Karten. Habt ihr nämlich schon die große Sammlungskarte einer Kategorie aufgenommen, dürft ihr die kleine Variante nicht mehr wählen. Es kann sich also möglicherweise lohnen, zuerst die kleine Karte zu nehmen, auch wenn ihr die Bedingungen für die Aufnahme der großen und wertvolleren Sammlungskarte erfüllt. Dadurch besteht allerdings auch die Gefahr, dass euch ein anderer Spieler die höherwertige Sammlungskarte wegschnappt.

Die kleinen Sammlungskarten haben zudem einen winzigen aber nicht unbedeutenden Nachteil eingebaut. Nehmt ihr eine kleine Sammlungskarte auf, dann müsst ihr eine der darauf angegebenen Antiquitäten auf den Ablagestapel werfen. Das erschwert euch anschließend natürlich wiederum den Gewinn der nächsten Karte der gleichen Kategorie. Alles ganz schön verzwickt.

Ein Verkaufstag im Orient

Bevor ihr euch jedoch die ersten Sammlungen sichern könnt, müsst ihr auf dem Markt aktiv werden. Wie oben bereits erwähnt, liegen dort vier Waren offen aus. Jede Ware ist mit einem Wert zwischen einer und drei Rupien ausgezeichnet. Der Preis einer Ware richtet sich allerdings nicht nach ihrem tatsächlichen Wert. An dieser Stelle werden die Handelskarten relevant. Je nach Zahl der Mitspieler liegen vier oder fünf dieser Karten mit den Zahlenwerten von vier bis zwei in absteigender Reihenfolge aus. Auf jeder Karte wird zu Beginn jedes Markttags zudem eine Goldmünze gelegt. Im Spielverlauf werden diese Münzen nach und nach von den Karten verschwinden. Der Preis einer beliebigen Antiquität auf dem Markt richtet sich nach der Handelskarte mit dem höchsten Wert, auf dem sich noch ein Goldstück befindet. Im Verlauf eines Handelstages wird sich der Preis für die Waren also immer weiter reduzieren. Es ist fast ein wenig wie auf der Spielemesse in Essen. Wer erst am letzten Messetag kauft, bekommt nicht selten einen besseren Preis, muss jedoch damit rechnen, dass sein Wunschspiel schon vergriffen ist.

Ein Verkaufstag geht in der Regel recht schnell vorbei, die Züge der einzelnen Mitspieler gestalten sich angenehm kurz, so dass es wenig Wartezeiten gibt. Seid ihr an der Reihe, führt ihr stets drei Phasen durch. Zunächst führt ihr genau eine Aktion durch. Zwei Möglichkeiten stehen euch hier zur Wahl. Entweder ihr nehmt die am weitesten links liegende Goldmünze von einer Handelskarte oder aber ihr kauft eine Antiquität aus der offenen Auslage. Im zweiten Schritt dürft ihr euch eine der Sammlungskarten nehmen, sofern ihr die Voraussetzungen dazu erfüllt. In der dritten Phase werden jetzt noch die Steuern eingetrieben. Habt ihr mehr als acht Rupien in eurem Besitz, so müsst ihr überzähliges Geld wieder an die Bank abgeben. Im Spiel findet ihr für die Bezahlung von Waren silberne und goldene Chips vor. Ein Goldstück zählt dabei zwei Rupien, ein Silberstück ist eine Rupie wert.

Wer wird der neue Maharaja?

Der Tag endet, sobald die letzte Antiquität des aktuellen Angebots gekauft oder die letzte Münze von den Handelskarten entfernt wurde. Nachdem der gerade aktive Spieler seinen Zug beendet hat, wird der nächste Verkaufstag vorbereitet. Wieder gibt es eine neue offene Auslage mit vier Antiquitäten. Ebenso werden die Handelskarten wieder mit Goldstücken belegt. Das Ganze wird solange weitergeführt, bis der gesamte Nachziehstapel mit Antiquitäten aufgebraucht ist. Dann folgt die Endabrechnung, in der der neue Maharaja gekürt wird.

Wenn ihr in einer Farbe nur eine einzige Antiquität besitzt, müsst ihr diese Karte wieder abgeben. Sie ist für euch wertlos und kommt auf den Ablagestapel. Anschließend zählt ihr den Wert aller erworbenen Antiquitäten zusammen und addiert zusätzlich den Wert eurer Sammlungskarten. Zu guter Letzt gibt es noch jeweils einen Punkt für drei Rupien in eurem Besitz. Der Spieler mit den meisten Punkten gewinnt das Spiel und wird der neue Maharaja.

Wenn ihr jetzt neugierig auf „Das Vermächtnis des Maharaja“ geworden seid, dann könnt ihr das Spiel ab sofort im Handel erwerben. Mit 8-10€ kommt ihr vergleichsweise günstig weg. Das Spiel ist übrigens für 2-4 Spieler ausgelegt. Eine Partie sollte nicht viel länger als eine halbe Stunde dauern.

Pros

Cons

Fazit

Das Vermächtnis des Maharaja ist eines der Spiele, die jeder sofort verstanden hat. Im Spiel geht es so auch angenehm zügig voran. Die drei Phasen eines Spielzugs sind ziemlich rasch durchgezogen, sodass sich das Spiel flüssig runterspielt. Da alle Karten offen gespielt werden, fehlt vielleicht ein wenig der Überraschungseffekt. Dafür wird die Interaktion unter den Spielern großgeschrieben. Jede Aktion, die ihr durchführt, hat direkte Auswirkungen auf die Mitspieler. Das orientalische Thema ist durchaus spannend, wirkt aber ein wenig arg übergestülpt. Abseits dieser kleinen Kritikpunkte weiß „Das Vermächtnis des Maharaja“ aber zu gefallen. Wenn ihr ein kleines Spiel für gemütliche Abende sucht, bei dem ihr eure Gehirnzellen nicht übermäßig fordern müsst und auch kein dickes Regelwerk wälzen wollt, dann solltet ihr euch das Spiel ruhig etwas näher angucken.

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