Test: Wettlauf nach El Dorado

  • VonSebastian Hamers
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Das sagenhafte El Dorado wurde schon oft besungen, beschrieben und natürlich auch bespielt. Der Goldschatz bietet allerdings auch genug Stoff für viele Abenteuer. Warum die Legende also nicht mal wieder in einem Brettspiel aufarbeiten? Das hat sich offenbar auch Autor Reiner Knizia gedacht, der in der Brettspiel-Szene wahrlich kein Unbekannter ist. Etliche Titel gehen auf das Konto des Spieleerfinders. Zu den bekanntesten seiner Spiele zählen Hits wie Lost Cities, Keltis oder Einfach genial. Ein gutes Omen für den Wettlauf nach El Dorado?

Wie der Name des Spiels schon vermuten lässt, liegt uns ein relativ klassisches Rennspiel vor. Mit bis zu drei Mitspielern schlagt ihr euch durch einen dichten Dschungel und versucht vor allen anderen an die prall gefüllten Goldkammern von El Dorado zu gelangen. Die Zeit drängt also, denn die Konkurrenz schläft nicht.

Die vielen Wege nach El Dorado

Das klassische Spielbrett gehört in der Branche schon längst nicht mehr zur Standardausrüstung eines Spiels. Wettlauf nach El Dorado verzichtet ebenfalls auf das Brett und setzt vielmehr auf zusammensteckbare Einzelstücke. Dem Spiel liegen sieben Geländetafeln bei, von denen in einer Partie immer fünf zum Einsatz kommen. Das Schöne daran ist, dass ihr den Dschungel bei jeder Partie wieder neu gestalten könnt. Im Regelheft findet ihr auch ein paar Vorschläge für den Aufbau in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden. Dazu gibt es ein paar hilfreiche Tipps zur Gestaltung von eigenen Strecken.

Am besten spielt sich Wettlauf nach El Dorado mit drei oder vier Spielern. Jeder von euch erhält eine Spielfigur, die ihr vom Startfeld bis nach El Dorado führen müsst. Für den Zwei-Spieler-Modus gibt es leicht abgeänderte Regeln. Hier müsst ihr jeweils zwei Figuren ins Ziel führen. Zu zwei spielt sich das Ganze auch recht ordentlich, deutlich spaßiger ist es aber in einer etwas größeren Runde.

Einfaches Deckbuilding

Unter der Haube von Wettlauf nach El Dorada befindet sich ein Deckbuilder mit recht einfachen Regeln. Ihr beginnt das Spiel mit ein paar wenigen Karten, habt aber später die Chance, neue und mächtigere Karten zu erwerben und auch unliebsame wieder loszuwerden. So befinden sich die Spielkarten auch im Zentrum des Geschehens.

Mit acht Basiskarten beginnt die Expedition durch den Dschungel. Vier Karten habt ihr in jedem Zug auf der Hand. Mit diesen Karten führt ihr sämtliche Aktionen im Spiel durch. Im Wesentlichen könnt ihr die Karten für zwei unterschiedliche Aktionen verwenden. Entweder ihr setzt sie für die Bewegung eurer Spielfigur ein oder aber ihr nutzt sie zum Kaufen von neuen Karten.

Der lange Weg durch den Dschungel

Wenn ihr euch dazu entscheidet, eure Figur zu bewegen, kommt ihr dem Ziel El Dorado immer ein Stückchen näher. Auf dem Weg trefft ihr auf unterschiedliche Geländetypen. Nur wenn ihr die passenden Ressourcen auf der Hand habt, könnt ihr das entsprechend Feld auch betreten. Deshalb findet ihr auf den Karten verschiedene Symbole wieder: Macheten, Paddel und Münzen. Um ein Dschungelfeld zu betreten, werden Macheten benötigt. Bei Wasserfeldern braucht ihr Paddel, während ihr Dörfer nur mit Münzen durchqueren könnt. Je nach Feld benötigt ihr mal ein, zwei oder sogar drei Ressourcen der jeweiligen Art.

Die Karten, die zum Betreten eines Feldes notwendig sind, wandern auf den Ablagestapel. Sobald der Nachziehstapel geleert wurde, wird die Ablage gemischt und erstellt daraus den neuen Nachziehstapel. Ihr kennt die Prozedur sicher. Die Basislager im Spiel stellen jedoch eine Ausnahme dar. Bewegt ihr euch auf eines dieser Felder, so werden die hierzu ausgespielten Karten ganz aus dem Spiel entfernt. Auf diese Weise könnt ihr schwächere Karten elegant loswerden und so schneller an die wirklich guten Karten im Stapel gelangen. Hinzu kommen schließlich noch die Geröllfelder. Um sie zu betreten, könnt ihr beliebige Karten ausspielen. Unter Umständen kann das jedoch teuer werden. Bis zu drei Karten müsst opfern, um das Hindernis zu überwinden.

Besonders lästig sind die Blockaden im Spiel. Dabei handelt es sich um längliche Hindernisse, die ihr nicht ohne Weiteres passieren könnt. Um den Weg überhaupt weiterzugehen, müsst ihr erst die nötigen Karten mit den passenden Symbolen ausspielen. Sobald die Kosten bezahlt wurden, kommt die Blockade ganz aus dem Spiel. Nachfolgende Spieler müssen also keine weiteren Karten mehr ausspielen, um diese Stelle zu passieren. Als kleine Entschädigung wirken sich eliminierten Blockaden am Spielende aber immerhin als Vorteil bei gleichzeitigem Erreichen von El Dorado aus.

Den Kartenstapel erweitern

Anstatt die Handkarten für die Bewegung zu verwenden, könnt ihr damit auch auf Shopping-Tour gehen. Auf der Markttafel befinden sich sechs Stapel mit offenen Karten. Das nötige Kleingeld vorausgesetzt, könnt ihr euch aus dieser Auslage bedienen. Neu erworbene Karten nehmt ihr allerdings nicht auf die Hand, sondern legt sie auf den Ablagestapel. Pro Runde könnt ihr maximal eine Karte erwerben.

Oberhalb der Markttafel befinden sich zwölf weitere Kartenstapel. Diese Karten dürft ihr jedoch erst kaufen, wenn ein Stapel in der Marktauslage komplett geleert wurde. In diesem Fall habt ihr die freie Auswahl. Sobald ihr eine Karte aus der oberen Auslage nehmt, wandern die restlichen Karten des Stapels auf den freigewordenen Platz in der Marktauslage.

Für den Kauf von neuen Karten sind vor allem die Handkarten mit den Münzsymbolen von Vorteil. Sie sind so viele Münzen wert wie auf der Karte angegeben ist. Karten mit Paddel- oder Machetensymbol hingegen bringen euch nur eine halbe Münze ein. Mit dem Gesamtwert aller abgelegten Karten dürft ihr jetzt, wie oben beschrieben, eine Karte aus der Auslage kaufen.

Die meisten neu erworbenen Karten werden genauso gehandhabt wie eure Startkarten. Nach dem Ausspielen legt ihr sie auf den Ablagestapel, so dass sie früher oder später wieder auf die Hand rotieren. Eine Ausnahme sind hier die Gegenstandskarten. Sie können nur einmalig verwendet werden und kommen danach ganz aus dem Spiel. Ihre Effekte sind daher meist besonders wertvoll.

Mit den neuen Karten kommt dann auch richtig Schwung ins Spiel. Sie erweitern eure Möglichkeiten im Wettlauf deutlich. So gibt es Joker-Karten, die ihr als Paddel, Münze oder Machete gleichermaßen einsetzen könnt. Andere Karten erlauben es euch beispielsweise zusätzliche Karten auf die Hand zu nehmen oder die Bedingungen zum Betreten eines Feldes zu ignorieren.

Spannender Wettlauf

Das Spiel endet, sobald es dem ersten Spieler gelungen ist, El Dorado zu erreichen. Die laufende Runde wird allerdings noch zu Ende gespielt, sodass jeder von euch gleich oft am Zug war. Es könnten also tatsächlich zwei oder gar noch mehr Spieler das Ziel in der gleichen Runde erreichen. In diesem Fall gewinnt der Spieler, der die meisten Blockaden gesammelt hat. Rechnet dabei mit einer guten Stunde. Je nach gewähltem Schwierigkeitsgrad und Zahl der Mitspieler kann die Spieldauer ein wenig variieren.

Wenn ihr es noch etwas komplexer mögt, könnt ihr optional noch die Höhlen-Plättchen mit ins Spiel bringen. Insgesamt gibt es 36 dieser Plättchen, die ihr in Stapeln zu je vier Stück auf den vorgegebenen Feldern verteilt. Betretet ihr mit eurer Spielfigur ein Feld direkt neben einer Höhle und beendet dort den Zug, könnt ihr euch das oberste Plättchen nehmen. Die Plättchen bringen euch kleinere Vorteile wie zum Beispiel zusätzliche Macheten, Münzen oder Paddel, nehmen eine Handkarte aus dem Spiel oder lassen euch die Bedingungen zum Betreten eines Feldes ignorieren.

Wettlauf nach El Dorado ist neu bei Ravensburger erschienen, sollte also bereits im Handel zu finden sein. Das Spiel kostet ungefähr 30-35€.

Pros

Cons

Fazit

Der Wettlauf nach El Dorado ist ein schönes Deckbuilding-Spiel, das die Komplexität der meisten Genrevertreter jedoch nicht erreicht. Das Spiel richtet sich an Familien- und Gelegenheitsspieler, weniger an beinharte Brettspiel-Strategen, obwohl auch diese bestimmt Gefallen am Spiel finden werden. Der Titel bringt all diese Spielertypen gekonnt zusammen. Die gewählten Mechaniken sprechen erfahrene Spieler an, ohne jedoch die weniger brettspielaffinen Mitspieler zu überfordern. Schafft auch nicht jedes Spiel. Genau deshalb solltet ihr Wettlauf nach El Dorado einmal genauer unter die Lupe nehmen. Ein Spiel mit diesem gelungenen Spagat braucht man schließlich in der Sammlung.

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