Test: Wild Shots

  • VonSebastian Hamers
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Spiele mit Wild-West-Thema tauchen sowohl in der Brett- als auch in der Videospiel-Szene immer wieder mal sporadisch auf. So ganz scheint sich der Wilde Westen also nicht in unsere Herzen gespielt zu haben. Dabei bietet das Szenario doch ziemlich viel interessanten Stoff mit wilden Indianern, schießwütigen Gangsterbanden und Lagerfeuer-Romantik. Wild Shots aus dem Hause Piatnik bedient sich dieser Szenerie, lehnt sich aber nur ganz sachte an das Thema an. Herausgekommen ist ein eher abstraktes Stichspiel, das ein wenig an den Klassiker Skat erinnert.

Im Gegensatz zu vielen anderen Stich-Spielen seid ihr bei Wild Shots darauf bedacht, möglichst wenige Stiche einzukassieren. Mit jedem Stich könntet ihr euch eine Kugel eingefangen haben. Am Ende des Spiels wird der Spieler, der am wenigsten Blei geschluckt hat, der neue Sheriff von Silver City.

Schlangenöl weist den Weg

Im Spiel befinden sich 40 sogenannte Wild-Shots-Karten. Es gibt je zehn Karten in den Farben schwarz, rot, grün und blau. Auf einigen Karten seht ihr eins von vier Symbolen: Cowboyhut, Sheriffstern, Revolver oder Steckbrief. Diese Zeichen findet ihr auch auf den 14 Snake-Oil-Karten wieder. Nach jedem Stich wird ein neues Snake-Oil aufgedeckt. Das Zeichen auf der Karte zeigt an, welches Symbol ab sofort als Trumpf gilt.

Zu guter Letzt gibt es noch eine Karte mit der Rundenübersicht. Wild Shots wird in vier Runden gespielt. In jeder Runde gibt es ein Symbol, das ihr euch lieber nicht durch einen Stich einfangen solltet. In der ersten Runde gibt es für jeden gesammelten Revolver zwei Minuspunkte, in der zweiten Runde sind es die Cowboyhüte, vor denen ihr euch in Acht nehmen müsst. Sie bringen euch sogar drei Minuspunkte ein. Die Zahl der Minuspunkte, die ihr euch pro Symbol notieren müsst, steigt Runde für Runde an. Dafür tauchen die relevanten Zeichen allerdings auch seltener im Kartenstapel auf. Im gesamten Spiel findet ihr immerhin zehn Revolver, bei den Steckbriefen, auf die es in der vierten Runde ankommt, haben sich nur noch ganze vier Karten im Deck versteckt. Jeder Treffer ist hier also doppelt bitter.

Bewährte Mechaniken bestimmen den Spielverlauf

Durch den regelmäßigen Wechsel der Trümpfe und die ebenfalls wechselnde Relevanz der Symbole auf den Karten in Bezug auf die Punktezählung, hat Wild Shots eine eigene Note. Im Hintergrund laufen hingegen viele altbewährte Mechaniken ab. Der erste Spieler spielt eine beliebige Karte von der Hand. Die folgenden Spieler müssen sich danach richten und die gespielte Farbe möglichst bedienen. Den Stich bekommt natürlich der Spieler, der die Karte mit der höchsten Zahl ausgespielt hat. Eine Ausnahme stellt der aktuell gültige Trumpf dar, der immer den Stich kassiert. Werden gleich mehrere Trümpfe gespielt, entscheidet der Trumpf mit der höheren Zahl den Stich für sich. Der Spieler, der den Stich gemacht hat, spielt nun die erste Karte für den neuen Stich aus. Zuvor wird allerdings eine neue Snake-Oil-Karte aufgedeckt, die den neuen Trumpf bestimmt.

Den Ablauf kennt ihr sicher schon aus vielen anderen Kartenspielen, in denen es darum geht, Stiche zu sammeln. Wild Shots greift die klassischen Mechanismen auf und verbindet sie mit ein paar eigenen Elementen. Die Implementierung der Snake-Oil-Karten bringt auch gut Schwung ins Spiel. Ständig müsst ihr euch neu ausrichten und eure Strategie anpassen. Geübte Spieler werden beobachten, welche Karten schon aus dem Spiel sind und so ihre Chancen optimieren.

Am besten zu viert

Nehmen weniger als vier Spieler am Geschehen teil, wird das jedoch ziemlich erschwert. Wie bereits erwähnt beinhaltet das Spiel 40 Wild-Shot-Karten. Jeder Spieler wird zu Beginn einer jeden Runde mit zehn Karten versorgt. Kein Problem, wenn die Runde mit vier Spielern voll besetzt ist. Bei einer unvollständigen Runde müsst ihr Kartensätze in der Schachtel belassen. Ihr habt somit also keinen vollständigen Überblick mehr über die Karten, die sich in der Rotation befinden. Das macht Wild Shots wieder etwas glückslastiger.

Für die meisten Spieler wird das aber kein Problem sein. Wird Wild Shots als kleiner Spiele-Snack für zwischendurch konsumiert, fällt das kaum ins Gewicht. Ihr spielt Wild Shots dann einfach locker runter und erfreut euch an den raschen Wechseln der Trümpfe, die das Spiel so dynamisch machen. Erst wenn ihr tief in das Spiel eintaucht, vielleicht sogar ein Turnier spielt oder Wild Shots als abendfüllendes Programm einsetzt, solltet ihr unbedingt in der Vollbesetzung mit vier Spielern antreten.

Wild Shots ist über Piatnik erschienen und ist ab sofort im Handel verfügbar. Es ist für 2-4 Spieler ab acht Jahren geeignet. Das Spiel kostet etwa 10€.

Pros

Cons

Fazit

Wild Shots ist innerhalb einer Minute erklärt, ihr könnt also sofort loslegen. Da im Hintergrund altbewährte Mechaniken ablaufen, die jeder bereits tausendfach gespielt hat, ist die Einstiegshürde sehr niedrig. Vielleicht könnte es mit Wild Shots sogar gelingen, ein paar beinharte Skat-Klopper, die sonst nie etwas anderes spielen, zu einer Partie zu überreden. Wild Shots größter Trumpf, entschuldigt dieses Wortspiel, ist sein breites Anwendungsspektrum. Ihr könnt es als Spiele-Quickie genauso einsetzen wie als alleiniges Programm für den Spieleabend. Im letzteren Fall solltet ihr aber wirklich eine komplette Vierer-Runde installieren. Sonst wird Wild Shots mehr zu einem Glücksspiel und die Dauermotivation geht in den Keller. Wild Shots erfindet das Rad nicht neu, dank des Snake Oils kommt aber mehr Bewegung hinzu als bei vielen anderen Stich-Spielen.

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