Test: Woodlands

  • VonSebastian Hamers
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Es war einmal... beginnt eine Geschichte auf diese altbekannte Art und Weise, so handelt es sich zumeist um ein Märchen oder eine Fabel. Genau in diese Welten versetzt euch das Brettspiel Woodlands aus dem Hause Ravensburger. Ihr könnt euch auf ein Wiedersehen mit bekannten Figuren wie Rotkäppchen, Robin Hood, König Artus und Graf Dracula freuen. Hin und wieder schneien sogar Einhörner und Waldschrate ins Spiel hinein. Für eine bunte und märchenhafte Mischung ist also schon einmal gesorgt.

Das erste Öffnen der Spieleschachtel mag direkt zu einem zweiten Flashback in die Kindheitstage führen. Aus der Verpackung kramt ihr gleich zwanzig Folien heraus, die man in den 80er Jahren vielleicht direkt einmal auf den Overhead-Projektor gelegt hätte. Der Folieninhalt soll aber natürlich nicht an die Wand geworfen werden, sondern ist ein elementarer Bestandteil des Spiels.

Der gefährliche Weg durch den dunklen Wald

In Woodlands könnt ihr die Geschichten, um die eingangs schon erwähnten Märchenfiguren, auf spielerische Art ganz neu erleben. Zunächst wählt ihr die gewünschte Geschichte aus und sucht dazu eine passende Folie heraus. Damit für genügend Abwechslung gesorgt ist, liegen dem Spiel zu jedem Märchen gleich mehrere unterschiedlichen Folien bei. Jede Folie erzählt ein neues Kapitel der Geschichte. So könnt ihr Rotkäppchen & Co. auf ihren Reisen über mehrere Erzählstränge hinweg begleiten.

Auf den Folien seht ihr verschiedene Elemente, darunter auch ein Symbol für den Protagonisten des Märchens. Dieser kleine Avatar auf der Folie stellt stets den Ausgangspunkt der Reise dar. Je nach gewähltem Märchen und Kapitel findet ihr nun noch weitere Symbole auf der Folie. Im ersten Rotkäppchen-Kapitel kann das Rotkäppchen leckere Erdbeeren auf ihrem Weg zur Großmutter pflücken. Waldflächen hingegen müsst ihr natürlich meiden, denn da lauert schließlich der große böse Wolf.

Jäger und Sammler

Jedes Märchenkapitel wird durch einen kurzen Text eingeleitet und so in eine kleine Geschichte eingebettet. Der Anleitung entnehmt ihr weiterhin welche Symbole auf der Folie ihr einsammelt sollt und von welchen ihr euch besser fernhaltet. Gegenstände könnt ihr nun, jeder über eine eigene Spielertafel, einsammeln. Diese besteht zunächst aus neun Felder mit Waldflächen. Weiterhin bekommt ihr nun jeweils ein Set aus zwölf Wegekarten, die ihr nun auf der Spielertafel platzieren müsst.

Diese Karten enthalten verwinkelte Gänge, Biegungen, Kreuzungen und einiges mehr, die euch einen Weg durch den dunklen Wald bahnen lassen. Später werdet ihr die Folie aus der Tischmitte verwenden, um sie über eure eigene Spielertafel zu legen. Jetzt könnt ihr überprüfen, welche Symbole über einen Weg mit dem Avatarsymbol der Märchenfigur verbunden sind.

Für wieselflinke Adleraugen

Ihr benötigt also ein gutes Auge, um die Spielfigur sicher durch den Wald zu lotsen. Aber auch die Zeit spielt eine Rolle. Alle Spieler konkurrieren darum, als erster die Wegkarten auf der eigenen Spielertafel verbaut zu haben. Als erster Spieler könnt ihr das Ende der Runde einläuten. Dazu nehmt ihr euch die beiliegende Sanduhr und dreht sie herum. Sobald die Sanduhr abgelaufen ist, endet der Durchgang auch für alle anderen Spieler. Als blitzschneller Puzzler setzt ihr so eure Mitspieler gehörig unter Druck. Schnell entstehen beim hektischen Wege-Verlegen mal Fehler und Rotkäppchen sammelt mehr giftige Fliegenpilze ein als leckere Erdbeeren oder verpasst es sogar, das Haus der Großmutter zu finden.

Je weiter ihr in den Märchenkapiteln voranschreitet, desto komplexer werden auch die Aufgaben. Vor dem Haus der Großmutter befinden sich im dritten Kapitel der Geschichte ein paar niedliche Häschen. Leider haben sich aber auch einige Füchse auf die Lauer nach ihnen gelegt. Jetzt müsst ihr also auch noch auf die Häschen aufpassen und besser keine Wege-Verbindung zwischen ihnen und den Füchsen herstellen.

Haufenweise Extra-Gimmicks

Wie ihr bereits bemerkt habt, halten sich die Woodlands-Geschichten nicht sklavisch an die Originaltexte. Jedes Märchen hält so manch kleine Überraschung für euch parat. Zudem gibt es natürlich auch ein Wiedersehen mit anderen bekannten Figuren aus den Märchen und Sagen. Darüber hinaus geizt Woodlands nicht mit zusätzlichen Gimmicks. In den Geschichten könnt ihr etwa bunte Edelsteine einsammeln, um Extrapunkte zu gewinnen. Am besten sammelt ihr ganze Sets aus den vier verschiedenen Farben, um weitere Boni zu generieren.

Der Kelch des Ruhms dient hingegen den Spielern, die in der Punktewertung etwas in Rückstand geraten sind. Der Spieler mit den meisten Punkten sollte den Kelch des Ruhms in jedem Fall einsammeln, wenn er nicht drei Minuspunkte hinnehmen möchte. Alle anderen Spieler können den Kelch entspannt ignorieren. Sie können keine Minuspunkte erhalten und sich daher voll und ganz auf die eigentliche Aufgabe konzentrieren.

Rotkäppchen auf Schatzjagd

Besonders witzig sind jedoch die Schatztruhen, über die ihr immer wieder mal stolpern werdet. Sie lassen sich jedoch nur öffnen, wenn ihr zuvor einen Schlüssel mit der Spielfigur eingesammelt habt. Erst durch die Kombination aus Schlüssel und Truhe erhaltet ihr ein hilfreiches Goodie in Form einer Schatzkarte.

Die Schatzkarte könnt ihr später einsetzen, um euch einen Vorteil zu verschaffen oder aber um einem Mitspieler kräftig in die Suppe zu spucken. Es wäre doch sicher nicht schlecht, wenn der führende Spieler in der nächsten Runde seine Wegekarten nur mit seiner schwächeren Hand legen müsste. Eine andere Schatzkarte kann euch vor dem ein oder anderen Minuspunkt schützen oder bringt die verwunschenen Wegkarten ins Spiel.

Der Wald ist verflucht

Verwunschene Wegkarten können euch sowohl Vor- als auch Nachteile bringen. Beim dichten Wald etwa handelt es sich um eine kleine Lichtung, die von Wald eingeschlossen ist. Beim Verbinden der Elemente auf der Folie hilft sie euch vermutlich nicht besonders viel weiter. Der Geisterwald enthält ein Schreckgespenst, das ihr besser nicht mit der Märchenfigur verbinden solltet, ansonsten kassiert ihr einige Minuspunkte. Verwunschene Wegekarten können aber auch Schätze beinhalten oder einen Zwerg, der euch mit Bonuspunkten belohnt, wenn ihr ihn zu seinem Haus führt.

Damit nicht genug, Woodlands bietet euch noch einige Variationsmöglichkeiten an. Alternativ lassen sich auch die Rückseiten der Wegekarten verwenden, auf denen ihr Dornengestrüpp oder Wasserflächen findet. Für diese gelten leicht abgeänderte Regeln oder aber sie versuchen euch optisch zu verwirren. Unbedingt probieren solltet ihr die beiden Meisterfolien, die sich mit allen Märchenkapiteln kombinieren lassen. Ihr legt sie einfach auf die Kapitelfolie und erhaltet so ein paar zusätzliche Spielelemente.

Meisterfolien für die Profis

Mit ihnen kommen dann auch Einhorn und Waldschrat ins Spiel. Der Kontakt zum Einhorn bringt euch eine Schatzkarte ein. Darüber hinaus gibt es auf der Einhorn-Folie auch noch eine gute Fee, die auf der Suche nach ihrer Rose ist. Der Clou: die Fee kann sich nur durch Waldflächen bewegen und muss die Wegstrecken deshalb meiden. Gar nicht so einfach! Negative Punkte gibt es auf der Waldschrat-Folie. Meidet den Waldschrat und seine Wurzeln, genauso wie den bösen Geist. Sie geben euch Minuspunkte. Mit den Kartenrückseiten, den Meisterfolien und zusätzlichen verwunschenen Wegstrecken gibt es so also reichlich Möglichkeiten, das Spiel zu variieren.

Woodlands ist ein Brettspiel für zwei bis vier Spieler ab zehn Jahren. Für den Durchlauf einer Märchengeschichte müsst ihr zwischen zwanzig und vierzig Minuten einrechnen. Woodlands ist über den Verlag Ravensburger erschienen und sollte mittlerweile problemlos im Handel zu finden sein. Preislich bewegt sich das Brettspiel um die 30€.

Pros

Cons

Fazit

Obwohl mir mein räumliches Vorstellungsvermögen gerne mal einen Streich spielt, hat es mir Woodlands ziemlich angetan. Das ungewöhnliche Spielmaterial trägt seinen Teil ebenso dazu bei, wie die liebevolle Einbindung der märchenhaften Geschichten. Der leicht kindliche Look täuscht zunächst etwas über den Schwierigkeitsgrad von Woodlands hinweg. Fällt der Einstieg mit dem ersten Kapitel des Rotkäppchen-Märchens noch recht leicht aus, kommt man bei den Aufgaben, die Graf Dracula stellt, schon mal schnell ins Schwitzen. Eine der größten Stärken von Woodlands ist aber seine Vielseitigkeit. Durch die unterschiedlichen Modifikationen habt ihr reichlich Möglichkeiten, das Spiel nochmal auf eine andere Art zu erleben. Mit Gimmicks geizt das Spiel wirklich nicht. Sogar an eine Begleit-App wurde gedacht, mit der ihr euren Punktestand verwaltet, passende Hintergrundmusik abspielt oder auch die Zeit stoppt. Woodlands ist ein schönes Legespiel mit großem Umfang, das leicht zu erlernen ist, geübten Spielern aber doch eine große Herausforderung bietet.

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