Test: Yangtze

  • VonSebastian Hamers
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In Strategiespielen muss es doch nicht immer kriegerisch zugehen. Das Brettspiel Yangtze verzichtet auf große Schlachten und militärische Scharmützel. Konfliktpotenzial hat das Spiel aber trotzdem. Diese sind allerdings rein wirtschaftlicher Natur. Als Oberhaupt reicher Handelsfamilien in der chinesischen Qing-Dynastie versucht ihr die Konkurrenz auszustechen. Im Mittelpunkt dabei steht der große Strom, der sich von Zentralchina nach Shanghai schlängelt und auf dem die Güter in die chinesische Metropole finden, der Yangtze.

Im Mittelpunkt des Spiels befindet er sich tatsächlich, der Yangtze. Auf dem Spielbrett nimmt der chinesische Fluss einen nicht geringen Teil ein. Von unten links nach oben rechts fließt er direkt in die Tore von Shanghai. Am Randes des Flusses befinden sich acht Handelshäuser, die euch ihre Waren zum Kauf anbieten. Je näher die Häuser an der Großstadt liegen, desto geringer werden die Preise. Offenbar werden die Händler immer ungeduldiger ihre Waren an den Mann zu bringen, je näher ihr an die Stadt gelangt. Wenn ihr aber zu lange auf ein Schnäppchen spekuliert, haben euch eure Mitspieler die begehrte Ware aber möglicherweise schon vor der Nase weggeschnappt.

Die Kunst des Handelns

Die Waren kommen nach dem Zufallsprinzip auf den Fluss. Dabei werft ihr zunächst alle Warenplättchen in den beigelegten Stoffbeutel und füllt dann die Lagerplätze vor den Handelshäusern am Fluss damit auf. Zwei Waren und 30 Goldstücke erhaltet ihr noch als kleine Starthilfe. Dazu kommt noch ein Set aus sechs Karten, die ihr im Spielverlauf einmalig einsetzen könnt. Die Waren bunkert ihr dabei übrigens im Geheimen, hinter euren kleinen Sichtschirm. Denn jetzt gilt es, die Warenbündel möglichst geschickt zusammenzukaufen und später zu einem lukrativen Preis wieder zu veräußern.

Der Spielablauf gestaltet sich dabei denkbar einfach. Seid ihr am Zug, dann dürft ihr genau zwei Aktionen tätigen. Zuerst werdet ihr als Verkäufer aktiv und veräußert ein Warenbündel. Anschließend dürft ihr noch genau eine Ware von der Auslage am Fluss zum angegebenen Preis kaufen. Sobald eine Ware gekauft wird, nehmt ihr ein neues Warenplättchen aus dem Stoffbeutel und schiebt es am Flusslauf entlang in Richtung Shanghai. Schiebt die ausliegenden Waren so lange vor euch her, bis der freigewordene Platz wieder aufgefüllt ist. Durch das Verschieben der Waren verändert sich so auch der Preis vieler Güter.

Durch diese Mechanik werden die Preise einer bestimmten Ware zwar mit der Zeit immer günstiger, es besteht jedoch die Gefahr, dass euch einer der Mitspieler das gewünschte Plättchen wegschnappt. Genau dieses Dilemma macht den Reiz von Yangtze aus.

Shanghai beliefern

Doch wie erzielt ihr für gekaufte Waren einen guten Preis? Das Geheimnis liegt darin, möglichst große Sets von Warengruppen mit einem Schlag zu verkaufen. Yangtze unterscheidet prinzipiell zwei große Gruppen von Waren: Güter des täglichen Bedarfs und Luxusgüter. Letztere sind seltener und entsprechend auch ein wenig teurer. Verkauft ihr eine Ware des täglichen Bedarfs erhaltet ihr drei Goldmünzen, für eine Luxusware gibt es fünf Münzen. Innerhalb dieser beiden Warengruppen gibt es weitere Unterschiede, so gibt es unterschiedliche Warenarten sowie -farben. Jetzt gilt es möglichst viele Waren der gleichen Farbe oder der gleichen Art zu sammeln. Je größer das Set ausfällt, das ihr verkaufen möchtet, desto besser gestaltet sich auch der Preis für euch. Praktischerweise könnt ihr die Verkaufspreise für die Warenbündel direkt auf dem Spielplan selbst ablesen und müsst nicht ständig in der Spielanleitung nachschlagen.

Es lohnt sich also durchaus, größere Mengen an Waren hinter seinem Sichtschirm anzusammeln. Hin und wieder werdet ihr aber wohl nicht umhinkommen, Warenbündel wieder zu verkaufen. Spätestens wenn euch das Gold ausgeht, müsst ihr dann doch mal als Verkäufer aktiv werden, um auf dem Markt handlungsfähig zu bleiben. Ihr müsst also schon ein wenig taktisch vorgehen, um einen guten Zeitpunkt abzupassen.

Der Herrscher hat gesprochen

Im Stoffbeutel befinden sich nicht nur Warenplättchen. Unter die Waren haben sich auch ein paar Sonderplättchen geschummelt, die sogenannten Niederlassungen. Sobald jemand von euch eine Niederlassung aus dem Beutel zieht, wird eine Auktion um das Plättchen abgehalten. Der Spieler, der das meiste Gold für das Plättchen bietet, erhält den Zuschlag. Am Spielende erhaltet ihr für ersteigerte Niederlassungen zusätzliches Gold. Gezählt werden die unterschiedlichen Niederlassungsarten einer Farbe. Auch hier ist der Anstieg wieder progressiv gestaltet. Für zwei verschiedene Niederlassungen einer Farbe gibt es 15 Goldmünzen, bei drei Niederlassungen gibt es 30 Münzen, während ihr bei vieren schon 50 Goldmünzen als Bonus erhaltet. Zusätzlich wird Gold für Mehrheiten ausgeschüttet. Habt ihr die meisten Niederlassungen einer Art gesammelt, bekommt ihr 30 Münzen extra, für den zweiten Platz gibt es immerhin noch 15 Gold. Alle anderen Spieler gehen leer aus.

Ebenso im Stoffbeutel befinden sich noch die zwölf Herrscherplättchen. Sie werden auf den dafür vorgesehenen Feldern am Spielfeldrand abgelegt. Das Spiel endet, sobald alle zwölf Herrscher aus dem Beutel gezogen worden sind. Jeder ausgelegte Herrscher führt weiterhin eine Sofortaktion aus, die alle Spieler betrifft. Einige Herrscher belohnen den Besitz von Niederlassungen mit barer Münze, andere fordern Steuern von euch ein oder eignen sich eines eurer Warenplättchen an.

Sonderkarten mit Bedacht einsetzen

Ein wenig zusätzliche Würze erhält das Spiel mit den sechs Sonderkarten, die jeder Spieler zu Beginn erhält. Jede Karte lässt sich allerdings nur ein einziges Mal im Spielverlauf einsetzen. Darunter befinden sich drei Liquiditätskarten. Ihr könnt eine dieser Karten ablegen, um sofort einen Betrag zwischen 10 und 20 Gold zu erhalten. Allerdings bringt euch jede unbenutzte Karte am Spielende 30 zusätzliche Goldstücke ein. Eine weitere Karte erlaubt es euch, jederzeit ein Warenbündel zu verkaufen, selbst wenn ihr nicht am Zug seid. Dies kann nützlich sein, wenn ihr auf eine Niederlassung bieten möchtet. Mit der fünften Karte dürft ihr hingegen während eures Zuges gleich zwei Waren einkaufen. Mit der sechsten und letzten Karte erhaltet ihr eine am Fluss ausliegende Ware umsonst.

Für eine Partie müsst ihr ungefähr eine Stunde Spielzeit einkalkulieren. Das Ende tritt ein, sobald alle zwölf Herrscherplättchen aus dem Beutel gezogen wurden. Anschließend wird das Gold gezählt und die Boni für Niederlassungen und nicht gespielte Liquiditätskarten hinzuaddiert. Am Ende dürft ihr auch noch alle verbliebenen Waren verkaufen. Der reichste Spieler hat schließlich gewonnen. Das Spiel kostet rund 25€ und ist bei Piatnik erschienen.

Pros

Cons

Fazit

Mit Yangtze hat Piatnik ein strategisches Brettspiel veröffentlicht, das mit seinen einfachen Regeln auch Spieleneulinge ins Boot holt. Das Spielprinzip sollte schnell verstanden sein. Umso schöner, dass Yangtze trotzdem die Gehirnzellen auf Vordermann bringt. Es gibt einige Faktoren, die ihr in eure Überlegungen mit einbeziehen müsst. Der Zeitpunkt des Verkaufs eines Warenbündels spielt dabei eine besonders wichtige Rolle. Ähnlich verhält es sich mit dem Kauf einer Ware. Manchmal kann sich selbst der Kauf einer teuren Ware richtig auszahlen. Mit den Niederlassungen kommt ein weiterer Aspekt hinzu, der für den Sieg möglicherweise ausschlaggebend ist. Yangtze dürfte vor allem bei Spielern Anklang finden, die den direkten (in strategischen Brettspielen oftmals militärischen) Konflikt nicht ganz so gerne ausleben. In Yangtze geht es friedlich zu und die Konflikte werden eher indirekt ausgetragen. Spielmechanisch bietet das Spiel dafür allerdings wenig Neues. Den ganz großen Clou sucht ihr bei Yangtze vergeblich. Es vereint bekannt Spielprinzipien, die jedoch auf eine angenehme Art und Weise mit einander verzahnt sind.

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