Test: Zooloretto Duell

  • VonSebastian Hamers
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Auf der SPIEL in Essen war zu erkennen, das die Verlage zunehmend an ihren starken Marken festhalten und diese weiter ausbauen. Als Videospieler kennen wir das natürlich. Publisher wie Activision oder Electronic Arts bringen schon seit Ewigkeiten ihre Call-of-Duty-Spiele oder FIFAs im Jahrestakt in den Handel. Die Verkaufszahlen geben ihnen Recht. Warum sollten also nicht auch die Brettspiel-Verlage vermehrt auf diese Strategie setzen? Folgerichtig gibt es in diesem Jahr auch wieder ein neues Zooloretto von Abacusspiele. Zooloretto Duell ist die Variante für zwei Spieler. Damit folgt der Verlag gleich einem zweiten wichtigen Trend. Zwei-Spieler-Titel sind weiterhin angesagt und erfreuen sich großer Beliebtheit.

Als Zooloretto zum Spiel des Jahres 2007 gekürt wurde, bildete es nur den Auftakt zu einer ganzen Serie von erfolgreichen Brettspielen. Um das Spiel entwickelte sich eine richtige Fanszene, die jedes Jahr zu den großen Messen auf die Jagd nach den begehrten Promo-Karten ging, die der Verlag an die Spieler austeilte. Die geringe Einstiegshürde, verbunden mit einer dennoch ordentlichen Spieltiefe, gepaart mit den immensen Erweiterungsmöglichkeiten bilden die Grundsäulen des Erfolgs der Reihe.

Tierisch erfolgreich

Es dürfte wohl kaum überraschen, dass Autor Michael Schacht die Grundtugenden auch in der Duell-Variante des Spiel verwendet. Als Direktor eines kleinen Zoos versucht ihr den schönsten Tierpark aufzubauen und den Konkurrenten abzuschütteln. Dreh- und Angelpunkt sind dabei natürlich die Tiere. Zooloretto Duell kennt sechs verschiedene Tierarten: Gorillas, Bisons, Antilopen, Bären, Tiger und Hyänen.

Als Direktor versucht ihr jeweils das größte Gehege einer Tierart zu besitzen, denn das gibt euch Siegpunkte. Doch auch die Verkaufsbuden, die eure Besucher mit Eis, Bretzeln und Getränken versorgen, sind von Bedeutung. Sie geben euch ebenso Siegpunkte, füllen aber auch eure Zookasse wieder auf.

Tiertransporte für den Zoo

Bevor ihr mit dem Spiel beginnt, müsst ihr zunächst die Gehege aufstellen. Es handelt sich dabei um kleine Pappmarker, die ihr in einer Reihe aneinander puzzeln könnt. An diese Reihe legt ihr im Spielverlauf eure Tierkarten an. Auf den Streifen findet ihr für jede Tierhart ein Gehege, insgesamt also sechs Stück pro Spieler. Jeder baut seine Tiere an seine Seite der Reihe an. So habt ihr immer gut im Blick, wer von euch mehr Tiere einer Art besitzt. Ganz am Ende der Reihe mit den Gehegen befindet sich noch ein Ablageplatz für die Verkaufsstände.

Dann mischt ihr alle Tier- sowie die Verkaufsstände-Karten zusammen, die nun euren Nachziehstapel bilden. Weiterhin braucht ihr noch die Transportwagen für die Tiere. Sie liefern euch die Tiere oder auch eine Verkaufsbude zum Zoo. Seid ihr am Zug, müsst ihr genau eine von drei möglichen Aktionen durchführen.

Am häufigsten werdet ihr eine Karte vom verdeckten Nachziehstapel ziehen und sie an einen der drei Transportwagen anlegen. Zwei Wagen können maximal zwei Karten ziehen, am dritten Wagen darf nur eine Karte angelegt werden. Ist kein Platz mehr frei, könnt ihr diese Aktion nicht mehr ausführen und ihr müsst euch für eine andere Möglichkeit entscheiden.

Die Sorgen eines Zoodirektors

Zum Beispiel könnt ihr euch dazu entscheiden, einen Transportwagen auszuwählen und ihn zu eurem eigenen Zoo zu schicken. Alle Karten, die dort anliegen, müsst ihr nun in eurem Zoo verbauen. Jedes Tier kommt in das passende Gehege und die Verkaufsstände landen an ihrem Platz am Ende der Reihe. Wählt ihr diese Aktion, ist eure Runde dann allerdings sofort zu Ende und eurer Gegner hat freie Bahn. Er darf mit seinen Zügen solange fortfahren, bis er sich ebenfalls dazu entschließt, sich von einem Transportwagen beliefern zu lassen.

Auf diese Art und Weise füllen sich die Gehege nun langsam. Es ist daher nun an der Zeit, sich die Tiergehege einmal etwas genauer zu betrachten. Auf jedem Gehege befindet sich eine Ziffer. Sobald beide Spieler zusammen so viele Tiere einer Art besitzen, wie es der Zahl auf dem Streifen in der Mitte entspricht, wird eine Zwischenwertung ausgelöst. Um bei den Gorillas eine solche Wertung auszulösen, müssen beide Spieler insgesamt drei Gorillas in ihren Gehegen untergebracht haben. Bei den Tigern sind es sechs, bei den Hyänen müsst ihr gemeinsam sogar schon acht Tiere gesammelt haben.

Auf die Größe kommt es an

Habt ihr zu diesem Zeitpunkt mehr Tiere diese Art als der Gegenspielern, so entscheidet ihr die Zwischenwertung für euch und ihr nehmt einen Wertungsmarker, der euch Siegpunkte und manchmal auch etwas Geld einbringt. Bei einigen Tierarten kann es vorkommen, dass ihr zum Zeitpunkt der Wertung über gleich viele Tier verfügt. In diesem Fall wird die Wertung vertagt und mit dem nächsten neuen Tier vergeben.

Im weiteren Spielverlauf kann die Mehrheit natürlich noch an den anderen Spieler übergehen, der Wertungsmarker wechselt dann jedoch nicht mehr den Besitzer. Eine Zwischenwertung gibt es auch bei den Verkaufsständen. Das Deck enthält Buden in den vier Farben rot, grün, blau und gelb. Habt ihr zuerst Stände in allen vier Farben gesammelt, geht die Wertung an euch und ihr dürft ebenfalls einen Wertungsmarker ziehen.

Stress unter Tieren

Je größer eure Tierpark wird, desto mehr Probleme ergeben sich aber auch mit den Tieren. Hin und wieder erlebt man als Zoodirektor aber auch ein schönes Ereignis. Diese Ereignisse ergeben sich durch das Sammeln von Symbolen, die sich auf einem Teil der Tierkarten befinden. Wenn sich in einem Gehege nur ein Symbol einer Sorte befindet, passiert zunächst gar nichts. Zum Ereignis kommt es erst, wenn sich das zweite Symbol hinzugesellt.

Zwei Tier mit einem Blitz vertragen sich nicht zusammen. Das ist für euch als Direktor unerfreulich, denn ihr bekommt damit einen Minuspunkt. Schöner ist da schon das Herz-Symbol. Zwei Tiere bekommen Nachwuchs, ihr nehmt die Karte mit dem Babytier und legt es in das passende Gehege. Als drittes und letztes Symbol gibt es noch das Quadrat. Es bringt dem Zoo eine Spende. Dazu nehmt ihr euch den Ablagestapel, den ihr nun nach einer beliebigen Karte durchsucht. Die gewählte Karte legt ihr sofort in euren Zoo. Dabei kann es sich um ein Tier oder einen Verkaufsstand handeln.

Beim weiteren Ausbau des Zoos solltet ihr jetzt allerdings darauf achten, nicht noch ein drittes Symbol einer Art in einem Gehege zu bekommen. Das Tier mit dem dritten Zeichen legt ihr nicht in den Zoo an, sondern es kommt auf den Ablagestapel und bekommt stattdessen einen Minuspunkt.

Verkaufsbuden sorgen für Einnahmen

Auf diese Art kann sich der Ablagestapel vergrößern, von dem ihr im Falle einer Spende eine Karte wählen könnt. Er wächst aber ohnehin jede Runde weiter an. Alle Karten, die sich an dem nicht gewählten Transportwagen befinden, werden am Rundenende ablegt und verstärken somit die Ablage. Dadurch habt ihr eigentlich immer genug Auswahlmöglichkeiten.

Eine wichtige Rolle spielen natürlich auch die Verkaufsstände, die sich unter die Tierkarten gemischt haben. Sie können euch nicht nur Siegpunkte einbringen, sondern auch wertvolle Einnahmen. Für den Geldfluss sind die Symbole auf diesen Karten verantwortlich. Wie schon bei den Tierkarten werden diese aber erst wirksam, sobald zwei gleiche Symbole ausliegen. Wie bereits erwähnt versorgen die Buden eure Kunden mit Eis, Bretzeln und Getränken. Sobald ihr zwei Stände einer Art besitzt, erhaltet ihr ein Geldstück. Stellt aber nicht zu viele gleiche Stände auf. Habt ihr drei Buden einer Art aufgestellt, gibt es ebenso wieder einen Minuspunkt.

Das Ende wird eingeläutet

Mit genügend Geld dürft ihr jetzt auch noch eine dritte Aktion ausführen. Wenn ihr zwei Geldstücke investiert, könnt ihr mit einem Schlag alle gesammelten Minuspunkte wieder loswerden. Alternativ gebt ihr zwei Geldstücke aus, um ein Tier des Gegners abzuwerben. Damit könnt ihr dem Gegenspieler ein Tier klauen und es einfach bei euch selbst anlegen.

Damit wären die drei Aktionsmöglichkeiten von Zooloretto Duell auch schon erklärt und wir können das Ende des Spiels langsam einläuten. Dieses kann entweder über die Tierkarten oder aber über die Wertungsmarker eingeleitet werden. Befinden sich nur noch fünf Tierkarten im Nachziehstapel, dann spielt ihr nun nur noch die Runde zu Ende. Das Spielende durch die Wertungsmarker funktioniert ganz ähnlich. Im unteren Drittel des Wertungsmarkerstapels findet ihr ein Plättchen, das anzeigt, das nun die letzte Runde stattfindet. Jetzt ist es also an der Zeit, die letzten Tiere zu legen und eventuell noch ein paar Geldstücke klug zu investieren.

Am Ende der Runde wird nochmal eine Abschlusswertung durchgeführt. Erneut wird geprüft, wer die meisten Tiere einer Art besitzt. Für jede Mehrheit gibt es jetzt nochmal einen Siegpunkt. Extrapunkte gibt es auch noch für verbleibendes Geld. Für zwei Geldstücke erhaltet ihr einen weiteren Siegpunkt hinzu.

Eine Partie sollte nicht viel länger als zwanzig Minuten dauern. Damit fällt Zooloretto Duell in die Kategorie „kurz und knackig“. Das Spiel solltet ihr ab sofort auch im Handel finden. Dort ist es für etwa 15-18€ zu haben.

Pros

Cons

Fazit

Die einfachen Regeln von Zooloretto Duell täuschen ein wenig darüber hinweg, dass euch das Spiel doch ein paar gründliche Überlegungen abverlangt. Eine Schwierigkeit besteht darin, dass ihr ein Tier, dass ihr gerade gut gebrauchen könnt, zwar an einen Transportwagen anlegen, nicht aber direkt in euren Zoo bringen könnt. Mit etwas Pech schnappt euch der andere Zoodirektor den Fang gleich vor der Nase weg. Spannend ist das Spiel auch insbesondere durch den Zugzwang. Ihr könnt nicht einfach auf eine Aktion verzichten, sondern müsst zwingend aktiv werden. Dadurch müsst ihr auch manchmal Dinge in Kauf nehmen, auf die ihr lieber verzichtet hättet. Im Spiel müsst ihr so einige Faktoren im Auge behalten. Die Zahl der Symbole auf den Tierkarten, die Farben der Verkaufsbuden und natürlich auch die Mehrheitenverteilungen in den einzelnen Gehegen wirken sich auf das Spiel aus. Zudem könnt mit dem nötigen Kleingeld auch noch so einiges anstellen. Umso erfreulicher ist da, dass die Einstiegshürde so gering ist. Die Regeln habt ihr in wenigen Minuten erklärt und auch das lästige Nachschlagen in der Anleitung bleibt euch erspart. Zooloretto Duell ist ein schnelles Spiel für Zwei, das eine gute Mischung aus Zugänglichkeit und Spieltiefe bietet.

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