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Strategisches Kräftemessen in der Toskana

The Castles of Tuscanny im Test: So spielt sich der neue Feld 

  • vonSebastian Hamers
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Als Landesfürsten ringt ihr in der schönen Toskana um Ruhm und Ehre. The Castles of Tuscanny versprüht mehr als nur einen Hauch von dolce Vita.

Im Als Autor ist Stefan Feld seit etlichen Jahren ein fester Bestandteil der Brettspielwelt. Fans anspruchsvoller Strategiespiele warten in jedem Jahr auf den neuen großen Feld-Titel. In diesem Jahr weht das Feld-Banner wieder unter der Schirmherrschaft von Ravensburger. Für den Verlag aus dem tiefen Süden war der Brettspiel-Designer schon mehrfach aktiv. Zu Beginn seiner Schaffenszeit als Brettspielautor veröffentlichte Ravensburger gleich ein halbes Dutzend seiner Spiele und auch in den Folgejahren arbeiteten beide Seiten mehrfach sehr erfolgreich zusammen. Die Erfolgsaussichten für 2020 stehen ebenfalls ziemlich gut. Viele Brettspielkenner sind schon heiß wie Frittenfett und können die Veröffentlichung von The Castles of Tuscanny kaum erwarten. Es ist wohl vor allem die spielerische Verwandtschaft zu einem echten Highlight aus dem Feld-Programm, das viele Spieler aufhorchen lässt. Die Burgen von Burgund hat sich zurecht einen Status als moderner Klassiker erarbeitet. Kann The Castles of Tuscanny in die großen Fußstapfen von Die Burgen von Burgund treten?

Der Schauplatz des Spiels wurde aus Frankreich verlegt und in die italienische Toskana verfrachtet. Zeitlich bewegt ihr euch im 17. Jahrhundert, wo ihr als Landesfürsten versucht, euren Einfluss in der Region zu mehren. Dazu errichtet ihr Dörfer und Städte, sorgt für eine florierende Landwirtschaft und bietet den beheimateten Mönchen eine Unterkunft im Kloster. Die Liste mit den anstehenden Aufgaben ist lang und am liebsten würdet ihr überall in der Region mit dem Ausbau der Infrastruktur beginnen. Doch umsonst ist nur der Tod und eure Mittel sind begrenzt, es müssen also Abstriche gemacht werden. Manchmal ergibt sich eine günstige Gelegenheit für den Bau eines Steinbruchs, mal bietet sich gerade die Erschließung eines neuen Dorfes an. Jeder noch so tüchtige Geschäftsmann braucht eben auch ein wenig Glück.

Castello als Zentrum der Macht in The Castles of Tuscanny

Bei The Castles of Tuscanny werden die Territorien klar abgesteckt. Jeder von euch erhält einen eigenen Spielplan, den ihr im Spielverlauf bewirtschaftet. Eure Machtausdehnung beginnt beim Castello, eurem Wohnsitz mitten in der schönen Toskana. Die Landschaft ist so bunt wie ein herbstlicher Blätterwald. Jede Region ist für einen bestimmte Art des Ausbaus vorgesehen. Ihr dürft eure Städte, Klöster, Gutshöfe und all die anderen Plättchen nicht einfach so in die Landschaft setzen, sondern müsst sie auf die davor vorgesehenen Regionen platzieren.

In The Castles of Tuscanny entstehen blühende Landschaften. Jeder Spieler bewirtschaftet dabei eine eigene Auslage.

Ein weiteres Problem stellt die Reichweite dar. Bei Spielbeginn lassen sich nur die Felder rings um euer Castello bewirtschaften. Je weiter ich euch mit der Infrastruktur ausdehnt, desto größer werden die eigenen Möglichkeiten. Mit den Limitierungen geht es allerdings noch einen Schritt weiter. Es bedarf eben nicht nur einer geeigneten Region in Sichtnähe. Der gewünschte Ausbau muss außerdem noch auf dem freien Markt verfügbar sein. Dieser besteht immer aus genau acht Plättchen. Wollt ihr also ein Dorf, ein Fuhrwerk, einen Steinbruch oder etwas anderes in eure Landschaft legen, müsst ihr euch zunächst das passende Plättchen sichern und hoffen, dass es euch kein anderer Spieler vor der Nase wegschnappt.

Ressourcenmanagement in The Castles of Tuscanny

Das reine Sichern eines Plättchens kostet euch zunächst nichts. Sobald ihr das Gebäude jedoch in eure Landschaft legt, müssen die Kosten dafür entrichtet werden. Als Bezahlung werden Handkarten fällig, die ebenfalls in vielfältiger Art verfügbar sind. Jede Karte steht für einen Gebäudetyp. Wollt ihr ein Dorf auslegen, kostet euch das zwei Dorf-Karten. Für das Spielen eines Koster werden logischerweise zwei Kloster-Karten abgelegt. Neben den Plättchen und dem passenden Baugrund müsst ihr also auch noch die richtigen Karten auf der Hand haben. Zum Glück dürfen aber auch zwei andere Handkarten des gleichen Typs als Joker abgelegt werden. Das ist zwar teuer, kann sich aber dennoch lohnen, damit der Ausbau eures Landstrichs Fahrt aufnimmt. Ansonsten rauschen die Mitspieler punktemäßig schon bald an euch vorbei.

Als Landesfürsten kämpft ihr immer um die besten Plättchen auf dem offenen Markt.

Zeit ist Geld in The Castles of Tuscanny. Ihr solltet also jeden Zug so effektiv wie möglich nutzen. Seid ihr an der Reihe, stehen euch drei Optionen zur Verfügung. Erste Möglichkeit: ihr stockt eure Handkarten auf. In diesem Zug zieht ihr zwei Karten vom Nachziehstapel und fügt sie der Hand zu. Mit der zweiten Option reserviert ihr euch ein Gebäudeplättchen vom Markt und legt es auf eurem Spielertableau ab. Als dritte und auch schon letzte Möglichkeit legt ihr ein bereits reserviertes Plättchen in die eigene Landschaft. Die Züge laufen in The Castles of Tuscanny ruckzuck ab. Meist dauert es nur wenige Sekunden bis der Staffelstab schon an den nächsten Spieler weitergereicht wird. So entsteht ein angenehmer Spielfluss, bei dem lange Wartezeiten kaum auftreten.

Jede Region bringt euch bei The Castles of Tuscanny besondere Vorteile

Im Spielverlauf legt ihr so nun ein Plättchen nach dem anderen aus und freut euch über das Wachstum eurer Toskana-Region. Für euch als Landesfürsten soll aber natürlich etwas herausspringen. Wie in so vielen anderen Brettspielen, jagt ihr auch in The Castles of Tuscanny nach Siegpunkten. Diese gibt es für jedes erschlossenes Gebiet. Oft wird die Erschließung schon durch das Legen eines einzigen Plättchens abgeschlossen. Doch manchmal finden sich auf eurer Karte auch zusammenhängende Regionen wieder, für die zwei oder gar drei Plättchen der gleichen Art ausgelegt werden müssen. Die Mehrarbeit zahlt sich rasch aus, denn für größere erschlossene Areale gibt es natürlich auch mehr Siegpunkte.

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Allerdings bringt euch jedes ausgelegte Plättchen nach vorne, da ihr sofort einen Bonus erhaltet. Der Bau eines weiteren Castellos lässt euch ein Gratis-Plättchen aus der Auslage nehmen und es direkt auf dem Spielplan platzieren. Errichtet ihr einen Gutshof, dürft ihr euch über ein Joker-Plättchen freuen, das sich stellvertretend für alle anderen Plättchen verwenden lässt. Wird ein neues Dorf besiedelt, erhaltet ihr hingegen einen Arbeiter. Dieser hat ebenfalls eine Joker-Funktion und kann statt einer beliebigen Handkarte abgelegt werden. Frische Handkarten erhaltet ihr beim Bau eines Klosters und das Fuhrwerk lässt euch eine Ertragskarte ziehen, die euch einen zufälligen Bonus einbringt.

Mächtige Boni durch den Stadtbau in The Castles of Tuscanny

Sehr hilfreich ist auch der Bau eines Steinbruchs, für den ihr einen Marmorblock erhaltet. Legt ihr einen Marmorstein ab, dürft ihr direkt eine zusätzliche Aktion durchführen. Der vielleicht mächtigste Plättchen-Typ ist die Stadt. Sobald eine Stadt in eurer Landschaft entsteht, dürft ihr euch ein beliebiges Bonuskärtchen nehmen. Dieses gewährt euch einen Vorteil für den restlichen Spielverlauf. Je nach gewählten Kärtchen, springt ein anderer Vorteil für euch heraus. Ziemlich hilfreich ist beispielsweise der Kartenbonus. Ab sofort dürft ihr euch jetzt eine Spielkarte mehr nehmen, wenn ihr euch für die Aktion „Karten nachziehen“ entscheidet.

Mit dem Spielertableau haltet ihr euren eigenen Fortschritt auf dem Stand.

Durch die Vorteilskärtchen könnt ihr jedoch auch zusätzliche Arbeiter, Marmortafeln oder Ertragskarten erhalten. Direkte Siegpunkte gibt es außerdem über den Vorteil des zusätzlichen Ablagefelds. Die Siegpunkte heimst ihr direkt ein, dürft ab sofort aber ein weiteres Plättchen vom Markt auf eurem Spielertableau zwischenlagern. So sichert ihr euch das ein oder andere Plättchen, das ihr im Moment zwar noch gar nicht auslegen könnt, euch im weiteren Spiel aber noch von Nutzen sein könnte.

In The Castles of Tuscanny fängt der frühe Vogel den Wurm

Letztlich sind alle Vorteile aber nur Mittel zum Zweck. Am Ende des Spiels gewinnt der Spieler mit den meisten Siegpunkten. Diese erarbeitet ihr euch zum einen durch das Erschließen von Gebieten, zum anderen durch die Punktevergaben aus den Zwischenwertungen. Im Spiel werden insgesamt drei Wertungsphasen durchgeführt. Kommt es zu einer Wertung, wird der aktuelle Punktestand auf den Gesamtscore übertragen. Der Clou dabei: der Stand mit der aktuellen Punktzahl wird nicht wieder auf null gesetzt. Habt ihr euch in der ersten Runde also einen satten Vorsprung erarbeitet, geht ihr auch mit einem klaren Vorteil in die nächste Wertungsphase. The Castles of Tuscanny hat somit einen Anti-Gummiband-Effekt, der führende Spieler zusätzlich belohnt.

Setzt ihr Fuhrwerke in die Landschaft, dürft ihr euch eine Ertragskarte nehmen, die euch einen zufälligen Bonus einbringt.

Das Ende der Partie solltet ihr, je nach Zahl der Mitspieler, in 45-60 Minuten erreicht haben. The Castles of Tuscanny ist für zwei bis vier Spieler ab zehn Jahren geeignet. Das Spiel erscheint über Alea und Ravensburger und ist ab sofort im Handel für etwa 40€ zu haben.

Fazit: Der geschmeidige Spielablauf beschert The Castles of Tuscanny eine Testwertung von 8.0

The Castles of Tuscanny im Test: So gut schneidet das neue Spiel von Stefan Feld ab.

Die Messlatte liegt für The Castles of Tuscanny ziemlich hoch. Wer sich eine Weiterentwicklung von Die Burgen von Burgund erhofft hatte, wird möglicherweise etwas enttäuscht. Losgelöst davon betrachtet ist der neue Feld aber ein tolles Spiel. Das Spiel ist taktisch etwas weniger anspruchsvoll, setzt dafür stärker auf einen flüssigen Spielablauf. Jeder Spielzug ist im Normallfall binnen weniger Sekunden abgehandelt, so dass die Züge sehr geschmeidig durchrotieren. Langweilige Momente kennt The Castles of Tuscanny nicht. Frustmomente können hingegen durchaus auftauchen. Das liegt vor allem an dem lästigen Anti-Gummiband-Effekt, der weit hinten liegende Spieler zusätzlich abstraft und ihnen kaum noch eine Chance lässt, wieder an die Mitspieler aufzuschließen. Nicht selten steht bereits früh fest, wer die Partie am Ende gewinnen wird. Ein kleiner Makel, über den ich gerne hinwegsehe. The Castles of Tuscanny will nicht das tiefschürfende Strategie-Monster sein, sondern besticht vielmehr durch seine Zugänglichkeit und die schnelle Abfolge von Aktionen. Wer die Partie weniger verbissen angeht und sich vom tollen Spielgefühl mitreißen lässt, wird mit The Castles of Tuscanny sicher sehr viel Freude haben. Ich spiele es jedenfalls gerne wieder…

ProsCons
+ Regeln schnell erklärt- Sieger steht manchmal schon frühzeitig fest
+ kaum Wartezeiten durch flüssigen Spielablauf
+ fein verzahnte Spielmechaniken
+ motivierendes Belohnungssystem

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