The Few and Cursed Cowboy Wilder Westen
+
The Few and Cursed erscheint über GrimSpire und kostet rund 65€.

Mit The Few and Cursed in den Wilden Westen

The Few and Cursed im Test: Für eine Handvoll Verdammte

  • vonSebastian Hamers
    schließen

The Few and Cursed kann zwar mit Wild-West-Flair punkten, spielt tatsächlich aber in einer postapokalyptischen Welt, in der die Ozeane vertrocknet sind.

  • Wild-West-Atmopshäre
  • kooperativ und kompetitiv spielbar
  • mit Solomodus
  • postapokalyptisches Szenario

High-Fantasy? Science-Fiction? Postnukleare Endzeit? Pah! Die richtig hart gesottenen Ladies und Gentlemen tummeln sich immer noch im Wilden Westen. The Few and Cursed treibt es mit seiner lebensfeindlichen Umgebung allerdings auf die Spitze. Der Schauplatz des Spiels wurde direkt in den Pazifischen Ozean verlegt. Nur das Wasser… nun ja… das ist eben nicht mehr da. The Few and Cursed spielt eben nicht wirklich in der Blütezeit des Wilden Westens, sondern in einer postapokalyptischen Welt, in der die Ozeane vertrocknet sind und Wasser somit überall Mangelware ist. Ohne das Lebenselixier Wasser kam auch der technologische Fortschritt der Menschheit zum Erliegen. Jetzt steht den Überlebenden kein modernes  Equipment mehr zur Verfügung, stattdessen müssen sie auf Hilfsmittel zurückgreifen, wie man sie im 19. Jahrhundert verwendete, in der Zeit des Wilden Westens. Yieehaa!

Wenn ihr das Spielbrett von The Few and Cursed vor euch ausbreitet, erhaltet ihr direkt ein Gefühl von der epischen Weite des vertrockneten Pazifischen Ozeans. Das Teil ist wirklich riesig und nimmt auf eurem Spieltisch ordentlich Platz ein. Glücklicherweise passt ein Großteil des weiteren Spielmaterials ebenfalls noch mit auf das Spielbrett. Dazu zählen vor allem haufenweise Karten in unterschiedlichen Formaten, die den Kern des Spiels bilden. Abseits des Wüstenspielplans liegen nur noch die Charaktertableaus der Spieler, mit denen der Status der eigenen Spielfigur auf dem aktuellen Stand gehalten wird. Im Spielverlauf wird das Tableau noch ein wenig erweitert, etwa wenn der Charakter neue Ausrüstungsgegenstände erbeutet. Ziemlich viel Material benötigt ziemlich viel Platz auf dem Tisch. Aber hey, darauf steht ihr doch, oder?

Die Reise mit The Few and Cursed startet in San Andreas

Vor Spielbeginn entscheidet ihr euch für einen von insgesamt vier Charakteren. Jeder von ihnen verfügt nicht nur über eine besondere Spezialfähigkeit, sondern auch über ein gesondertes Kartendeck, das die Aktionsmöglichkeiten des Charakters darstellt. Erfreulich: die Protagonisten spielen sich schon recht unterschiedlich. Der hinterlistige Jebediah knöpft seinen Rivalen die lukrativsten Jobs ab, Redhead hat sich auf das Eintreiben von Kopfgeldern spezialisiert, der stinkreiche Maecenas verfügt über scheinbar unerschöpfliche Ressourcen, während sich Annabelle immer besonders trickreich vor Überfällen anderer Überlebender in Sicherheit bringt. Im Verlauf des Spiels werdet ihr eure Charaktere laufend gezielt individualisieren und ihnen durch neue Karten zusätzliche Möglichkeiten verleihen.

The Few and Cursed zeigt euch den vertrockneten Pazifischen Ozean.

Zunächst beginnt die Reise durch die Wüstenwelt in dem kleinen Städtchen San Andreas, das sich ziemlich zentral auf der Karte befindet. Es ist zugleich auch der einzige Ort, der euch zumindest ansatzweise so etwas wie eine Zivilisation bietet. Hier findet ihr einen schmucken Store, in dem immer vier mehr oder weniger hilfreiche Ausrüstungsgegenstände zum Verkauf stehen. Bezahlt wird allerdings nicht in Dollar oder Euro, sondern in Wasservorräten. Legt ihr euch ein Pferd oder ein Winchester-Gewehr zu, müsst ihr euch also mit deutlich weniger Wasserreserven in die Wüste begeben. Die Investition kann sich jedoch rasch auszahlen. Ein gut ausgerüsteter Cowboy bewegt sich schneller durch die Wüste, kann mehr Munition lagern und mit dem richtigen Schießeisen gewinnt er auch an Durchschlagskraft im Kampf.

Die Auftragslage in The Few and Cursed checken

In San Andreas besucht ihr außerdem das Anschlagbrett, das euch einige Jobangebote zeigt. Diese Aufträge sind eine gute Möglichkeit, um finanziell wieder etwas flüssiger (haha!) zu werden. Einige Jobs sind schnell erledigt. Ihr könnt beispielsweise für eine gewisse Zeit als Landarbeiter tätig sein, kassiert den Lohn und setzt eure Reise durch die Prärie später fort. Um den Auftrag zu erfüllen, müsst ihr lediglich Bewegungspunkte ausgeben. Dies geschieht ganz einfach durch das Ausspielen der passenden Karten von der Hand. Seid ihr in San Andreas als Leibwächter aktiv, müsst ihr euch hingegen etwas weniger bewegen. Dafür ist allerdings der Einsatz von Waffengewalt gefordert. Mit Hilfe der Handkarten generiert ihr etwas Bewegung und sorgt auf dem gleichen Weg noch für die nötigen Angriffspunkte.

In The Few and Cursed wertet ihr euren Charakter mit neuen Goodies aus.

Das wesentliche Spielprinzip von The Few and Cursed zeigt sich somit bereits in San Andreas. Die meisten Aktionen im Spiel fordern die Ausgabe von bestimmten Ressourcen, wie Bewegungs- und Angriffspunkte, Wasser oder Munition. Diese Ressourcen entfernt ihr entweder von eurem Charaktertableau oder spielt sie in Form von Karten aus. Die Karte „Sprint“ bringt euch beispielsweise zwei Bewegungspunkte ein, während euch ein „Aufwärtshaken“ zwei Punkte auf Angriff beschert.

The Few and Cursed schickt euch in die Wüste

Wollt ihr zur lebenden Western-Legende werden, müsst ihr die Sicherheit von San Andreas jedoch schon bald verlassen. In der Wüste warten windige Desperados auf euch, an denen ihr nur zu gerne ein Exempel statuieren wollt. Zudem macht das Gerücht die Runde, dass in den Weiten der Prärie ein paar seltsame Kreaturen aufgetaucht sind, gefährliche Mutationen von Tier und Mensch, die den vertrockneten Ozean unsicher machen. Ebenso wird von Artefakten von großer Macht berichtet, die sich an verfluchten Orten befinden sollen. Es gibt also viel zu tun in The Few and Cursed.

Einige Gegner in The Few and Cursed spawnen ständig neu.

Um in der Wüste von einem Ort zum anderen zu gelangen, werden erneut Kosten in Form von Bewegungspunkte fällig. Ihr legt also die passenden Karten ab, um euch fortzubewegen. Einige Routen bergen zudem ein gewisses Gefahrenpotential. Um sie zu passieren werden zusätzliche Angriffspunkte fällig, da es hier zu einem kleineren Scharmützel kommen kann. Über einigen Strecken scheint zudem ein Fluch zu liegen. Sie erhöhen euren Fluchwert um einen Punkt. Reitet ihr zu häufig entlang dieser Strecken, ist eure Spielfigur irgendwann verflucht, was deutliche Auswirkungen auf die Charaktergestaltung hat.

Verfluchte Charaktere in The Few and Cursed

Die Cowgirls und Cowboys verändern durch den Fluch ihre Kampfeigenschaften und müssen zudem einen nicht unerheblichen Nachteil in Kauf nehmen. Sie benötigen beispielsweise mehr Wasser oder können sich etwas langsamer bewegen. So ein Fluch ist schon ziemlich lästig. Zum Glück gibt es einige Wege, um das Fluchlevel wieder zu senken und den Charakter wieder in einen gesunden Zustand zu versetzen.

Diese vier Kreaturen stellen in The Few and Cursed eine besondere Bedrohung dar.

Die Wüste in The Few and Cursed ist eine kleine Sandbox, in der ihr euch recht frei austoben dürft. Ihr bewegt euch frei durch die Landschaft, um an den verschiedenen Orten Aktionen durchzuführen. Die Kopfgeldjagd ist beispielsweise eine gute Möglichkeit, um Siegpunkte zu generieren und obendrein noch eine Belohnung einzuheimsen. Es gibt vier Standard-Gegner, die dauerhaft verfügbar sind. Dazu gehört etwa die berüchtigte Talbot-Bande, die ständig neu spawnen und somit in Dauerschleife bekämpft werden können. Alle anderen Feinde in der Wüste sind nur in limitierter Stückzahl vorhanden. Im Spielverlauf arbeitet ihr euch durch die Stapel mit den Spezialfeinden und stoßt letztlich auf die bereits erwähnten Wüsten-Kreaturen. Bei ihnen handelt es sich um besonders mächtige Gegner. Schaltet ihr eines dieser Monster aus, kommt ihr dem Legenden-Status schon einen großen Schritt näher. Um einen Gegner zu besiegen, müsst ihr einen ausreichenden Vorrat an Angriffspunkten ausspielen. Ergänzend dazu dürft ihr den Munitionsvorrat auf dem Spielertableau reduzieren, um zusätzliche Angriffspunkt zu generieren.

Zufallsbegegnungen in The Few and Cursed

Steht es um die verfügbaren Angriffspunkte gerade schlecht, könnt ihr auch eine Begegnungskarte ziehen und abhandeln. Je nachdem, an welchem Ort sich eure Spielfigur gerade befindet, tritt ein anderes Ereignis ein. Durch die Begegnungskarten kommt ein erzählerisches Element ins Spiel. Die kleinen Storyhäppchen sorgen allerdings nicht nur für etwas Wild-West-Flair, sondern stellen euch auch immer vor eine Entscheidung mit spieltechnischen Auswirkungen.

Nehmt ihr die weite Reise zu den Außenbezirken des vertrockneten Ozeans auf euch, krallt ihr euch am besten eines der mächtigen Artefakte. Die Artefaktkarten können genau wie andere Karten ausgespielt werden, haben allerdings deutlich mächtigere Effekte. Der lange Marsch kann sich also schnell lohnen. Auf den Wegen werden sich sicherlich auch mal die Routen der Spieler kreuzen. Stehen die Charaktere von zwei Spielern auf dem gleichen Feld, könnt ihr einen Überfall wagen. Die Nachteile des ausgeraubten Spielers halten sich mit dem Verlust von einem Lebensenergiepunkt allerdings in Grenzen, somit bleibt das Konfliktpotential von The Few and Cursed recht gering.

Bei The Few and Cursed kehrt ihr immer wieder nach San Andreas zurück

Neigt sich der Nachziehstapel des eigenen Kartendecks dem Ende entgegen, ist es nun vielleicht Zeit, ein Lager aufzuschlagen. Das gesamte Deck wird durch diese Aktion gemischt und als neuer Nachziehstapel für die nächsten Runden bereitgestellt. Alternativ könnt ihr auf das Aufschlagen eines Lagers auch verzichten und den Nachziehstapel komplett zu Ende spielen. In diesem Fall wird euer Charakter allerdings umgehend zurück nach San Andreas versetzt. In manchen Spielsituationen kann dies natürlich ein echter Vorteil sein. Befindet ihr euch aber gerade auf einer langen Reise zu einem der Außenbezirke, kommt ihr um das Camping wohl nicht herum.

Die Charakterwerte werden in The Few and Cursed über ein eigenes Tableau verwaltet.

Am Ende einer Runde dürft ihr verbleibende Handkarten abwerfen oder auch behalten. Eure Hand wird dann immer auf vier Karten aufgefüllt. Zu Beginn der nächsten Runde wird euer Deck mit einer neuen Karte erweitert. Dazu zieht ihr zwei Verbesserungskarten, von denen ihr eine auswählt und auf die Hand nehmt. Im Spielverlauf könnt ihr so den Charakter ein stückweit selbst gestalten. Sehr motivierend!

Bedrohung durch Monster in The Few and Cursed

Die nächsten 60-90 Minuten seid ihr damit beschäftigt, euren Charakter schrittweise aufzuwerten und natürlich möglichst viele Siegpunkte zu sammeln. Spätestens wenn die Monster in die Spielwelt gelangen, bahnt sich das Ende des Spiels an. In jeder Runde bewegen sich die Monster ein Feld auf San Andreas zu. Hat es den Weg dorthin überlebt, endet die Partie sofort. Das Spielende wird ebenfalls eingeleitet, wenn drei der vier Monster vernichtet oder sämtliche Artefakte geborgen wurden. In der Endabrechnung addiert ihr zu den bereits gesammelten Siegpunkten nur noch etwaige Boni durch geborgene Artefakte und zieht euch Punkte für angenommene, aber nicht erledigte Jobs ab. Der Spieler mit den meisten Siegpunkten wird zur Western-Legende gekürt.

In The Few and Cursed könnt ihr euren Charakter stetig verbessern und individualisieren.

The Few and Cursed kommt über GrimSpire in den Handel und ist für ein bis vier Spieler ab dreizehn Jahren geeignet. Ihr könnt die Partie alternativ im Solo-Modus oder in einer kooperativen Abwandlung spielen. Preislich müsst ihr mit etwa 65€ rechnen.

Fazit: Das Wild-West Abenteuer The Few and Cursed hat sich diese Testwertung verdient

ProCon
+ tolle Wild-West-Atmosphäre- Überfälle im kompetitiven Spiel nur bedingt sinnvoll
+ kooperativ und kompetitiv spielbar
+ mit Solo-Modus
+ lässt dem Spieler viele Freiheiten
+ unterschiedliche Charaktere
The Few and Cursed: Mit Wild-West-Charme schafft es das Spiel auf diese Wertung

The Few and Cursed ist ein weiteres gutes Beispiel dafür, dass Brettspiele sehr wohl eine dichte Atmosphäre und einen hohen Immersionsgrad erzeugen können. Das Wild-West-Gefühl stellt sich ab der ersten Minute ein und das obwohl The Few and Cursed gar nicht im 19. Jahrhundert angesiedelt ist. Die postapokalyptische Welt wirkt bedrohlich, lädt aber dennoch zu langen Spaziergängen durch die Wüste ein. Das Spiel ist wie ein riesiger Sandkasten, in denen ihr euch frei austoben dürft und euch für vielfältige Aktionsmöglichkeiten entscheiden könnt. So lang und weit der vertrocknete Ozean auch ist, in den endlosen Weiten ist immer was los. Durch die stimmungsvollen Texte auf den Begegnungskarten wirkt die Welt von The Few and Cursed sehr lebendig. Weiterhin hat mir die Weiterentwicklung meines Charakters sehr viel Spaß gemacht. Mit jeder Runde gewinnt die eigene Spielfigur an Potential, was sich sehr motivierend auf den weiteren Spielverlauf auswirkt. Da sich die vier Charaktere doch recht unterschiedlich spielen, macht es sehr viel Freude mit den verschiedenen Ansätzen herumzuexperimentieren. Gleiches trifft auch auf die drei Spielmodi zu, die The Few and Cursed zu bieten hat. Im Solomodus macht das Brettspiel eine ebenso gute Figur wie als Koop-Kampagne.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Meistgelesen

Vampire: Die Maskerade - Vendetta im Test: Wer wird der neue Prinz von Chicago?
Vampire: Die Maskerade - Vendetta im Test: Wer wird der neue Prinz von Chicago?
Vampire: Die Maskerade - Vendetta im Test: Wer wird der neue Prinz von Chicago?
Test: Pandoria
Test: Pandoria
Test: Pandoria
Test: Sid Meier's Civilization - Das Brettspiel
Test: Sid Meier's Civilization - Das Brettspiel
Test: Sid Meier's Civilization - Das Brettspiel

Kommentare