In Token Economy erwerbt ihr diverse Vermögensgegenstände, die ihr über die Börse tokenisieren könnt.
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In Token Economy erwerbt ihr diverse Vermögensgegenstände, die ihr über die Börse tokenisieren könnt.

Mehr als nur Monopoly?

Token Economy in der Vorschau: Das Brettspiel um Blockchain und Kryptowährungen

  • vonSebastian Hamers
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Über ein Crowdfunding möchten drei Schweizer Finanzexperten ein Brettspiel mit ungewöhnlichem Thema finanzieren.

Video- und Brettspieler kennen das Problem gleichermaßen. Bestimmte Themen sind in der Welt der Spiele bereits so ausgelutscht, dass man sie schon fast nicht mehr sehen kann. Mittelalter? Gähn… Fantasy? Nicht schon wieder! Wie leben in einer Zeit, in der alleine in der Herbstsaison locker eine vierstellige Zahl neuer Brettspiele erscheint. Bei einem derartigen Brettspiele-Overkill ist es für die Spielemacher gar nicht mehr so einfach, ein unverbrauchtes Szenario für das eigene Werk zu finden. Ein Brettspiel mit dem Thema „Blockchain und Kryptowährung“ dürfte aber wohl sicherlich in diese Kategorie fallen. Drei Kreativköpfe aus Zürich mit jahrelanger Berufserfahrung im Bankensektor wollen nun ihre Expertise nutzen, um das nicht ganz leichte Thema spielerisch zu aufzuarbeiten. Bislang existieren von ihrem Spiel Token Economy lediglich ein paar Prototypen. Geht es nach den Finanzexperten soll ihr Projekt aber schon bald in Serie gehen. Über die Crowdfundingplattform wemakeit könnt ihr mithelfen, dieses ungewöhnliche Spiel aus der Taufe zu heben.

Auf das Grundprinzip heruntergebrochen spielt sich Token Economy ganz ähnlich wie der gute alte Klassiker Monopoly. Bevor ihr den Artikel an dieser Stelle gleich wieder wegklickt, es gibt auch einige erhebliche Unterschiede, die dem Spiel ein einzigartiges Spielgefühl verleihen sollen. Zunächst aber weiter mit den Parallelen. In Token Economy dreht sich alles rund ums Geld, das hier natürlich in Schweizer Franken ausgegeben wird. Per Würfelwurf bewegt ihr eure Spielfigur über das Spielbrett und habt anschließende die Möglichkeit, die besuchten Felder zu erwerben.

Ist Token Economy mehr als ein Monopoly?

Was passiert, wenn ihr mit eurer Figur ein Feld besucht, das bereits einen anderen Besitzer hat? Na klar, in diesem Fall werdet ihr erstmal zur Kasse gebeten. Ganz wie beim kapitalistischen Monopoly. Statt der Schlossallee oder der Münchner Straße dürft ihr bei Token Economy allerdings ganz andere Transaktionen abschließen. Im Spiel kommt das Musikarchiv von Italo Records genauso unter den Hammer wie Wertpapier-Depots, die Rechte an Open-Air-Festivals und selbst Spielertransfers des FC Zürich sind vor eurem Investitionsdrang nicht sicher. Das nötige Kleingeld vorausgesetzt, könnt ihr euch die Lizenzen an zahlreichen attraktiven und realen Marken sichern.

Die Vorfälle auf den Ereigniskarten orientieren sich stark am realen Geschehen in der Finanzwelt.

Mit einmal erworbenen Rechten könnt ihr später Handel treiben und Wertanteile veräußern. Dies ist allerdings erst möglich, wenn die erste Börse im Spiel eröffnet hat. Zwei Börsen, eine in Zürich und eine in Vaduz, können von euch ebenso erworben werden wie die anderen Vermögensgegenstände. Börsen nehmen eine Sonderrolle in Token Economy ein. Von ihnen könnt ihr zwar keine Anteile verticken, allerdings erhaltet ihr immer eine Transaktionsgebühr, wenn Tokens über eure Börse vermittelt werden.

Kryptowährungen in Token Economy

Sobald die erste Börse eröffnet hat, könnt ihr euch Anteile an Vermögensgegenständen anderer Spieler sichern. Ihr bezahlt den angegebenen Ausgabepreis an den Besitzer und schon erhaltet ihr eine Dividende, wenn eure Investition Gewinne abwirft. Durch taktisch kluge Käufe häufen sich auf eurem Konto dadurch immer mehr Schweizer Franken an. Die Kohle wandert aber natürlich nicht auf eurem Sparbuch, sondern wird am besten direkt wieder reinvestiert.

In Token Economy erwerbt ihr diverse Vermögensgegenstände, die ihr über die Börse tokenisieren könnt.

Dazu bieten sich vor allem die zahlreichen Kryptowährungen an, die ihr in Token Economy erwerben könnt. Die Handelsphase wird ausgelöst, sobald eine Figur das Kursfeld betritt. Jeder Spieler darf nun verschiedene Kryptowährungen erwerben oder abstoßen. Wer die Kurswerte der diversen Internetwährungen ein wenig verfolgt, weiß um die starken Schwankungen des digitalen Geldes. Der aktuelle Wert der Kryptowährungen wird durch das Aufdecken einer Kurskarte ermittelt. Geschickte Investoren kaufen zu einem günstigen Kurs und hoffen im Spielverlauf auf eine deutliche Wertsteigerung. Verzocken könnt ihr euch dabei aber natürlich auch, keine Investition ist ganz ohne Risiko.

Interview mit den Machern von Token Economy

Wie ihr seht, weißt Token Economy einige Parallelen zum klassischen Monopoly auf. Allerdings verspricht das Handeln mit Tokens und den Kryptowährungen eine Portion mehr Taktik und vor allem mehr Interaktivität unter den Spielern. Eins muss man Token Economy aber auf jeden Fall lassen: das Thema des Spiels ist frisch und unverbraucht. Wir haben mit Felix Saible, einem der Köpfe hinter dem Projekt, über sein neues Spiel gesprochen. Im Gespräch erklärt Felix, wie die Idee zu Token Economy entstanden ist und woher seine Begeisterung für dieses ungewöhnliche Thema kommt.

ingame: Bei Token Economy handelt es sich um ein Brettspiel mit dem ungewöhnlichen Thema Kryptowährungen. Warum habt ihr euch für so ein spezielles Setting entscheiden?

Felix Saible: Dominik und ich kommen aus der Finanzbranche (arbeiten bei derselben Bank) und sehen täglich Kunden und Mitarbeiter, die zu Finanzthemen keinen Zugang finden bzw. sich schwertun dranzubleiben. Unsere Bank war dabei zufälligerweise Pionier im Bereich Blockchain-Banking (Konten für Blockchain-Firmen, Kryptohandel im regulierten Umfeld, Finanzprodukte (z.B. Zertifikate auf Kryptobasis), Tokenisierung von Assets, Stablecoins usw.), damit sind wir recht früh mit dem Thema in Verbindung gekommen. Ich war letztes Jahr bei einer Weiterbildung zum Thema Blockchain und dann dabei erlebt, dass sogar den meisten Fachleuten komplett der Zugang zum Thema fehlt – da war die Idee zu TOKEN ECONOMY geboren. Allein schon, weil ich sehr neugierig bin, gern bastele und mir dann vorgenommen habe, ein Brettspiel zu entwerfen, um den Leuten einen spielerischen Lerneffekt zu ermöglichen. Dominik und Loraine habe ich dann kurze Zeit später ins Boot geholt.

ingame: Hattet ihr zu einem Zeitpunkt der Entwicklung mal Bedenken, dass viele Spieler das Thema abschrecken könnte, sie es als langweilig oder gar als Arbeit empfinden würden?

Felix Saible: Am Anfang hatten wir da tatsächlich große Bedenken – vor allem, weil wir ehrlich gesagt selber aus dem Banking kommen und alle Klischees über uns kennen. Wir waren sogar lange der Meinung, dass wir sowas im Crowdfunding (z.B. im Video) gar nicht erwähnen dürfen, weil wir sonst bei allen untendurch wären. Wir haben uns schlussendlich aber für die direkte und ehrliche Variante entschieden! Einerseits, weil unser Spiel ja auf einer Erfahrung aufbaut, die wir irgendwo herhaben müssen – andererseits weil wir diesen Sommer mit vielen Spielern gesprochen haben. Das möchte ich kurz mit einem Erlebnis untermauern. Eine Game Night haben für Kenner im neuen Spielemuseum Gameorama in Luzern organisiert. Die haben unser Spiel natürlich bis ins Detail auseinandergenommen und unfassbar wertvollen Input geliefert und da habe ich sie (als Banker) gefragt, ob sie die Thematik an sich ranlassen würden bzw. ob sie das ansprechend fänden. Die Antwort war: Weißt du, ob wir uns in eine Fantasywelt eindenken oder in Finance spielt für uns keine Rolle, wenn das Spiel gut gemacht ist und funktioniert – beide Welten sind für uns neu. Das hat uns sehr viel Motivation gegeben!

Drei Finanzexperten aus der Schweiz haben sich für ihr erstes Spiel ein ausgefallenes Thema überlegt.

ingame: Wie seht ihr die Zukunft der Kryptowährungen, nachdem der ganz große Hype um den Bitcoin in der öffentlichen Wahrnehmung wieder abgeklungen ist? Lohnt es sich überhaupt noch, sich spielerisch damit auseinanderzusetzen?

Felix Saible: Blockchain Finance ist noch recht neu (und komplex), das Thema wird aber in den kommenden Jahren immer mehr bei Endkunden landen – darum lohnt es sich definitiv (immer noch) das Ganze spielerisch darzustellen. So können sich Leute im privaten Umfeld der Thematik nähern, haben die wichtigsten Begriffe schon mal gehört, erlernen das Prinzip der Tokenisierung und erfahren weitere nützliche Facts aus dem beiliegenden Booklet, das auch die Geschichte von Blockchain und ihren Anwendungen in der Schweiz und Liechtenstein aufzeigt. An dieser Stelle möchte ich gern erwähnen, dass wir völlig unabhängig von der Bank agieren – das ist uns sehr wichtig. Es ist vollständig unsere Idee und wir möchten damit zur Aufklärung bzw. ein wenig zur Finanzbildung beitragen und vielleicht dafür sorgen, dass sich Menschen für solche Themen begeistern können und sie nicht vor sich herschieben. Du hast Recht, der Hype um Bitcoin ist vorbei bzw. verlagert sich langsam hin zu professionellen Kunden (Institutionelle) und wird in der Öffentlichkeit nicht mehr so stark wahrgenommen. Hinzu kommt, dass es insgesamt (aber da gehen die Meinungen weit auseinander und es ist auch schlecht nachprüfbar) weltweit wahrscheinlich bis zu 10000 verschiedene Kryptowährungen gibt mittlerweile. Die absolute Mehrheit davon hat sicher keine Zukunft – und das ist meine private Meinung – aber einige wenige werden überleben und sich als Anlage etablieren (z.B. Bitcoin). Was aber viel wichtiger ist als Kryptos, sind die anderen Finanzanwendungen der Blockchain, so z.B. die Tokenisierung oder Finanzprodukte wie Fonds/Zertifikate/Finanzierungsprodukte auf Blockchainbasis. Hier entwickeln sich mehr und mehr seriöse Anbieter, die ihre Services verstärkt anbieten werden – auch große Banken steigen zaghaft in das Geschäft mit ein. Das ist noch kein Breitenmarkt wie ein Girokonto, aber es wird kommen.

ingame: Wie nah bewegt sich euer Spiel am realen Geschehen?

Felix Saible: TOKEN ECONOMY vereinfacht auf jeden Fall die Prozesse, die hinter der Tokenisierung stehen – anders wäre das gar nicht möglich. Wir haben das Prinzip in einen unterhaltsamen Narrativ verpackt, dem die Leute folgen können. Natürlich muss man sich im Spiel beim Tokenisieren nicht mit technischen Layern, einem Netzwerkprotokoll, der Programmierung oder dem Gesellschaftsrecht auseinandersetzen, aber die Ausgabe von Tokens, der Emissionspreis, Dividendenzahlungen oder Handelsgebühren sowie auch die Vorfälle auf unseren Ereigniskarten bilden 1:1 die Realität ab. Ebenso natürlich der Handel mit Kryptowährungen (bei uns gibt es halt nur 5 Währungen anstatt 8000) und sogar unser Spielfeld, welches ausschließlich reale Orte und Dinge aus der Schweiz und Lichtenstein enthält, weil wir eben aus dieser Region kommen bzw. dort arbeiten. Eine deutsche Version ist aber schon angedacht!

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