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Underwater Cities erscheint über Pegasusspiele und kostet rund 50€.

Underwater Cities bietet Aufbaustrategie im Stil von Sim City

Underwater Cities im Test: Das Brettspiel mit BioShock-Flair

  • vonSebastian Hamers
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Über Pegasusspiele kommt jetzt die deutsche Version von Underwater Cities in den Handel. Im Brettspiel baut ihr eine Stadt unter Wasser auf.

  • für 1-4 Spieler ab 12 Jahren geeignet
  • Spieldauer: 80-150 Minuten
  • Autor: Vladimir Suchy
  • Verlag: Pegasusspiele
  • Preis: cs. 50€

„Hat der Mensch nicht ein Anrecht auf das, was er im Schweiße seines Angesichts geschaffen hat? - ‚Nein‘ sagt der Mann in Washington. ‚Es gehört den Armen.‘ - ‚Nein‘ sagt der Mann im Vatikan. ‚Es gehört Gott.‘ - ‚Nein‘ sagt der Mann in Moskau. ‚Es gehört allen.‘ - Ich lehne diese Antworten ab.“ - Andrew Ryan (Gründer von Rapture)

Mit dieser Motivation schuf der Industrielle Andrew Ryan die atemberaubende Unterwasser-Dystopie Rapture, in der er die Regeln nach seinen eigenen Vorstellungen formte. Ganz so weit geht ihr in Underwater Cities, dem neuen Brettspiel von Pegasusspiele zwar nicht, teilt sich mit dem modernen Videospielklassiker BioShock allerdings das Faszinosum des Aufbaus einer Unterwasser-Metropole. Ihr steigt an einer Stelle ins Spiel ein, als das Leben unter Wasser bereits recht weit fortgeschritten ist. Die erste Stadt wurde schon erfolgreich auf dem Meeresboden gegründet. Jetzt geht es an den weiteren Ausbau der neuen Welt.

Underwater Cities meets BioShock

Der Grund für die Umsiedelung der Menschen sind keine egoistischen Motive, sondern der immer knapper werdende Lebensraum auf einer übervölkerten Erde. Entsprechend lastet großer Druck auf euch, den potentiellen Neubürgern eine gute Alternative zu ihrem oberirdischen Leben zu bieten. Leichter gesagt als getan, die Besiedelung der Meere bringt so manche Tücken mit sich. Ihr müsst strategisch klug agieren, damit aus eurer Unterwasserwelt kein Dystopia wie Rapture entsteht.

Auf dem allgemeinen Spielplan von Underwater Cities könnt ihr mit 16 Aktionsfeldern interagieren.

In Underwater Cities bebaut jeder Spieler seinen eigenen Meeresboden-Abschnitt. Dabei entstehen neue Städte, Produktionsstätten und Tunnelverbindungen. Obwohl ihr eure Mitspieler nicht unmittelbar beim Aufbau der Welt behindern könnt, ist der Interaktionsgrad ziemlich hoch. Das liegt vor allem an dem gemeinsamen Pool von Aktionen, an denen ihr euch im Spielverlauf bedient. Das Spiel bietet euch zwar ziemlich viele Handlungsoptionen, doch auch diesen sind Grenzen gesetzt.

Viel Interaktion in Underwater Cities

Neben den persönlichen Tableaus, auf dem sich im Spielverlauf die Städte samt Infrastruktur erstrecken werden, gibt es noch ein großes gemeinsames Spielfeld. Hier finden sich vor allem die insgesamt fünfzehn Aktionsfelder wieder, mit denen ihr den Ausbau eurer Städte vorantreibt. Jedes Aktionsfeld kann pro Runde nur von einem Spieler beansprucht werden. Wenn weg, dann weg! Es erwartet euch also ein Hauen und Stechen um die vermeintlich wertvollsten Felder. Wie effektiv ein Feld tatsächlich ist, hängt allerdings von diversen Gegebenheiten ab, was die Sache natürlich besonders spannend gestaltet.

In Underwater Cities dürft ihr zusätzliche Karten für Credits erwerben.

Alle Aktionsfelder werden am Rundenende ohnehin nicht okkupiert sein, da ihr nur je drei Aktionen durchführen könnt. Die fünfzehn Aktionen sind weiterhin in die drei Farbbereiche rot, grün und gelb unterteilt. Die Farbe einer Aktion ist bei der Auswahl ein wichtiges Kriterium. Wenn ihr euch für eine Aktion entscheidet, besetzt ihr das Feld nicht nur mit einem persönlichen Marker, sondern spielt gleichzeitig noch eine Karte von der Hand. Auf diesen findet ihr nun ebenfalls die drei Aktionsfarben wieder. Nach Möglichkeit versucht ihr jetzt eine Handkarte auszuwählen, die eine gleiche Farbe aufweist wie die gewählte Aktion.

Ressourcen-Jonglage in Underwater Cities

Klingt erstmal gar nicht so schwierig. Da ihr allerdings immer nur aus gerade einmal drei Handkarten wählen dürft, müsst ihr öfter mal ein paar Abstriche machen. Ohnehin fließen etliche Faktoren in eure Entscheidungsfindung mit ein. Die gelben Aktionsplätze etwa sind besonders mächtig. Dafür haben die dazugehörigen gelben Karten die geringste Durchschlagskraft. Bei den grünen Aktionsorten ist es genau anders herum. Grüne Karten sind sehr wertvoll, ihre Macht wird jedoch durch die verhältnismäßig schwachen Aktionsplätze abgedämpft.

In Underwater Cities wird das Kartendeck zweimal komplett ausgetauscht.

Wie wertvoll eine Aktion ist, lässt sich allerdings ohnehin nur anhand der aktuellen Situation auf dem Spielfeld beziffern. Im Spielverlauf hantiert ihr mit diversen Ressourcen, mit denen ihr den Ausbau eurer Gebäude und Infrastrukturen weiter nach vorne bringt. Tang, Stahlplastik, Wissenschaft, Biomasse und Credits sind die verschiedenen Währungen mit denen ihr in Underwater Cities jonglieren müsst. Ohne ausreichend Ressourcen bleibt der Meeresboden ziemlich leer.

Städte wachsen und gedeihen in Underwater Cities

Damit der Asphaltdschungel unter Wasser blüht und gedeiht, sammelt ihr die nötigen Baustoffe und wählt nun die passende Aktion, die hoffentlich noch von keinem Konkurrenten besetzt wurde. Erbaut werden insbesondere weitere Städte, die euch am Spielende Siegpunkte einbringen. Das Zupflastern des Ozeanbodens reicht allerdings nicht aus, um Underwater Cities zu meistern. Da die Einwohner die Städte nicht einfach so zu Fuß erreichen können, müsst ihr sie durch Tunnel miteinander verbinden. Stück für Stück entsteht so ein beeindruckendes Unterwasser-Netzwerk.

Bei Underwater Cities sind die Aktionsplätze begrenzt. Diese Aktion hat schon der schwarze Spieler belegt.

Zu den Städten gesellen sich dann hoffentlich schnell auch noch ein paar weitere Gebäude. Farmen, Entsalzungsanlagen und Labore machen eure Welt zunehmend autark und versorgen euch mit wichtigen Ressourcen. Alle Gebäude lassen sich zudem noch einmal upgraden, was die Produktion zusätzlich nach oben schraubt. Errichtet ihr gleich mehrere aufgewertete Gebäude des gleichen Typs in einer Stadt, gibt es sogar noch einen Extra-Produktionsbonus. In der Schlusswertung ist hingegen eher Diversität gefragt. Je mehr unterschiedliche Gebäudetypen ihr ringsum eine Stadt erbaut, desto größer fällt eure Belohnung in Siegpunkten aus. Das macht die Entscheidung über den Ausbau nicht gerade einfacher.

Sprudelnde Produktionsanlagen in Underwater Cities

Zur Geltung kommen die Vorteile von Städten und Produktionsanlagen allerdings sowieso erst, wenn ihr sie in das eigene Netzwerk integriert habt. Ihr müsst also fleißig Tunnel bauen, um tatsächlich von eurem Fortschritt profitieren zu können. Erst wenn der Anschluss an die Startstadt gewährleistet ist, können die Ressourcen sprudeln. Ausgeschüttet werden diese in den Produktionsphasen, die in regelmäßigen Abständen durchgeführt werden. Habt ihr eure Unterwasser-Welt klug ausgebaut, erwartet euch jetzt ein warmer Ressourcen-Regen, den ihr für die taktische Reinvestition nutzt.

Auf dem persönlichen Spielplan erstellt ihr in Underwater Cities euer eigenes Städtenetzwerk.

Im Anschluss an die Produktionsphase wird das komplette Kartendeck durch ein neues ersetzt. Insgesamt werden in Underwater Cities drei Stapel mit jeweils rund 60 Spielkarten verwendet. Für genügend Varianz im Spielverlauf ist damit bestens gesorgt. Selbst nach etlichen Partien ergeben sich so immer wieder neue Möglichkeiten und taktische Varianten. Damit aber nicht genug. Das Spiel hat noch einen weiteren Kartensatz zu bieten. Auf dem Spielfeld befindet sich eine Auslage mit Karten, die ihr – das nötige Kleingeld vorausgesetzt - an euch nehmen könnt.

Underwater Cities fordert gutes Timing

Gekaufte Karten lassen sich prinzipiell genauso einsetzen wie alle anderen Karten auch. Sie entfalten ihre Wirkung nur, wenn ihr sie mit einer farblich passenden Aktion einsetzt. Einige Karten lösen einen sofortigen Einmaleffekt aus, andere Karten bleiben euch hingegen dauerhaft erhalten. Ihr Effekt kann in Kraft treten, wenn bestimmte Ereignisse im Spiel eintreten. Andere dauerhafte Karten müssen erst durch Aktionsfelder oder andere Karten aktiviert werden. Ein paar Karten haben zudem Auswirkungen auf die Produktionsphase oder die Schlusswertung. Wie ihr seht, beim Ausspielen der Karten gibt es einiges zu beachten.

Rund um die Städte in Underwater Cities errichtet ihr eure Produktionsstätten.

Vor allem gutes Timing ist in Underwater Cities gefragt. Die Kombination von Aktionsplätzen und Aktionskarten sorgt dafür, dass ihr häufig gleich mehrere Aktionen durchführen könnt. Geht es um die Reihenfolge, in der ihr diese abhandelt, werden euch viele Freiheiten gewährt. Meist schwimmt ihr nicht gerade in Ressourcen, so dass der gesamte Stadthaushalt ziemlich auf Kante genäht ist. Reiht ihr die Aktionen aber geschickt aneinander, dann entstehen dennoch oft mächtige Kombinationen, die sich gegenseitig befruchten. Wenn sich der Spielzug wie passende Puzzleteile zusammenfügen, entsteht schon ein sehr erhabenes und befriedigendes Gefühl.

Underwater Cities mit ordentlicher Spieldauer

Im Spiel durchlauft ihr insgesamt zehn Runden mit jeweils drei Aktionen, die durch drei Produktionsphasen unterbrochen werden. Am Ende folgt noch die Schlusswertung, bei der ihr Siegpunkte für den Bau eurer Städte, sowie für verbleibende Ressourcen und etwaige gesammelte Schlusswertungskarten erhaltet. Die Spieldauer hängt stark von der Zahl der teilnehmenden Personen ab. Pro Spieler solltet ihr rund vierzig Minuten Spielzeit einkalkulieren.

Die Übersichtskarte von Underwater Cities sieht auf den ersten Blick erschlagend aus.

Underwater Cities ist für ein bis vier Spieler ab vierzehn Jahren geeignet und kommt über Pegasusspiele in den deutschsprachigen Handel. Dort findet ihr das Spiel ab sofort zum Preis von rund 50€.

Fazit: Das anspruchsvolle Expertenspiel schafft es qualitätsmäßig in die BioShock-Liga und kann sich über diese ingame-Wertung freuen

Das anspruchsvolle Expertenspiel schafft es qualitätsmäßig in die BioShock-Liga und kann sich über diese ingame-Wertung freuen.

Underwater Cities ist ein Städte-Aufbauspiel mit sehr vielen Möglichkeiten. Sechzehn Aktionsplätze, dazu unzählige Aktionskarten sorgen für eine reichhalte Handlungsvielfalt für Städtebauer. Zunächst ist es da gar nicht so leicht, den nötigen Überblick zu behalten. Wer nicht gerade regelmäßig schon vor dem Frühstück Strategie-Schwergewichte wie Twilight Imperium oder Eclipse verdrückt, könnte sich beim Anblick des Spielmaterials vielleicht etwas überfordert fühlen. Doch nur Mut, sind die ersten Berührungsängste erst einmal abgebaut, werdet ihr die Komplexität dieses Spiels sicher zu schätzen wissen. Es gibt reichlich zu tun. Das Aufbauen der Städte nimmt natürlich eine zentrale Position in euren Überlegungen ein. Doch ein gut ausgebauter Meeresboden hilft euch wenig, wenn ihr die einzelnen Orte nicht miteinander verbunden habt. Ein Netzwerk aus Tunneln muss also her. Am besten schließt ihr dabei auch gleich noch die Metropolen auf dem Festland an, die euch weitere Vorteile verschaffen. Spielmechanisch ist gerade die Mischung aus Aktionsplätzen und -karten besonders interessant. Oft entsteht durch diese Kombination eine Verkettung von Handlungsmöglichkeiten. Für diese Aktion bekomme ich das, damit komplettiere ich jenes Element, um schließlich folgendes zu erreichen. In solchen Momenten stellt sich ein Gefühl der Zufriedenheit ein. Es ist doch eben immer wieder schön, wenn ein Plan funktioniert. Pläne können von den Mitspielern allerdings auch schnell durchkreuzt werden. Manchmal schnappt euch ein Spieler den gewünschten Aktionsplatz vor der Nase weg und ihr müsst eure gesamte Strategie noch einmal überdenken. In Underwater Cities fordert von euch auf jeden Fall ein hohes Maß an Flexibilität. Das führt allerdings auch oft dazu, dass ihr viel Zeit in spontane Planung investieren müsst. Das macht die Züge der einzelnen Spieler manchmal recht langwierig. Die Gefahr, jeden Zug zu zerdenken, ist schon recht hoch. Partien mit der maximalen Zahl von Mitspielern können sich so schon ein wenig in die Länge ziehen. Underwater Cities ist eben ein komplexes Strategiespiel, das eine gewisse Zeit einfordert. Echte Strategen lassen sich davon aber natürlich nicht abschrecken. Ein Strategie-Epos wie Total War oder Age of Empires wird schließlich auch nicht in einer halben Stunde abgefrühstückt.

ProCon
+ spielt sich sehr gut mit 2 Personen- Qualität des Spielmaterials eher durchschnittlich
+ unverbrauchtes Thema
+ große Spieltiefe
+ mächtige Spielkombis machen Laune
+ mit Solo-Modus
+ fordert viel Flexibilität von der Spielern

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