Vampire: Die Maskerade - Vendetta verkürzt die Wartezeit auf Bloodlines 2

Vampire: Die Maskerade - Vendetta im Test: Wer wird der neue Prinz von Chicago?

  • vonSebastian Hamers
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Ihr wartet schon sehnsüchtig auf den Release von Bloodlines 2? Dann könnte euch Vampire: Die Maskerade - Vendetta die Wartezeit versüßen.

Vampire: Die Maskerade - Vendetta erscheint über HeidelBÄR Games und kostet etwa 30€.
  • für 2-6 Spieler ab 14 Jahren geeignet
  • 7 spielbare Vampirclans
  • Spieldauer: 30-45 Minuten
  • Preis: ca. 30€

Bei Vampire: The Masquerade dürfte es wohl bei vielen von euch klingen. Das Projekt startete bereits in den frühen 90er Jahren als Pen-and-Paper-Rollenspiel, ist aber inzwischen längst auch auf andere Medien übergeschwappt. Viele Videospieler warten derzeit sehnsüchtig auf den Release von Vampire: The Masquerade - Bloodlines 2, das noch in diesem Jahr für PC, Xbox und die PlayStation erscheinen soll. Etwas weiter sind da schon die Brettspiel-Adaptionen der Reihe. Vampire: Die Maskerade – Vendetta des italienischen Verlags Horrible Guild erhielt kürzlich eine deutsche Version, die über HeidelBÄR Games im Handel erscheint. Das Brettspiel greift viele Elemente des Pen-and-Paper-Originals auf und ist damit ein potentieller Kandidat, um die Wartezeit auf Bloodlines 2 zu verkürzen.

Vampire: Die Maskerade – Vendetta beweist Nähe zum Pen-and-Paper-Vorbild

Wer einmal in die Welt von Vampire: The Masquerade eingetaucht ist, weiß die dichte Atmosphäre zu schätzen, die sowohl das Rollenspiel-Original als auch die Videospiel-Umsetzungen verströmen. Als Szenario wurde eine veränderte Gegenwart gewählt, in denen die Vampire bis in die Jetzt-Zeit überlebt haben. Sie agieren versteckt im Untergrund und sind stets bemüht, von der Welt der Lebenden nicht entdeckt zu werden. Die Maskerade muss um jeden Preis aufrechterhalten werden, darin sind sich die Kainskinder einig. Von einer harmonischen Vampirgemeinde kann aber, trotz der gemeinsamen Aufgabe, keine Rede sein. Die untoten Blutsauger haben sich in rivalisierenden Clans organisiert, die sich untereinander spinnefeind sind.

Bei Vampire: Die Maskerade - Vendetta müsst ihr euch für einen von sieben Vampirclans entscheiden.

Ihr übernehmt in Vampire: Die Maskerade – Vendetta die Kontrolle über einen dieser Vampirclans in der amerikanischen Metropole Chicago. Zur Auswahl stehen euch insgesamt sieben unterschiedliche Clans: Brujah, Gangrel, Malkavianer, Nosferatu, Toreador, Tremere und Ventrue. Die Clans unterscheiden sich nicht nur optisch voneinander, sondern werden mit einem eigenen Kartendeck ausgestattet. Dank des spezifischen Kartenmaterials werden die Stärken und Schwächen der einzelnen Clans gut herausgearbeitet. Kenner der Maskerade-Saga werden sicherlich schnell Parallelen zu anderen Vampire-Spielen feststellen.

Vampire: Die Maskerade – Vendetta sucht den neuen Prinzen von Chicago

Als Clan-Oberhaupt habt ihr in Vampire: Die Maskerade – Vendetta euer Ziel klar vor Augen. Ihr wollt euch zum neuen Prinzen von Chicago aufschwingen. Damit euch die anderen Clans als Prinz akzeptieren, müsst ihr allerdings einen beeindruckenden Beweis eurer Macht abliefern. In drei Spielrunden versucht ihr daher möglichst viele Verbündete auf eure Seite zu ziehen. Dazu können sowohl Vampire als auch Menschen gehören, die sich treu eurem Clan verschrieben haben. Eure Anhängerschaft versorgt euch in jeder Runde mit frischem Blut, verfügt teilweise über mächtige Sonderfertigkeiten und bringt euch obendrein noch Einflusspunkte ein, die am Ende über den Spielsieg entscheiden. Sie schließen sich eurem Bündnis jedoch erst an, wenn ihr als siegreicher Clan aus einem Konflikt unter Vampiren hervorgeht.

Bei Vampire: Die Maskerade - Vendetta kämpft ihr um Verbündete in vier Stadtteilen von Chicago.

Das Spielfeld wird durch vier Orte dargestellt. An jedem Ort wartet ein potentieller Verbündeter darauf, sich eurem Bündnis anzuschließen. Im Spielverlauf werdet ihr nun Clankarten an die verschiedenen Orte ausspielen, um eure Macht an diesem Punkt der Stadt zu steigern. Am Ende der Runde wird sich der Verbündete dem Clan anschließen, der an seinem Ort die meisten Machtpunkte ausgespielt hat. Doch bis dahin ist es noch ein langer Weg, gespickt mit Lug, Trug und Verrat. Denn Vampire agieren am liebsten im Dunkeln und lassen sich nur ungerne in ihre Karten gucken. Jeder Clan hat seine eigenen Tricks auf Lager, die für so manche Überraschung sorgen.

Lug und Trug in Vampire: Die Maskerade – Vendetta

Jede Clankarte verfügt über den Machtwert hinaus über eine Sonderfertigkeit. Je nach Kartentyp wird der Effekt zu einem anderen Zeitpunkt ausgelöst. Einige Karten werden vorzeitig aktiviert und verändern die Situation, noch bevor es zum eigentlichen Konflikt der Vampire kommt. Es gibt jedoch auch Karten, die ihren Effekt erst auslösen, wenn der Sieger des Kampfs bereits feststeht. Sie machen den etwaigen Verlust eines Konflikts möglicherweise etwas erträglicher oder hemmen das Erfolgserlebnis des überlegenen Clans. Die ausgelösten Karteneffekte werden auf jeden Fall deutliche Auswirkungen auf den weiteren Spielverlauf haben.

Menschen, Vampire und Opfer schließen sich eurem Bund in Vampire: Die Maskerade - Vendetta an.

Als Clan-Oberhaupt dürft ihr euch weiterhin dazu entscheiden, eine Clankarte zunächst verdeckt an einen Ort zu spielen. Die Heimlichtuerei hat verschiedene Vorteile. Legt ihr an einen Ort einen ganzen Satz von Clankarten aus, könnte das die anderen Clans möglicherweise dazu bewegen, sich lieber ein anderes Jagdrevier zu suchen… selbst wenn sich die Machtpunkte eurer Karten auf eine lächerliche Summe addieren würden. Mit bestimmten Clankarten lockt ihr die feindlichen Vampire zudem in eine Falle. Je mehr Blutsauer sich an einem Ort ansammeln, desto besser für euch. Das Spinnen von Intrigen im Verborgenen ist daher kaum zu überschätzen und eine mächtige Waffe im Spiel.

Mit Vampire: Die Maskerade – Vendetta auf der Jagd nach Blut

Warum sollte man also eine Clankarte überhaupt offen auslegen? Manchmal kann eine besonders mächtige Karte als echtes Statement eingesetzt werden. Legt ihr in einem Stadtviertel viele Machtpunkte offen aus, kann das die befeindeten Clans durchaus davon abhalten, ebenso in dieser Region nach Beute zu fischen. Außerdem bedeutet das versteckte Agieren für die Vampire eine zusätzliche Kraftanstrengung, die mit einer Blutreserve bezahlt werden muss. Da Blut im Reich der Vampire eine besonders wertvolle Ressource ist, solltet ihr mit diesem Gut natürlich besonders gut haushalten.

In Vampire: Die Maskerade - Vendetta lassen sich Karten sowohl offen als auch verdeckt spielen.

Mit Blutpunkten könnt ihr das Machtverhältnis an einem Ort weiter zu euren Gunsten beeinflussen. Spielt ihr eine Clankarte an einen Stadtteil, dürft ihr dort gleichzeitig bis zu drei Blutreserven investieren. Jeder Blutpunkt stärkt den Einfluss vor Ort und erhöht somit die Chancen, bald einen weiteren mächtigen Verbündeten in den eigenen Reihen begrüßen zu dürfen. Es kann also nicht schaden, sich einen reichlichen Blutvorrat anzulegen. Blutpunkte lassen sich etwa durch bestimmte Clankarten gewinnen. Mit der Aktion „Jagen“ stehlt ihr von jedem Rivalen einen Blutpunkt, der ebenfalls Karten am gleichen Ort gespielt hat. Das lohnt sich natürlich besonders, wenn sich zahlreiche Clans versammelt haben. Eine verdeckte Jagen-Aktion kann sich somit zur perfekten Falle entwickeln, wenn die Karte verdeckt gespielt wird.

Blutleere Kainiten geraten in Rage in Vampire: Die Maskerade – Vendetta

Bei der Rekrutierung neuer Verbündeter solltet ihr den eigenen Blutvorrat allerdings nie zuneige gehen lassen. Müsst ihr zu einem Zeitpunkt im Spiel den letzten Blutpunkt abgeben, verfallt ihr in blinde Raserei und verliert völlig die Kontrolle über euch. Ihr braucht Blut und ihr braucht es jetzt! Also saugt ihr den nächstbesten Verbündeten bis auf den letzten Tropfen leer, um den eigenen Vorrat wieder aufzustocken. Damit verliert ihr nicht nur wichtige Siegpunkte, sondern auch die Sonderfähigkeit des ausgesaugten Charakters mit sofortiger Wirkung. Der einmalige Blutpunkte-Boost kann euch also ganz schön teuer zu stehen kommen.

Optional lassen sich Vampire: Die Maskerade - Vendetta auch noch mächtige Artefakte hinzufügen.

Ohne Selbstkontrolle in der Raserei dürft ihr natürlich auch nicht wählen, welcher Verbündeter zu eurem Opfer wird. Dieser wird nach dem Zufallsprinzip ermittelt. Haben sich eure spitzen Zähne in einen Vampir geschlagen, leidet euer Ansehen in der Stadt. Das Aussagen eines anderen Vampirs wird Diablerie genannt und ist ein echter Frevel. Allerdings verleiht euch das Absorbieren eines Kainiten zusätzliche Macht. Ihr erhaltet einen Diablerie-Marker, den ihr in jeder Runde einmalig verwenden dürft, um einen weiteren Blutpunkt gratis einzusetzen. Leistet ihr euch das Delikt der Diablerie jedoch dreimal, scheidet ihr sofort aus dem Spiel aus.

Vampire: Die Maskerade – Vendetta mit taktischer Tiefe

Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Die eigenen Möglichkeiten sind bei Spielbeginn ohnehin stark begrenzt. Ihr startet das Spiel mit zwei Standard-Karten, über die jeder Spieler verfügt, sowie über ein spezielle Clankarte. Am Rundenende nehmt ihr alle gespielten Karten wieder auf die Hand und ergänzt das Set um eine weitere Clankarte. Mit jeder neuen Spielrunde dürft ihr also eine Aktion mehr durchführen.

Fortgeschrittene Spieler fügen Vampire: Die Maskerade - Vendetta auch noch Ortsaktionen hinzu.

Im Spielverlauf lernen jedoch auch die Rivalen euer Deck immer besser kennen, schließlich wird es in jeder Runde nur ganz leicht verändert. Tappen euch die Mitspieler in der vorherigen Runde vielleicht noch etwas naiv in eure Falle, sind sie nun sicherlich schon etwas vorsichtiger. Ihr müsst eure Pläne also ein wenig variieren oder verdammt gut bluffen. Möglicherweise ist aber auch die gerade neu hinzugefügte Karte die perfekte Ergänzung zu eurem Deck und bietet euch nun einen ungeahnten Überraschungseffekt. Taktisch wartet Vampire: Die Maskerade – Vendetta dadurch mit ziemlich vielen Möglichkeiten auf. Das Erkennen der Stärken und Schwächen der rivalisierenden Clans stellt dabei oftmals den Schlüssel zum Sieg dar.

Vampire: Die Maskerade – Vendetta von Horrible Guild erscheint über HeidelBÄR Games im deutschsprachigen Handel und ist für drei bis sechs Spieler ab vierzehn Jahren geeignet. Für eine Partie müsst ihr in der Regel nicht viel länger als eine halbe bis dreiviertel Stunde einplanen. Ihr findet das Spiel ab sofort zum Preis von etwa 30€ im Handel.

Fazit: Mit viel Abwechslungsreichtum und taktischem Tiefgang hat sich Vampire: Die Maskerade – Vendetta diese Testwertung verdient

Mit viel Abwechslungsreichtum und taktischem Tiefgang hat sich Vampire: Die Maskerade – Vendetta diese Testwertung verdient

Bereits in den 90er Jahren durfte ich erste Erfahrungen mit dem Pen-and-Paper-Rollenspiel Vampire: Die Maskerade sammeln, die sich dann ein paar Jahr später mit den Rollenspielen am Computer noch weiter vertieften. Die dichte und vor allem düstere Atmosphäre findet sich nun auch im vorliegenden Brettspiel wieder. Die speziellen Eigenschaften der einzelnen Vampirclans wurden von Horrible Guild wirklich sehr treffend herausgearbeitet. Kenner der Maskerade-Reihe fühlen sich dadurch sofort heimisch. Um Freude am Spiel zu finden, wird euch aber kein Vorwissen abverlangt. Vampire: Die Maskerade – Vendetta kann ebenso spielerisch überzeugen. Womit wir bereits wieder bei der unterschiedlichen Gestaltung der Clans wären. Jedes Kartendeck wurde so unterschiedlich gestaltet, dass sich beim Clanwechsel ein ganz anderes Spielgefühl einstellt. Mir hat es wirklich sehr viel Spaß gemacht, die Stärken und Schwächen jedes Clans zu erforschen. Jedes Deck enthält mächtige Kartenkombinationen, die für so manche Überraschung im Spielverlauf sorgen. Habt ihr die Möglichkeiten des Spiels ein wenig besser kennengelernt, erhält der taktische Aspekt vermehrt Gewichtung. Jetzt kommt es vor allem auf ein gutes Pokerface an. Wer seine Rivalen mit listenreichen Finten hinters Licht führt, hat jedenfalls gute Chancen, der neue Prinz von Chicago zu werden. Das Konfliktpotential ist in Vampire: Die Maskerade – Vendetta dadurch ziemlich hoch. Harmoniebedürftige Spieler sollten daher vielleicht eher einen Bogen um diesen Titel machen. Wenn euch ein wenig Kontroverse am Spieltisch nicht weiter stört, erwartet euch dafür ein sehr abwechslungsreiches und taktisch forderndes Spiel, das zudem mit einer düsteren Atmosphäre besticht.

ProCon
+ 7 stark unterschiedliche Vampirclans spielbar- hohes Konfliktpotenzial
+ düstere Atmosphäre
+ für echte Pokerfaces
+ taktisch fordernd
+ hoher Wiederspielwert
+ alternativer Team-Modus

Rubriklistenbild: © HeidelBÄR Games

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