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Vengeance – Roll & Fight im Test: Ein Beat-‘em-Up als Brettspiel

Erstellt:

Von: Sebastian Hamers

Vengeance Roll Fight Schlagstock Kampf Verpackung
Die deutschsprachige Version von Vengeance: Roll & Fight erscheint über Taverna Ludica und kostet ca. 35€. © Taverna Ludica

Mighty Boards und Taverna Ludica bringen mit Vengeance: Roll & Fight ein analoges Prügelspiel in den Handel. Kann das wirklich gut funktionieren?

In der Regel stehen Brettspiele nicht unbedingt in dem Ruf, eine besonders actionreiche Angelegenheit zu sein. Das macht die Umsetzung von eigentlich ziemlich dynamischen Spielkonzepten manchmal ziemlich schwierig. Nun haben sich Mighty Boards und Taverna Ludica die Idee in den Kopf gesetzt, einen waschechten Brawler im Stile von Streets of Rage für das Brett umzusetzen. Haufenweise Special Moves, ein ganzes Arsenal mit durchschlagskräftigen Waffen und natürlich jede Menge Gegner sollen Vengeance: Roll & Fight zu einem echten Erlebnis für Freunde von Beat-‘em-Up-Videospielen machen. Doch lässt sich ein Spiel dieser Art tatsächlich gut als Brettspiel erleben? Die Neugier ist jedenfalls geweckt, dieser Frage einmal auf den Grund zu gehen.

Vengeance: Roll & Fight mit Videospiel-Atmosphäre

Jede Kämpferin startet bei Vengeance: Roll & Fight auf ihrem eigenen Tableau. Eigenes Loot, eigene Gegner und zumindest stellenweise auch eigener Spielspaß. Tatsächlich lässt sich das Würfelspiel auch prima ganz alleine zocken, dennoch gibt es einen interessanten Ansatz, um ihm eine gute Portion Interaktivität zu verleihen. Dennoch beginnt die Partie zunächst noch relativ gemächlich. In der ersten Phase werden drei Würfel geworfen, mit denen sich alle Spielerinnen bereits erste Aktionen sichern können, die zu einem späteren Zeitpunkt in der Spielrunde durchgeführt werden.

Vengeance Roll Fight Wuerfel Schwert laufen Blut Tropfen Pistole
Die Würfel sind das zentrale Spielelement in Vengeance: Roll & Fight. © Taverna Ludica

In die Action geht es dann erst in der zweiten Spielphase. Vier Kampfwürfel stehen euch jetzt zur Verfügung, ein weiterer dicker Batzen mit Würfeln liegt in der Tischmitte bereit. Und jetzt geht’s auch los mit der Action. Ihr werft eure Würfel und versucht bestimmte Konstellationen zu sammeln, um damit später weitere Aktionen durchführen zu können. Ihr dürft in dieser Phase die Würfel beliebig oft neu werfen. Legt ihr sie beiseite, um eine Aktion damit zu kaufen, füllt ihr den Pool wieder auf vier Kampfwürfel auf und die Prozedur beginnt von vorne.

Name des SpielsVengeance: Roll & Fight
Spielerzahl1-4 Personen
Altersempfehlungab 14 Jahren
Spieldauer30 Minuten
AutorenDavid Turczi, Noralie Lubbers, Gordon Calleja
VerlagMighty Boards/Taverna Ludica
Preisca. 35€

Hektisches Treiben bei Vengeance: Roll & Fight

Die Zahl der Würfel in der Tischmitte ist natürlich limitiert. Wer glücklich würfelt und seine Aktionen im Vorhinein gut plant, der stehen am Ende dieser Phase mehr Würfel zur Verfügung als den anderen Kämpferinnen. Eine gute Portion Stress und Hektik gehören bei Vengeance: Roll & Fight also unbedingt mit dazu. Etwas Würfelglück kann aber sicher ebenfalls nicht schaden. Gewürfelte Blutstropfen sind dabei ein ziemliches Dorn im Auge, denn diese Ergebnisse dürfen niemals neu geworfen werden. Erst wenn eine Aktion gekauft wird, steht euch der blockierte Würfel wieder zur Verfügung. Liegen zu viele Blutstropfen aus, so dass ihr euch in eine Sackgasse manövriert habt, dürft ihr sie auf Kosten eines Lebenspunkts wieder entsperren.

Vengeance Roll Fight Tableau Spielfeld Gebiet
Bei Vengeance: Roll & Fight bespielt jeder sein eigenes Tableau. © Taverna Ludica

Viele Aktionen absolvieren zu können, ist in der nächsten Phase auf jeden Fall ein dicker Vorteil. Mit ihnen bewegt ihr euch durch die Räume und attackiert die Gegner im Nah- und Fernkampf. Hinzu kommen außerdem noch zahlreiche Special Moves, je nachdem für welchen Charakter ihr euch zu Spielbeginn entschieden habt. Sprintattacke, Clothesline und Messerwurf sind nur einige der Sonderaktionen, die euch in Vengeance zur Verfügung stehen.

Prügeln und Plündern bei Vengeance: Roll & Fight

Die meisten Aktionen in Vengeance müssen mit den passenden Würfelergebnissen bezahlt werden. Bei einigen Zusatzaktionen handelt es sich jedoch auch um dauerhafte Vorteile, die permanent aktiv sind. Die Fähigkeit „Volltreffer“ macht zum Beispiel jeden Nahkampfangriff gleich doppelt so effektiv. Durch das individuelle Fertigkeiten-Set fühlen sich die vier beiliegenden Akteurinnen und Akteure schon ziemlich unterschiedlich und abwechslungsreich an.

Vengeance Roll Fight Tableau Gegenstaende Portrait
Jeder Charakter verfügt in Vengeance: Roll & Fight über ein eigenes Set aus Fähigkeiten und Gegenständen. © Taverna Ludica

Nachdem in einer kurzen und intensiven zweiten Spielphase endlich alle Aktionen festgelegt wurden, kann der Kampf nun aber endlich beginnen. Jetzt kann sich die Spielfigur über den Spielplan bewegen und sich in Actionheld-Manier durch die Gegnerhorden schnetzeln. So actionreich das alles klingen mag, eine gute Prise Taktik gehört zum Spielablauf dennoch dazu. Wer sich blind in das Getümmel stürzt, bezieht am Rundenende möglicherweise eine ordentliche Tracht Prügel von den Feinden, die eurer Action standgehalten haben.

Bei Vengeance: Roll & Fight ist taktisches Vorgehen gefordert

Nach Möglichkeit werdet ihr beispielsweise versuchen, einzelne Räume komplett leerzufegen. Denn nur dann lassen sich diese mit der passenden Aktion ausplündern. Die Beute fällt euch dabei allerdings nur abstrakt in die Hände, indem ihr sie auf einer Punkteleiste ankreuzt. Am Spielende lässt sich über das Sammeln von Beutegegenständen eine ganze Menge Siegpunkte erzielen. Das Ausschalten von Feinden hat aber noch einen ganz anderen taktischen Aspekt. Haben die Gegner in eurer unmittelbaren Umgebung überlebt, holen sie nun zum Gegenschlag aus.

Vengeance Roll Fight Portrait Helden Charaktere Kaempfer
Jeder Charakter verfügt in Vengeance: Roll & Fight über eine besondere Spezialeigenschaft. © Taverna Ludica

Wenn ihr einen guten Überblick über die Situation behaltet, kann so mancher Schaden abgewendet werden. Schläger attackieren euch, wenn ihr im gleichen Raum mit ihnen steht, Schützen greifen euch hingegen auch aus Nachbarräumen an. Einige Feinde verfügen sogar über zwei Lebenspunkte und überstehen eine Einzelattacke, so dass sich ein unbedarfter Angriff später noch rächen könnte. Ziemlich lästig könnten außerdem die sogenannten Blockierer sein, die euch am Verlassen eines Raums hindern.

Der Kampf mit dem Big Boss bei Vengeance: Roll & Fight

Der bedeutsamste Kampf gilt aber natürlich dem Boss-Gegner, der bei einem Beat-‘em-Up nicht fehlen darf. Dieser geht selbstverständlich nicht schon nach ein oder zwei Treffern in die Knie, sondern kann durchaus sechs oder sieben Schadenspunkte einstecken. Je mehr Treffer ihr dem Endgegner zugefügt habt, desto mehr Siegpunkte erhaltet ihr am Ende des Spiels. Haut ihr den Obermotz aus den Socken, gibt es gleich nochmal ein paar Bonuspunkte obendrauf. Stellt euch die Aufgabe aber nicht zu einfach vor, schließlich kann jeder Endgegner auf eine besonders fiese Spezialeigenschaft zurückgreifen.

Vengeance Roll Fight Wuerfel Aktion Pistole Schwert Laufen Sprint
Bei Vengeance: Roll & Fight werden den Aktionen eine bestimmte Würfelkombination zugeordnet. © Taverna Ludica

Habt ihr den Oberschurken eliminiert, seid ihr dem Spielsieg schon ein wenig näher gerückt. Lukrativ ist aber ebenfalls das Erfüllen von Spezialaufträgen, die in vielen Räumen zu finden sind. Hier winken euch viele zusätzliche Siegpunkte, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt wurden. Manchmal müssen bestimmte Räume bereits besucht, eine Mindestanzahl von Gegner besiegt oder auch der Endgegner schon beschädigt worden sein. In Vengeance: Roll & Fight gibt es eben viele Möglichkeiten, um an Siegpunkte zu gelangen.

Die Prügelei endet nach vier Spielrunden. Dann wird die Kämpferin mit den meisten Siegpunkten zur Gewinnerin gekürt. Zeitlich müsst ihr dafür ungefähr eine halbe Stunde einplanen. Vengeance: Roll & Fight ist für ein bis vier Personen ab vierzehn Jahren geeignet. Ihr findet das Spiel ab sofort zum Preis von etwa 35€ im Handel.

Fazit: Veangeance – Roll & Fight bietet eine gute Mischung aus Action und Taktik und heimst damit diese schlagkräftige ingame-Testwertung ein.

Wertungsgrafik Vengeance Roll Fight
Die gute Mischung aus Taktik und Action verhelfen Vengeance: Roll & Fight zu dieser ingame-Testwertung. © ingame.de

Das Vorhaben, ein Beat-‘em-Up als Brettspiel umzusetzen ist schon eine etwas gewagte Idee. Die Verblüffung war daher entsprechend groß, dass Veangance: Roll & Fight das Spielkonzept doch recht gut auf das Brett übertragen konnte. Die Würfelphase mit Echtzeitablauf ist schon eine ziemlich hektische Angelegenheit, der stahlharte Nerven erfordert. Einfach mal Rumwürfeln und ein paar Ergebnisse rauslegen führt in dieser Spielphase in der Regel nämlich nicht zum Ziel. Der Spießroutenlauf durch ein mit Feinden durchseuchtes Areal verlangt von euch einen kühlen Kopf. Das abwischbare Tableau ist gespickt mit kleinen Fallen, die gnadenlos zuschlagen, wenn ihr euch bei der Planung verkalkuliert habt. Trotz massivem Würfeleisatz kommt bei Vengeance: Roll & Fight so der taktische Aspekt nicht zu kurz. Es lohnt sich weiterhin mit den verschiedenen Charakteren ein wenig herumzuexperimentieren. Jede Figur verfügt über ein individuelles Set aus Fertigkeiten und Gegenständen, die für ein neues Spielgefühl sorgen. Gleiches gilt, zumindest mit Abstrichen, für die Wahl des Boss Gegners. Die Spezialfähigkeiten des Oberschurken sind mitunter schon ziemlich fies und fordern von euch eine ganz andere Herangehensweise an die Mission. Vengeance: Roll & Fight kann also mit vielen wirklich coolen Mechaniken auftrumpfen. Anlass zur Kritik gibt es allerdings auch, zumindest ein wenig. Die Interaktion unter den Kämpferinnen beruht einzig auf der hektischen Würfelakquise in der Würfelphase. Wurden die Würfel einmal verteilt, basteln alle Beteiligten in Ruhe auf dem eigenen Tableau ihre Züge vor sich hin. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass Vengeance auch im Solo-Modus wunderbar funktioniert. Das gesamte Spielerlebnis lässt sich mit nur wenigen Änderungen komplett ohne weitere Mitspielenden genießen. Gute Unterhaltung wird auf jeden Fall geboten.

ProCon
+ gute Mischung aus Action und Taktik- Finger weg, wenn ihr hektische Spiele nicht mögt
+ abwischbare Spielertableaus- Interaktion nur in der Würfelphase vorhanden
+ wasserlösliche Stifte liegen bei
+ 4 unterschiedliche Charakter
+ gutes Spielmaterial
+ spielt sich super im Solo-Modus

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