Villainous im Test - Disneys Bösewichter als Brettspiel-Stars

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Micky Maus oder Donald Duck? Mir fällt die Wahl da nicht sonderlich schwer, ich bin zu 100% im Team Donald! Das liegt nicht nur den hohen Sympathiewerten, die ich für Disneys Kultfigur hege. Es liegt auch daran, dass Micky einfach stinklangweilig ist. Der Entenhausener Superdetektiv ist aalglatt, ohne Ecken und Kanten. Dieses Profil teilt Micky allerdings mit vielen Heldenfiguren aus dem Disney-Universum. Ihr möchtet diesen Schmierlappen auch endlich mal kräftig in den Hintern treten? Lebe deinen Traum, über Ravensburger kommt nun Villainous in den Handel. In diesem Brettspiel übernehmt ihr die Rolle der Schurken, die den sonst so strahlenden Helden tüchtig einheizen.

Dank offizieller Lizenz dürft ihr euch über ein volles Disney-Paket freuen. Gleich sechs beliebte Disney-Welten werden in Villainous vereint. Da darf ruhig ein wenig Namedropping betrieben werden. Als Bösewichter könnt ihr euch für folgende Figuren entscheiden: Prinz John (Robin Hood), Käpt’n Hook (Peter Pan), die Herzkönigin (Alice im Wunderland), Dschafar (Aladdin), Malefiz (Dornröschen) und Ursula (Arielle). Mit dazu bekommt ihr aber auch noch gleich eine Vielzahl an anderen Filmcharakteren, inklusive natürlich der Helden, sowie bekannten Schauplätzen und Gegenständen. In Villainous wartet also eine ziemlich große Packung Disney auf euch.

Die Welt des Schurken

Zu Beginn schnappt sich jeder Bösewicht seine eigene Spielertafel. Sie stellt die Welt des Schurken dar und enthält vier bekannte Schauplätze aus dem dazugehörigen Disney-Streifen. So tummelt sich Käpt’n Hook beispielsweise auf der Jolly Roger, dem Schädelfelsen, der Meermädchenlagune und dem Teufelsast herum. In eurem Zug rückt ihr mit der Spielfigur immer an einen anderen Ort und führt die dort aufgeführten Aktionen aus. Das Spiel verläuft somit nach einer ziemlich stringenten Vorgabe und ist leicht zu erlernen.

Je nach Ort stehen andere Aktionen für euch bereit. Sehr schön, dass alle Schurken über ein individuelles Spielbrett verfügen. Sie unterscheiden sich nicht nur optisch, sondern auch spielerisch voneinander. Wählt ihr einen anderen Bösewicht, dürft ihr auch auf andere Aktionskombinationen zurückgreifen. Einige Überschneidungen in den Aktionsmöglichkeiten gibt es aber dennoch. Das ist auch gar nicht verkehrt, da ihr ohnehin schon immer mitverfolgen müsst, was die anderen Schurken so treiben.

Rivalität unter Superschurken

Jeder Bösewicht verfolgt ein eigenes Spielziel. Sobald dieses erreicht wird, steht der Sieger fest. Dies führt natürlich dazu, dass ihr den Fortschritt der Konkurrenz immer gut im Blick haben müsst. Gerade bei einer hohen Zahl an Mitspielern verliert man da schon einmal schnell den Überblick. Eure Spielziele fügen sich dabei wunderbar in die Geschichte der Filme ein. Damit tragen sie noch einmal maßgeblich zur Atmosphäre des Spiels bei.

Nehmen wir beispielsweise die Herzkönigin aus Alice im Wunderland. Sie muss an allen vier Orten auf ihrer Spielertafel Krocket-Tore aufstellen und dann einen erfolgreichen Abschlag hinlegen. Käpt’n Hook hingegen versucht natürlich seinen Nemesis Peter Pan zu bezwingen. Inzwischen muss Prinz John möglichst schnell einen gewissen Grad an Macht zu erreichen. Jeder Schurke folgt seiner eigenen Mission und muss dafür ganz verschiedene Schritte vornehmen. So spielt sich jede Figur auch wieder etwas anders, auch wenn sich viele Aktionen überschneiden.

Über Helden und Handlanger

Weiterhin wird jeder Bösewicht mit gleich zwei Kartenstapeln ausgestattet. Mit den Bösewicht-Karten könnt ihr aktiv euren eigenen Fortschritt gestalten. Hier findet ihr hilfreiche Gegenstände oder auch Handlanger, die euch bei euren finsteren Plänen unter die Arme greifen. Der zweite Kartenstapel wird bedeutungsvoll „Schicksal“ genannt. Dieses meint es mit dem Schurken selten gut. Passenderweise reihen sich hier die Helden, aber auch andere Antagonisten von euch ein.

In Dschafars Deck befinden sich neben Aladdin auch noch der Sultan, Prinzessin Jasmin und natürlich Dschinni. Hinzu kommen einige unschöne Ereigniskarten und ein paar lästige Gegenstände, welche die Heldenfiguren unterstützen. Als Superschurke wird euch eben auch nichts geschenkt. Das Schicksal habt ihr nicht selbst in der Hand. Dafür sind eure lieben Mitspieler zuständig. Mit einer passenden Aktion auf ihrer Spielertafel dürfen sie Schicksalskarten von eurem Stapel ziehen und in eure Welt platzieren.

Eine Frage des Schicksals

Schicksalskarten werden immer an einen Ort eurer Spielertafel angelegt. Dort verdecken sie leider auch einen Teil eurer Aktionen. Setzt ihr eure Figur bei Beginn des Zuges an einen Ort mit einer Schicksalskarte, stehen euch jetzt nicht mehr alle Aktionen zur Verfügung. Ihr solltet also alles daransetzen, die Karte schnellstmöglich wieder von dort zu vertreiben.

Diese Aufgabe überlasst ihr am besten euren Handlangern. Jeder Handlanger verfügt über einen Stärkewert, genauso wie die Helden auch. Um einen Helden zu vertreiben, wählt ihr zunächst die „Einen Helden besiegen“-Aktion. Anschließend müsst ihr Handlanger mit einer ausreichenden Stärke ablegen, um den Helden zu bezwingen.

Bunte Disney-Welten

Die Grundregeln für das Besiegen eines Helden sind also ziemlich einfach. Die meisten Karten verfügen aber noch über zusätzliche Fähigkeiten. Sie können die Spielbedingungen erheblich verändern und sorgen erst für die richtige Würze im Spiel. Wenn ihr zum Beispiel den Sultan aus dem Palast vertreiben wollt, dürft ihr dazu natürlich keine Palastwachen einsetzen. Dies ist nur ein Beispiel von vielen. In Villainous findet ihr zahlreiche Gegenstände, Handlanger und andere Karten, die Einfluss auf den Spielverlauf nehmen.

Eure Handlungsmöglichkeiten werden dabei allerdings durch mehrere Faktoren begrenzt. Da wären zunächst die Bösewicht-Karten, die ihr auf der Hand haltet. Am Ende jedes Zugs füllt ihr eure Hand wieder auf vier Karten auf. Schon dadurch seid ihr in den Aktionen eingeschränkt. Zudem müssen viele Karten auch bezahlt werden. Als harte Währung dienen hier die Machtpunkte, die ihr stilecht aus einem schwarzen Plastikkessel zieht.

Bosheit im halben Dutzend

Letztlich sind es aber auch die aufgedruckten Aktionssymbole, die ihr auf den vier Orten eures Spielertableaus wiederfindet. In den meisten Fällen könnt ihr nur aus vier verschiedenen Aktionen wählen, von denen möglicherweise sogar noch zwei von Schicksalskarten verdeckt sind. Durch diese Limitierungen lassen sich die Züge aber auch schnell abhandeln. Dadurch wird Villainous selbst in hoher Spielerzahl nicht zum Geduldsspiel.

Villainous könnt ihr gleich mit bis zu sechs Leuten spielen. In dieser Größenordnung findet man sonst auch nicht so häufig ein neues Brettspiel. Die Spieldauer hängt dann allerdings auch maßgeblich mit der Spielerzahl zusammen. Pro Spieler solltet ihr etwa zwanzig Minuten einplanen. Villainous kommt über Ravensburger in den deutschen Handel und kostet 35-40€.

Pros

  • für bis zu sechs Spieler geeignet
  • mit offizieller Disney-Lizenz
  • exzellente Optik
  • jeder Bösewicht mit eigenem Spielziel
  • versprüht reichlich Disney-Charme

Cons

  • ziemlich glückslastig
  • geringer Interaktionsgrad

Fazit

Ein so schickes Spiel wie Villainous sieht man nicht alle Tage. Bei der optischen Gestaltung lässt das Spiel keine Wünsche offen. Dank der offiziellen Disney-Lizenz kann Villainous aus dem Vollen schöpfen. Das Artwork ist wirklich toll und auch die anderen Gimmicks sind von hoher Qualität. Seien es die hochwertigen Karten, die tollen Spielfiguren oder auch die Spielertableaus, Villainous ist ein echter Hingucker. Spielerisch kann es allerdings nicht ganz mit seiner Bombast-Optik mithalten. Die Interaktionsmöglichkeiten sind begrenzt, auch wenn ihr mit den Schicksalskarten in den Spielfluss der anderen Bösewichter eingreifen könnt. Auch die eigenen Möglichkeiten, sich dem eigenen Spielziel zu nähern, sind nicht besonders umfangreich. Dadurch sind die Regeln zwar eingängig, aber man fühlt sich auch einige Male etwas hilflos. Dies gilt vor allem dann, wenn man eine halbe Ewigkeit auf eine Karte wartet, die für den Spielsieg benötigt wird. Der Glücksfaktor ist also doch ziemlich hoch. Viele Pluspunkte kann Villainous dafür mit seiner zauberhaften Disney-Atmosphäre gewinnen. Die Kartenfunktionen passen wunderbar zu den Geschichten der Filme. Die exzellente Aufmachung und die tolle Atmosphäre sorgen dafür, dass ihr mit Villainous trotz der Mankos eine gute Zeit verbringt. Das Wiedersehen mit alten Bekannten lässt euch das gute Disney-Gefühl spüren, fast so als würdet ihr den Film noch einmal neu erleben.

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