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Waste Knights im Test: Das postapokalyptische Brettspiel à la Fallout

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Von: Sebastian Hamers

Waste Knights Motorrad Wueste Oedland Punker Lager Autos Australien Verpackung Cover Artwork
Vorerst nur über Kickstarter verfügbar, jetzt kommt Waste Knights in den regulären Handel. © HeidelBÄR Games

Zuerst auf Kickstarter, jetzt regulär im Handel: Heidelbär Games bringt die deutsche Fassung von Waste Knights in die Läden.

Mehr als 300.000$ kamen zusammen, als Galakta die Kickstarter-Kampagne für das Brettspiel Waste Knights in der Second Edition beendete. Eine beachtliche Summe, gerade wenn man bedenkt, dass die Erstausgabe durchaus Anlass zur Kritik bot. Die überarbeitete Neufassung soll nun alles besser machen. Mit einem neuen Spielfeld und stark verbessertem Material nimmt das Spiel einen neuen Anlauf. Der Aufwand könnte sich lohnen, denn die Spielidee klingt auf jeden Fall ziemlich spannend und birgt viel Potential. Waste Knights verstrickt sich nicht allzu sehr in komplexen Mechaniken, sondern legt den Fokus klar auf das Erzählen einer Geschichte. Als Szenario haben sich die Macher eine postapokalyptische Welt im Stil von Fallout & Co. ausgesucht.

Mit Waste Knights ins postapokalyptische Australien

In Fallout 4 kam es zuletzt zu einem Streifzug durch einen ziemlich heruntergekommenen Bostoner Großraum. Waste Knights entführt euch hingegen ins sonnige Australien. Auf einen erholsamen Badeurlaub solltet ihr allerdings besser nicht spekulieren. In der dystopischen Zukunft des Kontinents knallt die Sonne zwar wie eh und je unerbittlich auf die australische Erdoberfläche, doch ansonsten hat sich das Land ziemlich verändert. Schuld an der Misere sind insbesondere habgierige Geschäftsleute, die in Australien die Macht ergriffen haben.

Waste Knights Karte Australien Ozean Meer Kontinent Insel Felder Spielbrett
Waste Knights spielt auf einem veränderten Australien, das unter den Auswirkungen einer Apokalypse leidet. © HeidelBÄR Games

Die Ursachen für den Untergang der Zivilisation sind vielfältig. Die Rede ist von unethischen Experimenten mit Strafgegangenen, die sich in wilde Kreaturen verwandelt haben, von außer Kontrolle geratenen KIs und seltsamen Cyberwesen. Das Ende der bekannten Welt wurde letztlich durch eine Katastrophe in den unterirdischen Reaktoren eingeläutet. Eine Fehlfunktion aktivierte längst erloschene Vulkane, großflächige Erschütterungen und Explosionen waren die Folge. In dieses Szenario werdet ihr nach einer kurzen Einleitung entlassen. Ihr seid die Waste Knights, die sich auf eigene Faust durch das australische Outback kämpfen und dabei so manches Abenteuer erleben.

Waste Knights und ihre Fahrzeuge

Bevor ihr euch in die Weiten Australiens begebt, wählt jeder einen von insgesamt sechs Charakteren. Jeder verfügt nicht nur über eine kleine Hintergrundschichte, sondern natürlich auch über individuelle Stärken und Schwächen. Dazu zählen vor allem die sechs Fähigkeiten, die bei allen Figuren vorhanden, aber unterschiedlich stark ausgeprägt sind. Diese zeigen an, wie gut sich ein Waste Knight im Kampf schlägt, doch auch Attribute wie Erste Hilfe, Überleben, Verhandeln oder Technik stellen wichtige Fähigkeiten dar, um im Ödland zu bestehen.

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Bei Waste Knights stehen euch sechs verschiedene Charaktere zur Auswahl. © HeidelBÄR Games

Euer bester Freund im Überlebenskampf ist dabei das eigene Vehikel. Sechs Fahrzeuge, vom Motorrad bis hin zum Truck, stehen zur Wahl. Sie helfen euch dabei, die weiten Strecken in Australien zurückzulegen und bieten zudem etwas Stauraum, um eure Ausrüstungsgegenstände durch die Gegend zu transportieren. Die Wahl des Fahrzeugs ist fast ebenso wichtig wie die des Charakters. Mit dem Bike etwa kommt ihr zwar rasend schnell voran, dafür lässt sich damit nicht so viel Equipment bewegen. Auch die Robustheit des Wagens spielt eine gewichtige Rolle. Nimmt das Transportmittel zu viel Schaden, steht ihr in Waste Knights vor einem echten Problem.

Waste Knights kämpfen sich kooperativ durchs Abenteuer

In Waste Knights kämpft ihr gemeinsam ums Überleben im Ödland Australiens. Ihr könnt euch absprechen und zusammen einen Schlachtplan entwerfen. Im eigenen Zug müsst ihr letztlich aber natürlich selbst entscheiden, wie der Charakter agieren soll. Zwei Aktionen stehen euch pro Zug zur Verfügung. Ziemlich häufig zum Einsatz wird dabei die Bewegungsaktion kommen. Wie weit sich die Spielfigur bewegen kann, hängt von der Schnelligkeit des Fahrzeugs ab. Eine Rolle spielt ebenso das Gelände, das auf dem Weg zum Ziel durchquert wird. Lasst sich die Wüste noch vergleichsweise gut passieren, ist die Strecke durch das Buschland schon viel beschwerlicher.

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Die Wahl des Fahrzeugs spielt in Waste Knights eine wichtige Rolle. © HeidelBÄR Games

Der schnellste Weg führt jedoch zweifelsfrei über die maroden Autobahnen. Auf den Highways donnert ihr mit beachtlicher Geschwindigkeit voran, allerdings warten dort auch die meisten Gefahren auf euch. Werden bestimmte Felder betreten, erleidet ihr einen gesundheitlichen Schaden, werdet verstrahlt oder handelt euch eine Bedrohung besonderer Art ein. Deshalb kann sich ein weiteräumiges Umfahren der Gefahrenfelder möglicherweise lohnen. Lasst euch aber nicht zu viel Zeit, denn viele Aufträge müssen zeitkritisch erfüllt werden.

In Waste Knights lauern die Gefahren überall

Manchmal bleibt euch also keine Wahl. Ihr müsst Gefahrengebiet einfach durchqueren, um die Kastanien noch rechtzeitig aus dem Feuer zu holen. Leider ist in Waste Knights schon die Umgebung allein eine ernstzunehmende Bedrohung. Verstrahlte Gebiete sorgen dafür, dass die Widerstandsfähigkeit des Charakters zunehmend sinkt. Das hat Konsequenzen, beim Kampf stehen euch ab einem gewissen Grad weniger Würfel zur Verfügung. Eine extreme Verstrahlung hingegen bedeutet Alarmstufe rot, denn jetzt kann der Held nicht mehr ohne weiteres Zutun geheilt werden.

Waste Knights Monster Suto Emu Druiden Kreaturen Feinde Gegner Karten
In Waste Knights lauern praktisch überall Cyberwesen, Mutanten oder Plünderer auf euch. © HeidelBÄR Games

Gesundheitliche Schäden könnt ihr euch auch an jeder Ecke der Karte einfangen. Dieser zählt im Grunde wie normaler körperlicher Schaden, ist aber schwerer zu heilen. Sinkt die Lebensenergie auf null, wird der Waste Knight bewusstlos und kassiert eine Verletzung, die natürlich weitere Nachteile mit sich bringt. Eine Besonderheit stellen die Bedrohungsmarker dar, die ihr auf einigen Feldern des Ödlands aufsammelt. Sie werden erst ausgelöst, wenn der Charakter in einen Kampf verwickelt wird oder sich bestimmte Ereignisse ergeben. Vorteilhaft sind diese Bedrohungen natürlich nie. Die australische Wildnis ist unerbittlich und für eure Helden gibt es praktisch ständig neue Schicksalsschläge, so dass immer das Gefühl der Gefahr am Spieltisch spürbar ist.

Lebendiges Ödland in Waste Knights

Doch damit nicht genug. Zum Abschluss einer jeden Bewegungsaktion zieht ihr eine Wasteland-Karte, die einen Gegner, ein Ereignis oder eine Begegnung folgen lässt. Letztere fordert euch regelmäßig auf, einen Blick in die Chronik des Wastelands zu werfen. Hier finden sich zahlreiche Texteinträge, die den Plot der aktuellen Geschichte vorantreiben. Ereignisse hingegen ziehen eine Fähigkeitsprobe nach sich, während euch Gegnerkarten in einem Kampf verwickeln. Jede Bewegung durch das Ödland birgt somit sowohl Gefahren, aber auch Chancen. Auf Kosten einer Aktion dürft ihr etwa die nähere Umgebung erkunden, um so vielleicht auf etwas Loot zu stoßen.

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Im Ödland finden eure Waste Knights zum Glück jede Menge durchschlagskräftige Waffen. © HeidelBÄR Games

Trotz der vielen Möglichkeiten, zwischenzeitlich solltet ihr in der Wildnis auch mal ein Lager aufschlagen, um eure Wunden zu lecken. Im Lager dürft ihr Medizin einsetzen, um Verstrahlung oder Wunden zu heilen. Auch eure verschlissene Ausrüstung kann jetzt endlich mal wieder auf Vordermann gebracht werden. Ein hoher Reparieren-Wert des Charakters ist hier besonders hilfreich. Lagert ihr mit einem anderen Waste Knight gemeinsam, dürfen dabei sogar Gegenstände des Mitstreiters repariert werden.

Waste Knight erkunden die Städte

Stark angeschlagene Wüstenkrieger schleppen sich vielleicht aber doch lieber in einer der wenigen Städte auf dem Spielplan. Hier gibt es immerhin einen Quacksalber, der euch wenigstens halbwegs wieder auf die Beine bringt und sogar Verletzungskarten entfernen kann. Ausrüstung kann in den Städten ebenso repariert werden wie das Fahrzeug und auf den Märkten lässt sich so mancher hilfreiche Gegenstand in einem Tauschhandel erwerben. Jetzt seid ihr hoffentlich wieder gut gestärkt und bereit für den nächsten Kampf.

Waste Knights Charakter Werte Wuerfel Waffen Faehigkeiten Lagern Tableau
In Waste Knights verfügen die Charaktere über individuelle Fähigkeiten. © HeidelBÄR Games

Diese werden in Waste Knights recht simpel abgehandelt. Vor dem Gefecht müsst ihr zunächst eine verfügbare Waffe ausrüsten. Solange euer Held nicht in einen Hinterhalt gerät, kommen zunächst die Schusswaffen zum Einsatz. Da viele Monster ihren Schaden nur im Nahkampf zufügen können, habt ihr so eine Chance, den Gegner außer Gefecht zu setzen, bevor euch sein Zorn ereilt. Eine durchschlagskräftige Fernkampfwaffe ist allerdings nur effektiv, wenn ihr über ausreichend Munition verfügt. Und diese ist im australischen Ödland knapp. Ein Handgemenge – Auge in Auge – ist somit nicht immer zu vermeiden.

Packende Kämpfe in Waste Knights

Wie gut sich euer Waste Knights im Kampf zu Wehr setzen kann, hängt von zwei Faktoren ab. Über den Fähigkeitswert in Klingen oder Schusswaffen erhaltet ihr den ersten Teil des Würfelpools für den Kampf, je nachdem ob ihr euch für einen Nah- oder Fernkampf entschieden habt. Zusätzliche Schadenswürfel gibt es außerdem für die gewählte Waffe selbst. Habt ihr ausreichend Erfolge gewürfelt, um den Gegner auszuschalten, dürft ihr jetzt den Leichnam plündern und eure Belohnung kassieren. Der Feind, sollte er die Möglichkeit zum Gegenschlag bekommen, fügt euch natürlich ebenfalls Schaden zu. Überlebt der Gegner das Gefecht, sucht dieser nach dem Schlagabtausch das Weite und ihr könnt euch die Belohnung abschminken.

Waste Knights Buch Chronik Abenteuer Heft Journal Geschichte
In Waste Knights erwartet euch jede Menge Lesestoff. © HeidelBÄR Games

Ohne ausreichend Loot und Belohnungen werdet ihr in Waste Knights nicht weit kommen. Es ist unabdingbar den Charakter weiter zu verbessern, um für die Aufgaben im Ödland gewappnet zu sein. Besseres Equipment ist dabei ebenso hilfreich wie Erfahrungspunkte, mit denen ihr die Spielfigur schrittweise aufleveln könnt. Über das Levelsystem lassen sich die Fähigkeiten der Waste Knights weiter differenzieren und aufeinander abstimmen. 

Waste Knights nimmt die Story in den Fokus

Die weiteren Abläufe sind dem Abenteuerbuch sowie der schon erwähnten Chronik zu entnehmen. Das Abenteuerbuch skizziert kurz das Szenario und zeigt alle Informationen, die zum Aufbau benötigt werden. Auf die Chronik wird im Spielverlauf immer wieder verwiesen. Wesentliche Teile der Story sind hier zu finden. Außerdem ringt sie euch regelmäßig wichtige Entscheidungen ab, mit der die Geschichte eine Wendung nehmen kann. Erwartet aber nicht, dass es in Waste Knights immer fair zugeht. Die australische Ödnis ist knüppelhart und manchmal stellen die Aufgaben eine schiere Überforderung dar.

Waste Knights Miniaturen Figuren Helden Charaktere Statuen
Alle Waste Knights werden durch detailgenaue Miniaturen dargestellt. © HeidelBÄR Games

Mit gemeinsamer Kraft lassen sich die Abenteuer in Waste Knights meist aber doch gut lösen. Insgesamt dürfen sich bis zu vier Spieler in die Wastelands stürzen. Die Dauer einer Partie kann mitunter stark schwanken. Je nach gewähltem Szenario dauert ein Abenteuer zwischen 45 und 180 Minuten. Waste Knights erscheint in deutscher Sprache über Heidelbär Games und ist ab sofort zum Preis von rund 70€ im Handel zu finden.

Fazit: Wir haben uns mit Waste Knights in ein endzeitliches Abenteuer gestürzt und vergeben dafür diese postapokalyptische Testwertung

Wertungsgrafik Waste Knights
Waste Knights erhält diese postapokalyptische ingame-Testwertung. © ingame.de

Waste Knights ist wirklich ein ganz besonderes Erlebnis. Es kombiniert die Vorzüge eines Brettspiels, eines klassischen Abenteuerbuchs und einem Pen-and-Paper-Abenteuer. Und irgendwie fühlt es sich auch ein wenig an wie ein episodisches PC-Rollenspiel. Da spielt sicherlich die Nähe zum Kult-Endzeit-Rollenspiel Fallout eine Rolle. Waste Knights skizziert nicht nur ein ähnliches Setting, sondern schlägt ebenso humoristisch in die gleiche Kerbe. Obwohl die apokalyptische Stimmung gut eingefangen wird, arbeiten die Texte stellenweise mit ziemlich derbem Wortwitz. Spielerisch erfindet Waste Knights das Rad hingegen sicher nicht neu. Die Kämpfe lassen sich vergleichsweise einfach abhandeln und auch sonst gibt es keine fein verzahnten Mechaniken, die eure Köpfe zum Rauchen bringen werden. Dem atmosphärischen Spielerlebnis schadet dies allerdings kaum. Die Regeln lassen sich schnell erlernen, so dass schon recht schnell ein angenehmer Spielfluss aufkommt. Der Fokus des Spiels liegt klar auf dem Eintauchen in eine andere Welt und dem Erleben der Geschichte. Diese ist leider nicht immer ganz fair. Es könnte durchaus passieren, dass sich die Waste Knights in eine Situation manövrieren, der sie kaum gewachsen sind. Manchmal ist es eben besser, sich erstmal ordentlich auszurüsten und die Fähigkeiten der Charaktere zu verbessern, bevor man sich bestimmten Aufgaben stellt. Fallout-Fans, die sich etwas zu früh weit ins Ödland vorgewagt haben, können von Erlebnissen wie diesen jedoch ebenfalls ein Liedchen singen. Mit Waste Knights wartet ein interaktives Abenteuer auf euch, das von seiner dichten Atmosphäre und der tollen Ausstattung profitiert und so vor allem Rollenspielfans in seinen Bann zieht. Unbedingt ausprobieren!

ProCon
+ derber Humor- geringer Wiederspielwert
+ tolle Ausstattung
+ dichte Endzeit-Atmosphäre
+ gut erzählte Story
+ verständliches Regelwerk

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