Amity Island ist der Schauplatz vom ersten Akt. Der weiße Hai hat es auf die Schwimmer in Küstennähe abgesehen.
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Amity Island ist der Schauplatz vom ersten Akt. Der weiße Hai hat es auf die Schwimmer in Küstennähe abgesehen.

Vom Kino-Klassiker zum Brettspiel

Der weiße Hai im Test: Die analoge Version des Blockbusters

  • vonSebastian Hamers
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Rund 45 Jahre nach der Kinopremiere erscheint Der weiße Hai jetzt auch als Brettspiel, das sich erstaunlich nahe an die Filmvorlage hält.

Wer sich noch die Pionierzeit der Video- und Computerspielhistorie erinnert, hat sicherlich auch seine Erfahrungen mit den zahlreichen unterirdischen Lizenzverwurstungen bekannter Kinofilme gemacht. Für den bevorstehenden Kinostart wird noch in aller Eile ein C64-Spiel aus dem Boden gestampft, die User werden es schon schlucken. Die Zeiten haben sich inzwischen natürlich zum Guten verändert, eine Lizenzumsetzung muss schon lange kein schlechtes Omen für ein Videospiel mehr sein. Häufig nehmen sich die Entwickler ausreichend Zeit, um eine starke Filmvorlage mit einem ebenso tollen Videospiel zu würdigen. Dieser Trend lässt sich so auch auf die Brettspielwelt übertragen. Bei Ravensburger hat man sich für die Umsetzung von „Der weiße Hai“ aber wohl besonders viel Zeit gelassen. 45 Jahre sind seit der Kinopremiere inzwischen vergangen. Mal sehen, ob sich das lange Warten auf das Brettspiel zum Film gelohnt hat.

Die Macher des Brettspiels hatten so auf jeden Fall ausreichend Zeit, sich mit allen Details des Films vertraut zu machen. Wenn ihr den Film noch in guter Erinnerung habt, werdet ihr euch beim Nachspielen von „Der weiße Hai“ über die vielen Kleinigkeiten freuen, die sich im Brettspiel wiederfinden. Die Autoren haben bei der Entwicklung jedenfalls ganz genau hingesehen und die Protagonisten mit passendem Equipment ausgestattet, viele markante Filmpassagen ins Spiel gebracht und so letztlich auch den Geist des Klassikers hervorgekitzelt.

Der weiße Hai als Brettspiel

Die Hauptdarsteller des Films, das sind Polizeichef Martin Brody, der ortsansässige Hai-Jäger Quint sowie Matt Hooper vom Ozeanischen Institut, sind auch die handelnden Personen des Brettspiels. Fehlt nur noch der Weiße Hai selbst, denn auch dieser muss von einem Spieler gesteuert werden. Während die Küstenwächter kooperativ arbeiten, ist der weiße Hai auf sich alleine gestellt. Einer gegen alle, das muss nicht zwingend ein Nachteil sein. Der weiße Hai ist ein ziemliches Biest, das dem Haifänger-Trio ordentlich einheizen kann. In zwei Akten breitet sich die Geschichte des Films vor euch aus.

Amity Island ist der Schauplatz vom ersten Akt. Der weiße Hai hat es auf die Schwimmer in Küstennähe abgesehen.

In der Verpackung befinden sich im Grunde sogar gleich zwei Brettspiele. Ein paar spielerische Gemeinsamkeiten sind natürlich zu erkennen. Die beiden Akten spielen sich aber dennoch unterschiedlich genug, so dass man sie auch separat hätte vermarkten können. Inhaltlich bauen die beiden Akte allerdings aufeinander auf. Der erste Akt zeigt euch eine Szene an den Stränden von Amity Island, wo der weiße Hai sein Unwesen treibt. Im zweiten Abschnitt geht es mit der Orca hinaus auf das Meer. Die Hai-Jäger versuchen den Hai in seinem Element zu stellen und müssen dabei hoffen, dass ihr Boot den wütenden Angriffen des Hais standhält.

Amity Island wird vom weißen Hau bedroht

Für beide Akte wird ein eigenes Spielfeld benötigt. Im ersten Abschnitt des Spiels seht ihr die Umrisse von Amity Island mit seinen herrlichen Sandstränden. Die Idylle wird allerdings getrübt. Angesichts der Eröffnung der Badesaison am 4. Juli, dem Unabhängigkeitstag der USA, haben sich viele Touristen auf der Insel eingefunden, um sich in die Fluten zu stürzen. Ein gefundenes Fressen für den weißen Hai. Er zieht rings um die Insel seine Kreise, immer auf der Suche nach neuen Opfern. Auf dem Spielfeld sind die Küstenabschnitte in verschiedene Felder unterteilt. Der weiße Hai bewegt sich auf den Wasserfeldern, ebenso die Haifänger Quint auf seiner Orca und Hooper auf seinem Schnellboot. Einzig Polizeichef Martin Brody, der wie im Film ziemlich wasserscheu ist, darf sich auf dem Festland bewegen.

Trotz der Bedrohung wagen sich immer wieder mutige Schwimmer ins Wasser. Darauf hat der weiße Hai nur gewartet.

Er flitzt auf der Insel von einem Ort zum anderen, vor allem um Fässer aus dem Inneren der Insel zu den Docks zu transportieren. Sie werden von Quint benötigt, der die Fässer von seiner Orca ins Meer schleudern kann. Landen sie im Feld des weißen Hais, bleiben sie an ihm haften. Der Crew reichen zwei Treffer, um die Spur des Hais nachzuverfolgen und in den zweiten Akt überzuleiten. Je früher die Besatzung ihr Ziel erreicht, desto besser. Hat sich der Hai an den Badegästen sattgefuttert, hat er später im Kampf gegen die Crew reichlich Kraft getankt und wehrt sich umso heftiger.

Der weiße Hai im Kampf gegen die Crew

Für die Besatzung gilt es also, möglichst rasch herauszufinden, wo sich der weiße Hai gerade aufhält. Dabei helfen in erster Linie die ins Meer geworfenen Fässer. Sie sind mit Bewegungsmeldern ausgestattet. Immer wenn der Hai ein Feld mit einem Bewegungsmelder passiert, wird dies der Crew mitgeteilt. Allerdings ist der Hai ziemlich flott unterwegs und kann pro Zug drei Aktionen ausführen. Mit einer Aktion kann sich der Hai entweder um Feld bewegen oder aber einen Badegast in seinem Areal fressen. Die Crew erfährt zwar, dass ein Bewegungsmelder aktiviert wurde, jedoch nicht zu welchem Zeitpunkt des Hai-Zuges. Das macht das Herausfinden des Standorts nicht gerade einfach.

Auf der Charaktertafel haltet ihr den Spielfortschritt auf dem aktuellen Stand.

Zumal verfügt der Hai auch noch über ein paar Zusatzfähigkeiten, die er einmalig einsetzen kann. Im Fressrausch kann das Biest beispielsweise direkt zwei Schwimmer auf einmal vertilgen. Oder es kann den Turbo zünden und sich direkt drei Felder mit einer Aktion bewegen. Die Besatzung hält mit eigenen Sonderfähigkeiten dagegen. Um den Hai zu sichten, rüstet sich Brody mit einem Fernglas aus, während Hooper den Fischfinder aktiviert.

Der weiße Hai wechselt in den zweiten Akt

Die erste Episode endet, wenn der Hai von zwei Fässern erwischt oder aber wenn neun Schwimmer vom weißen Hai aufgefuttert wurden. Je nachdem wie der erste Abschnitt auf Amity Island verlaufen ist, ändern sich die Erfolgschancen für Crew und Hai im großen Finale. Hat der Hai viele Schwimmer verspeist, darf er jetzt auf eine größere Zahl von Spezialaktionen zurückgreifen. Die Besatzung kämpft hingegen um zusätzliche Ausrüstungskarten, die sie nun im Kampf gegen den weißen Hai einsetzen dürfen.

Noch ist die Orca in einem tadellosen Zustand. Doch das wird sich schon sehr bald ändern.

Das Spielbrett wird jetzt gewendet und es kommt die Orca zum Vorschein. Jetzt gibt es nur noch acht Spielfelder, rings um das Boot herum. Quint, Brody und Hooper befinden sich an Bord und versuchen dem Monster endgültig den Garaus zu machen. Ganz wie im Film erweist sich der Hai jedoch als ziemlich robust. Die Besatzung muss ihm schon einige Treffer zufügen, um siegreich nach Amity Island zurückzukehren. Zum Glück haben sich die drei Hai-Jäger gut ausgerüstet. Ein Baseball-Schläger befindet sich ebenso im Vorrat wie Machete, Pistole, Harpune und Betäubungsspeer. Die Frage ist bloß, wo hat sich die schwimmende Bieste versteckt?

Der weiße Hai überfällt die Orca aus dem Hinterhalt

Sie können nur spekulieren, an welcher Stelle der Hai auftaucht. In jeder Runde kommen drei Auftauchkarten ins Spiel, von denen sich der weiße Hai verdeckt für eine entscheidet. Die gewählte Karte legt den genauen Ort des Auftauchens fest. Die Besatzungsmitglieder bewegen sich mir ihrer Spielfigur auf dem Boot, zielen mit ihrer Waffe auf ein Wasserfeld und hoffen, dass der Hai vielleicht an dieser Stelle erscheint. Besonders vorteilhaft sind hier die Schusswaffen. Mit ihnen könnt ihr den Hai aus sicherer Distanz attackieren.

Die Besatzung der Orca hat sich hoffentlich gut ausgerüstet. Dem weißen Hai ist nur mit Waffengewalt beizukommen.

Dieser lässt die Angriffe natürlich nicht einfach so über sich ergehen. Auf der Auftauchkarte findet ihr eine Angabe, wie viele Schadenswürfel geworfen werden. Der ermittelte Schaden wird entweder an eine Person im Wasser oder an das Boot selbst verteilt. Zunächst ist die Besatzung auf ihrem Boot noch recht sicher. Doch früher oder später wird der Hai das Boot ordentlich anknabbern, später sogar ganze Teile davon zerstören. Spätestens dann werden auch die ersten Besatzungsmitglieder ins Wasser fallen.

Wer hat Angst vorm weißen Hai?

Nachdem der Hai seinen Schaden verteilt hat, folgen nun seine Zusatzangriffe. Bei allen Personen, die sich jetzt noch in seiner Reichweite im Wasser aufhalten, beißt er einmal beherzt zu und richtet erneut Schaden an. Der weiße Hai gewinnt das Spiel, wenn er entweder die Orca komplett zersägt oder aber die drei Crewmitglieder gefressen hat. Dabei helfen ihm auch seine schon erwähnten Sonderfähigkeiten. Eine hohe Welle kann die Jäger ins Wasser purzeln lassen, mit einem Rammstoß erleidet das Boot einen Extraschaden oder der Hai führt einen seiner gefürchteten Doppelangriffe durch.

Der weiße Hai ist über Ravesburger erschienen und kostet zwischen 30€ und 35€.

Die Besatzung ist siegreich, wenn sie dem Hai sämtliche Lebenspunkte entzogen haben. Bis dahin ist es zwar ein weiter Weg, doch sie sind nicht chancenlos. Neben den schon erwähnten Nah- und Fernkampfwaffen stehen ihnen auch noch Fangwaffen zur Verfügung. Sie behindern den Hai nachhaltig und üben einen Effekt aus, bis es diesem gelungen ist, sich wieder freizuschwimmen. Sehr hilfreich ist auch der Köder, die den Jägern helfen, den Auftauchort des Hais einzugrenzen. Der Hai-Käfig kann wiederum gespielt werden, um sich vor den Angriffen zu schützen.

Die Jagd nach dem weißen Hai dauert eine gute Stunde. Für ein Spiel benötigt ihr zwar nur zwei Spieler, am meisten Spaß macht eine Partie aber mit vier Teilnehmern. Im Spiel kommen auf jeden Fall immer alle drei Hai-Jäger zum Einsatz. Spielt ihr mit weniger als vier Spielern, müssen mehrere Figuren von einem Person gesteuert werden. Der weiße Hai ist über Ravensburger erschienen und steht ab sofort zum Preis von 30-35€ im Handel.

Der weiße Hai im Test:  Die spielerische Umsetzung des Kultfilms verdient sich diese Testnote

Der weiße Hai im Test: So gut ist die Brettspiel-Variante des Kultfilms.

Ich habe schon nicht schlecht gestaunt, als ich im Rahmen der Spielwarenmesse in Nürnberg über die Brettspiel-Umsetzung von „Der weiße Hai“ gestolpert bin. Der Kinofilm hat ja nun doch schon ein paar Jahre auf dem Buckel. Doch nicht umsonst ist der Streifen ein absoluter Kultfilm, den man sich auch heute noch ganz gut ansehen kann, trotz seines biblischen Alters. Kenner des Films werden erfreut sein, dass der Spirit des Kino-Schockers auch im Brettspiel verankert ist. Mit viele Liebe zum Detail sind die Autoren an die Umsetzung herangegangen. Es wurden nicht einfach nur die bekanntesten Figuren ins Brettspiel portiert, sondern die Nähe zum Kinofilm wird an vielen Stellen deutlich. Thematisch hat „Der weiße Hai“ also schon einmal ziemlich ins Schwarze getroffen. Glücklicherweise ist die Brettspiel-Adaption kein Blender, sondern kann auch spielerisch nachlegen. Jeder Charakter verfügt über besondere Fähigkeiten, die allesamt wichtig sind, um den weißen Hai zu fangen. So entsteht unter den Mitgliedern der Besatzung ein inniges Teamgefühl, das der Bedrohung durch das Monster aus dem Ozean gerecht wird. Trotzdem bleiben die Regeln übersichtlich, so dass sich auch weniger erfahrene Brettspieler, die vielleicht über die Lizenz auf den Titel aufmerksam gemacht wurden, schnell im Spiel zurechtfinden. Leider muss tatsächlich immer ein Spieler in die Rolle des Bösewichts schlüpfen, was den Teamaspekt etwas schmälert. Das Spielen des weißen Hais hat dafür aber einen ganz eigenen Reiz und vermittelt euch ein Gespür für die eindrucksvolle Kraft, die dem Tier innewohnt. „Der weiße Hai“ hat bei uns am Tisch Emotionen geweckt, nicht nur bei den Kennern des Films.

Pros

Cons

+ Brettspiel zum Film-Klassiker

- ein Spieler muss in die Rolle des Bösewichts schlüpfen

+ transportiert die Atmosphäre des Films

- ggf. muss ein Spieler mehrere Personen steuern

+ Akte spielen sich sehr unterschiedlich

+ zugängliche Regeln

+ vermittelt intensives Teamgefühl

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