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Witchstone von Reiner Knizia erscheint über den Huch-Verlag und kostet etwa 45€.

Walpurgisnacht als Brettspiel: Witchstone sorgt für magische Momente

Witchstone im Test: So spielt sich das neue Brettspiel von Reiner Knizia

  • VonSebastian Hamers
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Beim großen Treffen der Hexen und Zauberer stärkt ihr das Energiefeld des sagenumwobenen Hexensteins. Die Hexen-Zunft braucht eure Unterstützung.

  • für 2-4 Personen ab 12 Jahren
  • Spieldauer: 60-90 Minuten
  • Autor: Reiner Knizia, Martino Chiacchiera
  • Verlag: Huch
  • Preis: ca. 45€

Reiner Knizia ist ein Phänomen. Mehr als 700 Brettspiele gehen auf das Konto des Autors. Bei dieser immensen Zahl ist es wenig verwunderlich, dass sein Name auch regelmäßig im Zusammenhang mit der Spiel-des-Jahres-Verleihung fällt. In den letzten beiden Jahren landeten My City und Lama auf den Nominierungslisten der Jury. Nachdem Knizia den ersten Platz zuletzt knapp verpasst hat, versucht es der Autor in 2021 vielleicht mal zur Abwechselung in der Kennerspiel-Kategorie? Sein brandneues Brettspiel Witchstone richtet sich diesmal eher an erfahrene Spieler, die sich nicht davor scheuen, ein wenig Gehirnschmalz in eine Partie zu investieren. Ein erster Blick auf das Spielmaterial lässt es bereits erahnen. Witchstone hat es ganz schön in sich. Für die Umsetzung von Knizias Spielidee brauchte es ein prallgefülltes Spielbrett, persönliche Spielertableaus, sowie etliche Figürchen, Karten und Marker.

Witchstone mit prallgefüllter Schachtel

Doch keine Panik! Auch wenn man sich durch das Material und das Regelwerk zunächst etwas erschlagen fühlt, spielt sich Witchstone schon nach kurzer Zeit ziemlich flüssig. Dabei gilt es zunächst immerhin sechs verschiedene Aktionsmöglichkeiten zu erlernen, bevor ihr euch in eine Geschichte von Hexen und Zauberern stürzen dürft. Diese ist allerdings ziemlich dünn. Es geht um die Erneuerung eines Energiefelds, das den sagenumwobenen Hexenstein umgibt. Jeder Zauberclan muss seinen Teil dazu beitragen, damit die magische Energie weiter fließen kann. Ihr übernehmt in Witchstone die Kontrolle über einen dieser Clans, um euer Können mit den anderen zu messen.

Das Spielbrett bei Witchstone ist opulent. Kein Wunder, denn das Spiel bietet sehr viele Handlungsmöglichkeiten.

Richtig packend ist die Story des Spiels also nicht, als thematischer Überbau aber sicherlich ok. Die Qualitäten von Witchstone liegen im Zusammenspiel der Mechaniken. Im Zentrum eures Handelns liegt euer persönliches Tableau, das einen Hexenkessel darstellt. In diesen Kessel werdet ihr im Spielverlauf immer wieder frische Zutaten werfen, mit denen die bereits erwähnten sechs Aktionen ausgelöst werden. Je nach hinzugefügter Ingredienz werden so bestimmte magische Kräfte entfesselt.

Hexenkessel als zentrales Element von Witchstone

Aktionen werden durch die Benutzung des Kessels ausgelöst. Im gesamten Spielverlauf stehen euch fünfzehn Doppel-Hexplättchen mit jeweils zwei Aktionssymbolen zur Verfügung. Pro Runde legt ihr eines davon auf vorgefertigte Felder im Kessel aus. Durch das Legen eines Plättchens löst ihr so gleich zwei Aktionen aus. Jetzt kommt es darauf an, wie ihr die doppelten Hexplättchen auf eurem persönlichen Tableau auslegt. Ihr verschafft euch einen taktischen Vorteil, wenn ihr möglichst viele identische Symbole miteinander verbindet. Erstellt ihr durch das Legen eines Plättchens eine Verbindung von fünf gleichen Symbolen, dürft ihr die Aktion gleich in fünffacher Stärke durchführen.

Bei Witchstone werft ihr nach und nach neue Zutaten in den Hexenkessel, um damit Aktionen auszulösen.

Beim Legen werden euch allerdings einige Hürden in den Weg gestellt. Auf dem Kessel-Tableau liegen einige Kristalle aus, die ihr mit euren Plättchen nicht belegen dürft. So müsst ihr unter Umständen auch mal vom Pfad abweichen und mit den Hexplättchen einen kurvenreichen Weg bauen. Bei Witchstone dürft ihr allerdings nicht nur im eigenen Kessel rühren, sondern natürlich ebenso auf dem Hauptspielplan aktiv werden. Hier befindet sich auch der sagenumwobene Hexenstein. Um diesen herum platziert ihr nach und nach eure Hexen und Zauberer. Die erste Hexe wird direkt bei Spielbeginn aufgestellt. Von ihr aus spannt ihr ein Netz von Magiern um den Hexenstein herum.

Witchstone bietet zahlreiche Aktionsmöglichkeiten

Damit die Hexen und Zauberer an die strategisch wichtigen Standorte gelangen können, müsst ihr zunächst energetische Verbindungen zwischen diesen Punkten schaffen. Nutzt ihr die Energieaktion, legt ihr kleine Energiesplitter entlang der vorgefertigten Wege auf dem Hauptspielplan. Von eurer ersten Hexe ausgehend werden so Pfade erstellt, über sich nun alle Spielfiguren bewegen dürfen. In gewisser Weise helft ihr mit dem Ausbau der Wege also sogar den Mitspielern. Diese müssen die Benutzung eures Weges allerdings teuer bezahlen. 

Mit Energiesplittern ebnet ihr bei Witchstone den Weg für eure Hexen.

Zunächst werden aber erstmal neue Hexen auf dem Spielplan benötigt. Dazu investiert ihr eine Hexenaktion. Die neue Hexe taucht direkt am Platz der Startfigur auf. Jetzt gilt es noch die Zauberin an den gewünschten Ort zu bewegen. Mit nur einer weiteren Hexenaktion läuft eure Figur über beliebig viele Energiewege der eigenen Farbe. Deutlich aufwändiger wird es allerdings, wenn ihr fremde Straßen verwendet. Für jede Route eines Mitspielers müsst ihr nun eine eigene Aktion einsetzen, was euren Spielfortschritt ganz schön ins Stocken bringt. An den verschiedenen Orten sammelt ihr Magiechips ein, die euch weitere Siegpunkte und Zusatzaktionen einbringen. Schnelligkeit zahlt sich bei Witchstone also aus.

Die Macht des Pentagramms in Witchstone

Auf dem Hauptplan könnt ihr weiterhin mit der Pentagramm-Aktion aktiv werden. Das Pentagramm ist einer von mehrere Nebenschauplätzen im Spiel. Mit einem separaten Marker wandert ihr kreisförmig im Pentagramm umher und sammelt dabei Sonderplättchen ein, die ihr in die Auslage eures Kessels integrieren dürft. Die Sonderplättchen belegen dort nur ein einziges Hexfeld, sind aber dafür besonders vielseitig. Auf ihnen sind gleich zwei Aktionsmöglichkeiten aufgedruckt, was euch unter Umständen zusätzliche Aktionen einbringt und euch nochmal etwas flexibler werden lässt. Alternativ legt ihr das gesammelte Sonderplättchen direkt wieder ab, um eine der angezeigten Aktionen gleich doppelt durchzuführen. Durch die Pentagramm-Aktion lassen sich außerdem sogenannte Eulenplättchen kassieren, die sich am Spielende in Siegpunkten auszahlen.

Das Pentagramm ist bei Witchstone eine der vielen Möglichkeiten, um an zusätzliche Aktionen zu kommen.

Einen weiteren Nebenschauplatz bespielt ihr mit der Zauberstab-Aktion. Auch hier gibt es wieder einen eigenen Marker, der entlang des Stabs verschoben werden kann. Auf dem Weg zum Ende des Stabs sammelt ihr wieder Bonus-Aktionen ein oder erhaltet ein paar Extra-Siegpunkte, abhängig von verschiedenen Bedingungen im Spiel. Es zahlt sich aus, auf dem Zauberstab die Pole Position einzunehmen. Als führender Spieler werdet ihr für jeden Schritt auf dem Stab gleich doppelt belohnt.

Bewegliche Kristalle bei Witchstone

Doch es gibt noch weitere Optionen, um den Fortschritt in Witchstone voranzutreiben. Möglicherweise lohnt es sich ebenso, die Kristall-Aktion bevorzugt zu verwenden. Mit ihr bewegt ihr die Kristalle im eigenen Kessel. Bugsiert ihr sie an bestimmte Punkte auf dem Tableau, können sie den Kessel verlassen. Das ist natürlich ziemlich praktisch, weil so der Platz frei wird für eure Doppel-Hexplättchen mit den Aktionssymbolen. Doch der extrahierte Kristall bringt euch sogar noch einen weiteren Vorteil ein. Mit den Kristallen befüllt ihr ein Regal mit diversen Phiolen. Jede befüllte Phiole bringt euch wieder zusätzliche Aktionen ein, die ihr sofort einsetzen dürft. So kann sich eine Kristall-Aktion gleich doppelt auszahlen.

Bei Witchstone schiebt ihr die Kristalle aus dem Kessel. Später landen sie im Phiolenregal und lösen so Bonus-Aktionen aus.

Als sechste und letzte Möglichkeit bleibt noch die Schriftrollen-Aktion. Auf dem Hauptplan befindet sich eine Auslage mit sechs Schriftrollen. Immer wenn ihr diese Aktion verwendet, dürft ihr euch eine dieser Schriftrollen aneignen. Auch hier rentiert es sich, die Kraft der Aktion durch Verkettung von Symbolen zu verstärken. Je stärker die Schriftrollen-Aktion gewirkt wird, desto mehr Auswahlmöglichkeiten stehen euch zur Verfügung. Über die Schriftrollen erhaltet ihr Zugriff auf mächtige Zauber. Diese belohnen euch einmal mehr mit Bonus-Aktionen oder aber auch mit ein paar zusätzlichen Siegpunkten am Spielende, abhängig von verschiedenen Bedingungen nach Beendigung der Partie.

Nach genau elf Runden endet das Spiel. Jetzt müsst ihr nur noch die gesammelten Siegpunkte zusammenzählen, um den Sieger zu ermitteln. Für eine Partie solltet ihr ungefähr eine bis anderthalb Stunden Spielzeit einplanen. Witchstone ist für zwei bis vier Spieler ab zwölf Jahren geeignet und ab sofort im Handel verfügbar. Kostenpunkt: ca. 45€.

Fazit: Witchstone hat im ingame-Test kräftig gehext gut und erhält diese magische Testwertung

Magisch! Witchstone hat sich diese ingame-Testwertung herbeigezaubert.

Sechs unterschiedliche Aktionsmöglichkeiten? Das ist schon eine hohe Hausnummer. Was auf den ersten Blick ein wenig unübersichtlich klingt, spielt sich allerdings schon nach kurzer Zeit ziemlich flüssig. Bereits nach ein paar Zügen geht die Mechanik in Fleisch und Blut über und spätestens dann steht ein anspruchsvolles Strategiespiel vor euch. In Witchstone gibt es viele gleichwertige Möglichkeiten, um seine Aktionsplättchen in Siegpunkte zu verwandeln. Viele Strategien führen zum Sieg und da ihr immer nur Zugriff auf ein paar wenige Aktionsplättchen habt, müsst ihr taktisch sehr flexibel agieren. Das ist auf der einen Seite eine echte Herausforderung, auf der anderen Seite erhöht dies eben auch den Glücksfaktor. Ihr seid natürlich immer bestrebt, möglichst große Verkettungen identischer Aktionssymbole zu erstellen, nur manchmal ist dies eben nur sehr bedingt möglich. Werden euch nicht die passenden Plättchen auf die Hand gespült, geratet ihr rasch ins Hintertreffen. Das Gefühl des Triumphs ist dafür allerdings riesig, wenn ihr ein Hexplättchen zieht und damit eine Lücke zwischen zwei großen Symbolfeldern schließt. Jetzt löst ihr eine wahrhaft magische Kettenreaktion aus, die euren Siegpunktmarker auf die Überholspur schickt. Wenn ihr mit einem gewissen Glücksfaktor in einem doch recht komplexen Strategiespiel leben könnt, wartet hier ein tolles Spiel mit vielen Facetten auf euch.

ProCon
+ zugängliches Regelwerk- Thema kommt nur bedingt zum Tragen
+ tolles Spielmaterial
+ anspruchsvolle Puzzle-Mechanik
+ fordert taktische Flexibilität

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