Zombicide Green Horde im Test: Zombie-Apokalypse als Brettspiel

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Zombiiiies! CMON und Asmodee haben es wieder getan. Zombicide hat sich zu einem echten Dauerbrenner entwickelt. Erst Ende 2018 wurde wieder ein neuer Ableger des Brettspiels veröffentlicht und ein Ende ist nicht abzusehen. Seitdem das erste Spiel der Serie im Jahr 2012 erschien, hat sich einiges getan. Vor rund vier Jahren etwa wurde das Szenario aus der Jetztzeit in eine mittelalterliche Fantasy-Welt verlegt. Nicht wenige behaupten, dass die Zombieapokalypse in der fantastischen Welt noch viel besser zur Geltung kommt. Ins gleiche Horn stößt auch der aktuelle Teil der Reihe. Zombicide: Green Horde siedelt sich ebenfalls im Black-Plague-Setting an. Dort spielen, wie der Name sicher schon vermuten lässt, untote Orks eine zentrale Rolle.

Der Zombie-Virus hat auch vor den Grünhäuten keinen Halt gemacht. Als mutierte Ork-Zombies machen sie es der Heldengruppe besonders schwer. Darunter befinden sich ein paar ganz besonders wilde Exemplare. Der Ork-Totenbeschwörer hat einige fiese Tricks auf Lager und das Monstrum ist ein ziemlich dicker Brocken, der mit normalen Waffen kaum zu bezwingen ist. Als Helden müsst ihr euer Waffenarsenal also kräftig aufrüsten, um in dieser feindseligen Welt bestehen zu können.

Gewachsenes System

Wer die Zombicide-Spiele schon einige Zeit verfolgt, dem wird vielleicht gar nicht aufgefallen sein, dass die Serie eine ziemliche Entwicklung genommen hat. Evolution statt Revolution lautet hier die Devise. Mit der stetigen Veröffentlichung neuer Episoden hatten die Autoren ausreichend Zeit, dem Spiel immer mehr Feinschliff zu verpassen. Die kleinen Unklarheiten früherer Ausgaben wurden ausgebügelt. Sie sind einem fundierten Regelwerk gewichen, das auch höchsten Ansprüchen gerecht wird.

Das sechzigseitige Regelheft wirkt zunächst erschlagend. Knapp ein Drittel gehen allerdings für die Beschreibungen der insgesamt zehn Quests drauf. Dennoch ist die Regelkladde schon ein Brocken, den man erst einmal verdauen muss. Einmal mit dem Regelstudium begonnen, ist die Einarbeitung aber halb so wild. Die Regeln sind reichlich bebildert und wirklich gut zu lesen. So geht ihr gut vorbereitet in die erste Partie.

Evolution statt Revolution

Zombicide-Kennern wird ohnehin schon vieles bekannt vorkommen. Die Basisregeln bleiben auch im neuen Ableger weitgehend erhalten. Besonders Black-Plague-Spieler werden mit Green Horde sehr schnell zurechtkommen. Im Vergleich zu den Neuzeit-Zombicides liegt die größte Umstellung tatsächlich in der Veränderung des Szenarios.

Ein paar richtig coole neue Ideen hat Zombicide: Green Horde allerdings zu bieten. Die wohl bedeutendste Neuerung hört auf den vielversprechenden Namen „Die Horde“. Während der sogenannten Brutphase werden ständig neue Zombies der Horde zugeteilt. Diese bleibt allerdings zunächst passiv und greift auch noch gar nicht aktiv ins Spielgeschehen ein. Wenn jedoch die passende Karte aufgedeckt wird, kommen die gesammelten Kreaturen mit einem Schlag ins Spiel. Plötzlich seht ihr euch mit einer untoten Übermacht konfrontiert. Aaaaaah!

Packende Zombie-Atmosphäre

Das ist genau der Stoff aus dem Zombie-Träume gemacht sind. Sicher erinnert ihr euch an diese nervenaufreibenden Szenen aus The Walking Dead, Left4Dead oder anderen Zombie-Klassikern, in denen die Protagonisten genau einer solchen Übermacht gegenüberstehen. Für mich jedenfalls machen genau solche Momente ein echtes Zombie-Erlebnis aus. Dieses beklemmende Gefühl bekommt ihr mit Zombicide: Green Horde regelmäßig geliefert.

Überhaupt ist die Bedrohung im aktuellen Serienableger nochmal eine ganze Ecke höher. Spielt sich die allererste Staffel von Zombicide noch ziemlich komfortabel herunter, hat der Schwierigkeitsgrad in Green Horde gut angezogen. Die Ork-Zombies sind eben doch ein ganzes Stück robuster und hartnäckiger als ihre untoten Kollegen aus der Neuzeit. Wenn euch Zombicide bislang eher zu leicht war, bekommt ihr jetzt eine echte Herausforderung geboten.

Superwaffe gegen Ork-Zombies

Immerhin haben aber auch die Überlebenden ein paar hilfreiche Methoden entwickelt, um sich gegen die Untoten zu Wehr zu setzen. Ihre vielleicht mächtigste Waffe im Kampf gegen die Brut ist der Tribok. Dabei handelt es sich um eine mittelalterliche Wurfwaffe, eine Art Katapult, die vor allem bei Belagerungen eingesetzt wurden. Mit so einem dicken Gerät dürft ihr den Zombies tüchtig einheizen. Das Teil ist zwar in der Handhabung nicht ganz einfach, teilt aber dafür mächtig Schaden aus.

Der Tribok kann auf unterschiedliche Art beladen werden. Am meisten Wumms hat die Waffe, wenn ihr sie mit einem dicken Felsbrocken ausrüstet. Alternativ lässt sie sich aber auch mit Kugeln oder Schrot bestücken. Der Schaden ist dann zwar geringer, die Streuung der Geschosse wird jedoch größer. Das macht den Tribok zu einer vielseitigen Waffe. Sie ist nicht nur im Kampf gegen die ganz fetten Zombies effektiv, sondern auch im Einsatz gegen eine Vielzahl von Untoten. Eine echte Wunderwaffe!

Zombie-Feintuning

Neben diesen beiden großen Neuerungen, finden sich noch eine Handvoll kleinerer Veränderungen im Spielablauf wieder. Dazu gehören beispielsweise die Wasserzonen, die in einigen Szenarien eingesetzt werden. Wenn ihr mit eurer Figur ein solches Feld überqueren möchtet, strengt dies euren Charakter besonders an. Ihr seid nicht mehr ganz so schnell unterwegs wie auf festem Terrain. Die Zombies hingegen stören sich nicht sonderlich an den Wasserfeldern. Dank ihrer unbegrenzten Ausdauer schreiten sie ungehindert weiter ihrem Ziel entgegen.

Hinzu kommen auch Barrikaden und Hecken auf dem Spielplan. Sie lassen sich taktisch einsetzen und halten manchmal auch eine böse Überraschung für euch bereit. Barrikaden unterbrechen die Sichtlinie und verhindern so den Fernkampf. Ebenso verhindern sie natürlich, dass sich Figuren durch sie hindurchbewegen. Dadurch verändern die Zombies ihren gewohnten Weg und suchen sich eine alternative Route zum Ziel.

Neu dabei sind ebenso die Hecken. Anders als die Barrikaden könnt ihr durch sie hindurchschlüpfen. Sie beherbergen manchmal aber auch so ihre Gefahren. Mit etwas Würfelpech hat sich ein Zombie im Dickicht versteckt, der nur auf ein armes Opfer gewartet hat, bei dem er genussvoll zubeißen kann. Haben andere Überlebende Einblick auf das Treiben hinter einer Hecke, seid ihr hingegen auf der sicheren Seite. Die Luft ist rein und ihr könnt die Hecke gefahrlos passieren.

Bewährtes bleibt erhalten

Abseits dieser Neuerungen kann Zombicide: Green Horde auf einen ordentlichen Fundus von bewährten Spielmechaniken zurückgreifen. Wenn ihr ein paar mehr Details über die Grundfunktionen des Spiels erfahren möchtet, dann guckt euch doch gerne unseren ausführlichen Bericht zu Zombicide: Season One an. Die wesentlichen Merkmale der ersten Ausgabe haben sich etabliert und sind zu einem großen Teil immer noch aktuell.

Ähnliches lässt sich auch über die Qualität des Spielmaterials sagen. Die Ausstattung ist einmal mehr ziemlich üppig ausgefallen. Mit den neun doppelseitigen Spielplatten könnt ihr ein großes Areal für das Spiel auslegen und dort auf Zombie-Jagd gehen. Auch die Miniaturen können sich sehen lassen. Dem Spiel liegen gleich 65 detaillierte Ork-Figuren bei, hinzu kommen noch die sechs Überlebenden und das große Tribok-Katapult.

Ins Spiel werdet ihr mit einer kleinen Übungsmission eingeführt. Im Handbuch findet ihr weitere zehn Missionen, die je mindestens eine Stunde in Anspruch nehmen. Maximal sechs Überlebende können an einer Partie teilnehmen. Wer mag, kann Zombicide: Green Horde sogar im Solomodus spielen. Preislich müsst ihr mit 70-80€ rechnen. Angesichts des hochwertigen und umfangreichen Materials geht der Preis aber voll in Ordnung.

Pros

  • kooperatives Spielen
  • kein Spielleiter notwendig
  • mit Solo-Modus
  • beinhaltet zehn Missionen
  • Zombicide im mittelalterlichen Fantasy-Setting
  • neue Features sorgen für panische Stimmung am Tisch
  • gut lesbares Regelwerk
  • immer noch kultig: Zombiiiiies!!!

Cons

  • dickes Regelwerk wirkt zunächst erschlagend
  • ohne wirklich große Innovationen

Fazit

Seid ihr immer noch im Zombie-Fieber? Nachdem die große Flut mit Zombie-Spielen zuletzt etwas abgeebbt war, spielen die Untoten mit den Releases von Days Gone oder dem Remake von Resident Evil 2 im Jahr 2019 wieder eine etwas größere Rolle. Ich persönlich kann mich selbst nach der achten Staffel von The Walking Dead immer noch für Zombie-Apokalypsen begeistern. Entsprechend freudig bin ich auch das neue Zombicide: Green Horde angegangen. Den Umstieg auf eine mittelalterliche Fantasy-Welt hat die Reihe gut verkraftet. Das Spielkonzept wurde nicht völlig umgekrempelt, aber sinnvoll ergänzt. Vor allem die Horde hat es mir angetan. Wenn mit einem Schlag gleich ein ganzer Pulk frischer Zombies ins Spiel einsteigt, kommt bei den Überlebenden ordentlich Panik auf. Genau dieses Gefühl sollte ein Spiel vermitteln, das sich mit einem Zombie-Thema befasst. In diesem Punkt ist Green Horde auch noch etwas besser als beispielsweise Zombicide: Season One. Während mir der Serienerstling noch eine Spur zu leicht war, geht es in Green Horde jetzt ordentlich zur Sache. Durch kleine Neuerungen wie Wasserfelder, Barrikaden oder Hecken bietet das Spiel jetzt auch noch einen etwas größeren taktischen Einschlag. Insgesamt ist Zombicide: Green Horde eine gelungene Weiterentwicklung der Reihe. Die ganz großen Innovationen bleiben zwar aus, angesichts eines wirklich gut funktionierenden Spielsystems, war dies aber auch nicht zu erwarten. Wenn ihr angesichts der modernen Zombie-Popkultur, die ja meist in der Jetztzeit spielt, nicht gerne auf ein Mittelalter-Szenario zurückgreifen wollt, findet ihr innerhalb der Zombicide-Reihe zahlreiche Alternativen. Damit sollte jeder Zombie-Fan auch sein passendes Zombicide-Brettspiel finden.

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