Zombicide Night of the Living Dead CMON Zombie Baum Cover Verpackung
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Zombicide Night of the Living Dead erscheint über Asmodee und kostet 80-90€.

In Zombicide: Night of the Living Dead dürft ihr einen echten Filmklassiker nachspielen

Zombicide - The Night of the Living Dead im Test: Das Horror-Brettspiel mit 68er-Charme

  • vonSebastian Hamers
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Die Erfolgsreihe Zombicide wird fortgesetzt. Diesmal hat sich CMON mit The Night of the Living Dead ein ganz besonderes Thema herausgepickt.

  • kooperatives Horrorspiel
  • angelehnt an den 68er-Kultfilm „Die Nacht der lebenden Toten“
  • enthält 66 Miniaturen
  • für 1-6 Spieler ab 15 Jahren geeignet

Markenpflege hat bei den Publishern von Videospielen eine hohe Priorität. Oft sind es eben doch die Serien mit einer langjährigen Tradition, die besonders viel Kohle in ihre Kassen spülen. Ähnliche Mechanismen sind in der Brettspiel-Branche zwar längst nicht so allgegenwärtig, greifen jedoch auch hier spürbar immer mehr. Ein gutes Beispiel dafür ist die Brettspiel-Reihe Zombicide von CMON. Inzwischen ist die Produktpalette ordentlich gewachsen. Zunächst begann die Serie in der Jetzt-Zeit, verlegte später das Szenario alternativ ins Mittelalter, in eine Fantasy-Welt oder gar in ein SciFi-Setting. Alle Möglichkeiten also abgegrast? Auf keinen Fall, CMONs neuester Streich bedient sich eines alten Filmklassikers. Zombicide: Night of the Living Dead führt euch zurück ins Jahr 1968, der Geburtsstunde des Kultfilms „Die Nacht der Lebenden Toten“.

Kenner der Zombicide-Reihe dürfen sich auf viel Altbewährtes, aber auch auf ein paar Neuerungen freuen. Wie gehabt bewegt ihr euch kooperativ als Gruppe von Überlebenden einer Zombie-Apokalypse durch insgesamt zehn Abenteuer. Eine der großen Stärken der Serie ist seit jeher, dass sie das Gefühl der Bedrohung durch die Untoten sehr gut auffängt. In den Straßen wimmelt es nur so von Zombies. Zombicide ist eine echte Materialschlacht. Läuft es für eure Gruppe mal richtig mies, marodieren mal schnell mehrere Dutzend Untote um die Häuser. Diese Tugend trifft auch auf Zombicide: Night of the Living Dead zu. Entsprechend kann sich die Ausstattung des Spiels mal wieder einmal sehen lassen.

Zombicide: Night of the Living Dead mit opulentem Material

Insgesamt liegen dem Spiel 66 Miniaturen bei: 54 Zombies sowie 12 Überlebende. Die Zahl Letzterer mag eingefleischte Zombicide-Fans etwas stutzig machen, schließlich kommen doch pro Partie immer nur sechs Heldenfiguren zum Einsatz. Womit wir auch schon gleich bei der wohl größten Neuerung wären. Bei den sechs Charakteren im Spiel handelt es sich um die Protagonisten des Films von 1968. Jede Figur liegt in gleich zwei Ausführungen vor. Die graue Miniatur steht für den Romero-Modus, benannt nach dem Regisseur und Drehbuchautor. Im Romero-Modus agieren die Charaktere noch eher zurückhaltend, verängstigt und vor allem misstrauisch.

Der Romero-Modus von Zombicide Night of the Living Dead stellt das Misstrauen der Charaktere untereinander dar.

Haben die Figuren jedoch erst Vertrauen zu den anderen Überlebenden gefasst, wechseln sie in den Zombicide-Modus und erhalten eine braune Miniatur. Die Charaktere haben beschlossen, das Heft des Handelns in die Hand zu nehmen, was ihnen Flügel verleiht. Sie erhalten mitunter neue Fertigkeiten und bekommen Zugriff auf besonders mächtige Waffen. Um die Zombie-Apokalypse zu überleben, solltet ihr also möglichst rasch damit anfangen, euch gegenseitig zu vertrauen. Doch warum solltet ihr wildfremden Menschen euer Leben anvertrauen?

Die Bedeutung der Winchester 94 in Zombicide: Night of the Living Dead

Dazu bedarf es schon einer großen Geste. Symbolträchtig ist hier die Winchester 94, ein Repetiergewehr mit Hebelwirkung und großer Durchschlagskraft. Reicht ihr die Flinte an einen anderen Charakter weiter, dürft ihr als Belohnung direkt in den Zombicide-Modus wechseln. Praktischerweise gehört die Winchester direkt zur Startausrüstung der Überlebenden, was euch den Wechsel recht schnell ermöglicht. Es ist jedoch keineswegs garantiert, dass ihr das gesamte Abenteuer hindurch in diesem Modes verbleiben dürft.

Die Fettbrocken in Zombicide Night of the Living Dead sind besonders herausfordernde Gegner.

Hin und wieder tauchen zombifizierte Verwandte von euch auf. Ein echter Schock! Steht plötzlich ein Mitglied der Familie als Zombie vor euch, wirft euch das moralisch wieder deutlich zurück. Ihr müsst eure Figur wieder in die Romero-Variante verwandeln. Erst wenn ihr den Zombie-Verwandten endgültig ausgelöscht habt, kehren eure alten Kräfte wieder zu euch zurück. So nimmt der Verlauf der Horrorgeschichte manchmal eine dramatische Wendung.

Mit Uzi und Kettensäge durch Zombicide: Night of the Living Dead

Bei aller Emotionalität gegenüber den untoten Familienmitgliedern solltet ihr euer Ziel jedoch nie aus den Augen verlieren. Dieses variiert von Mission zu Mission. Manchmal müsst ihr eine ganze Region von Zombies befreien, mal reicht es aus, wenn ihr euch erstmal in einem Haus verbarrikadiert. Inhaltlich bauen die einzelnen Szenen aufeinander auf und geben den Film in groben Zügen wieder. Wie ihr euch sicher schon gedacht habt, ohne Waffengewalt läuft das postapokalyptische Abenteuer nicht vonstatten. Beim Start verfügt ihr zwar schon über ein paar einfache Waffen, das richtig coole Zeug findet ihr allerdings erst im Spielverlauf.

In Zombicide Night of the Living Dead lassen sich einzelne Gegenstände zu tödlichen Waffen kombinieren.

Deshalb durchsucht ihr zwischenzeitlich immer wieder die leerstehenden Häuser nach besseren Ausrüstungsgegenständen. Dazu gehören zahlreiche Nah- und Fernkampfwaffen, mit denen ihr die Zombiebrut unter Kontrolle bringen könnt. Doch auch andere Gegenstände wie Taschenlampen, Einmachgläser oder einfache Holzbretter machen euch das Leben in Zombicide einfacher. Mit dem passenden Equipment können die Überlebenden etwa Barrikaden bauen, um den Zombies den Weg zu versperren oder sie zumindest in andere Bahnen zu leiten.

In Zombicide: Night of the Living Dead zählt der kooperative Gedanke

Einige Fundstücke sind vor allem in Kombination mit anderen Gegenständen hilfreich. Brennbare Flüssigkeit in einem Einmachglas wird zu einem todbringenden Molotow-Cocktail ergänzt und aus der guten alten Winchester 94 wird zusammen mit einem Zielfernrohr ein richtiges Scharfschützengewehr. Wenn ihr als Gruppe Überlebender gut zusammenarbeitet, könnt ihr macgyvermäßig eine Superausrüstung zusammenbasteln. Diese werdet ihr auch dringend benötigen, denn die Zombies in den Straßen haben es in sich.

Der größte Schrecken der Zombies entsteht einfach durch ihre enorme Anzahl. Die meisten Untoten halten lediglich einen Treffer aus, bevor sie die Segel streichen. Der Fettbrocken, ein besonders großer und übergewichtiger Zombie, scheint jedoch besonders robust zu sein. Einen einfachen Treffer steckt das dicke Viech einfach so weg. Um den Fettbrocken von der Bildfläche zu pusten, müssen also schon größere Kaliber her. Ihr braucht eine Waffe, die mindestens zwei Schadenspunkte zufügen kann. Das Blöde: der Fettbrocken stellt sich schützend vor die anderen Zombies in seiner Zone und absorbiert sämtliche Kugeln, als wären es nur lästige Mückenstiche.

Der Zertrümmerer ist manchmal eine besonders große Bedrohung in Zombicide Night of the Living Dead.

Sehr gefährlich können zudem die sogenannten Zertrümmerer werden. Bei ihnen handelt es sich eigentlich um ganz normale Zombies, die jedoch über die Eigenschaft verfügen, eure mühsam errichteten Barrikaden wieder einzureißen. Das kann unter Umständen zum echten Problem werden. Sammelt sich vor eurer Tür eine ganze Meute von Zombies, verschafft ihnen der Zertrümmerer schnell den Zutritt und Sekunden später steht ihr einer Übermacht an Untoten gegenüber. Ihr solltet diese besondere Zombie-Spezies also auf jeden Fall immer gut im Blick behalten.

Rasante Autofahrten in Zombicide: Night of the Living Dead

Wächst euch die Sache tatsächlich mal über den Kopf, kann es manchmal hilfreich sein, einfach mit dem Auto zu türmen. Einige Szenen bringen ein Auto ins Spiel, das ihr nutzen könnt, um von einem Ort möglichst schnell zu fliehen. Steht euch dabei vielleicht noch der ein oder andere Zombie im Weg, dann drückt richtig aufs Gas. Das Auto kann durchaus als Waffe dienen. Ihr solltet bei eurer Fahrt jedoch beachten, dass ein Auto nicht für jedes Terrain geeignet ist. Maisfelder oder Wälder sind für das Auto nicht passierbar.

Erst im Zombicide-Modus laufen die Charaktere in Zombicide Night of the Living Dead zu Hochform auf.

Es kann sich jedoch durchaus lohnen, sich auf der Flucht in ein Maisfeld oder einen Wald hineinzubegeben. Das unwegsame Gebiet sorgt dafür, dass ihr außer Sichtweite geratet und somit für die Zombies nicht mehr die erste Priorität darstellt. Somit lässt sich das Terrain in Zombicide: Night of the Living Dead prima taktisch nutzen. Eine gut geplante Vorgehensweise zahlt sich aus. Aggressive Haudrauf-Berseker werden den nächsten Story-Abschnitt vielleicht nicht mehr erleben.

Zombicide: Night of the Living Dead motiviert mit Level-System

Dabei ist es doch gerade der Spielfortschritt, der in Zombicide so motiviert. Bei Spielbeginn sind die Charaktere noch ziemlich von der Zombiewelle eingeschüchtert und agieren eher verhalten. Im weiteren Verlauf beweisen sie jedoch echte Survival-Qualitäten. Jeder gekillte Zombie bringt euch einen Erfahrungspunkt ein, die euch irgendwann ein Level-up bescheren. Die neu hinzugewonnen Fähigkeiten sind ein wahrer Segen. Jeder Charakter verfügt über eine gewisse Auswahl an Attributen, die ihr freischalten könnt. Bis zu einem gewissen Grad gibt es also durchaus ein paar Gestaltungsmöglichkeiten für eure Spielfigur.

Die Ausstattung von Zombicide Night of the Living Dead kann sich sehen lassen. Dem Spiel liegen 66 Miniaturen bei.

Zombicide: The Night of the Living Dead besteht aus insgesamt zehn Missionen mit unterschiedlicher Spieldauer von 45-90 Minuten. Das Spiel ist für ein bis sechs Spieler ab fünfzehn Jahren geeignet. Im deutschsprachigen Raum ist Night of the Living Dead über Asmodee erschienen. Ihr findet es ab sofort zum Preis von 80-90€ im Handel.

Fazit: Zombicide – Night of the Living Dead hat sich mit 68er-Charme und gruseliger Atmosphäre diese Testwertung verdient

Zombicide – Night of the Living Dead hat sich mit 68er-Charme und gruseliger Atmosphäre diese Testwertung verdient.

Zombicide: Night of the Living Dead ist inzwischen bereits das vierte Spiel der Reihe, das bei mir auf dem Tisch landete. Kenner der Serie müssen sich nicht groß in den Ablauf einarbeiten, sondern finden sich sofort zurecht. Die wohl größte Änderung besteht im Wechsel zwischen Romero- und Zombicide-Modus der Charaktere. Der Romero-Modus soll das große Misstrauen der Protagonisten untereinander darstellen, ganz wie beim filmischen Vorbild. Spielmechanisch wird diese durch die Übergabe der Winchester 94 abgehandelt. Diese Regelung führt meist dazu, dass die Flinte direkt zu Beginn des Abenteuers durch die Reihen der Überlebenden rotiert, was sich wie eine lästige Pflichtübung anfühlt. Deutlich atmosphärischer geschieht dafür die Rückverwandlung in den verschüchterten Romero-Zustand, wenn ein Verwandter in Zombiegestalt auftaucht. Ihr werdet nun alles daransetzen, das untote Familienmitglied zu vernichten, um wieder in den Genuss eurer Superfertigkeiten zu kommen. Das kann mitunter eine knifflige Aufgabe werden, wenn sich der Verwandte in eine Zombiehorde gemischt hat. Wie alle anderen Zombicide-Varianten besticht auch Zombicide: Night of the Living Dead durch seine düstere Atmosphäre. Es macht unheimlich viel her, wenn sich ganze Scharen von Zombies durch die Straßen schlängeln. Zur Stimmung tragen dabei natürlich die detailreichen CMON-Miniaturen bei, in Sachen Materialqualität kann das Spiel aus dem Vollen schöpfen. Kenner des 68er-Klassikers „Die Nacht der lebenden Toten“ freuen sich zudem über alte Bekannte. Die wichtigsten Figuren aus dem Film, sowie etliche Szenen, finden sich im Brettspiel wieder. Doch auch wenn ihr den Film bislang nicht gesehen habt, könnt ihr euch an das Spiel wagen. Ein Vorwissen ist auf jeden Fall nicht notwendig, um das neue Zombicide zu genießen. Mit der neuen Barrikaden-Funktion kommt ein weiteres interessantes Spielelement hinzu, das hoffentlich in weiteren Neuerscheinungen eine Fortsetzung findet. Insgesamt ist Zombicide: Night of the Living Dead ein würdiger Serienvertreter. Es spielt sich insgesamt etwas ruhiger als seine Vorgänger, weniger hektisch und pompös, passt also wunderbar zum 68er-Flair des Films. Auf den Bombast der riesigen Super-Zombies müsst ihr daher leider verzichten. Den kleinen Malus macht das Spiel mit seinen anderen Qualitäten allerdings locker wett.

ProCon
+ versprüht 68er-Charme- Wechsel von Romero- zu Zombicide-Modus eher lästig
+ tolle Ausstattung
+ kooperative Spielweise
+ vermittelt ein glaubhaftes Bedrohungsgefühl durch Zombies
+ variabler Schwierigkeitsgrad
+ neue Barrikade-Funktion

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