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Die Zukunft von Camelot im Test: Die Arthus-Saga als Brettspiel

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Von: Sebastian Hamers

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Die Zukunft von Camelot erscheint über Schmidt Spiele und kostet 25-30€. © Schmidt Spiele

Wenn König Arthus ruft, kommen die Ritter der Tafelrunde zusammen. Es geht in diesem Brettspiel schließlich um Die Zukunft von Camelot.

Geht es um die Suche nach einem thematischen Unterbau für ein neues Brettspiel, steht man als Autor wohl vor einem großen Problem. Eigentlich wurde in den letzten Jahren doch schon so ziemlich alles abgegrast. Selbst Nischenthemen wie Cyberpunk oder schräge Zeitreiseszenarien gewinnen 2022 schon lange keinen Innovationspreis mehr. Was also tun? Warum nicht mal wieder zu einem echten Klassiker greifen? Das hat sich möglicherweise auch Emanuelle Briano gedacht, der in diesem Jahr seinen jüngsten Streich bei Schmidt Spiele untergebracht hat. In seinem Spiel dreht sich alles um die legendäre Sage von König Arthus und die Ritter der Tafelrunde. In „Die Zukunft von Camelot“ geht es um ritterliche Einsatzbereitschaft, magische Fähigkeiten und natürlich darf auch die Suche nach dem Heiligen Gral nicht fehlen.

Die Zukunft von Camelot liegt in euren Händen

Vierzehn Ritter stehen euch in den Ränkespielen um die Macht in Camelot treu zur Seite. Ihr werdet ihre Unterstützung dringend brauchen, denn sie werden in eurem Namen in die Ferne ziehen, um bedeutsame Missionen für das Königreich zu erfüllen. Im Gegenzug gewährt euch König Arthus wachsenden Einfluss in seinem Palast. Aber natürlich versuchen eure Mitspieler sich auf die gleiche Tour beim König einzuschleimen. So entsteht ein Hauen und Stechen um den Einzug in den Thronsaal, fast alles ist erlaubt…

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Bei Die Zukunft von Camelot lässt sich das Spielfeld modular zusammensetzen. © Schmidt Spiele

Gerungen wird vor allem um die anstehenden Missionen selbst, denn nur jeweils einem Spieler wird die Ehre zuteil, seine Gefolgsleute auf die Reise zu schicken. Statt Waffengewalt ist allerdings ein wacher Geist gefragt. Gut geblufft ist halb gewonnen. In jeder Runde nehmt ihr im Geheimen bis zu drei Ritterfiguren in die Hand. Haben sich alle Spieler für eine Anzahl entschieden, geht das Knobeln los. Wie viele Ritter halten die Spieler zusammen wohl in ihren Fäusten versteckt? Wer die Zahl genau errät, darf seine Ritter anschließend zuerst auf eine der ausliegenden Missionen schicken.

Richtig Bluffen bei Die Zukunft von Camelot

Natürlich wird bei Die Zukunft von Camelot nicht einfach so ins Blaue getippt. Jeder Spieler spekuliert in der laufenden Runde möglicherweise darauf, seine Ritter auf eine ganz bestimmte Mission schicken zu können. Je nach Spielerzahl liegen zwischen fünf und sechs Missionskarten aus, die einem gewissen Ranking unterworfen sind. Jede Karte zeigt ein bis drei Schilde. Sie stehen für die Zahl der Ritterfiguren, die zur Erfüllung dieses Auftrags eingesetzt werden müssen. Wer gut tippt, kann seine eingesetzten Ritter jetzt tatsächlich auf die gewünschte Expedition schicken. Andernfalls lauft ihr Gefahr, dass ihr spontan umplanen oder – im schlimmsten Fall – eure Ritter tatenlos wieder nach Hause schicken müsst.

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Die Missionskarten sind das Herz von Die Zukunft von Camelot. © Schmidt Spiele

Habt ihr euch eine Mission gesichert, darf jeder Ritter nun sein Werk verrichten und eines der Schildsymbole auf der Missionskarte besetzen. Diese tauchen in vier unterschiedlichen Farben auf und stehen für jeweils einen Raum im Königspalast. Genau in diesen Raum darf der Ritter jetzt verschoben werden, wo er einen der wertvollen Plätze besetzt. Von dort aus werden eure Gefolgsleute nun ihren Einfluss für euch geltend machen.

Machtspielchen in Die Zukunft von Camelot

In diesen vier Räumen gibt es haufenweise Siegpunkte zu gewinnen. Je mehr Figuren ihr in den einzelnen Räumen unterbringt, desto besser für euch. Allerdings kommt es auch hier auf die taktische Platzierung der Ritter an. Jeder Raum hat seine Eigenarten und enthält ein individuelles Minispielchen, in denen ihr euch um die beste Punktausbeute streitet. Auf dem Trainingsplatz des Königs stellt ihr eure Figuren in ein 4x4 Felder großes Raster. In diesem versucht ihr eine Dreierkette mit eigenen Rittern zu besetzen, egal ob horizontal, vertikal oder diagonal. Der Brettspiel-Klassiker „Vier gewinnt“ lässt grüßen. Wer seine Ritter geschickt in den Raum schickt, kann so wertvolle Boni freischalten.

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Bei Die Zukunft von Camelot kämpft ihr auch um die Gunst der Königin. © Schmidt Spiele

Manchmal geht es, wie im Raum der Tafelrunde, auch ganz einfach um die Schaffung von Mehrheiten. Im Ballsaal hingegen versucht ihr in einer kreisförmigen Anordnung vor allem bestimmte Felder zu besetzen, da sie euch in der Gunst der Königin steigen lassen. Habt ihr genügend Ansehen bei der holden Dame gesammelt, winkt ein dicker Batzen mit Bonuspunkten. In der Kapelle des Schlosses beschreitet ihr wiederum den Pfad der Gläubigen. Die Plätze für die Ritter werden nach oben hin immer enger, so dass am Ende nur ein Spieler die Spitze des Raums erklimmen kann. Und dort kassiert ihr natürlich die meisten Siegpunkte.

Austauschbare Spielelemente sorgen bei Die Zukunft von Camelot für Abwechslung

Die Zukunft von Camelot bietet für mehr Abwechslungsreichtum noch alternative Räumlichkeiten im Königspalast an. Ihr könnt die Räume nach eigenen Vorlieben miteinander kombinieren oder sie einfach nach dem Zufallsprinzip auswählen. Je nach Zusammenstellung der Auslage verändert sich die taktische Marschroute, denn jeder Raum bietet nicht nur ein eigenes Minispielchen, sondern auch eine neue Anordnung der zahlreichen Zusatzaktionen.

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Die Zukunft von Camelot kann optional mit den Heldencharakteren gespielt werden. © Schmidt Spiele

Diese wurden reichlich auf den Feldern der Räumlichkeiten verteilt. Zu holen gibt es dort nicht nur zusätzliche Siegpunkte, sondern einiges mehr. Häufig dürft ihr beispielsweise einen weiteren Ritter in einen bestimmten Raum entsenden, was manchmal direkt eine weitere Aktion nach sich zieht. Auf diese Weise entstehen schöne Kettenreaktionen, wenn ihr den Zug taktisch klug vorausplant. Auf einigen Feldern lassen sich zudem Fragmente des Heiligen Grals entdecken. Auch diese belohnt der König am Spielende mit Siegpunkten. Die größte Ausbeute erhaltet ihr aber natürlich, wenn ihr vollständige Grale zusammengepuzzelt habt.

Ritter im Hinterland bei Die Zukunft von Camelot

Ziemlich hilfreich können ebenso die Baumfelder in der Auslage sein. Sie erlauben euch, einen Ritter aus dem Hinterland wieder zurück in den persönlichen Vorrat zu holen. Die Ritterfiguren vergaloppieren sich nämlich gerne einmal, wenn ihr bei der anfänglichen Schätzrunde nicht ganz so erfolgreich gewesen seid. Wolltet ihr ursprünglich drei Ritter aussenden, die angedachte Mission steht nun aber gar nicht mehr zur Verfügung, lassen sich die eingesetzten Figuren gar nicht mehr vollständig auf einer Missionskarte unterbringen. Die verbleibenden Ritter landen irgendwo im Hinterland und müssen erst über diese Zusatzaktion wieder zurückbeordert werden.

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Die Spielerreihenfolge spielt bei Die Zukunft von Camelot eine ganz besondere Rolle. © Schmidt Spiele

Sollte der ritterliche Vorrat mal ein wenig knapp werden, dürft ihr die Rückholaktion auch ganz aktiv herbeiführen. Wer zu Rundenbeginn überhaupt keine Figuren in seiner Faust versteckt, darf zwar keine der ausliegenden Missionen erfüllen, dafür aber bis zu zwei Ritter aus dem Hinterland zurückholen. Ganz ohne Beute kehren die Gefolgsleute ebenfalls nicht zurück. Jeder von ihnen bringt ein Fragment des Grals mit nach Hause.

Mutige Helden gestalten Die Zukunft von Camelot

Optional lässt sich das Spiel noch mit fünf Helden von Camelot erweitern. Jeder von ihnen bringt zwei Spezialfähigkeiten mit, die sich jeweils einmal pro Partie einsetzen lassen. Die fünf Charaktere sind darüber hinaus in eine kleine Rahmenhandlung eingebunden. Parzival etwa hat bereits einmal den Heiligen Gral in Händen gehalten, seinen Wert damals aber nicht erkannt. Jetzt nimmt er die Kelche des Königreichs offenbar etwas genauer in Augenschein und muss sein Fragment-Plättchen nicht blind ziehen, wie seine Konkurrenten. Da die Heldencharaktere den Ablauf nur punktuell verändern, lassen sie sich problemlos bereits ab der ersten Partie ins Spiel integrieren.

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Der König belohnt vollständige Grale bei Die Zukunft von Camelot mit besonders vielen Siegpunkten. © Schmidt Spiele

Die Zukunft von Camelot ist für zwei bis fünf Personen ab zehn Jahren geeignet. Für eine Partie solltet ihr 45-60 Minuten einkalkulieren. Ihr findet das Spiel ab sofort zum Preis von 25-30€ im Handel.

Fazit: Die Ritter der Wertungsrunde haben für Die Zukunft von Camelot diese ehrwürdige ingame-Testwertung erhoben

Wertungsgrafik Zukunft von Camelot
Die königliche Wertungsrunde vergibt an Die Zukunft von Camelot diese ritterliche ingame-Testwertung. © ingame.de

Die kunterbunte Optik von Die Zukunft von Camelot lässt es bereits erahnen. Das Spiel richtet sich vielleicht nicht ganz die beinharten Brettspiel-Enthusiasten, die sich ganz tief in taktische Winkelzüge einarbeiten wollen. Für ausgemachte Strategiefüchse mag der Zufallsfaktor dann vielleicht doch eine Spur zu groß sein. Dafür besticht der Schmidt-Titel mit anderen Qualitäten. Das Zocken um den begehrten Startspielerplatz etwa sorgt in jeder Rune erneut für Spannung. Wer sich hier arg verzockt, muss seine Ambitionen oft ganz schön herunterschrauben. Zumindest für die laufende Runde, schließlich werden die Karten in Die Zukunft von Camelot ständig neu gemischt. Viel Freude bereiten auch etwaige Kettenreaktionen, die sich manchmal ergeben, wenn die Konstellationen für die Ritterfiguren günstig stehen. Hier ein Figürchen, dann darf noch dort eins hin und schwupps… gibt es eine warme Punktedusche. Klar, so richtig durchplanbar ist das alles nicht. Geht ein Plan nicht aus, ist eben euer Improvisationstalent gefordert. Doch genau das macht den Reiz bei Die Zukunft von Camelot schließlich aus.

ProCon
+ modularer Spielaufbau sorgt für Abwechslung- mäßige taktische Tiefe
+ hohe Interaktion
+ schöne optische Aufmachung
+ zugängliche Regeln

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