Meinung

LoL Worlds 2020: NA so schlecht wie noch nie – Gründe fürs Versagen der US-Teams

  • vonLars Bendixen
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NA ist erneut in der Gruppenphase der LoL Worlds 2020 gescheitert – Wie verraten euch die Gründe für das notorische Versagen und welche Lösungen lassen sich finden?

  • Welche Gründe gibt es für die durchwachsene Leistung der US-Teams auf internationalen Turnieren? (Alles zum Thema E-Sport)
  • Bei den LoL Worlds 2020 konnte kein Team aus NA (Nordamerika) ins Viertelfinale einziehen.
  • Zu hohe Gehälter, schlechter Ping und fehlende Amateurszene plagen Nordamerika.

Los Angeles, USA – Zurzeit finden die LoL Worlds 2020 in Shanghai, China statt. Doch die Teams aus NA dürften sich jetzt schon am Flughafen befinden. Es kann doch nicht sein, dass NA wirklich jedes Jahr wieder neue Memes, Spott und Negativrekorde hervorbringt. Etwas muss sich gehörig in der LCS ändern, sonst werden die Wildcard-Teams NA früher oder später tatsächlich überholen. Daher habe ich mich näher mit den Problemen der amerikanischen Region beschäftigt und auch mögliche Lösungsvorschläge parat.

Name des SpielsLeague of Legends (LoL)
Release (Datum der Erstveröffentlichung)27. Oktober 2009
Publisher / EntwicklerRiot Games
Serie-
PlattformPC
GenreMultiplayer Online Battle Arena (MOBA)

LoL Worlds 2020: Darum ist NA so schlecht – Amerikas Historie und was man daraus lernen kann

Zuerst möchte ich die Geschichte von NA bei den LoL Worlds 2020 und den vergangenen Jahren ein wenig rekapitulieren. Amerikas größte Erfolge waren Cloud 9s Halbfinaleinzug bei den Worlds 2018 und Team Liquids MSI Finale 2019. Beide endeten in einem 3:0 Desaster gegen Teams aus EU (Europa). Trotzdem sollte man diese Leistungen nicht herabwürdigen. Sowohl der Lauf von Cloud 9 von den NA-LCS Regional Qualifiers bis ins Halbfinale und Team Liquids Sieg über Invictus Gaming sind beeindruckend. Beteiligt an beiden historischen Ereignissen war EU-Import Nicolaj „Jensen“ Jensen.

Cloud 9 war ein eingespieltes Team mit Zugabe der heimischen Rookies Eric „Licorice“ Ritchie und Tristan „Zeyzal“ Stidam. Team Liquid hingegen war ein mit Starspielern aus der ganzen Welt und Nordamerika besetztes Team. Diese Zusammenstellungen könnten zwei zukünftige Wege für möglichen Erfolg von NA zeigen. Dieses Jahr stimmte der Mix nicht wirklich. NA hatte mit Team Liquid und FlyQuest zwar kein schlechtes Showing auf den Worlds 2020, jedoch blamierte sich TSM und damit die ganze Region auf ganzer Linie. Noch im Rennen bei den LoL Worlds 2020 sind die europäischen Teams, deren Gegner im Viertelfinale nun bekannt sind.

[Spoiler] Worlds history has been made! from r/leagueoflegends

Team Liquid und FlyQuest fehlte zum Weiterkommen lediglich ein Sieg bei den Worlds 2020. Mit drei Siegen und drei Niederlagen haben sich gewiss beide Teams nicht schlecht verkauft und besonders FlyQuest hatte eine extrem schwere Gruppe erwischt. Kommen wir aber nun zum Übeltäter TSM. Das Team Solo Mid hat Geschichte geschrieben. Sie sind das erste First-Seed-Team, welches ohne einen einzigen Sieg ausgeschieden ist. Zudem sind sie auch das einzige Team ohne Sieg in den Worlds 2020 selbst mit allen Play-In-Teams einberechnet. Denn bei den Play-Ins der LoL Worlds 2020 sah es für NA recht gut aus.

LoL Worlds 2020: Darum ist NA so schlecht – Die drei großen Probleme der amerikanischen Region

Sicherlich gibt es noch mehr als drei Gründe für das schlechte Abschneiden von NA. Jedoch wäre die Lesezeit dann länger als das MSI Finale 2019 und ich möchte mich auf drei grundlegende Anhaltspunkte fokussieren.

Zu hohe Gehälter & Einstellung: Die Gehälter in den Vereinigten Staaten stehen einfach nicht im richtigen Verhältnis zu den erbrachten Leistungen. Laut dot.esports.com verdient der durchschnittliche LCS-Spieler über 400 000 Dollar im Jahr. Kein Wunder, dass sich viele erfahrene Spiele den NA-Pension-Plan gönnen. Natürlich gibt es auch Ausnahmen, wie Jo „CoreJJ“ Yong-in und Mads „Broxah“ Brock-Pedersen, die sich neu beweisen wollen.

Solche Gehälter können den ein oder anderen Spieler sicherlich nach Nordamerika locken, jedoch wäre das Geld besser in den Strukturen der Organisationen aufgehoben. NA hängt nämlich in der Praxis, den Strukturen und dem Einsetzen von Mitarbeitern anderen Regionen hinterher. Auch nehmen teure Imports den Platz für neue Talente weg. Seht euch doch um bei den Worlds 2020. Suning, MadLions, TopEsports sind alles recht neue Gesichter in der Szene.

LoL Worlds 2020: Darum ist NA so schlecht – Gründe für das Versagen Amerikas

Auch an der Einstellung des Staffs und der Spieler sollte gearbeitet und investiert werden. So sollten Spieler weniger Zeit in andere Games invertieren. Es ist normal, sich auch als Profi notwendige Pausen von League of Legends zu nehmen, doch die Memes, dass LCS-Spieler lieber Fall-Guys oder damals Fortnite spielen, sind nicht komplett aus der Luft gegriffen. LoL wird immer mehr zu einer psychischen Aufgabe als einer rein mechanischen. Deswegen sollten Motivationstrainer und das Content-Team, die Spieler unterstützen, mental stark in das nächste Match zu gehen. Dann dürfen sie auch, wie G2 Toplaner Martin „Wunder“ Nordahl Hansen in den nächsten Raid von World of Warcraft gehen.

Academy & Nachwuchs: Ebenfalls gut investiert wäre das viele Geld in die Amateurszene von Nordamerika. Während Europa mit vielen nationalen Ligen auf dem Vormarsch ist und Turniere wie die EU-Masters abhält, hört man nur neue Horrorstorys aus Amerika. So sollen, nach dem Propheten und LCK-Color Caster LS, Spieler Scrims gegen Academyteams bewusst ablehnt haben, da sie Angst hätten, dass dadurch die Academy Spieler besser werden und ihren Job übernehmen.

Das ist einfach nicht mehr an Lächerlichkeit zu überbieten und zeigt, dass viele Spieler in NA gar nicht darauf aus sind, sich zu verändern. Diese Mentalität sollte schleunigst geändert werden. Doch wie, wenn Imports Plätze einnehmen und sich für die Amateurszene ein Dreck geschert wird? Es wäre eine Überlegung wert, das grundsätzliche System zu überarbeiten und neue Perspektiven für junge Spieler zu schaffen, indem man Importslots besser einsetzt und unerfahrene Spieler beispielsweise auf Highschools und Tunieren fördert.

Ping & SoloQ: Ein kleineres Problem, welches außerhalb der Hände von NA liegt, ist der Ping. Dieser ist zwar für Scrims im Turniermodus auf 0, dennoch leiden abseits der Profis etliche Spieler, die den Weg nach oben machen wollen, an einem hohen Ping. Dadurch könnten verstecke Talente verloren gehen und zudem sinkt das durchschnittliche Spielniveau in der SoloQ. Leider gibt es keine gute Lösung, da der amerikanische Server schon so zentral, wie möglich steht und eine Aufteilung in mehrere Server voraussichtlich zu noch mehr Problemen führen würde.

Die SoloQ in Nordamerika ist ohnehin ein schwieriges Territorium. So sprach auch der Ex-Profi und Twitch-Streamer Voyboy dieses Jahr in einem YouTube-Video viele Probleme an. So finden sich in NAs SoloQ sowohl viele One-Trick-Ponys (OTP), also Spieler, die nur einen einzigen Champion spielen, als auch Griefer und toxische Spieler. Riot Games hat auch auf anderen Servern Problemen mit einem ähnlichen Verhalten der Spieler, doch in Nordamerika sind diese Aspekte unverhältnismäßig stark verbreitet.

LoL Worlds 2020: Darum ist NA so schlecht – Fazit und Lösungen für Amerika

Die Probleme und Ursprünge des nordamerikanischen Versagens liegen in der dortigen Infrastruktur und Mentalität begründet. In NA muss ein Sinneswandel stattfinden. So sollten die Lichtblicke Cloud 9 und Team Liquid genauer analysiert werden und Schlüsse aus deren Erfolg gezogen werden. Ein Anfang wäre es, die Amateurszenen stärker zu fördern und klarzustellen, dass Spieler, die auf ihrem Geldberg sitzen, nichts in der Region verloren haben. NA braucht einen Generationswechsel, angeführt von erfahrenen Spielern wie einem Jensen oder auch Neuerungen im Staff durch Menschen, die schon länger in der Szene involviert sind. Team Liquids Coach und ehemaliger Caster „TSM-Jatt“ ist mit seinem Team auf einem guten Weg.

Rubriklistenbild: © LoLEsport / TSM / FlyQuest / Team Liquid / Pixabay (Montage)

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