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So laufen Spielertransfers in der LEC hinter den Kulissen

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LEC
Finn wurde nach einem Jahr in Nordamerika wieder in der LEC unter Vertrag genommen. (Archivbild) © Riot Games/dpa

Die Transfersaison in der LoL-Liga LEC neigt sich dem Ende zu, die Teams sind gefüllt. Spieler-Wechsel sind hier gang und gäbe - doch wie sieht das eigentlich hinter den Kulissen aus?

Berlin - Sie gehört zu den aufregendsten Zeiten im E-Sport League of Legends: die Transferphase. Zwischen Weltmeisterschaft und Jahreswechsel werden Spieler ge- und verkauft, Trainer wechseln ihre Posten und Fans spekulieren wild in den sozialen Medien.

Doch bis ein Spieler ein neues Team hat, passiert viel hinter den Kulissen. Laut Regelwerk begann das Transfer-Fenster in diesem Jahr offiziell am 16. November.

Über Spieler-Wechseln wird jedoch oft schon vorher entschieden. „Während der Saison haben viele Teams feste Termine, an denen sie einen Spieler verlängern oder nicht verlängern“, sagte MAD Lions' Head of Player Development Patrick „Pad“ Suckow-Breum im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur. Ob ein Team einen neuen Spieler verpflichtet, stehe meist am Jahresende fest.

Daten sind der Schlüssel zum Erfolg

Die Organisationen suchen dann nach Spielern, die zum etablierten Spielstil und dem Team passen. Daten und Statistiken stehen hier häufig an erster Stelle. Dabei sei es wichtig, die Statistiken mit dem tatsächlichen Spielstil abzugleichen, sagte Pad. „Wir sehen uns mehr als 20 Spiele an, um zu prüfen, ob jemand der Spieler ist, den wir suchen.“ Ähnlich laufe es auch bei Team Vitality, sagte deren Mitgründer Fabien „Neo“ Devide.

Die Kontaktaufnahme unterscheidet sich je nach Spielerstatus. „Wenn man unter Vertrag steht, müssen alle Gespräche über das eigene Team laufen“, sagte Toplaner Finn „Finn“ Wiestål von Excel im Gespräch mit dpa. „Als freier Spieler ist man selbst für den Prozess verantwortlich.“ Inzwischen arbeiten viele der Profi-Spieler auch mit Agenturen, die Kommunikation und Vertragsverhandlungen abwickeln.

MAD Lions ohne Tryouts

Hat ein Spieler das Interesse von Organisationen geweckt, folgt häufig eine Einladung zu sogenannten Tryouts (Probetrainings).

„Normalerweise ist es so, dass ein Team Interesse an mehreren Spielern in verschiedenen Rollen hat und diese entweder gegeneinander oder gegen andere Teams antreten lässt, die ebenfalls gerade Tryouts durchführen“, sagte Finn. Die Dauer dieser Probetrainings kann sich dabei von wenigen Tagen bis mehrere Wochen bewegen.

Einen anderen Ansatz verfolgt MAD Lions: Der LEC-Titelverteidiger verzichtet auf Tryouts im Auswahlprozess. „Man wird einen völlig anderen Spieler vor sich haben“, begründet Pad die Entscheidung. In den Probetrainings sei es leicht, Fehler zu verstecken. „Das gibt einem in der Regel eine falsche Vorstellung davon, wie der Spieler wirklich ist.“

Entscheidung mit dem gesamten Team

Auch der weitere Bewerbungsprozess verläuft unterschiedlich. Während MAD ausgedehnte Gespräche führt, steht für Excels Head Coach Joey „YoungBuck“ Steltenpool die Spielpraxis im Vordergrund. „Das Beste ist zu sehen, wie ein Spieler spielt und sich in Gesprächen während des Spiels verhält.“ Ein Treffen mit den Team-Verantwortlichen sei dennoch Standard, so Finn. „Ich sehe es immer als ein offenes Gespräch, weil ich auch Fragen stelle.“

In der finalen Phase macht das Management zwar Budgetvorgaben, die endgültige Entscheidung für einen Spieler fällt aber normalerweise der Head Coach. Die bestehenden Spieler werden dabei jedoch häufig mit eingebunden. „Sie bekommen ein zusätzliches Gefühl für die Synergie während des Spiels“, so YoungBuck. Laut Pad seien das Einblicke, die der Trainer-Stab einfach nicht hat.

Turbulente Zeit für Teams und Spieler

Im letzten Schritt müssen die Spieler und Teams von Riot noch auf ihre Spielberechtigung geprüft werden. Dabei gehe es unter anderem auch darum zu kontrollieren, ob Spieler sich auf ihrem Account toxisch verhalten haben, so Pad. Deshalb stehen unter vielen Teamankündigungen auch die Worte „pending Riot approval“. Sobald die Prüfung erfolgt ist, werden die Spieler in die öffentlich einsehbare Vertragsdatenbank (Global Contract Database) aufgenommen.

In dem ganzen Prozess läuft aber auch nicht immer alles glatt. Nicht nur die Organisationen haben in der Off-Season mit Deadlines und Entscheidungen zu kämpfen. „Für viele Spieler ist es eine sehr turbulente Zeit, denn es herrscht große Unsicherheit. Man hat keine wirkliche Ahnung, was passieren wird“, beschreibt Finn die Situation. dpa

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